Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der in Deutschland etwa 18 Millionen Menschen betroffen sind. Die Anfälle können überfallartig auftreten und die Betroffenen stark beeinträchtigen. Ein wichtiger Aspekt im Umgang mit Migräne ist die Fahrtüchtigkeit, insbesondere im Zusammenhang mit der Einnahme von Triptanen.
Was ist Migräne?
Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Sie ist eine eigenständige neurologische Erkrankung, die oft mit Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit einhergeht. Die Schmerzen sind meist einseitig, stechend, hämmernd oder pulsierend. Viele Betroffene sind während eines Anfalls bettlägerig.
Petra Scheurer, eine 54-jährige Migränepatientin, beschreibt ihre Schmerzen als "Hämmern und Klopfen, einen Presslufthammer, der das Auge herausdrückt". Bei schweren Anfällen leidet sie unter Übelkeit, Kreislaufproblemen und Durchfall.
Triptane: Wirksame Hilfe bei Migräne
Triptane sind eine Gruppe von Medikamenten, die speziell zur Behandlung von Migräne entwickelt wurden. Sie wirken gezielt auf die Mechanismen, die bei der Entstehung der Migräne eine wesentliche Rolle spielen. Triptane können nicht nur die Schmerzen lindern, sondern auch die begleitende Übelkeit reduzieren.
Petra Scheurer fand durch Triptane endlich Linderung: "Sobald ich merkte: 'Aha, da kommt was', habe ich eine Tablette genommen und mich vielleicht eine halbe Stunde lang hingelegt. Danach war der Schmerz weg."
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Wie wirken Triptane?
Triptane sind Serotonin-Rezeptoragonisten, die eine erhöhte Spezifität für die 5-HT1B- und 5-HT1D-Rezeptorsubtypen aufweisen. Die Aktivierung von 5-HT1B-Rezeptoren führt zu einer Verengung der erweiterten Blutgefäße in der Hirnhaut.
Anwendung von Triptanen
Triptane werden am besten zu Beginn eines Anfalls eingenommen. Sie sind in verschiedenen Formen erhältlich, z.B. als Tabletten, Nasenspray oder Zäpfchen. Zwei der sieben Triptane sind in kleinen Packungsgrößen sogar rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.
Die empfohlene Dosis von Naratriptan beträgt 2,5 mg. Falls die Migräneschmerzen nach anfänglicher Besserung erneut auftreten, kann eine weitere Filmtablette eingenommen werden, vorausgesetzt, es sind mindestens 4 Stunden nach Einnahme der ersten Filmtablette vergangen. Die Gesamtdosis sollte 2 Filmtabletten zu 2,5 mg innerhalb von 24 Stunden nicht überschreiten.
Risiken und Nebenwirkungen von Triptanen
Obwohl Triptane wirksam und meist gut verträglich sind, sind sie nicht immer harmlos. Da sie die Blutgefäße verengen, dürfen Patienten mit Herzinfarkt in der Vorgeschichte oder schlecht eingestelltem Bluthochdruck die Mittel nicht einnehmen. Wer die Medikamente häufiger als an zehn Tagen im Monat einnimmt, läuft Gefahr, Dauerkopfschmerzen zu bekommen.
Häufige unerwünschte Wirkungen sind Kribbeln, Schwindel, Benommenheit, Übelkeit, Erbrechen, Hitzegefühl und Müdigkeit. Gelegentliche unerwünschte Wirkungen sind Sehstörungen, Bradykardie, Tachykardie, Herzklopfen, Schmerzen sowie Schwere-, Druck- oder Engegefühl.
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In sehr seltenen Fällen kann es unter Naratriptan zu Vasospasmus der Herzkranzgefäße, Angina pectoris und Herzinfarkt kommen.
