Einführung
Epilepsie, umgangssprachlich auch als Fallsucht oder Krampfleiden bekannt, ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle sind kurze Störungen der elektrochemischen Signalübertragung im Gehirn. Die lateinische Übersetzung des Wortes "Epilepsie" ist "epilēpsia", ein feminines Substantiv der a-Deklination. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Epilepsie, von der lateinischen Übersetzung über Definitionen und Ursachen bis hin zu Symptomen, Behandlungsmöglichkeiten und dem Umgang mit der Erkrankung im Alltag.
Was bedeutet Epilepsie auf Latein?
Im Langenscheidt Latein-Deutsch Wörterbuch findet sich die Übersetzung von "Epilepsie" als "epilēpsia". Es handelt sich um ein feminines Substantiv der a-Deklination. In der lateinischen Sprache existiert auch der Begriff "morbus comitialis" als Bezeichnung für Epilepsie.
Die Deklination von "epilēpsia" im Einzelnen:
- Singular:
- Nominativ: epilēpsia
- Genitiv: epilēpsiae
- Dativ: epilēpsiae
- Akkusativ: epilēpsiam
- Ablativ: epilēpsiā
- Vokativ: epilēpsia
- Plural:
- Nominativ: epilēpsiae
- Genitiv: epilēpsiārum
- Dativ: epilēpsiīs
- Akkusativ: epilēpsiās
- Ablativ: epilēpsiīs
- Vokativ: epilēpsiae
Definition von Epilepsie
Epilepsie ist mehr als nur das Auftreten einzelner epileptischer Anfälle. Vielmehr handelt es sich um eine Erkrankung, die durch ein erhöhtes Risiko für wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Ein einzelner Anfall bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Person an Epilepsie leidet. Die Diagnose Epilepsie wird in der Regel gestellt, wenn mindestens ein unprovozierter Anfall (oder Reflexanfall) aufgetreten ist und ein Rückfallrisiko von mindestens 60 % innerhalb der nächsten 10 Jahre besteht, oder wenn ein spezifisches Epilepsie-Syndrom diagnostiziert wurde.
Ein Epilepsie-Syndrom ist eine Krankheit, die durch typische epileptische Anfälle und andere charakteristische Merkmale gekennzeichnet ist.
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Ursachen von Epilepsie
Die Ursachen von Epilepsie sind vielfältig und oft schwer zu bestimmen. In einigen Fällen ist die Epilepsie genetisch bedingt. Sie kann aber auch durch andere Erkrankungen, Unfälle oder Hirnschäden verursacht werden. Manchmal bleibt die Ursache jedoch unbekannt.
Mögliche Ursachen und Risikofaktoren für die Entstehung einer Epilepsie sind:
- Genetische Faktoren: Eine familiäre Veranlagung kann das Risiko für Epilepsie erhöhen.
- Hirnschäden: Schädel-Hirn-Traumata, Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt, Durchblutungsstörungen im Gehirn, Schlaganfälle, Hirntumore oder Infektionen des Gehirns (z.B. Hirnhautentzündung oder Gehirnentzündung) können zu Epilepsie führen.
- Akute Krankheiten: Bestimmte akute Erkrankungen können epileptische Anfälle auslösen und in der Folge eine Epilepsie verursachen.
- Substanzmissbrauch: Der Konsum von Alkohol und Drogen kann das Risiko für epileptische Anfälle erhöhen.
Schutzimpfungen können dazu beitragen, Hirnhautentzündungen und Gehirnentzündungen und daraus resultierende Epilepsien zu verhindern. Ein gesunder Lebensstil, der den Konsum von Alkohol und Drogen einschränkt, kann das Epilepsie-Risiko ebenfalls verringern.
Formen epileptischer Anfälle
Epileptische Anfälle können sich sehr unterschiedlich äußern. Die Formen reichen von kurzen, unauffälligen Bewusstseinsaussetzern (Absencen) über fokale Anfälle mit Missempfindungen, Sprachstörungen oder Zuckungen bis hin zuGeneralisierte tonisch-klonische Anfälle (früher Grand-mal-Anfälle): Diese Anfälle gehen mit einem plötzlichen Sturz, Bewusstlosigkeit undGeneralisierte nichtmotorische Anfälle: Diese Anfälle gehen nicht mit starken körperlichen Symptomen einher. einem Krampfanfall mit Sturz einher.
