Trinken bei spastischen Kindern: Herausforderungen und Hilfestellungen im Alltag

Das Leben mit einer Spastik, insbesondere bei Kindern, ist oft mit vielfältigen Herausforderungen verbunden. Diese Herausforderungen betreffen nicht nur die Bewegungsabläufe, sondern können auch alltägliche Aufgaben erschweren oder gar unmöglich machen. Die Ausprägung der Spastik und ihre Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen sind dabei sehr individuell und hängen maßgeblich von der Lokalisation und dem Ausmaß der Erkrankung ab. Viele Aspekte des alltäglichen Lebens können sich schwierig und mühselig anfühlen oder gar unmöglich werden. Glücklicherweise gibt es zahlreiche Hilfestellungen und Therapieansätze, die Kindern mit Spastik und ihren Familien den Alltag erleichtern können.

Herausforderungen im Alltag mit Spastik

Je nach Lokalisation und Ausmaß der Spastik können die Auswirkungen von leichten Behinderungen bei täglichen Abläufen bis hin zu schweren Einschränkungen im Privat- und Berufsleben reichen. Betroffene benötigen möglicherweise Hilfe bei Tätigkeiten, die sie zuvor selbstständig ausüben konnten, wie beispielsweise die tägliche Hygiene, die Zubereitung einer Mahlzeit oder das Ankleiden. Auch die Ausübung des Berufs kann erschwert sein oder gar unmöglich werden.

Unterstützung und Therapie

Betroffene müssen sich mit einer Spastik nicht alleine auseinandersetzen. Spezialisierte Ärzte, Physio- und Ergotherapeuten sowie Selbsthilfeorganisationen stehen mit Rat und Tat zur Seite. Durch die ständige Weiterentwicklung und Erforschung moderner Therapieverfahren ist die Spastik zwar nicht heilbar, aber inzwischen gut behandelbar. Es empfiehlt sich, das Gespräch mit dem Hausarzt zu suchen und sich mit anderen Betroffenen in entsprechenden Communities auszutauschen.

Um die Herausforderungen des Alltags besser zu meistern, stehen für viele Bereiche des täglichen Lebens Hilfsmittel zur Verfügung. Der Einsatz dieser Hilfsmittel kann Betroffenen wieder zu mehr Selbstständigkeit verhelfen und die Teilnahme am Familien- und Sozialleben erleichtern. Viele dieser Hilfsmittel sind darauf ausgerichtet, mit nur einer Hand verwendet zu werden und Tätigkeiten zu ermöglichen, die sonst nur mit zwei Händen möglich sind.

Hilfsmittel für verschiedene Lebensbereiche

Kochen und Essen

Mit einer spastischen Lähmung kann es schwierig sein, sich selbst zu versorgen. Verschiedene Hilfsmittel rund um und in der Küche ermöglichen es, wieder kleine Handgriffe selbst durchzuführen. Diese Spastik-Hilfsmittel helfen den Betroffenen sowohl beim Zubereiten als auch beim Verzehr der Speisen.

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  • Brotschneidebrett: Fixiert das Brot durch eine spezielle Halterung, sodass es nicht verrutschen kann. Ermöglicht das Brotschneiden mit einer Hand.
  • Tellerranderhöhung: Hilfreich, um Essen mit nur einer Hand auf Löffel oder Gabel zu befördern. Sie lässt sich einfach an einem Teller befestigen. Alternativ dazu kann ein tiefer Teller mit einem Gegenstand wie einer Gabel erhöht werden.
  • Einhand-Deckelabschrauber: Bietet durch die vergrößerte Oberfläche mehr Grifffläche und erleichtert es, auch mit geringer Fingerfertigkeit eine Flasche zu öffnen.
  • Schneidebretter mit Gemüsehalter: Diese speziellen Schneidebretter können mittels Saugnapf oder Schraubzwinge am Küchenarbeitsplatz befestigt werden. Kleine Metallspitzen ermöglichen es, Gemüse einfach darauf zu befestigen, wodurch das Schälen oder Schneiden auch mit einer Hand gelingt.
  • Einhänderbrett: Hat spezielle Leisten, mit denen es am Tischrand eingehakt werden kann. Auf diese Weise kann es z. B. beim Brotschmieren nicht verrutschen.
  • Spezial-Besteck: Der Gebrauch von besonderem Besteck, das sich hinter dem Griff beliebig verbiegen lässt, entlastet die Hand beim Essen.

