Die Meningitis, auch Hirnhautentzündung genannt, ist eine Entzündung der Hirnhaut und ihrer Strukturen, die das Gehirn und das Rückenmark umgibt. Sie ist hoch ansteckend und kann oft tödlich verlaufen. Verschiedene Erreger können eine Hirnhautentzündung auslösen, wobei Menschen die Erreger in sich tragen und an andere Menschen weitergeben können, ohne selbst Symptome zu entwickeln. Immer wieder kommt es zu Meningitis-Epidemien, vor allem in afrikanischen Ländern. Bei einer Meningitis ist schnelles Handeln gefragt - sowohl bei der Behandlung als auch bei der Eindämmung von Epidemien.
Die Gefährlichkeit von Meningokokken
Meningokokken sind alles andere als harmlos. Die Infektion kann für Babys und Kleinkinder innerhalb von wenigen Stunden lebensbedrohlich werden. Obwohl die Erkrankung in Deutschland relativ selten ist, kann sie extrem gefährlich sein.
Warum Meningokokken so gefährlich sind
Die Komplikations- und Sterberate ist für diese Erkrankung relativ hoch. Trotz intensivmedizinischer Versorgung versterben zehn Prozent der Patienten. Jeder Fünfte, also 20 Prozent der Überlebenden, tragen Spätfolgen davon - etwa eine Schädigung des Hörorgans. Aber auch der Verlust von Gliedmaßen oder schwere Narbenbildungen sind möglich.
Etwa zehn bis 40 Prozent der gesunden Menschen tragen diese Erreger im Nasen-Rachenraum. Werden diese weitergegeben und/oder dringen in die Blutbahn ein, wird der Körper mit diesen Bakterien überschwemmt. Dadurch kann es zu einer Hirnhautentzündung und/oder Blutvergiftung kommen. Die Bakterien schütten Entzündungsstoffe aus, die das Blutgerinnungssystem durcheinanderbringen und im schlimmsten Fall zum Verlust von Gliedmaßen und auch zum Tod führen können.
Ansteckung und Risikogruppen
Anstecken kann man sich im direkten Kontakt durch Tröpfchen - also respiratorischen Sekreten, aus den Atemwegen eines Trägers. Auf diesem Weg dringen die Erreger dann in die Blutbahn ein und können das Immunsystem überrollen. Besonders Babys im ersten Lebenshalbjahr haben das allerhöchste Risiko, an einer invasiven Meningokokken-Erkrankung zu versterben, da ihr Immunsystem die Erreger noch nicht effektiv abwehren kann. Auch Jugendliche haben ein erhöhtes Risiko, weil in diesem Alter die Sozialkontakte intensiver werden und die Schleimhäute durch Diskobesuche und Zigarettenrauch geschädigt sein können.
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Symptome und Diagnose
Am Anfang sind die Anzeichen völlig unspezifisch und ähneln einem grippalen Infekt - mit Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen und Unwohlsein. Gerade bei Babys und Kleinkindern ist es extrem schwer zu erkennen, dass es sich eben nicht um einen harmlosen Infekt handelt. Der sogenannte Glas-Trick kann dabei helfen, harmlose Hautflecken von den für eine Meningokokken-Erkrankung typischen kleinen dunklen Flecken zu unterscheiden.
Wenn kleine blaue Punkte zu erkennen sind, die sich nicht mit einem Glas wegdrücken lassen, dann ist das ein Hinweis auf Petechien und allerhöchste Eile geboten, um ins Krankenhaus zu fahren! Generell gilt: Im Zweifelsfall lieber zum Arzt gehen, denn bei einer invasiven Meningokokken-Erkrankung ist eine ärztliche Behandlung immer notwendig.
Behandlung und Prävention
Die Therapie ist schwierig, da es sich um eine invasive Erkrankung mit sehr schnellem Verlauf handelt. Innerhalb weniger Stunden können die Betroffenen in einen sehr kritischen Zustand kommen. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika und weiteren intensivmedizinischen Maßnahmen. Impfen lassen ist also sicher der beste Rat.
Impfung gegen Meningokokken: Schutz und Grenzen
Es gibt verschiedene Serogruppen von Meningokokken, wobei in Deutschland die häufigsten Gruppen A, B, C, W und Y sind. Entsprechend gibt es verschiedene Impfungen:
- Die Einzel-Impfung gegen Serogruppe C wird aktuell von der Ständigen Impfkommission ab dem vollendeten zwölften Lebensmonat standardmäßig empfohlen.
- Darüber hinaus gibt es die Impfung gegen die Serogruppe B und die Kombinationsimpfung gegen ACWY.
Die aktuelle epidemiologische Situation in Deutschland zeigt, dass die Serogruppe B mit circa 60 Prozent für die meisten Erkrankungen hierzulande verantwortlich ist. Außerdem besteht die größte Gefahr für eine solche Erkrankung in den ersten sechs Lebensmonaten.
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Warum eine Hirnhautentzündung trotz Impfung auftreten kann
Eltern müssen wissen, dass die Impfung gegen C-Meningokokken nur einen Teilschutz gegenüber einer Meningokokken-Infektion gewährt. Dies liegt daran, dass C-Meningokokken nicht die einzigen Erreger der Hirnhautentzündung sind. Zwei Drittel der Erkrankungen gehen auf die gefährlichen B-Meningokokken zurück, vor denen die Meningokokken-C-Impfung nicht schützt. Zwar ist auch gegen B-Meningokokken ein Impfstoff erhältlich, aber die STIKO hat ihn noch nicht in ihre Impfempfehlungen aufgenommen.