Die Internationale Liga gegen Epilepsie (ILAE) hat im Jahr 2017 eine neue Klassifikation der epileptischen Anfälle herausgegeben, die im Jahr 2025 aktualisiert wurde. Allerdings ist diese aktualisierte Klassifikation noch nicht in die deutschen Leitlinien übernommen worden.
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Einige wichtige Anfallsformen sind:
- Generalisierte Anfälle: Diese Anfälle betreffen beide Gehirnhälften von Beginn an.
- Tonisch-klonische Anfälle: Bei diesen Anfällen kommt es zu einer Versteifung des Körpers (tonische Phase) und anschließenden Zuckungen (klonische Phase). Typische Symptome sind Bewusstlosigkeit, Sturz, bläuliche Hautverfärbung, Einnässen, Speichelaustritt und Zungenbiss.
- Absencen: Diese Anfälle sind durch kurze Bewusstseinsaussetzer gekennzeichnet, die oft als "Verträumtheit" oder "Aussetzer" verkannt werden. Die Betroffenen halten in ihrer momentanen Tätigkeit inne, und manchmal zucken die Augenlider leicht.
- Fokale Anfälle: Diese Anfälle beginnen in einer bestimmten Region des Gehirns.
- Fokale Anfälle mit erhaltenem Bewusstsein (früher einfach-fokale Anfälle): Bei diesen Anfällen ist das Bewusstsein nicht beeinträchtigt. Die Betroffenen können z.B. Missempfindungen, Halluzinationen oder Muskelzuckungen in einzelnen Körperteilen erleben.
- Fokale Anfälle mit Bewusstseinsstörung (früher komplex-fokale Anfälle): Bei diesen Anfällen ist das Bewusstsein beeinträchtigt. Die Betroffenen können z.B. eigenartiges Verhalten zeigen oder Automatismen ausführen.
- Fokal zu bilateral tonisch-klonische Anfälle: Diese Anfälle beginnen fokal in einer Gehirnhälfte und breiten sich dann auf beide Gehirnhälften aus, was zu einem tonisch-klonischen Anfall führt.
Diagnose von Epilepsie
Die Diagnose von Epilepsie basiert auf einer sorgfältigen Anamnese, einer neurologischen Untersuchung und verschiedenen technischen Untersuchungen. Gerade bei einem ersten epileptischen Anfall stehen behandelnden Ärzten nur wenige Informationen über die Symptome des Anfalls zur Verfügung.
Wichtige diagnostische Maßnahmen sind:
- Anamnese: Der Arzt erfragt die genaue Beschreibung der Anfälle, mögliche Auslöser und Begleitumstände. Auch die familiäre Vorgeschichte ist relevant. Anfall-Videos und Berichte von Angehörigen können wertvolle Hinweise über die Anfallsart liefern.
- Neurologische Untersuchung: Der Arzt untersucht die neurologischen Funktionen des Patienten, um mögliche Ursachen für die Anfälle zu identifizieren.
- Elektroenzephalographie (EEG): Das EEG misst die Hirnströme und kann typische Veränderungen bei Epilepsie aufzeigen. Bei häufigen Anfällen kann ein Langzeit-EEG die Hirnströme während des Anfalls messen und so bei der Abgrenzung helfen.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT kann strukturelle Veränderungen im Gehirn darstellen, die für die Entstehung von Epilepsie verantwortlich sein könnten.
Behandlung von Epilepsie
Das Ziel der Behandlung von Epilepsie ist es, die Anfälle zu kontrollieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die Behandlungsmöglichkeiten umfassen:
- Antiepileptika: Dies sind Medikamente, die die Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn reduzieren und so die Anfallshäufigkeit verringern. Die Wahl des geeigneten Antiepileptikums hängt von der Art der Anfälle, dem Alter des Patienten und anderen individuellen Faktoren ab.
