Übungen für den Plexus brachialis: Ein umfassender Leitfaden

Der Plexus brachialis ist ein komplexes Nervengeflecht, das Arm und Hand sowie Teile von Schulter und Hals versorgt. Verletzungen dieses Nervengeflechts können zu Schmerzen, Sensibilitätsstörungen und motorischen Ausfällen führen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Übungen und Behandlungen für den Plexus brachialis, um die Funktion wiederherzustellen und Schmerzen zu lindern.

Einführung zum Plexus brachialis

Der Plexus brachialis, auch Armplexus genannt, ist ein Nervengeflecht, das aus den Nervenwurzeln der Halswirbelsäule (C5-Th1) entspringt. Er versorgt den Arm und die Hand sowie Teile der Schulter und des Halses. Verletzungen des Plexus brachialis können durch Unfälle, Sportverletzungen oder andere Traumata entstehen und zu einer Vielzahl von Symptomen führen.

Ursachen und Symptome von Plexus brachialis Verletzungen

Eine Verletzung des Plexus brachialis entsteht meist bei Unfällen und führt zu Beschwerden am Arm und an der Hand, aber auch in der Hals-Schulter-Region. Die Verletzung führt zu Schmerzen in der Hals-Schulter-Region. Die Schmerzen strahlen in den Arm aus. Zusätzlich sind Störungen der Sensibilität möglich (sensible Defizite), ebenso wie Störungen der Motorik (motorische Defizite). Die motorischen Defizite können sich auf Koordinationsstörungen beschränken, sie können aber auch bis zur Lähmung (Parese) der betroffenen Muskeln reichen. Je tiefer der verletzte Nervenstrang liegt, umso mehr verlagern sich die Symptome in Richtung der Hand. Außerdem können Muskelreflexe wie der Bizepssehnenreflex und der Trizepssehnenreflex abgeschwächt sein.

Oft liegen Begleitverletzungen vor. Etwa 39 % der Betroffenen erleiden Knochenbrüche (Frakturen) von langen Röhrenknochen. Ungefähr jede vierte Person erleidet einen Schlüsselbeinbruch (Klavikulafraktur). Etwa 34 % haben ein Schädel-Hirn-Trauma. Weniger oft kommt es zu Verletzungen des Brustkorbs bzw. der Organe innerhalb des Brustkorbes (Thoraxtrauma).

Eine besonders häufige Ursache für Armplexusläsionen sind Motorradunfälle. Meistens handelt es sich um eine geschlossene Verletzung. Nur selten, z. B. bei Schnitt- oder Schussverletzungen, liegt eine offene Läsion vor. Zu den Risikofaktoren zählen neben dem Motorradfahren auch Kontaktsportarten und Extremsport. Alle diese Ursachen können Schmerzen durch eine Schädigung des Nervengewebes verursachen. Daher spürt man den Schmerz nicht (nur) in der verletzten Region, sondern in den Bereichen, die der Nerv versorgt (neuropathische Schmerzen).

Lesen Sie auch: Übungen nach Plexus brachialis Verletzung

Diagnostik von Plexus brachialis Verletzungen

Im Arztgespräch ist die Frage nach dem Verletzungsmechanismus besonders wichtig. Sie werden nach Schmerzen, Missempfindungen und Taubheit gefragt. Auch motorische Defizite sollten identifiziert werden. Dazu zählen Koordinationsstörungen und eine Kraftminderung der Hand oder des Arms. Es erfolgt eine Kraftprüfung beider Arme und Hände. Ihre Kraft wird mit einer Zahl von 0-5 bewertet, wobei 0 bedeutet, dass sich ein Muskel gar nicht mehr zusammenzieht (Parese), und 5 für eine normale Muskelkraft steht.

Bei der Untersuchung überprüft man u. a. Ihren Bewegungsumfang, Ihre Reflexe, Ihre Muskelkraft sowie Ihre Sensibilität. Ein Beklopfen (Perkussion) bestimmter Hautbereiche rund um das Schlüsselbein führt zu elektrisierenden, ausstrahlenden Schmerzen (Hoffmann-Tinel-Zeichen).