Körperhygiene und Ankleiden

Mit einer Spastik können die Körperhygiene und das Ankleiden aufgrund von eingeschränkter Beweglichkeit, Fehlstellungen oder geringer Feinmotorik schwierig sein. Auch hier stehen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung, um Betroffenen zu mehr Selbstständigkeit zu verhelfen.

  • Bürsten und Badeschwämme: Am Schwamm befestigte Halterungen oder Verlängerungsarme ermöglichen es, weit entfernte Körperregionen wie Beine oder gar den Rücken mit einer Hand einzuschäumen.
  • Knöpfhilfe: Mit einer sogenannten Knöpfhilfe wird das Zu- und Aufknöpfen sowie die Handhabung von Reißverschlüssen vereinfacht. Es ist somit auch mit einer Hand oder stark eingeschränkter Fingerfertigkeit möglich.
  • Schuhlöffel: Ein langer Schuhlöffel ermöglicht das Schuhanziehen bei eingeschränkter Mobilität. Somit können Schuhe mit nur einer Hand angezogen werden.

Greifen und Aufschließen

Das Greifen nach Gegenständen auf dem Boden oder das Türaufschließen können durch die eingeschränkte Beweglichkeit bei einer Spastik erschwert sein. Verschiedene Spastik-Hilfsmittel für die Hand können das Greifen erleichtern.

Kommunikation

Das Bedienen von Telefon oder Computer kann durch die eingeschränkte Motorik erschwert sein und die alltägliche Kommunikation einschränken. Verschiedene Hilfsmittel machen es möglich, diese Geräte wieder zu bedienen und so verstärkt am sozialen Leben teilzuhaben.

  • Großtastentelefon: Große Tasten erleichtern die Handhabung des Telefons und ermöglichen die einhändige Bedienung.
  • Mausersatzgeräte: Beispielsweise können Tastenmäuse die Bedienung des Computers erleichtern und die handelsübliche Maus ersetzen. Sie ermöglichen die Bedienung mit nur einem Finger und vermeiden so ungewolltes Tastendrücken.

Orthesen

Orthesen können dazu beitragen, bestimmte Körperregionen zu unterstützen. Auf diese Weise können Bewegungen kontrollierter ausgeführt und damit erleichtert werden. Es ist ratsam, mit dem Arzt zu besprechen, welche Orthese am besten geeignet ist. Eine Orthese ist ein medizinisches Hilfsmittel, das industriell oder von einem Orthopädietechniker auf ärztliche Verordnung angefertigt wird.

Übungen für zu Hause

Um die Beweglichkeit zu verbessern oder eine akute Spastik zu lösen, können verschiedene Übungen auch zu Hause durchgeführt werden. Regelmäßiges Üben kann die Beweglichkeit der spastischen Körperregion verbessern und die Beschwerden der Betroffenen lindern. Zudem wird die Wahrnehmung gestärkt und der Blick für den eigenen Körper geschult. Dabei sollte auch immer auf ausreichend Ruhepausen für den Körper geachtet werden. Die Verbesserung der Bewegungsabläufe erfolgt insbesondere im Rahmen der Physiotherapie und wird von einem spezialisierten Therapeuten begleitet.

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Berufliche Wiedereingliederung

Häufig kann sich der Wiedereinstieg in den Job mit einer dauerhaften spastischen Lähmung als schwierig erweisen. Aus den körperlichen Einschränkungen können auch psychische und emotionale Probleme resultieren. Dennoch ist es je nach Berufsfeld möglich, wieder in das Berufsleben zurückzufinden. Sogenannte Caremanager können beim beruflichen Wiedereinstig Unterstützung leisten. Sie stehen Betroffenen mit unterschiedlichen Einschränkungen zur Seite, wenn es darum geht, nach einem schweren gesundheitlichen Einschnitt den Weg zurück in das Erwerbsleben zu finden. Caremanager sind speziell dafür ausgebildet, Betroffene emotional, körperlich und organisatorisch in ihrem Berufs- und Privatleben zu unterstützen.

Care-Management

Care-Management umfasst pflegerische, soziale und organisatorische Tätigkeiten. Hierzu zählt z.B. die Kommunikation mit Arbeitgebern, Arbeitsamt und Versicherungen sowie die emotionale und körperliche Begleitung der Betroffenen bei beruflichen und/oder privaten Tätigkeiten. Auch in der medizinischen oder physiotherapeutischen Therapie können Betroffene von ihrem Care-Manager unterstützt werden (Einnahme von Medikamenten, Übungen). Für den Fall, dass aufgrund der körperlichen Einschränkungen ein Berufswechsel notwendig ist, können ebenfalls entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden. Neben Fortbildungen kann über den Care-Manager ein passender Ausbildungsplatz gefunden und damit eine berufliche Veränderung ermöglicht werden.

