Übersäuerung des vegetativen Nervensystems: Ursachen, Auswirkungen und Lösungsansätze

In unserer modernen, schnelllebigen Gesellschaft ist Stress ein allgegenwärtiger Begleiter. Er begleitet uns nicht nur im Berufsleben, sondern auch in der Freizeit und kann sich in vielfältiger Weise auf unsere Gesundheit auswirken. Ein oft unterschätzter Aspekt ist der Zusammenhang zwischen Stress und einer Übersäuerung des Körpers, insbesondere die Auswirkungen auf das vegetative Nervensystem.

Stress als Auslöser von Übersäuerung

Stress wird oft als bloße Kopfsache abgetan, doch er hat weitreichende Auswirkungen auf den gesamten Körper. Er kann zu verschiedenen körperlichen Beeinträchtigungen führen und den Säure-Basen-Haushalt aus dem Gleichgewicht bringen. Ursächlich hierfür ist eine Überreizung des vegetativen Nervensystems in Kombination mit einer flachen Atmung.

Die Rolle der Psyche

Die Psyche beeinflusst unsere Atmung maßgeblich. Anspannung und Ängste führen zu einer flachen und hastigen Atmung. Dadurch wird der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, und Säuren, die in Form von Kohlendioxid abtransportiert werden, können nicht vollständig abgeatmet werden. Zudem führt eine verminderte Sauerstoffzufuhr zu einer verringerten Energiebereitstellung in den Zellen und erhöht gleichzeitig die Milchsäureproduktion.

Stresshormone und ihre Folgen

Ein vermehrter Ausstoß von Stresshormonen vermindert die Sauerstoffaufnahme im Blut. Die Verstoffwechselung dieser Hormone erhöht zusätzlich die Säurelast im Körper. Die Puffersysteme im Körper sind dann nicht mehr in der Lage, die vermehrt anfallenden Säuren optimal abzufangen, was zu einem unausgewogenen Säure-Basen-Haushalt und letztendlich zu einer Übersäuerung führt.

Was passiert bei Übersäuerung im Körper?

Der pH-Wert im Blut muss konstant bei etwa 7,4 gehalten werden, da bereits geringe Abweichungen lebensbedrohlich sein können. Unsere Puffersysteme, vor allem der Bicarbonatpuffer, sorgen für die Aufrechterhaltung dieses Wertes. Die eigentliche Übersäuerung betrifft daher andere Bereiche unseres Körpers, insbesondere das Bindegewebe, den sogenannten Pischinger-Raum.

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Der Pischinger-Raum als Ort der Übersäuerung

Im Bindegewebe verlaufen die Versorgungswege der Zellen, und hier findet auch der Abtransport der Zellausscheidungsstoffe statt. Bei einer chronischen Säureflut und unzureichenden Pufferkapazitäten werden Säuren an Proteoglykane gebunden und zwischengelagert, bis wieder genügend Puffersubstanzen zur Verfügung stehen.

Mögliche Auswirkungen einer Übersäuerung

Eine Übersäuerung des Organismus kann eine Reihe von unspezifischen Symptomen verursachen, die oft nicht direkt mit der Dysbalance des Säure-Basen-Haushaltes in Verbindung gebracht werden. Da die Ursachen einer Störung des Säure-Basenhaushaltes oft mit einer Störung der Mikrobiota im Darm einhergehen, kann es zu weiteren Gesundheitsstörungen kommen.

Mögliche Folgen einer Übersäuerung sind:

  • Chronische Müdigkeit und Erschöpfung sowie Schlafstörungen
  • Muskel- und Gelenkschmerzen
  • Erhöhte Infektbereitschaft und Allergieneigung
  • Unspezifische Magen-Darm-Beschwerden
  • Störungen der Knochenstabilität
  • Bindegewebsprobleme
  • Entzündungen

Ursachen der Übersäuerung

Die Hauptursachen für eine Übersäuerung sind Stress, die Ernährung unserer hektischen, modernen Zeit und zu wenig Bewegung.

Ernährungsgewohnheiten

Eine Auswahl von Nahrungsmitteln, die hauptsächlich sauer verstoffwechselt werden und somit eine erhöhte Bereitstellung von Puffersubstanzen benötigen, umfasst:

  • Tierische Proteine
  • Getreideprodukte

Der Körper greift bei einer chronischen Säurelast auf körpereigene Puffersubstanzen in Knochen und Muskeln zurück, wodurch wertvolle Mineralstoffe aus dem Knochen abgebaut werden.