Triptane und Schwangerschaft
Während der Schwangerschaft sollte eine akute Migräneattacke zunächst mit Analgetika wie Paracetamol und NSAR (Ibuprofen, Naproxen) behandelt werden. NSAR dürfen jedoch nicht nach der 28. SSW eingenommen werden. Die Anwendung von Naratriptan sollte bei Schwangeren nur dann in Betracht gezogen werden, wenn der zu erwartende Nutzen für die Mutter größer ist als jedes mögliche Risiko für das ungeborene Kind.
Migräne und Fahrtüchtigkeit
Migräneattacken und Medikamenteneinnahme zur Vorbeugung und Behandlung einer Migräne können die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Außerhalb von Migräneattacken können Betroffene ein Kraftfahrzeug in der Regel sicher führen. Bei einer Migräneattacke ist das aber meist nicht mehr möglich und dann auch nicht erlaubt.
Risiken beim Autofahren mit Migräne
Abhängig von den Symptomen ist es nicht immer möglich, während einer Migräne-Attacke sicher am Straßenverkehr teilzunehmen. Ein Anfall besteht in der Regel aus mehreren Phasen und kann wenige Stunden bis hin zu mehreren Tagen dauern.
Frühphase einer Migräne
In der Frühphase einer Migräne können Symptome wie Aura (Sehstörungen, Sprachstörungen, Hörstörungen, Taubheitsgefühl, Kribbeln), Müdigkeit, vermehrtes Gähnen, Heißhunger, Muskelverspannungen, Gereiztheit, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, Verdauungsprobleme und Schwindel auftreten. Treten diese Frühsymptome auf, sollten Sie Autofahren vermeiden, sich möglichst ausruhen und eventuell Akutmedikamente oder Schmerzmittel einnehmen.
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Kopfschmerzphase einer Migräne
Zu den möglichen Merkmalen der Kopfschmerzphase eines Anfalls zählen: Teils halbseitiger, pochender, intensiver Kopfschmerz, der sich bei Anstrengung verschlimmert, Übelkeit und/oder Erbrechen, Licht-, Geräusch- und Geruchsempfindlichkeit, starke Konzentrationsschwäche und Erschöpfung. Spätestens in dieser Phase ist eine Fokussierung auf komplexe Tätigkeiten wie das Autofahren nicht mehr uneingeschränkt möglich. Es ist deshalb dringend ratsam, das Fahrzeug stehen zu lassen.
Erholungsphase einer Migräne
Nach der Kopfschmerzphase setzt die Erholungsphase ein. Sie bringt häufig ein intensives Erschöpfungsgefühl mit sich. Es kann bis zu 48 Stunden dauern, bis man sich von einer Migräneattacke erholt hat.
Sonderformen der Migräne und Fahrtüchtigkeit
- Augenmigräne (ophthalmologische Migräne): Beschwerden wie ein Gesichtsfeldausfall, flimmernde Lichtblitze und sogar der Sehverlust auf einem Auge stehen im Vordergrund.
- Vestibuläre Migräne: Sie äußert sich durch plötzlich auftretenden Drehschwindel, der entweder in der Frühphase, während oder nach der Attacke auftritt.
- Familiäre hemiplegische Migräne (FHM): Zu Seh-, Empfindungs-, oder Sprachstörungen kommen motorische Beeinträchtigungen wie halbseitige Lähmungserscheinungen hinzu.
Während einer Schwindelattacke oder bei Lähmungserscheinungen ist die Fahreignung nicht gegeben.
Medikamente und Fahrtüchtigkeit
Die Behandlung mit Triptanen kann Schläfrigkeit verursachen und die Fähigkeit zur Bewältigung komplexer Aufgaben einschränken. Hinweise dazu sind in der Packungsbeilage des jeweiligen Medikaments enthalten. Es sollte möglichst mit dem Arzt und/oder Apotheker abgesprochen werden, ob Betroffene bei Einnahme eines bestimmten Medikaments ein Kraftfahrzeug führen können oder nicht.