Finanzielle Unterstützung

Je nach Krankenkasse werden bestimmte Leistungen in der Therapie einer Spastik übernommen. Verschiedene Orthesen werden beispielsweise mit der Verschreibung vom Arzt von der Krankenkasse erstattet. Es lohnt sich aber auch für andere Leistungen bei der Krankenkasse nachzufragen. Dazu gehören die Physiotherapie sowie die medikamentöse Behandlung.

Schwerbehindertenausweis und Rente

Ist das tägliche Leben durch eine spastische Lähmung dauerhaft eingeschränkt, kann diese als Schwerbehinderung gelten. Dafür muss der Grad der Behinderung (GDB) auf einer Skala von 20 bis 100, bei mindestens 50 liegen. Mit dem Erhalt eines Schwerbehindertenausweises stehen den Betroffenen auch Nachteilsausgleiche zu. Dazu gehören beispielsweise Vergünstigungen bei der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln oder bei Eintrittspreisen, sowie die Bevorzugung bei Bewerbungsgesprächen. Sollte der Beruf nicht wieder aufgenommen werden können, steht Betroffenen eine Rente zu. Dabei wird je nach Grad der Arbeitsunfähigkeit entschieden, ob eine Zeitrente oder eine lebenslange Rente ausgezahlt wird. Die Entscheidung wird allein von der Agentur für Arbeit getroffen.

Infantile Zerebralparese (ICP)

Die infantile Zerebralparese (ICP) beschreibt eine Schädigung des Gehirns im Mutterleib oder bis zum Säuglingsalter (< 2 Jahre), die mit bleibenden Einschränkungen einhergeht. Sie bezeichnet also eine nicht-fortschreitende Entwicklungsstörung im unreifen, sich entwickelnden Gehirn und ist die Hauptursache für Behinderungen im Kindesalter. Die Symptome sind vielseitig, abhängig von Ort, Ausmaß und Ursache der Schädigung im Gehirn. Die ICP betrifft ca. 2 von 1000 Neugeborenen. Frühgeborene Kinder und jene mit einem niedrigen Geburtsgewicht sind dabei häufiger betroffen.

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Ursachen der ICP

Die Ursachen der ICP sind vielfältig. Verschiedenste prä-, peri- oder neonatale (vor, während, nach der Geburt) Geschehnisse können für sich, oder in Kombination mit anderen Ursachen, das Gehirn schädigen. Nicht immer kann jedoch eine zerebrale Ursache ausfindig gemacht werden. Lange ging man davon aus, dass die Asphyxie (Sauerstoffmangel während der Geburt) Hauptursache der ICP sei. Heute weiß man, dass pränatale Faktoren eine größere Rolle spielen und Probleme während der Geburt nur zu ca. % für eine ICP verantwortlich sind.

Symptome der ICP

Die Gehirnschädigung bei ICP führt zur Beeinträchtigung der Bewegung (1. Motoneuron). Je nach Ort der Schädigung kommt es zu einer (spastischen) Parese der Arme, Beine, des Rumpfs oder des Gesichts. Charakteristisch für die infantile Zerebralparese sind folgende Symptome:

  • Spastische Lähmung (Parese): Spastik beschreibt einen pathologisch erhöhten Muskeltonus, meist gefolgt von Steifigkeit (Kontrakturen).
  • Athetose: Athetose bezeichnet eine Bewegungsstörung (Hyperkinesie/übermäßige Bewegungen), bei der langsame, unwillkürliche und wurmartige Bewegungen auftreten.
  • Ataxie: Ataxie beschreibt eine Störung der Koordination.

Abhängig von den Symptomen kann man verschiedene Formen der ICP unterscheiden: spastisches Diparese-Syndrom, spastisches Hemiparese-Syndrom, Tetraparese-Syndrom, athetoide Zerebralparese, ataktische Zerebralparese und Mischformen.

Zusatzbehinderungen / Begleiterscheinungen der ICP

Zusätzlich zu den Bewegungsstörungen können durch die Gehirnschädigung auch andere Symptome oder Begleiterkrankungen auftreten: Störung der Sinneswahrnehmung, Störungen der Raum- und Körperwahrnehmung, Kommunikationseinschränkung, beeinträchtigte orale Funktionen, vegetative und hormonelle Störungen, reduzierte Knochendichte und Epilepsie.