Bei Spezialist*innen/in der Klinik werden Bildgebende Untersuchungen durchgeführt:

  • Röntgen- oder CT-Bild: Damit werden z. B. Knochenbrüche (Frakturen) und andere Begleitverletzungen dargestellt.
  • MRT des Plexus brachialis (Neurografie): Mit diesem Verfahren stellt man die Nervenbahnen dar.
  • Ultraschall: Mit dieser hochauflösenden Nervensonografie kann man die Armnerven untersuchen - und ggf. auch den Plexus brachialis.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen:
    • Messung der elektrischen Muskelaktivität (Elektromyografie, EMG): Dies ist erst ungefähr 3 Wochen nach dem Trauma sinnvoll.
    • Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (Elektroneurografie, ENG): Damit kann man Schäden der peripheren Nerven nachweisen und ihr Ausmaß beurteilen.

Konservative Behandlung von Plexus brachialis Verletzungen

Ziel der Behandlung ist es, Ihre Schmerzen zu lindern und sensible und motorische Defizite zu verringern. Die Funktionen des Armes und der Hand sollen erhalten werden.

  • Schmerzmittel: Neuropathische Schmerzen können mit verschiedenen Medikamentengruppen behandelt werden. Dazu zählen auch Substanzgruppen, die Sie vielleicht nicht erwarten, wie Antidepressiva und Mittel gegen Krampfanfälle (Antikonvulsiva).
  • Physiotherapie: Eine Physiotherapie kann sinnvoll sein.
  • Ergotherapie: Ebenso kann eine Ergotherapie helfen.
  • Elektrotherapie: Eine Elektrotherapie, also die Behandlung mit elektrischem Strom, kann Muskelschwund verzögern, bis die Nervenregeneration abgeschlossen ist.
  • Rehabilitationsmaßnahmen: Rehabilitationsmaßnahmen können Teil der Behandlung sein.

Operative Behandlung von Plexus brachialis Verletzungen

Eine Operation wird etwa dann empfohlen, wenn die Regeneration unter konservativer Behandlung nach ca. 3-6 Monaten nicht ausreicht. Auch wenn eine spontane Reinnervation unmöglich ist, sollten Sie operiert werden. Es sollte außerdem eine Operation gemacht werden, wenn Sie eine offene Plexusläsion erlitten haben oder Blutergüsse (Hämatome) auftreten, die durch ihre Größe das umliegende Gewebe verdrängen.

Lesen Sie auch: Eingeklemmter Nerv: Ein umfassender Leitfaden

Der Zeitpunkt der Operation hängt vom Ausmaß der Verletzung ab. Bei ausgerissenen Nervenwurzeln wird möglichst nach 6-8 Wochen operiert. Wenn keine Nerven durchtrennt sind, sollte die Operation später stattfinden, und zwar nach 3-6 Monaten. Es gibt einige mögliche Operationsverfahren:

  • Freilegung von eingeengtem Nervengewebe (Neurolyse)
  • Verlagerung von gesunden Ästen an beschädigte Äste innerhalb des Plexus - die gesunden Äste können aus dem Plexus oder von außerhalb stammen (intraplexaler Nerventransfer bzw. extraplexaler Nerventransfer).
  • Versetzen eines eigenen Nervenastes aus einem anderen Körperbereich (Autologe Nerventransplantation)
  • Verlagerung von intakten Muskeln zum Funktionserhalt (Ersatzoperation)

Übungen zur Behandlung des Plexus brachialis

Die folgenden Übungen können helfen, die Funktion des Plexus brachialis wiederherzustellen und Schmerzen zu lindern. Es ist wichtig, diese Übungen unter Anleitung eines qualifizierten Physiotherapeuten oder Arztes durchzuführen.

Dehnübungen

  • Handgelenkdehnung:
    1. Drehe die Finger nach außen und immer weiter zurück, bis die Finger im besten Fall zu dir nach hinten zeigen.
    2. Du lässt deine Handfläche am Boden oder auf dem Tisch und erzeugst eine intensive Dehnung am Handgelenk.
    3. Um die Dehnung zu intensivieren, bewege die Schultern zurück.

