Die Alzheimer-Krankheit, die häufigste Form der Demenz, betrifft in Deutschland etwa eine Million Menschen. Weltweit stellt die Zunahme von Demenzerkrankungen eine globale Gesundheitskrise dar, wobei bis 2030 schätzungsweise 78 Millionen Menschen betroffen sein werden und die jährlichen Kosten 2,8 Billionen Dollar übersteigen könnten. Die Ursachen und Risikofaktoren für die Entstehung von Alzheimer sind vielfältig und komplex. Obwohl die Forschung kontinuierlich Fortschritte macht, ist die vollständige Heilung der Krankheit noch nicht möglich. Es gibt jedoch Möglichkeiten, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und das individuelle Risiko zu senken.
Komplexe Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen für Demenz sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich und meist ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Dazu gehören das Alter, Veränderungen im Stoffwechsel, genetische Faktoren, Ernährung, Lebensstil und Umwelteinflüsse.
Genetische Faktoren und familiäre Veranlagung
Es gibt genetische Risiken, die die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung erhöhen können. Allerdings spielen auch Lebensstil und Umweltfaktoren eine entscheidende Rolle.
Bedeutung des Lebensstils
Was dem Körper schadet, ist auch schädlich für das Gehirn. Übergewicht, Bewegungsmangel und Bluthochdruck erhöhen das Demenzrisiko. Es ist wichtig, frühzeitig im Leben an die eigene Gehirngesundheit zu denken, da diese sich im mittleren Lebensalter entscheidet.
Veränderbare Risikofaktoren
Forschende haben zwölf Faktoren identifiziert, die präventiv gegen das Vergessen wirken können. Diese Erkenntnisse stammen aus weltweiten Daten, wobei die Bedeutung der einzelnen Faktoren je nach Lebensumständen variieren kann. Die Vermeidung dieser schädigenden Faktoren könnte bis zu 40 Prozent des Demenzrisikos senken und den kognitiven Abbau bremsen.
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Die zwölf identifizierten Risikofaktoren
- Geringe Bildung in jungen Jahren (7 Prozent): Eine gute Bildung stärkt die kognitiven Reserven.
- Unbehandelte Schwerhörigkeit (8 Prozent): Schwerhörigkeit reduziert die Reize, die das Gehirn verarbeitet, und erhöht die Anstrengung beim Verstehen.
- Hirnverletzungen (3 Prozent): Kopfverletzungen können Entzündungen und Ablagerungen im Gehirn fördern.
- Bluthochdruck (2 Prozent): Unbehandelter Bluthochdruck schädigt die Blutgefäße und erhöht das Risiko für vaskuläre Demenz.
- Alkoholkonsum (1 Prozent): Übermäßiger Alkoholkonsum kann zum Verlust von Hirnmasse führen.
- Adipositas mit BMI über 30 (1 Prozent): Übergewicht, insbesondere Bauchfett, fördert Entzündungen und belastet die Gefäße.
- Rauchen (5 Prozent): Rauchen schädigt Herz, Gefäße und Gehirn und fördert Entzündungen.
- Depression (4 Prozent): Anhaltende Niedergeschlagenheit und sozialer Rückzug belasten das Gehirn.
- Soziale Isolation (4 Prozent): Mangelnde soziale Kontakte reduzieren die Anregung für das Gehirn.
- Bewegungsmangel (2 Prozent): Bewegungsmangel beeinträchtigt die Durchblutung des Gehirns.
- Luftverschmutzung (2 Prozent): Feine Partikel aus Abgasen können Entzündungen im Gehirn auslösen.
- Diabetes (1 Prozent): Typ-2-Diabetes ist ein gut belegter Risikofaktor für Demenz.
Die Faktoren 2 bis 6 sind besonders wirksam, wenn sie bereits im mittleren Lebensalter berücksichtigt werden. Die Vermeidung der Faktoren 7 bis 12 kann in jedem Lebensalter zur Risikoreduktion beitragen, auch im höheren Lebensalter.
Vermeidung von Kopfverletzungen
Es lohnt sich, den Kopf lebenslang vor Stößen und Stürzen zu bewahren. Auch vorerst unbemerkte kleine Schäden können in der Summe das Gehirn belasten. Verzicht auf Kopfbälle und ein Fahrradhelm schützen das empfindliche Gehirn.
Aufbau geistiger Reserven
Dabei geht es immer darum, das Gehirn möglichst wenig zu belasten und aktiv eine geistige Reserve aufzubauen. Auch Gedächtnistraining, Stressbewältigung und ausreichend Schlaf haben schützende Wirkungen. Das alles kann dazu beitragen, dass beispielsweise durch Alzheimerkrankheit entstehende Ablagerungen weniger Gedächtnisprobleme verursachen.
Die Rolle des Herz-Kreislauf-Systems
Eine Schlüsselfunktion für das Gehirn hat das Herz. Es pumpt Blut als Treibstoff für das Gehirn nach oben, denn es verbraucht 20 Prozent unserer Energie. Wichtig für Herz und Hirn sind gesunde Blutgefäße und ein gesunder Blutdruck. Bei vielen Demenzerkrankungen ist der hohe Blutdruck eine entscheidende Ursache, Mediziner sprechen dann sogar von einer vaskulären Demenz.