Diagnose und Schweregradeinteilung

Die Diagnosestellung erfolgt im ersten oder zweiten Lebensjahr anhand des klinischen Bildes, gegebenenfalls in Kombination mit bildgebenden Verfahren und anderen Zusatzuntersuchungen. Nach der Diagnosestellung erfolgt die Schweregradeinteilung durch die Abschätzung der motorischen Einschränkungen. Hierbei richtet man sich oft nach dem Gross Motor Function Classification System (GMFCS).

Therapie der ICP

Der Zerebralparese liegt eine einmalige, bereits geschehene Schädigung des Gehirns zu Grunde. Dieser Schaden kann im Nachhinein nicht mehr behoben werden, was eine kausale (ursächliche) Therapie unmöglich macht. Die Therapie der ICP erfolgt ausschließlich symptomatisch. Im Vordergrund steht die Behandlung der Bewegungsstörungen. Medikamente dienen dazu, Symptome wie Koordinations- und Tonusstörungen zu verbessern. Spastik kann nicht nur durch Medikamente, sondern auch mit lokalen Injektionen (Botulinumtoxin) therapiert werden. Bei Veränderungen des Skelettsystems, vor allem beim Auftreten von Fehlstellungen oder Deformitäten, ist es sinnvoll einen Orthopäden hinzuzuziehen.

Frühförderung und Therapieangebote

Besonders bei Kindern mit kognitiver Beeinträchtigung ist die Integration in speziellen Institutionen mit Frühförderungsprogrammen wichtig. Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie stehen genauso wie schulische Förderung und Alltagsbewältigung an der Tagesordnung. Aufgeteilt in unterschiedliche Disziplinen (Physio-, Ergo-, Logopädie) werden alle Störungen der Motorik (Bewegung) und Sprache behandelt.

Schluckstörungen (Dysphagie)

Verschiedenste Patientengruppen müssen häufig Einschränkungen bei Essen und Trinken in Kauf nehmen. Nicht alle lassen sich mit dem Begriff „Schluckstörung“ gleichsetzen. Im Zusammenhang mit einer muskulären Hypotonie und/oder einer schnellen Ermüdbarkeit der Muskulatur oder auch im Rahmen von kardialen Erkrankungen kann das Kind zwar motorisch adäquat saugen und schlucken oder kauen, es ermüdet jedoch sehr schnell. Deshalb beendet es die Mahlzeit nach wenigen Schlucken oder Bissen und schläft erschöpft ein, bevor es gesättigt ist.

Unterstützung bei Schluckstörungen

Viele der im engeren Sinn funktionellen Hilfen können Essen und Trinken unterstützen. Sie kann dafür sorgen, dass das Kind die angereichte Nahrung mit allen Sinnen erfassen, d.h. gut sehen, riechen und auch berühren kann. Die Mutter kann ihrem Kind helfen, in einer gut aufgerichteten Haltung so selbstständig wie möglich zu essen. Ein Elternteil kann als emotional sicherer und funktionell sinnvoller „Stuhl“ dienen und so vor allem für eine leicht rotierte Sitzposition sorgen, die eine gute Hilfe dafür bietet, Kauen zu erlernen. Sie kann die Eltern in der Auswahl spezieller Hilfsmittel unterstützen, von denen der Markt eine breite Palette verschiedenster und nur z.T. sinnvoll einsetzbarer Produkte bereithält. Sie kann spezielle Maßnahmen aus dem Castillo Morales® - Konzept zur Unterstützung dieser Funktionen einsetzen, um auf dieser Ebene Mutter und Kind in eine langsam leichtere, entlastete Situation von Füttern, Essen und Trinken zu begleiten. Das Ziel ist neben der Gewichtszunahme vor allem die Zufriedenheit von Mutter und Kind mit der Situation und die Aufeinander-Bezogenheit der Beiden.