- Ketogene Diät: Diese spezielle Diät ist reich an Fett und arm an Kohlenhydraten. Sie kann bei einigen Formen von Epilepsie, insbesondere bei Kindern, die auf Medikamente nicht ausreichend ansprechen (pharmakoresistente Epilepsien), wirksam sein.
- Chirurgische Behandlung: In bestimmten Fällen kann eine Operation in Erwägung gezogen werden, um den Teil des Gehirns zu entfernen, der für die Anfälle verantwortlich ist.
- Vagusnervstimulation (VNS): Bei dieser Therapie wird ein kleiner Generator unter die Haut implantiert, der den Vagusnerv stimuliert. Dies kann die Anfallshäufigkeit reduzieren.
Psychogene nichtepileptische Anfälle (PNEA)
Es ist wichtig zu erwähnen, dass es auch Anfälle gibt, die zwar wie epileptische Anfälle aussehen, aber keine organische Ursache haben. Diese werden als psychogene nichtepileptische Anfälle (PNEA) bezeichnet. Sie haben psychische Ursachen und können auch zusätzlich zu einer Epilepsie vorkommen. Mögliche Ursachen sind z.B. traumatische Erlebnisse oder belastende Lebensumstände, aber sie können auch ohne solche Umstände auftreten. Gegen PNEA helfen Psychoedukation (= Aufklärung über PNEA) und, wenn das nicht reicht, Psychotherapie, Antiepileptika sind hier wirkungslos. Die Abgrenzung ist wichtig für die Therapie und Verwechslungen können gefährlich sein.
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Leben mit Epilepsie
Epilepsie kann das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen stark beeinflussen. Es ist wichtig, sich umfassend über die Erkrankung zu informieren und sich Unterstützung zu suchen.
Einige wichtige Aspekte im Umgang mit Epilepsie sind:
- Anfallskontrolle: Die konsequente Einnahme von Medikamenten und die Vermeidung von Anfallsauslösern sind entscheidend, um die Anfälle zu kontrollieren. Ein Anfallskalender kann helfen, ggf. vorhandene Anfallsauslöser zu erkennen und die Behandlung zu verbessern.
- Sicherheit: Epileptische Anfälle können zu Verletzungen und sogar zum Tod führen. Es ist wichtig, Vorkehrungen zu treffen, um das Risiko von Verletzungen zu minimieren. Dazu gehören z.B. das Sichern von scharfen Kanten und Gegenständen in der Wohnung, das Vermeiden von gefährlichen Situationen (z.B. Baden ohne Aufsicht) und das Tragen eines Sturzhelms bei bestimmten Aktivitäten.
- Soziale Teilhabe: Epilepsie kann die soziale Teilhabe beeinträchtigen. Es ist wichtig, sich nicht zu isolieren und Kontakte zu pflegen. Selbsthilfegruppen können eine wertvolle Unterstützung bieten.
- Autofahren: Menschen mit Epilepsie dürfen nicht automatisch Auto fahren. Die Erlaubnis hängt von der Anfallskontrolle und den geltendenBestimmungen ab.
- Beruf: Die Berufswahl kann durch Epilepsie eingeschränkt sein. Es ist wichtig, sich bei der Berufswahl beraten zu lassen und die individuellen Fähigkeiten und Einschränkungen zu berücksichtigen.
- Psychische Gesundheit: Epilepsie kann zu psychischen Problemen wie Angstzuständen und Depressionen führen. Es ist wichtig, auf die eigene psychische Gesundheit zu achten und bei Bedarf professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall
Es ist wichtig zu wissen, wie man sich bei einem epileptischen Anfall verhält, um dem Betroffenen zu helfen und Verletzungen zu vermeiden.
Die wichtigsten Maßnahmen sind:
- Ruhe bewahren: Versuchen Sie, ruhig zu bleiben und Panik zu vermeiden.
- Sicherheit gewährleisten: Legen Sie die betroffene Person auf den Boden, um einem Sturz vorzubeugen. Entfernen Sie alle Gegenstände, die zu Verletzungen oder Gefahren führen könnten.
- Freien Atemweg sicherstellen: Lockern Sie beengende Kleidung und sorgen Sie für eine freie Atemwege.