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Lebensmittel, die basisch verstoffwechselt werden, sind vor allem Obst und Gemüse. Eine ausgewogene Mahlzeit sollte daher ein Verhältnis von beispielsweise 200g Putenfleisch zu 500g Gemüse/Kartoffeln aufweisen. Proteinreiche Diäten stellen eine erhebliche Stoffwechselbelastung für den Körper dar.

Stress und seine Auswirkungen auf die Ernährung

Stress führt oft zu ungesunden Ernährungsgewohnheiten:

  • Keine Zeit für einen überlegten Einkauf von gesunden, natürlichen Produkten
  • Keine Zeit für die Zubereitung einer gesunden Mahlzeit
  • Mangelndes Angebot an gesunden Mahlzeiten in Kantinen
  • Keine Zeit in der Mittagspause für eine gesunde, warme Mahlzeit
  • Keine Muße, um beim Essen richtig langsam zu kauen und sich auf das Essen zu konzentrieren

Stattdessen greift man zu Fast Food, Fertiggerichten, zu viel Fleisch, kaum Gemüse, zu wenig Obst und Zucker. Dazu kommen noch einige Tassen Kaffee am Tag und abends Alkohol zur Beruhigung.

Die Daueralarmbereitschaft des Körpers

Stress führt zu einer Art Daueralarmbereitschaft des Organismus mit chronischer Aktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenachse und Dauerausschüttung von Stresshormonen. Dies hat Einfluss auf die Atmung (Stressatmung), auf die Verdauungsorgane und auch auf die Durchblutung und das vegetative Nervensystem, was schließlich zu einem Ausbrennen der Nebennierenhormone führen kann (Burn-out).

Was kann man gegen Übersäuerung tun?

Um einer Übersäuerung entgegenzuwirken, gibt es verschiedene Maßnahmen, die in den Alltag integriert werden können.

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Ernährungsumstellung

Informieren Sie sich über eine ausgewogene Ernährung und versuchen Sie, diese weitgehend in Ihren Tagesablauf sinnvoll zu integrieren. Reduzieren Sie tierische Produkte, Kaffee und Alkohol. Trinken Sie 2 bis 3 Liter Wasser am Tag. Nehmen Sie sich Zeit zum Essen, konzentrieren Sie sich auf das, was auf Ihrem Teller ist, und kauen Sie bewusst langsam.

Basenprodukte und Nahrungsergänzungsmittel

Nehmen Sie Basenprodukte zeitweise als Pulver oder Tabletten ein, versorgen Sie sich ausreichend mit Zink und Vitamin D (Spiegel bestimmen lassen!) und machen Sie regelmäßig Basenbäder.

Bewegung und Entspannung

Planen Sie regelmäßige Bewegung in Ihr Leben ein - egal oder gerade wenn Sie viel um die Ohren haben - mindestens 3x 45 Minuten moderate Dauerbelastung pro Woche. Überlegen Sie, ob die Arbeitsbelastung wirklich so sein muss, oder können Sie auch mal "nein" sagen - auch zu sich selbst? Planen Sie täglich kurze Pausen zum Atemholen und Besinnen ein. Beginnen Sie eine Entspannungstechnik wie Jacobsen Muskelentspannung, autogenes Training, Biofeedback, Meditation, MBSR, Yoga oder Quigong.

Weitere Maßnahmen

Erfreuen Sie sich an Ihren Ressourcen und planen Sie bewusst Zeit für Ihre Familie, Freunde, Hobbies und alles, was Ihnen guttut, ein. Meiden Sie das, was Ihnen nicht guttut. Lachen Sie öfter mal. Fasten Sie 1-2x pro Jahr mit Anleitung einige Tage. Gehen Sie hin und wieder in die Stille. Atmen Sie - tief und bewusst - immer wieder - in den Bauch.

Behandlung von Magenproblemen

Stress, Fehlernährung, Bewegungsmangel und Medikamenteneinnahme führen oft zu einer Übersäuerung des Magens. Als direkte Folge der Übersäuerung werden die empfindlichen Schleimhäute der Magenwand, aber auch die Speiseröhre angegriffen, Entzündungen entstehen, und man fühlt bereits Schmerzen. Rutscht der pH-Wert des Blutes und in den Zellen auf Dauer in den sauren Bereich, sind Stoffwechselstörungen die Folge.