Spastik: Ursachen, Diagnose und Therapie

Bei einer Spastik sind Gelenke oder Körperabschnitte an den Muskeln steifer als normal. Die Bewegungen sind dadurch gestört - und je schneller Betroffene ein Gelenk bewegen, desto steifer wird es (spastische Tonuserhöhung). Oft kommen bei einer Spastik Schmerzen an betroffenen Muskeln oder Gelenken hinzu. Auch Lähmungen und einer vorzeitige Erschöpfbarkeit der Muskeln können auftreten. Eine bestehende Spastik kann sich durch Bewegungseinschränkung, Schmerzen, emotionale Anspannung, Entzündungen/Infekte, Stuhl- oder Harndrang, Hautschädigungen, Thrombosen oder Knochenbrüche verstärken. Nach einer Schädigung des Zentralnervensystems verändern sich auch Nerven, Muskeln und Weichteile, wodurch sich die mechanischen Eigenschaften und Strukturen in betroffenen Muskeln und Extremitäten ändern.

Diagnoseverfahren

Neben der körperlichen Untersuchung gibt es spezielle Diagnoseverfahren, um eine Spastik festzustellen. Hilfreiche Hinweise können im Einzelfall noch genetische Untersuchungen geben.

Therapieansätze

Für die Behandlung gibt es Therapien mit und ohne Medikamente. Günstige Effekte auf Spastik haben systematisches Arm-Basis-Training, häufige Wiederholungen und die Kombination mit muskulärer Elektrostimulation. Besonders wichtig ist die passive Muskelstreckung zusätzlich zur ausgewählten Standardtherapie. Für die Therapie von Standsicherheit, Gang, Treppensteigen oder der Arm-Hand-Funktion sieht man vielversprechende Verbesserungen bei einer Spastik durch den Einsatz von Robotern. Eine Lähmung ausgleichen und günstige Effekte auf die Muskelspannung und Muskellänge haben Schienen, Splints, Verbände (Casts) und Orthesen.

Elektrostimulation aktiviert über angeklebte Elektroden auf der Haut Nerven und Muskelfasern mit kleinen Strömen (transkutane elektrische Nervenstimulation, TENS). Hier gibt es positive Effekte auf Spastik und den Bewegungsumfang (ROM). Auch die funktionelle Elektrostimulation (FES) für Bewegungen, die vom Patienten ganz oder teilweise selbst ausgeführt werden, kann neben der Verbesserung motorischer Funktionen einen Spastik-mindernden Effekt aufweisen.

Eine spastische Tonuserhöhung lässt sich mit gezielten Magnetfeldreizen zur Stimulation ausgewählter Nerven, Nervenwurzeln oder Hirnarealen behandeln (periphere repetitive Magnetstimulation, prMS; repetitive transkranielle Magnetstimulation, rTMS). Stoßwellentherapie kann über Wochen anhaltend einen spastisch erhöhten Muskeltonus mindern mit einer begleitenden Erweiterung des Bewegungsumfangs (extrakorporale Stoßwellentherapie, ESTW).

Medikamentöse Behandlung

Für die Auswahl einer medikamentösen Behandlung ist entscheidend, wo die Spastik am Körper vorkommt und ob sich eine zugrundeliegende Schädigung im Rückenmark oder im Gehirn befindet. Mit Tabletten oder Spray (orale Therapie) werden vermehrte Muskelaktivität bei Spastik behandelt. Dantrolen bewirkt Muskelentspannung durch Hemmung der Freisetzung von Kalziumionen im Muskel. Sativex® ist ein Spray für die Mundhöhle und ausschließlich für die bei Multipler Sklerose auftretende spastische Tonuserhöhung zugelassen. Bei fokaler Spastik (ein oder zwei eng benachbarte Bewegungssegmente sind betroffen) kann Botulinumtoxin eingesetzt werden.

Zur Behandlung einer schweren Spastik kann man das Medikament Baclofen auch über ein spezielles Infusionssystem mit einer Pumpe einsetzen. Das Mittel wird dabei direkt in den Nervenwasserraum des Rückenmarks injiziert (intrathekal). Bei schwerster Spastik, die anders nicht zu behandeln sind, gibt es chirurgische Verfahren (dorsale Rhizotomie oder Eingriffe in der Eintrittszone der Hinterwurzel ins Rückenmark).

Flüssigkeitszufuhr bei Kindern mit Spastik

Ein wichtiger Aspekt, der bei Kindern mit Spastik oft übersehen wird, ist die ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Aufgrund von motorischen Einschränkungen, Schluckbeschwerden oder Schwierigkeiten bei der Kommunikation kann es für diese Kinder schwierig sein, ausreichend zu trinken. Eine Dehydration (Exsikkose) kann jedoch zu einer Verschlechterung der Spastik, Müdigkeit, Verstopfung und anderen gesundheitlichen Problemen führen.