Übung für die Schulter

  • Wanddehnung:
    1. Stelle dich an eine freie Wand und strecke deinen Arm lang auf Schulterhöhe an ihr aus. Ziel ist es, deine Schulter gegen die Wand zu drücken.
    2. Dein Arm ist lang horizontal an der Wand ausgestreckt, deine Schulter liegt ebenfalls an der Wand: Drehe nun deinen Oberkörper von der Wand weg - so weit, bis du einen deutlichen Dehnungszug in der Schulter spürst. Achte darauf, dass deine Schulter den Kontakt zur Wand behält.
    3. Drücke jetzt deine Hand und deinen Ellenbogen einen Moment lang ganz fest gegen die Wand. Dann versuche, Hand und Ellenbogen zu lösen.
    4. Drehe dich mit deinem Oberkörper zurück zur Wand (Ausgangsposition).
    5. Verändere den Winkel deines lang gestreckten Armes, indem du ihn etwas höher anhebst, damit er über Schulterhöhe liegt. Die Schulter befindet sich weiterhin an der Wand.
    6. Drehe deinen Oberkörper wieder von der Wand weg. Presse wieder Hand und Ellenbogen fest gegen die Wand. Versuche wieder, sie von ihr zu lösen. Und dann drehst du deinen Oberkörper erneut weiter auf.
    7. Für Teil 4 und Teil 5 der Übung streckst du deinen Arm stets etwas höher als zuvor an der Wand entlang aus, die Schulter liegt immer an. Übe dich in der Drehung: Oberkörper wegdrehen, dehnen, pressen, Hand und Ellenbogen versuchen, von der Wand abzuheben, locker lassen und Oberkörper weiter aufdrehen.

Übungen zur Weitung des Raumes im Bereich des Plexus brachialis

  • Schulterkreisen:
    1. Stelle dich gerade hin, die Arme werden locker an der Seite gehalten.
    2. Starte mit einer kreisenden, nach vorne kugelnden Bewegung der Schulter, und zwar von hinten nach vorne.
    3. Die kreisende Bewegung sollte langsam und ca. 2 Minuten durchgeführt werden.
    4. Beide Schultern sollten auf diese Weise parallel bewegt werden.
    5. Nach ca. 2 Minuten sollte man die Schultern in die entgegengesetzte Richtung kreisen.
  • Schulter nach hinten ziehen:
    1. Stehe ebenfalls stehend mit an der Seite hängenden Armen.
    2. Ziehe die Schulter seitengleich und vorsichtig nach hinten, bis du auf der Vorderseite einen leichten Zug wahrnimmst.
    3. Halte diese Position einige Sekunden und bringe dann den Arm wieder in die Neutralposition.
  • Sägen und Pendeln:
    1. Nimm eine bequeme Position ein, die Arme hängen wieder locker an der Seite.
    2. Beginne langsam, pendelnde Bewegungen mit den Armen auch beidseitig durchzuführen.
    3. Du kannst die pendelnden Bewegungen auf beiden Seiten gegensinnig durchführen, also mit einem Arm nach vorne, mit dem anderen nach hinten.
    4. Die Übung sollte man dann ca. 2 Minuten durchführen.

Selbstmassage zur Senkung von Muskelspannungen

  • Drücker-Übung (Light-Osteopressur):
    1. Lege dir einen Schmerzfrei-Drücker (Handgriff und Spitze) bereit und setze dich hin.
    2. Suche zunächst mit deinen Fingern einen Knochenpunkt: Taste dein Schlüsselbein an der Unterkante entlang nach außen in Richtung Schultergelenk.
    3. Bald stößt du auf einen knöchernen Widerstand und du bist in einer Ecke. Drücke dort mal ein wenig.
    4. Nimm den Drücker zur Hand und setze ihn in die Ecke - und zwar genau dorthin an deinem Knochen, an dem es wehtut.
    5. Drücke dich intensiv und so lange, bis der Druckschmerz nachlässt. Es ist wichtig, dass du dich immer am Knochen drückst!

Ultraschallgestützte Blockade des Plexus brachialis

In bestimmten Fällen kann eine ultraschallgestützte Blockade des Plexus brachialis auf axillärer Ebene eine wirksame Methode zur Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung sein. Bei dieser Technik werden Lokalanästhetika gezielt in die Nähe der Nerven injiziert, um die Schmerzübertragung zu blockieren.

  • Sonografische axilläre Schlüsselandmarken: Der M. latissimus dorsi, der Musculus coracobrachialis und die A. axillaris.
  • Out-of-Plane-Technik: Diese Technik ist gewebeschonender und arterielle Abgänge sind leichter zu umgehen. Ferner ist die OOP-Technik flexibler, wenn nicht alle peripheren Nerven in einem Schnitt zu erkennen sind.

