Trimipramin zur Migräneprophylaxe: Dosierung und Anwendung

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, anfallsartige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Die Schmerzen sind oft einseitig, pulsierend und werden von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet. Trimipramin, ein trizyklisches Antidepressivum, kann zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden, insbesondere wenn die Migräne mit depressiven Verstimmungen, Angstzuständen oder Schlafstörungen einhergeht.

Was ist Trimipramin?

Trimipramin gehört zur ältesten Gruppe der Antidepressiva, den sogenannten trizyklischen Antidepressiva (TZA). Es wirkt stimmungsaufhellend, angstlösend, schlaffördernd und beruhigend. Im Gegensatz zu anderen trizyklischen Antidepressiva hemmt Trimipramin nicht primär die Wiederaufnahme der Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin, sondern blockiert die Rezeptoren von Serotonin, Acetylcholin und Histamin. Es hemmt auch die Freisetzung von Stresshormonen und blockiert Dopamin-D2-Rezeptoren.

Anwendungsgebiete von Trimipramin

Trimipramin wird aufgrund seiner antidepressiven, beruhigenden, schlafanstoßenden und angstlösenden Wirkung eingesetzt bei:

  • Depressiven Erkrankungen mit den Leitsymptomen innere Unruhe, Angst und Schlafstörungen
  • "Off-label" im Rahmen einer langfristigen Schmerztherapie, um die Wirkung von Schmerzmitteln zu fördern und die Schmerzwahrnehmung zu distanzieren
  • "Off-label" zur Behandlung von Entzugssymptomen (Angst, Unruhe) bei Opioidabhängigkeit

Trimipramin zur Migräneprophylaxe

Obwohl Trimipramin nicht primär zur Migräneprophylaxe zugelassen ist, kann es aufgrund seiner angstlösenden, stimmungsaufhellenden und schlaffördernden Eigenschaften bei Migränepatienten mit Begleiterkrankungen wie Depressionen oder Schlafstörungen eingesetzt werden. Es kann helfen, die Häufigkeit, Dauer und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren.

Dosierung von Trimipramin bei Migräne

Die Dosierung von Trimipramin zur Migräneprophylaxe ist individuell verschieden und wird vom behandelnden Arzt festgelegt. Üblicherweise wird mit einer niedrigen Dosis von 25 bis 50 mg pro Tag begonnen. Bei Bedarf kann die Dosis nach Anweisung des Arztes langsam erhöht werden, bis zu einer Tagesgesamtdosis von 100 bis 150 mg bei mittelschweren Beschwerden und bis zu 300 bis 400 mg bei schweren depressiven Episoden. Die Tageshöchstdosis liegt bei 400 mg.

Lesen Sie auch: Trimipramin im Detail

Aufgrund der stark beruhigenden Wirkung sollte die Hauptdosis am Abend eingenommen werden. Bei älteren Patienten sowie bei Patienten mit einer Leber- oder Nierenschwäche ist eine Dosisanpassung erforderlich.

Art und Dauer der Anwendung

Trimipramin ist in Form von Tabletten, Tropfen oder Lösung erhältlich. Die Tabletten werden unzerkaut mit einem Glas Wasser während oder nach den Mahlzeiten eingenommen. Die Tropfen oder die Lösung können in einem halben Glas Wasser verdünnt und eingenommen werden.

Um eine wirksame Therapie zu erzielen, ist eine Trimipramin-Behandlung von vier bis sechs Wochen erforderlich. In diesem Zeitraum sollte sich die Stimmungslage normalisieren.

Wird die Behandlung mit Trimipramin beendet, ist ein langsames Absetzen des Medikaments empfehlenswert (schrittweise Verringerung der Dosis), um Stimmungsschwankungen, Unruhe, grippeähnliche Symptome und eine erhöhte Suizidgefahr zu vermeiden.

Was ist vor der Einnahme von Trimipramin zu beachten?

Bevor Sie mit der Einnahme von Trimipramin beginnen, sollten Sie Ihren Arzt oder Apotheker informieren, wenn Sie:

Lesen Sie auch: Trimipramin bei chronischen Schmerzen

  • allergisch gegen Trimipramin, andere trizyklische Antidepressiva oder einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels sind
  • an akuten Alkohol-, Schlafmittel-, Schmerzmittel- oder Psychopharmakavergiftungen leiden
  • an akuten Verwirrtheitszuständen leiden
  • an unbehandeltem erhöhten Augeninnendruck (Engwinkelglaukom) leiden
  • an Harnentleerungsstörungen, wie Harnverhalt oder Vergrößerung der Vorsteherdrüse (Prostatahyperplasie) mit Restharnbildung leiden
  • vor Kurzem einen Herzinfarkt erlitten haben
  • an Einengung des Magenausgangs (Pylorusstenose) leiden
  • an Darmlähmung und Darmverschluss (paralytischer Ileus) leiden
  • gleichzeitig sogenannte irreversible MAO-Hemmer einnehmen

Trimipramin darf nur unter besonderer Vorsicht angewendet werden bei:

