Einführung
Die Diagnose Demenz stellt Betroffene und ihre Familien vor große Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, dass umfassende und verständliche Informationen sowie vielfältige Unterstützungsangebote zur Verfügung stehen. Der Türkischer Alzheimer Verein e.V. setzt sich dafür ein, Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen mit Migrationshintergrund kultursensibel zu unterstützen und ihnen den Zugang zu relevanten Informationen zu erleichtern. Dieser Artikel bietet einen Überblick über die Angebote und Informationen, die der Verein und andere Organisationen für türkischsprachige Betroffene und ihre Familien bereithalten.
Informationen zum Krankheitsbild Demenz
Ein grundlegendes Verständnis von Demenz ist entscheidend, um mit der Erkrankung umgehen zu können. Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen des Gehirns, die mit einem fortschreitenden Verlust von kognitiven Fähigkeiten wie Gedächtnis, Denkvermögen, Sprache und Orientierung einhergehen. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache für Demenz.
Um die Diagnose von Demenzerkrankungen zu stellen, ist eine sorgfältige ärztliche Untersuchung erforderlich. Genetische Faktoren spielen eine wesentliche Rolle bei der Entstehung der Alzheimer-Krankheit und anderer Demenzen.
Anzeichen, Diagnose und Verlauf
Die Broschüre "Was kann ich tun?" in türkischer Sprache, herausgegeben von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, erklärt in einfachen Worten, was eine Demenz ist. Sie informiert über die Anzeichen, die Diagnose und den Verlauf der Krankheit. Die Broschüre ermutigt dazu, einen Arzt aufzusuchen, um Klarheit zu erhalten, und gibt Hilfestellungen zum Umgang mit der Demenz im Alltag.
Broschüre "Was kann ich tun?":
- Anzeichen, Diagnose und Verlauf der Krankheit
- Behandlung mit und ohne Medikamente
- Gestaltung des Alltags: Gedächtnisstützen nutzen, den Alltag strukturieren, für Sicherheit sorgen, die Freizeit gestalten
- Vorsorge für die Zukunft und finanzielle Fragen
- Nützliche Adressen, Lektürehinweise
Verständniskärtchen
Zur Broschüre gehört ein Verständniskärtchen im Scheckkartenformat: "Ich habe Demenz. Bitte haben Sie etwas Geduld. Danke". Diese Karte wurde ebenfalls von Menschen mit Demenz gestaltet, um sie bei Bedarf an Menschen in ihrer Umgebung weiterzugeben.
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Kultursensible Unterstützung für Menschen mit Migrationshintergrund
Schätzungen zufolge leben in Deutschland rund 100.000 Menschen mit Demenz, die eine Migrationsgeschichte haben. Sie und ihre Familien benötigen ebenso wie alle anderen verlässliche Beratung, passgenaue Hilfe und ein unterstützendes Umfeld. Unabhängig von Herkunft, Sprache oder kulturellem Hintergrund haben alle Menschen ein berechtigtes Bedürfnis nach verständlicher Information, individueller Beratung und Möglichkeiten zur Begegnung.
Die Internetseite www.demenz-und-migration.de ist ein gemeinsames Projekt der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V. und richtet sich an Familien, die von Demenz betroffen sind und einen Migrationshintergrund haben. Das Portal bietet grundlegende Informationen über Demenz in türkischer, polnischer, russischer und englischer Sprache. Auch fünf Erklärfilme zu Themen wie „Was ist Demenz?“ oder „Kommunikation und Umgang“ sind auf Englisch verfügbar. Zusätzlich finden Sie auf der Internetseite die Checkliste „Was tun nach der Diagnose Demenz?“, die auf Türkisch, Polnisch, Russisch und Englisch zum Download zur Verfügung steht. Die Internetseite richtet sich zusätzlich an alle in der Beratung und in der Altenhilfe Tätigen. Sie erhalten hier Informationen und Materialien über Demenz, Migration und Kultursensibilität.
Informationen auf Türkisch:
- Grundlegende Informationen über Demenz
- Checkliste „Was tun nach der Diagnose Demenz?“
- Informationen und Materialien über Demenz, Migration und Kultursensibilität
Angebote und Hilfestellungen für türkischsprachige Angehörige
Die Betreuung und Pflege von Demenzerkrankten werden überwiegend zu Hause von Angehörigen geleistet. Pflegende Angehörige sind oft sehr stark beansprucht. Durch Information und Beratung, Gesprächsgruppen sowie ehrenamtliche und professionelle Dienste können pflegende Angehörige eine wirksame Entlastung erfahren. Die Pflegeversicherung sichert seit 1994 einen Teil der Risiken bzw. Folgen der Pflegebedürftigkeit ab.