Wichtige Hinweise zur Durchführung der Blockade

  • Selektive Blockade der Nerven: Die selektive Blockade der peripheren Nerven ist erforderlich, weil Septierungen und Bindegebestunnel eine vollumfassende LA-Ausbreitung verhindern.
  • Sonografische Landmarken: Sehne des M. latissimus dorsi, M. teres major, A. axillaris und der M. coracobrachialis.
  • Äußere Landmarke: Ankopplung am Rand des M. pectoralis.
  • Lagerung: Ein gewisser Grad der Armabduktion zur Ankopplung und der Sondenmanöver und Punktion (ideal ca. 90°) muss gewährleistet sein, die Nervenlokalisation erfolgt sonografisch.
  • OOP-Technik: Die OOP-Technik ist die gewebeschonendere und versatilere Technik gegenüber der IP-Punktion.
  • Erweiterung der Blockade: In der OOP-Technik können erweiternd der N. axillaris und das Spatium axillare subfasziale erreicht werden.
  • Axilläre Ebene: Die axilläre Ebene ist einzige Position aller Plexus brachialis Blockaden, wo der N. intercostobrachialis mit dem gleichen Hauteinstich nahezu immer auf Grund des kürzeren Punktionsweges erreicht werden kann.

Klinische Überprüfung der Blockade

  • Motorisch:
    • N. radialis (C5-Th1): „Strecken Sie den Arm im Ellenbogengelenk“ - M. triceps.
    • N. medianus (C6-Th1).“Greifen Sie mit Daumen und Zeigefinger, drehen Sie die Hand nach außen“ - M. flexor carpi radialis, Mm. pronator teres et quadratus.
    • N. ulnaris (C8-Th1): „Beugen Sie im Handgelenk, Spreizen Sie die Finger, Beugen Sie den kleinen und den Rinfinger“ - M. flexor carpi ulnaris, Mm. flexor digitorum profundus.
    • N. musculocutaneus (C6-C8) : „Beugen Sie den Arm“ - M. biceps brachii.
  • Sensibel:
    • N. musculocutaneus - Area propria
    • N. cutaneus brachii medialis

Zusammenfassung der Ultraschallgestützten Blockade

Die selektive Blockade der peripheren Nerven ist erforderlich, weil Septierungen und Bindegebestunnel eine vollumfassende LA-Ausbreitung verhindern. Sonografische Landmarken sind: Sehne des M. latissimus dorsi, M. teres major, A. axillaris und der M. coracobrachialis. Äußere Landmarke: Ankopplung am Rand des M. pectoralis. Lagerung: ein gewisser Grad der Armabduktion zur Ankopplung und der Sondenmanöver und Punktion (ideal ca. 90°) muss gewährleistet sein, die Nervenlokalisation erfolgt sonografisch. Die OOP-Technik ist die gewebeschonendere und versatilere Technik gegenüber der IP-Punktion. In der OOP-Technik können erweiternd der N. axillaris und das Spatium axillare subfasziale erreicht werden.Die axilläre Ebene ist einzige Position aller Plexus brachialis Blockaden, wo der N.

Prävention von Plexus brachialis Verletzungen

Tragen Sie eine Schutzausrüstung, wenn Sie sich in Situationen mit einem entsprechenden Verletzungsrisiko begeben (z. B. bei Extremsportarten und beim Motorradfahren).

Lesen Sie auch: Periode und Sport: Übungen zur Schmerzlinderung

Prognose von Plexus brachialis Verletzungen

Abhängig vom Schweregrad der Plexusverletzung kann eine spontane Nervenheilung möglich sein (Reinnervation). Die Spontanheilung kann zu besseren funktionellen Ergebnissen führen als eine Operation - selbst wenn die Operation optimal verläuft. Allerdings dauert die Nervenregeneration etwa 2,5-3 Jahre. Bei ausgerissenen Nervenwurzeln kann keine spontane Regeneration stattfinden.

Insgesamt sind etwa 70 % der Ergebnisse bei oberen Plexusläsionen gut. Bei unteren Plexusläsionen ist die Prognose schlechter. Als Folge einer Plexusläsion können langfristig Defizite der Sensibilität oder Motorik mit einer Funktionseinschränkung zurückbleiben. Neuropathische Schmerzen können chronisch werden.

tags: #ubungen #plexus #brachialis