  • Vergrößerung der Vorsteherdrüse (Prostatahyperplasie) ohne Restharnbildung
  • erhöhter Krampfbereitschaft (z. B. bei Epilepsie)
  • schweren Leber- oder Nierenschäden
  • bestehender Leistungsverminderung des blutbildenden Systems bzw. Blutbildungsstörungen in der Vorgeschichte
  • gleichzeitiger Einnahme von sogenannten „reversiblen MAO-Hemmern“
  • älteren Patienten, die besonders empfindlich auf Beruhigungsmittel reagieren und zu Blutdruckabfall beim Übergang vom Liegen zum Stehen und chronischer Verstopfung neigen
  • verlangsamtem Herzschlag (Bradykardie)
  • bestimmten Herzerkrankungen (angeborenes langes QT-Syndrom oder andere klinisch bedeutsame Herzschäden, insbesondere Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße, Erregungsleitungsstörungen, Herzrhythmusstörungen)
  • gleichzeitiger Behandlung mit Arzneimitteln, die ebenfalls Veränderungen im EKG (QT-Intervall-Verlängerung) bewirken, einen verlangsamten Herzschlag oder eine Verminderung des Kaliumgehalts im Blut (Hypokaliämie) hervorrufen können
  • bestehenden Elektrolytstörungen (z. B. verminderter Kalium- oder Magnesiumgehalt im Blut)
  • gleichzeitiger Behandlung mit Arzneimitteln, die das Risiko erhöhen können, ein Serotonin-Syndrom zu entwickeln.

Beim Auftreten von manischen Verstimmungen muss Trimipramin abgesetzt und eine geeignete Behandlung durchgeführt werden. Unter der Behandlung mit Trimipramin sollten regelmäßige Laborkontrollen mit Blutbildern und Leberenzymbestimmungen durchgeführt werden. Da Trimipramin möglicherweise die Krampfschwelle erniedrigt, wird bei Epileptikern oder Verdacht auf Epilepsie eine EEG-Überwachung empfohlen. Wenn Krämpfe auftreten, muss die Behandlung beendet werden.

Wenn Sie depressiv sind, können Sie manchmal Gedanken daran haben, sich selbst zu verletzen oder Suizid zu begehen. Solche Gedanken können bei der erstmaligen Anwendung von Antidepressiva verstärkt sein, denn alle diese Arzneimittel brauchen einige Zeit bis sie wirken, gewöhnlich etwa zwei Wochen, manchmal auch länger. Gehen Sie zu Ihrem Arzt oder suchen Sie unverzüglich ein Krankenhaus auf, wenn Sie zu irgendeinem Zeitpunkt Gedanken daran entwickeln, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen.

Ein plötzliches Beenden einer längerfristigen hochdosierten Behandlung mit Trimipramin sollte vermieden werden, da hier mit Absetzerscheinungen wie Kopfschmerzen, Angst, Unruhe, Schweißausbrüchen, Übelkeit, Erbrechen und Schlafstörungen gerechnet werden muss.

Trimipramin sollte nicht zur Behandlung von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren angewendet werden. Bei herzkranken und älteren Patienten sollte die Herzfunktion regelmäßig kontrolliert werden.

Lesen Sie auch: CBD-Öl: Dosierung und Anwendung bei Epilepsie

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen/anwenden, kürzlich andere Arzneimittel eingenommen/angewendet haben oder beabsichtigen andere Arzneimittel einzunehmen/anzuwenden.

Die Wirkung von Alkohol und die gleichzeitige Anwendung von anderen zentral dämpfend wirkenden Arzneimitteln (Morphin-Abkömmlinge, Schlaf- und Beruhigungsmittel, sedierende Antihistaminika, Neuroleptika, zentral wirkende Antihypertensiva, Baclofen, Thalidomid) können zu einer verstärkten Dämpfung des zentralen Nervensystems führen. Der Konsum von alkoholischen Getränken und anderen alkoholhaltigen Arzneimitteln sollte während der Behandlung mit Antidepressiva vermieden werden.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Baclofen kann es zu einem reduzierten Spannungszustand der Muskulatur kommen. Bei gleichzeitiger Verabreichung anderer Substanzen, die ebenfalls die Wirkung von Acetylcholin unterdrücken (anticholinerg wirken), ist mit einer Verstärkung zentraler Effekte (insbesondere Delir) zu rechnen. Trimipramin kann die unerwünschten peripheren Wirkungen von atropinartigen Arzneimitteln verstärken.

Die Wirksamkeit von Substanzen, die direkt oder indirekt zu einer Erregung des Sympathikus führen (sympathomimetische Amine), kann durch gleichzeitige Gabe von Trimipramin verstärkt werden. Es kann zu anfallsartigem Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen kommen.

Sogenannte irreversible MAO-Hemmer müssen mindestens 14 Tage vor Beginn der Therapie mit Trimipramin abgesetzt werden. Eine zusätzliche Gabe von „reversiblen MAO-Hemmern“ ist im Einzelfall unter Beachtung aller notwendigen Vorsichtsmaßnahmen und bei langsamer Dosissteigerung möglich. Sogenannte „nicht selektive MAO-Hemmer“ sollten wegen möglicher Effekte auf den Blutdruck nicht mit trizyklischen Antidepressiva, wie Trimipramin, eingenommen werden.