Entlastung pflegender Angehöriger
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz bietet Informationen zur Entlastung pflegender Angehöriger an.
Broschüren und Ratgeber in türkischer Sprache:
- Ben Ne Yapabilirim? (Was kann ich tun?) von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft
- Yaşlılıkta sağlık ve bakım - Göçmen kökenli kişiler için çok dilli bir kılavuz (Gesundheit und Pflege im Alter - Ein Wegweiser für ältere Menschen mit Migrationshintergrund) vom Ethno-Medizinischen Zentrum e. V. und MiMi-Zentrum für Integration in Bayern
- Saarland eyaletinde yaşayan demans hastalarının Türkçe konuşan yakınları için bilgi broşürü (Ein Ratgeber für türkischsprachige Angehörige von Menschen mit Demenz) von der Landesfachstelle Demenz, Saarland
- Bilgi Bunama (Demans) türk (Informationen zum Krankheitsbild „Demenz“) vom Netzwerk Demenz Ravensburg
- Demanslılarla İletişim İçin Yardım (Hilfen zur Kommunikation bei Demenz) von der Landesinitiative Demenz Service Nordrhein-Westfalen
- Alman Kanuni Müşavarlik Hukuku - Türkçe konuşan göçmenler için bilgiler (Informationen zum Betreuungsrecht) vom Institut für transkulturelle Betreuung e. V., Hannover
- Demans bu nedir? Dede (Demenz was ist das? Opa) vom Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung, Rheinland-Pfalz
- Demans bu nedir? Nine (Demenz was ist das? Oma) vom Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung, Rheinland-Pfalz
- Ağız Bakımı Rehberi (Ratgeber Mundpflege) vom Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP), Berlin
- Vücut Bakım Rehberi (Ratgeber Körperpflege) vom Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP), Berlin
Pflegetipps in türkischer Sprache:
- BAKIM TAVSİYELERİ Palyatif bakım (Die Pflegetipps - Palliative Care) vom Deutschen Palliativ Verlag
Informationen zu rechtlichen Aspekten
Kann eine Person krankheitsbedingt die eigenen rechtlichen Angelegenheiten nicht mehr selbstständig erledigen, bestellt das Gericht eine andere Person, die stellvertretend Entscheidungen treffen kann. Für die erkrankte Person wird eine sogenannte „rechtliche Betreuung“ eingerichtet. Die fortschreitende Demenz führt zu einer Beeinträchtigung des freien Willens. Um einer Fremdbestimmung vorzubeugen, gibt es drei Wege: die Vorsorgevollmacht, die Betreuungsverfügung und die Patientenverfügung. Zum 1. Januar 2023 ist im Zuge einer großen Reform des Betreuungsrechts eine „Gegenseitige Vertretung von Ehegatten in Angelegenheiten der Gesundheitssorge“ neu eingeführt worden.
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Informationen zu Technik und Wohnen
Gute Technik unterstützt die Teilhabe von Menschen mit Demenz. Die Seniorenberatung Hannover bietet Informationen zum Thema EVDE TEKNİK DESTEKLE YAŞAM (Wohnen mit technischer Unterstützung) an.
Informationen zu Impfungen
Die BAGSO - Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen e.V., Bonn, bietet Informationen zum Thema Sağlıklı yaşlanma için bir önlem olarak aşılama - 12 Soru ve Cevap (Impfen als Vorsorge für ein gesundes Älterwerden - 12 Fragen und Antworten) an.
Checklisten und Tipps in türkischer Sprache:
- Demans teşhisi sonrasında ne yapmalı? (Checkliste nach der Diagnose) von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz
- Demans hastası insanlarla daha iyi anlaşmak için 11 öneri (11 Tipps zur besseren Verständigung mit Menschen mit Demenz) von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft
Informationen zu verschiedenen Demenzformen
- Frontotemporal demans (Frontotemporale Demenz) vom Evangelischen Diakoniewerk Gallneukirchen
- Lewy cisimcikli demans ve Parkinson hastalığı demansı (Lewy-Körperchen-Demenz und Parkinson-Demenz) vom Evangelischen Diakoniewerk Gallneukirchen
Informationen zu Pflege und Familie
- Bakıma muhtaç. Şimdi ne olacak? Hızlı yardım için ilk adımlar (Pflegebedürftig. Was nun? Die ersten Schritte zur schnellen Hilfe) vom Bundesministerium für Gesundheit
- Bakım değerlendirmesi ile ilgili bilgiler (Informationen zur Pflegebegutachtung) vom Medizinischer Dienst
- Aile, Bakim ve Meslegin Birbirine Daha Iyi Uyumu - 1.1.2015'ten itibaren gercerli yeni yasal düzenlemeter (Bessere Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf - Gesetzgebung ab 2015) vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Weitere Unterstützungsangebote und Informationen
Türkische Alzheimer Gesellschaft
Die Türkiye Alzheimer Derneği (Alzheimer Gesellschaft Türkei) bietet ebenfalls Informationen und Unterstützung für türkischsprachige Betroffene und ihre Familien.