- Nicht festhalten: Versuchen Sie nicht, die Person festzuhalten oder die Zuckungen zu unterdrücken. Die Muskelspannung bei Krampfanfällen ist so hoch, dass beim Festhalten oder bei Versuchen Körperteile (z.B. Arme, Beine oder Finger) zu bewegen Knochenbrüche und andere Verletzungen sehr wahrscheinlich sind.
- Nichts in den Mund stecken: Versuchen Sie nicht, der Person etwas in den Mund zu stecken (z.B. einen Beißkeil). Zungenbisse passieren wenn dann gleich zu Beginn eines Anfalls. Es ist schädlich und sinnlos zu versuchen, sie während des Anfalls zu verhindern.
- Auf die Uhr schauen: Beobachten Sie die Dauer und die Begleiterscheinungen des Anfalls. Auf die Augen achten: Sind sie geschlossen, offen, starr oder verdreht?
- Notruf rufen: Rufen Sie den Notruf (112), wenn der Anfall länger als 5 Minuten dauert, wenn mehrere Anfälle kurz hintereinander auftreten (Anfallsserie), wenn die Person sich verletzt hat oder wenn es sich um den ersten Anfall handelt. Das gilt auch, wenn schon ein Notfallmedikament gegeben wurde!
- Nach dem Anfall: Bleiben Sie bei der Person, bis sie wieder vollständig orientiert ist. Dies ist durch einfache Fragen, wie z.B. "Wie heißt du? Wo bist du?" möglich. Dokumentieren Sie wenn möglich den Anfall: Wann ist er passiert? Wie lange hat er gedauert? Wie ist er abgelaufen? Waren die Augen offen, geschlossen, starr oder verdreht?
Epilepsie-Überwachungsgeräte und Warnhunde
Es gibt verschiedene technische Hilfsmittel undAssistenztiere, die Menschen mit Epilepsie im Alltag unterstützen können:
- Epilepsie-Überwachungsgeräte: Diese Geräte erkennen epileptische Anfälle und lösen einen Alarm aus, z.B. bei den Eltern, beim Partner, anderen Angehörigen oder in einer Notrufzentrale. Der Anfall wird zudem aufgezeichnet und mit Dauer und Stärke dokumentiert. Epilepsie-Überwachungsgeräte können ärztlich verordnet und von der gesetzlichen Krankenversicherung als Hilfsmittel übernommen werden.
- Sturzmelder: Diese Geräte erkennen Stürze und können bei Anfällen mit Bewusstseinsverlust und Sturz helfen.
- Epilepsie-Warnhunde: Warnhunde haben die Fähigkeit, einen kommenden Anfall zu spüren und warnen dann den Betroffenen, sodass dieser Zeit hat, sich z.B. vor Verletzungen zu schützen. Anzeigehunde lernen, einen tatsächlichen Anfall zu erkennen und dann in vorher geübter Art und Weise zu helfen, z.B. indem sie Hilfe holen.
SUDEP (Sudden Unexpected Death in Epilepsy)
SUDEP ist die Abkürzung für "sudden unexpected death in epilepsy", was "plötzlicher unerwarteter Tod bei Epilepsie" bedeutet. Menschen mit Epilepsie haben ein erhöhtes Risiko, plötzlich und unerwartet zu versterben, meistens werden Betroffene morgens tot im Bett gefunden. Die Todesursache lässt sich oft nicht klären. Das passiert zwar nur sehr selten, aber bei Menschen mit Epilepsie häufiger als bei Menschen ohne Epilepsie. Bei tonisch-klonischen Anfällen (Grand-mal-Anfällen) ist das Risiko besonders hoch, besonders wenn diese im Schlaf kommen. Wahrscheinlich lässt sich SUDEP oft verhindern, wenn Betroffene nach einem tonisch-klonischen Anfall nicht allein bleiben. Anwesende können den Menschen nach dem Anfall ansprechen, berühren, rütteln, umdrehen und in die stabile Seitenlage bringen. Bei Atemaussetzern und Herzstillstand können sie einen Notruf absetzen und Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen.
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