Bei gleichzeitiger oder vorausgegangener Anwendung von Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern kann es zu einem Anstieg der Blutspiegel beider Antidepressiva kommen. Eine gleichzeitige Anwendung erfordert eine verstärkte Kontrolle durch Ihren Arzt und gegebenenfalls eine Dosisreduktion von Trimipramin bzw. des Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmers.

Die gleichzeitige Anwendung mit anderen sogenannten serotonergen Wirkstoffen kann zum Auftreten eines Serotonin-Syndroms führen. Beispiele für solche Arzneimittel sind: Triptane, andere Arzneimittel zur Behandlung von Depressionen, Arzneimittel, die Linezolid enthalten, Arzneimittel, die Tramadol enthalten, Präparate, die L-Tryptophan enthalten, Präparate, die Johanniskraut enthalten, Buprenorphin.

Trimipramin kann die Wirksamkeit von Blutdrucksenkern vom Typ des Guanethidin bzw. Clonidin abschwächen, mit der Gefahr einer überschießenden Blutdruckerhöhung bei mit Clonidin behandelten Patienten. Bei gleichzeitiger Einnahme von blutdrucksenkenden Arzneimitteln (außer Clonidin und verwandten Substanzen) kann deren blutdrucksenkende Wirkung verstärkt werden. Es besteht ein erhöhtes Risiko für einen plötzlichen Blutdruckabfall beim Übergang vom Liegen zum Stehen.

Vermeiden Sie die gleichzeitige Anwendung von Arzneimitteln, die ebenfalls Veränderungen im EKG (QT-Intervall-Verlängerung) bewirken, zu einer Verminderung des Kaliumgehalts im Blut führen, zu einem verlangsamten Herzschlag führen oder den Abbau von Trimipramin durch die Leber hemmen können.

Trimipramin kann die Wirksamkeit von Mitteln gegen Herzrhythmusstörungen (Antiarrhythmika) verstärken. Bei einer Kombinationstherapie mit Neuroleptika kann es zur Erhöhung der Plasmakonzentration des trizyklischen Antidepressivums kommen. Auch bei einer zugleich bestehenden Therapie mit Cimetidin kann die Plasmakonzentration trizyklischer Antidepressiva erhöht werden.

Die Dosierung von Antiepileptika ist ggf. anzupassen, da Trimipramin die Krampfschwelle erniedrigen kann und mit einer erhöhten Krampfbereitschaft zu rechnen ist. Diese Patienten sind klinisch zu überwachen. Bei Gabe von Gerbsäure aus schwarzem Tee kann die Resorption vermindert werden.

Nebenwirkungen von Trimipramin

Sehr häufige Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Benommenheit, Schwindel, Verstopfung, Appetit- und Gewichtszunahme, Mundtrockenheit, Schwitzen und Anpassungsschwierigkeiten der Augen an Nah- und Fernsicht (Akkomodationstörungen).

Häufige Nebenwirkungen von Trimipramin sind Allgemeinsymptome wie innere Unruhe, Schlafstörungen, Übelkeit und Magenschmerzen, die aber auch auf die Depression selbst zurückzuführen sein können.

Weitere mögliche Nebenwirkungen sind sexuelle Funktionsstörungen, Hautausschläge und Störungen der Blasenentleerung (Miktionsstörungen). Selten kann Trimipramin zu Verwirrtheit, Blutbildveränderungen, Leberfunktionsstörungen, Ohrgeräusche (Tinnitus), Darmverschluss (Ileus), Haarausfall und Harnverhalt (Unvermögen, Wasser zu lassen) führen.

Trimipramin in Schwangerschaft und Stillzeit

In der Schwangerschaft und während der Stillzeit darf Trimipramin nicht angewendet werden, da dazu keine Erfahrungen vorliegen. Im Tierversuch ergaben sich Hinweise auf Embryoletalität und Missbildungen.

Wichtige Hinweise

  • Das Reaktionsvermögen kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch beeinträchtigt sein. Achten Sie vor allem darauf, wenn Sie am Straßenverkehr teilnehmen oder Maschinen bedienen.
  • Vermeiden Sie die Einnahme von Alkohol.
  • Patienten mit Engwinkelglaukom haben ein erhöhtes Risiko.
  • Durch plötzliches Absetzen können Probleme oder Beschwerden auftreten. Deshalb sollte die Behandlung langsam, das heißt mit einem schrittweisen Ausschleichen der Dosis, beendet werden.
  • Das Arzneimittel enthält in geringen Mengen Alkohol, sollte deshalb von Alkoholikern gemieden werden.
  • Es kann Arzneimittel geben, mit denen Wechselwirkungen auftreten. Sie sollten deswegen generell vor der Behandlung mit einem neuen Arzneimittel jedes andere, das Sie bereits anwenden, dem Arzt oder Apotheker angeben.

tags: #trimipramin #dosierung #bei #migrane