Die Rolle der Ständigen Impfkommission (STIKO)
Die STIKO empfiehlt allgemein, dass Eltern ihre Säuglinge ab einem Alter von zwei Monaten gegen Meningokokken der Serogruppe B impfen lassen sollten. Nachholimpfungen sind bis zum 5. Geburtstag möglich und empfohlen. Im Oktober 2025 strich die STIKO eine Impfempfehlung für alle Kinder zu Beginn des zweiten Lebensjahres gegen Meningokokken der Serogruppe C. Empfohlen wird eine Kombi-Impfung für Jugendliche zwischen zwölf und 14 Jahren gegen die Serogruppen A, C, W und Y. Hat man die Impfung nicht im empfohlenen Alter erhalten, solle man sie bis zum 25. Geburtstag nachholen, empfiehlt die STIKO. Auch Erwachsene mit einem erhöhten Risiko für Meningokokken-Erkrankungen sollten sich mit einem Meningokokken-ACWY-Impfstoff sowie einem Meningokokken-B-Impfstoff impfen lassen. Das gilt im Übrigen auch für Kinder und Jugendliche bei Reisen in Gebiete mit anderem Vorkommen von Meningokokken. Hier ist eine ärztliche Beratung geboten.
Kostenübernahme der Impfungen
Der Gesetzgeber verpflichtet die Krankenkassen lediglich dazu, die von der STIKO empfohlenen Impfungen zu bezahlen. Entsprechend ist die Meningokokken-C-Impfung eine Kassenleistung, die Meningokokken-B-Impfung nicht. Nichtsdestoweniger übernehmen bereits 70 Krankenkassen freiwillig die Kosten für den Meningokokken-B-Impfstoff und die ärztliche Impfleistung. Auch Bürger in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern müssen für Impfstoff und Impfung nichts zahlen, da ihre Landesregierung die Meningokokken-B-Impfung empfiehlt.
Andere Ursachen für Hirnhautentzündung
Eine Meningitis kann nicht nur durch Meningokokken, sondern auch durch andere Bakterien, Viren und in seltenen Fällen durch Pilze oder Parasiten verursacht werden. Auch nicht-infektiöse Ursachen wie Autoimmunerkrankungen oder Medikamente können eine Meningitis auslösen.
Virale Meningitis
Die virale Meningitis wird meist durch Arboviren, Varizella-Zoster-Virus, Coxsackie-Viren, SARS-CoV-2 oder Epstein-Barr-Virus ausgelöst. Sie verursacht grippeartige Symptome und heilt in der Regel nach zwei bis drei Wochen von selbst aus.
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Bakterielle Meningitis
Bakterielle Hirnhautentzündungen sind seltener, aber deutlich gefährlicher als virale Hirnhautentzündungen. Der Krankheitsverlauf unterscheidet sich von der viralen Meningitis durch heftigere Symptome, die plötzlich auftreten. Komplikationen und schwere Verläufe sind bei der bakteriellen Hirnhautentzündung häufig. Auslöser können Meningokokken, Pneumokokken, Haemophilus influenzae Typ b (Hib) oder Listerien sein.
Aseptische Meningitis
Die aseptische bzw. nicht infektiöse Meningitis wird nicht durch Infektionen verursacht. Zu den Ursachen gehören Autoimmunerkrankungen oder bestimmte Medikamente.
Symptome und Diagnose einer Hirnhautentzündung
Typische Symptome einer Meningitis sind:
- Heftige Kopfschmerzen
- (Hohes) Fieber
- Abgeschlagenheit und Müdigkeit
- Steifer Nacken
- Veränderungen des Verhaltens, der Befindlichkeit und des Ess- und Trinkverhaltens (bei Kleinkindern)
- Verwirrung und Bewusstseinsausfälle (bei älteren Personen)
- Punktförmige Blutungen auf der Haut (bei einer Infektion mit Meningokokken)
Bei Verdacht auf Meningitis ist ein ausführliches Anamnesegespräch wichtig, um etwaige Ursachen der Erkrankung zu erkennen. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine Lumbalpunktion, bei der Nervenflüssigkeit (Liquor) entnommen und im Labor untersucht wird. Zusätzlich können Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren wie MRT oder CT durchgeführt werden.
Behandlung der Hirnhautentzündung
Die Behandlung der Hirnhautentzündung richtet sich nach der Ursache. Bei einer bakteriellen Meningitis werden Antibiotika eingesetzt, während bei einer viralen Meningitis in der Regel nur die Symptome behandelt werden. In schweren Fällen kann eine intensivmedizinische Behandlung erforderlich sein.
Prävention der Hirnhautentzündung
Gegen einige Erreger der Hirnhautentzündung gibt es Impfungen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Impfungen gegen Meningokokken B für Säuglinge ab dem Alter von 2 Monaten und gegen Meningokokken ACWY für Jugendliche und Erwachsene mit erhöhtem Risiko. Darüber hinaus kann eine Impfung gegen FSME vor einer durch Zecken übertragenen Hirnhautentzündung schützen.
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