Naturheilkundliche Unterstützung

Die Naturheilkunde bietet ein großes Spektrum an Möglichkeiten, mit homöopathischen Mitteln und besonders Pflanzenwirkstoffen das Ungleichgewicht im vegetativen Nervensystem zu regulieren. Wirkstoffe der Passionsblume, Melisse, gelber Jasmin, Johanniskraut oder Nieswurz regulieren Angst- und Spannungszustände, Schlaflosigkeit und nervöse Organstörungen, besonders auch des Magen-Darm-Traktes. Eine Vielzahl pflanzlicher Stoffe wirken stark entzündungshemmend, antibakteriell und antimykotisch, so dass hiermit Entzündungen des Verdauungstraktes entgegengewirkt wird. Weiter gilt es, auf schonende Weise und nebenwirkungsfrei den pH-Wert des Blutes und der Zellen zu regulieren. Auch hier stehen dem naturheilkundlichen Behandler eine Vielzahl von Therapeutika zur Verfügung.

Bioresonanz-Therapie

Der Einsatz der Bioresonanz-Therapie ergänzt in vielen Fällen die Behandlung. Mit Hilfe dieses Diagnose- und Therapieverfahrens können gezielt Magen besiedelnde Bakterien und Darmpilze diagnostiziert und auch schonend, aber effektiv behandelt, sowie Zerfallsgifte aus dem Körper ausgeleitet und die Darmflora wieder aufgebaut werden.

Procain-Basen-Infusion

Chronisch schmerzhafte und entzündlich veränderte Gewebe sind über einen sehr langen Zeitraum schlecht durchblutet und übersäuert. Durch die gleichzeitige Verabreichung des biologisch wirksamen Procain mit der den Säurehaushalt regulierenden körpereigenen Substanz Natriumhydrogencarbonat wird die Durchblutung angeregt und die Entsäuerung des Gewebes eingeleitet, wodurch der Stoffwechsel wieder normalisiert und Heilungsprozesse ermöglicht werden. Procain-Basen-Infusionen sind eine hervorragende Ergänzung der Ganzheitlichen Schmerztherapie vor allem bei sehr hartnäckigen Schmerzzuständen.

Weitere Aspekte und moderne Therapieansätze

Mikronährstoffversorgung und Infusionstherapien

Vor allem durch lang andauernden, chronischen Stress oder Viruserkrankungen kann es dazu kommen, dass der Körper nicht ausreichend mit Vitalstoffen versorgt ist. In diesem Fall kann eine Supplementierung mit Nahrungsergänzungen oder der Einsatz von Hochdosis-Infusionen sinnvoll sein. Menschen, die zum Beispiel nach einer Corona-Infektion an Erschöpfung leiden, weisen häufig einen Mikronährstoffmangel auf. Aminosäuren-, Mineralstoff- und Vitaminkuren in Form von Infusionen können diesen erhöhten Bedarf ausgleichen. Ein populäres Beispiel stellt die Vitamin-C-Hochdosistherapie dar.

H.E.L.P. Aphärese

Die H.E.L.P. Aphärese wurde einst zur Entfettung des Bluts von Patienten entwickelt, die durch hohe Blutfettmengen extrem von beispielsweise Herzinfarkten bedroht waren. Bei der Atherosklerose, sprich der Verfettung und Verkalkung der Blutbahnen, laufen ähnliche Prozesse ab wie bei einer Infektion mit Covid-19. Die H.E.L.P. Aphärese könnte all diese Faktoren positiv beeinflussen, da sie das Blut nicht nur von überschüssigen Fetten, sondern auch von Entzündungsstoffen und Gerinnungsfaktoren befreit.

VNS-Analyse

Mit der VNS-Analyse wird die Herzfrequenzvariabilität festgestellt. Mit ihr kann auch eine Aussage über den Zustand des vegetativen Nervensystems getroffen werden. Im Zuge einer effektiven Behandlung bereits vorhandener Folgen einer Corona-Erkrankung lässt sich mit Hilfe einer VNS Analyse die Regulationsfähigkeit des VNS innerhalb von wenigen Minuten messen und auswerten.

Stoffwechselmessung

Nach einer Stoffwechselmessung erhalten Sie Auskunft darüber, wie effektiv Ihr Stoffwechsel arbeitet, worin die genauen Ursachen für Ihre Energielosigkeit liegen oder wie hoch Ihr täglicher Energiebedarf ist.

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