Wegweiser Hospiz- und Palliativmedizin
Der Hospis palyatif tıbbı rehberi (Wegweiser Hospiz-und Palliativmedizin Deutschland) der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin bietet Informationen zur palliativen Versorgung. Palliative Versorgung und Pflege richtet sich an Menschen, die schwer und unheilbar erkrankt sind.
Internetportal Migration und Gesundheit
Das Göç ve Sağlık (Internetportal Migration und Gesundheit) des Bundesministeriums für Gesundheit bietet Informationen zum Thema Migration und Gesundheit.
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Fragebogen zur Selbsteinschätzung der Belastung durch häusliche Pflege
Der Öz değerlendirme anketi: Evdeki bakım bedensel sağlığımı nasıl etkiliyor? (Fragebogen Selbsteinschätzung zur Belastung durch häusliche Pflege) von digiDEM Bayern hilft Angehörigen, die Belastung durch die häusliche Pflege einzuschätzen.
Informationen für Geflüchtete
Handbook Germany A'dan Z'ye Almanya (Pflegebedürftig) von neue deutsche medienmacher*innen bietet Informationen für Geflüchtete in Deutschland.
Videos und Filme
Der Film "Kalp unutmaz. Das Herz vergisst nicht". Demans ile yaşayan Türk ailelerde Türkçe altyazılı bir film. (Ein Film über das Leben mit Demenz in türkischstämmigen Familien auf Türkisch mit deutschen Untertiteln.) vom Medienprojekt Wuppertal zeigt das Leben mit Demenz in türkischstämmigen Familien. In dem Film werden zwei türkische Familien aus dem Ruhrgebiet dargestellt, von denen eine mit Demenz lebt.
Ein Erklärvideo in verschiedenen Sprachen, darunter Türkisch, informiert über İhtiyati tedbirlerle ilgili bilgiler, Vasi tayini, hukuki himaye (Informationen zu Vorsorgemaßnahmen, Vormundschaft, rechtlicher Schutz).
Wichtige Aspekte im Umgang mit Demenz
Teilhabe und Selbstbestimmung
Menschen mit Demenz haben das Recht auf körperliche, geistige und seelische Unversehrtheit und Selbstbestimmung. Gute Technik unterstützt die Teilhabe von Menschen mit Demenz. Auch Menschen mit Demenz dürfen an Wahlen teilnehmen. Es ist erlaubt, jemanden beim Ausfüllen des Wahlscheins zu unterstützen.
Medizinische Behandlung und Einwilligungsfähigkeit
Menschen mit Demenz haben, wie alle anderen Menschen auch, das Recht auf eine angemessene medizinische Behandlung und das Recht, diese abzulehnen. Wenn eine Entscheidung zu gesundheitlichen oder medizinischen Maßnahmen ansteht, der man zustimmen oder die man ablehnen kann, dann spielt die Einwilligungsfähigkeit der oder des Betroffenen eine entscheidende Rolle.
Mundgesundheit
Menschen mit Pflegebedarf wie auch Menschen mit Demenz haben meist eine deutlich schlechtere Mundgesundheit im Vergleich zu Menschen ohne Pflegebedarf.
Sexualität und Demenz
Sexualität ist ein zentraler Baustein der eigenen Identität. Sie bestimmt mit wie wir mit Intimität, Nähe, Privatheit und Distanz umgehen. Eine Demenz verändert das Erleben und Verhalten auch in diesem Bereich in unterschiedlichem Ausmaß.
Palliative Versorgung
Das Abschiednehmen gehört über eine besonders lange Zeit zum Alltag der Angehörigen von Menschen mit Demenz. Palliative Versorgung und Pflege richtet sich an Menschen, die schwer und unheilbar erkrankt sind.
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