Rechtliche Aspekte
Wer ein Kraftfahrzeug wegen einer Migräneattacke oder der Einnahme von Medikamenten zur Vorbeugung oder Behandlung von Migräneattacken nicht sicher führen kann und trotzdem damit am Straßenverkehr teilnimmt, muss mit einer Strafe wegen Gefährdung des Straßenverkehrs gemäß § 315c Abs. 1 Nr. 1 StGB rechnen.
Mit bestimmten Medikamenten im Blut ist es grundsätzlich auch dann nicht erlaubt zu fahren, wenn die Fahrtauglichkeit nicht eingeschränkt ist. Das geht dann nur, wenn sie ärztlich verordnet wurden und auch nur bei bestimmungsgemäßem Gebrauch für die Behandlung einer Krankheit.
Was tun bei Migräne und Autofahren?
- Stellen Sie bei sich kurz vor einer Autofahrt Symptome eines Migräneanfalls fest, versuchen Sie nach Möglichkeit auf öffentliche Verkehrsmittel auszuweichen.
- Eventuell fährt Sie eine befreundete Person nach Hause.
- Ist das nicht möglich, warten Sie ab, bis die Symptome nachgelassen haben und Sie wieder sicher fahren können.
- Tragen Sie Ihre Akutmedikamente immer bei sich, um den Anfall möglichst früh zu stoppen.
- Besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, ob Ihre Medikamente die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen.
Alternative Behandlungsmethoden bei Migräne
Neben der medikamentösen Behandlung gibt es auch alternative Behandlungsmethoden, die bei Migräne helfen können:
- Nicht-pharmakologische Maßnahmen: Minzöl, Entspannung, Biofeedback
- Akupunktur: Wirksam in der Behandlung einer akuten Migräne
- CEFALY®: Ein Gerät, das den Nervus supraorbitalis transkutan elektrisch stimuliert.
- Psychotherapie: Verfahren der kognitiven Verhaltenstherapie, wie z.B. Stressbewältigungstrainings oder das Erlernen von Techniken zum Abbau von Attackenangst.
- Ausdauersport: Regelmäßiger Ausdauersport kann prophylaktisch wirken.
- Ernährung: Eine zuckerarme, fettarme oder ketogene Diät kann in manchen Fällen effektiv sein.
Prophylaxe von Migräne
Bei einer hohen Anzahl von Migräneattacken pro Monat kommt die prophylaktische Therapie zum Einsatz. Diese soll langfristig die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen reduzieren.
Medikamentöse Prophylaxe
Verschiedene Medikamente, die ursprünglich gegen andere Erkrankungen eingesetzt werden, haben sich in der prophylaktischen Therapie der Migräne als wirksam erwiesen:
- Betablocker
- Antidepressiva
- Antiepileptika
- CGRP-Antagonisten: Antikörper gegen das Molekül CGRP (Calcitonin gene related peptide) oder seinen Rezeptor
Bei sehr häufigen Migräneattacken, also bei chronischer Migräne, kann das Nervengift Botulinumtoxin A an mehrere spezifische Stellen unter die Kopfhaut gespritzt wirken.
Nicht-medikamentöse Prophylaxe
- Ausdauersport, aber auch andere Sportarten
- Yoga
- Entspannungstechniken
- Biofeedback
- Akupunktur
- Änderung des Lifestyles und der Ernährung
Medikamenteninduzierter Kopfschmerz
Ein chronischer, d.h. mindesten 15 Tage pro Monat auftretender Kopfschmerz bei Übergebrauch von Schmerz- oder Migränemitteln (an 10-15 Tagen pro Monat, seit mindestens 3 Monaten). Laut DGN kann der Übergebrauch jeglicher Kopfschmerzmittel (Analgetika, Ergotamin, Triptane, Benzodiazepine, Opioide, Barbiturate) zur Entwicklung eines Kopfschmerzes führen.
Therapeutisch muss ein Medikamentenentzug erfolgen. Überbrückend müssen meist andere Medikamente, teilweise auch Cortison, eingesetzt werden.
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