Bewegung als Schutzfaktor
Bewegung senkt hohen Blutdruck und hilft, frisches Blut ins Gehirn zu schicken. Außerdem bilden sich durch die Bewegung Muskeln, die Hormone produzieren. Im Tierversuch zeigte sich, dass diese sogenannten Myokine bis ins Gehirn wandern. Dort sorgen sie zum Beispiel dafür, dass bestimmte Wachstumsfaktoren vermehrt freigesetzt werden.
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Prävention und Lebensstiländerungen
Es ist nie zu spät, den eigenen Lebenswandel zu ändern oder sich mal durchchecken zu lassen. Generell gilt: Alles, was die Blutgefäße und das Herz schützt, ist auch gut fürs Hirn. Hohe Diabeteswerte, hoher Blutdruck und Übergewicht gelten als mögliche Risikofaktoren für eine Demenz-Erkrankung. Ein weiterer Faktor ist der LDL-Cholesterinwert, ein Blutfettwert. Ist dieser dauerhaft zu hoch, können sich Ablagerungen in den Blutgefäßen bilden. Das kann zu Durchblutungsstörungen führen. Cholesterin-Blocker können dabei helfen, nicht nur das Herz zu schützen, sondern auch das Hirn.
Vorsorge-Tipps zur Senkung des Demenz-Risikos
- Eine gesunde Ernährung
- Ausreichend Schlaf
- Regelmäßige Bewegung
- Reisen, Sprachen lernen
- Soziale Interaktion
- Wenig Rauchen
- Wenig Alkohol trinken
- Diabetes-Werte niedrig halten
- Bluthochdruck frühzeitig behandeln
- Cholesterin-Werte kontrollieren bzw. frühzeitig senken
- Regelmäßig Sehtests durchführen lassen
- Abnehmendes Hörvermögen durch Hörgeräte verbessern
- Depressionen therapieren
- Auf ein gesundes Gewicht achten
Bedeutung sozialer Kontakte
Freundschaften sind für die geistige Gesundheit älterer Menschen wichtiger als die Familie. Im Freundeskreis gibt es häufiger mehr gemeinsame Aktivitäten und Austausch als in Familien. Gleichaltrige können motivierend wirken und beispielsweise zu mehr Bewegung anregen. Soziale Isolation gehört zu den beeinflussbaren Risikofaktoren für eine Demenz-Erkrankung.
Körperliche Aktivität und Alzheimer
Schon einige tausend Schritte täglich können einer Studie zufolge dazu führen, dass eine Alzheimer-Erkrankung langsamer voranschreitet. Die Analyse zeige erstmals Effekte bei Menschen, die bereits Alzheimer-typische Veränderungen im Gehirn haben, sagte Emrah Düzel vom Universitätsklinikum Magdeburg. Körperlich aktive Menschen mit präklinischem Alzheimer zeigten einen geringeren kognitiven Abbau. Bereits 3.000 Schritte am Tag können dazu beitragen, dass sich im Gehirn weniger schnell schädigende Tau-Proteinklumpen ansammeln. Einen noch größeren Effekt haben 5.000 bis 7.500 Schritte.
Empfehlungen für körperliche Aktivität
Der Mediziner rät, sich die Ergebnisse zu Herzen zu nehmen und mindestens 5.000 bis 7.000 Schritte am Tag zu gehen. Die Spaziergänge sollten dabei möglichst mit dem Erkunden der Umgebung - und gern auch neuer Umgebungen - verbunden werden. Eine Reihe von Sportarten wie Radfahren, Tanzen oder Joggen könnten aufgrund ihrer Intensität und der Stimulation des Gehirns zusätzliche Effekte haben.
Frühzeitige Diagnose und Behandlung
Wenn Sie sich bei sich oder jemandem in Ihrer Familie Sorgen über Gedächtnisprobleme machen, lassen Sie diese ärztlich abklären. Zum einen, weil Vergesslichkeit oder Orientierungsprobleme immer auch andere Ursachen haben können, zum Beispiel einen Altershirndruck, einen Tumor oder eine Depression. Nicht jede Vergesslichkeit weist auf eine Demenz hin.
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Alltagshilfen bei Gedächtnisveränderungen
Viele Menschen erleben im Alter normale Gedächtnisveränderungen - hier können kleine Alltagshilfen spürbar entlasten:
- Einkaufs- und To-do-Listen nutzen
- Handyalarme oder Wecker stellen
- Feste Plätze für wichtige Dinge etablieren
- Routinen entwickeln
Diese Hilfen sind einfach und können sowohl bei normaler Altersvergesslichkeit als auch in frühen Phasen einer Demenz den Alltag erleichtern.
Aktuelle Entwicklungen in der Demenzforschung
Die Demenzforschung hat 14 Risikofaktoren identifiziert, die die Entstehung der Krankheit begünstigen. Ein hoher Cholesterinspiegel, Diabetes Typ 2, starkes Übergewicht sowie Bluthochdruck erhöhen erwiesenermaßen das Demenzrisiko. Alle vier Faktoren kann man mit der Ernährung beeinflussen: wenig Zucker, wenig Fett, wenig Fleisch, viele Ballaststoffe. Hier hat sich die Mittelmeerküche bewährt, in der viel mit Olivenöl gekocht wird und die einen hohen Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Nüsse hat.
Medikamentöse Behandlungen
Klara Winterhoff aus Köln kämpft mit den Tränen, als sie an der Uniklinik Bonn die erste Dosis des neuen Alzheimer-Medikaments "Lecanemab" verabreicht bekommt. Ein Allheilmittel ist das aber nicht. Es scheint also sinnvoller, etwas gegen die Krankheit zu unternehmen, bevor sie ausbricht.