Ursachen und Anzeichen von Dehydration

Eine Exsikkose entsteht durch Dehydratation und tritt häufig bei älteren Menschen auf, kann aber auch Kinder mit Spastik betreffen. Bei der hypotonen Dehydratation verliert der Organismus mehr Salz als Wasser. Bei der hypertonen Dehydratation geht hingegen mehr Wasser als Salz verloren.

Maßnahmen zur Verbesserung der Flüssigkeitszufuhr

  • Regelmäßige Angebote: Bieten Sie Ihrem Kind regelmäßig Getränke an, auch wenn es nicht danach verlangt.
  • Geeignete Trinkgefäße: Verwenden Sie Trinkgefäße, die für Ihr Kind leicht zu handhaben sind, z. B. Becher mit Griffen, Trinkhalme oder spezielle Trinkflaschen.
  • Abwechslung: Bieten Sie verschiedene Getränke an, um das Interesse Ihres Kindes zu wecken, z. B. Wasser, Saftschorlen, ungesüßte Tees oder verdünnte Smoothies.
  • Angedickte Flüssigkeiten: Bei Schluckbeschwerden können angedickte Flüssigkeiten leichter zu schlucken sein.
  • Flüssigkeitsreiche Nahrung: Bieten Sie Ihrem Kind flüssigkeitsreiche Nahrungsmittel an, wie z. B. Suppen, Joghurt, Obst oder Gemüse.
  • Trinkprotokoll: Führen Sie ein Trinkprotokoll, um den Überblick über die Flüssigkeitsaufnahme Ihres Kindes zu behalten.
  • Unterstützung: Helfen Sie Ihrem Kind beim Trinken, wenn es Schwierigkeiten hat, z. B. indem Sie den Becher halten oder den Trinkhalm führen.

Therapie bei Dehydration

Bei dehydrierten Patientinnen und Patienten ist die Therapie der Wahl eine kontrollierte Rehydratation, also die Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten. Die Betroffenen können entweder selbstständig trinken oder die Flüssigkeit in kleinen Mengen oral zugeführt bekommen. Das ist auch über Nahrungsmittel möglich, die viel Wasser enthalten. Bei kognitiven Störungen oder Schluckbeschwerden kann die Flüssigkeit über eine Infusion erfolgen - etwa subkutan unter der Haut.

Vorbeugung von Dehydration

Um einer Exsikkose vorzubeugen, ist es entscheidend, regelmäßig und ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Diese Tipps können dabei im Alltag helfen:

  • Aufklärung: Machen Sie sich bewusst, welche Folgen eine Austrocknung haben kann. Pflegebedürftige Menschen sollten ebenfalls über den Flüssigkeitsmangel aufgeklärt werden. Es ist wichtig, ihnen Ängste zu nehmen und gemeinsam Ziele zu setzen.
  • Trinkprotokoll: Dokumentieren Sie eine Zeit lang, wann Sie wie viel getrunken haben und welche Getränke Sie dabei zu sich genommen haben. Das hilft Ihnen zu identifizieren, was Sie gerne trinken und wann das Trinken für Sie gut funktioniert.
  • Trinkplan: Hier wird individuell festgelegt, wann Sie welche Getränke trinken sollten. Diese Routine kann Ihnen Sicherheit im Alltag geben. Sie ist vor allem für pflegebedürftige Personen sinnvoll und kann mit der Hausärztin / dem Hausarzt besprochen werden.
  • Rituale: Um das Trinken zur Gewohnheit zu machen, sollten Sie bestimmte Rituale einüben. Dazu gehört zum Beispiel, immer nach dem Aufstehen oder zu jeder Mahlzeit ein Glas Wasser zu trinken.
  • Getränke bereitstellen: Stellen Sie sich Getränke und Trinkgefäße in Sichtweite bereit, um an das Trinken erinnert zu werden. Bei pflegebedürftigen Personen sollte die Pflegekraft bereits am Morgen Getränke in Reichweite stellen.
  • Abwechslung: Variieren Sie die Art der Getränke, die Sie für sich oder eine pflegebedürftige Person bereitstellen. Beispielsweise können verschiedene Säfte und warme Getränke für Genuss und Abwechslung sorgen.
  • Ansprechende Optik: Ein kleines Glas mehrmals zu leeren kann leichter fallen, als ein großes Gefäß auf einmal zu leeren. Außerdem kann etwa die eigene Lieblingstasse zum Trinken motivieren.
  • Unterstützung beim Trinken: Pflegekräfte können geistig oder körperlich eingeschränkten Patienten beim Trinken helfen.

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