Ultraschall ist allgegenwärtig und findet in vielen Bereichen unseres Lebens Anwendung. Doch während die meisten Menschen ihn nicht bewusst wahrnehmen, mehren sich die Hinweise, dass er möglicherweise gesundheitliche Auswirkungen haben könnte, insbesondere im Zusammenhang mit Migräne. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Nebenwirkungen von Ultraschall, insbesondere im Hinblick auf Migräne, und untersucht alternative Behandlungsansätze.
Die allgegenwärtige Beschallung: Ultraschall im Alltag
Ultraschall, definiert als Schallwellen oberhalb der menschlichen Hörschwelle von etwa 16 Kilohertz, ist in unserer modernen Welt weit verbreitet. Tim Leighton von der University of Southampton hat ermittelt, dass wir im Alltag ununterbrochen diesen für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbaren Geräuschen ausgesetzt sind. Selbst Lautsprecher, Türöffner und andere Geräte senden diese hohen Frequenzen aus.
In öffentlichen Gebäuden wie Bahnhöfen, Schulen, Kinos oder Sportanlagen werden Ultraschalltöne oder -pulse von hoher Intensität meist von Lautsprechersystemen ausgesendet. Sie treten zwischen Verstärkern und Lautsprecher-Schaltkreisen auf und dienen unter anderem als Empfangsbestätigung. Leighton registrierte in der großen Halle eines Bahnhofs eine Belastung von 94 Dezibel für Töne um 20 Kilohertz, in einer Schule und in einem Museum immerhin noch zwischen 60 und 80 Dezibel.
Vor wenigen Jahrzehnten kamen Ultraschallquellen nur bei bestimmten Bohrungen, Reinigungsgeräten oder als Nebeneffekt von großem Lärm vor. Heute gibt es kaum ein Entrinnen vor dem Ultraschall-Smog. Selbst Computer und drahtlose Ladegeräte können Ultraschall aussenden.
Ultraschall und seine potenziellen gesundheitlichen Auswirkungen
Die Auswirkungen dieser allgegenwärtigen Beschallung auf die menschliche Gesundheit sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt noch keine belastbaren Beweise dafür, dass diese unserer Gesundheit schaden, aber Leighton kann es sich vorstellen. Er hat Studien aus den vergangenen 40 Jahren zusammengetragen, die sich mit Ultraschall und dessen Auswirkungen auf den menschlichen Körper beschäftigen. Wie Leighton in den "Proceedings A" der britischen Royal Society darlegt, sei es nicht ausgeschlossen, dass intensive Schallwellen der Gesundheit schaden können.
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Nach Ansicht des Forschers könnte diese ununterbrochene Beschallung für gesundheitliche Probleme sorgen. Leighton vermutet, dass die unhörbaren Schallpulse hinter unspezifischen Beschwerden wie Übelkeit, Tinnitus, Kopfschmerzen und Migräne-Attacken oder ein Druckgefühl stecken könnten. "Obwohl solche Symptome im Zusammenhang mit Ultraschall schon seit 40 Jahren berichtet werden, macht ihre unspezifische Natur es schwer, sie einer klinischen Ursache zuzuordnen.“
Zwar gibt es Vorschriften, um starke Ultraschallbelastungen am Arbeitsplatz zu vermeiden. Diese sind jedoch Jahrzehnte alt und beziehen sich meist auf hohe Breitband-Frequenzen - sozusagen ein Ultraschall-Rauschen, wie der Forscher erklärt. Der durch die modernen Geräte erzeugte "akustische Smog" aus schmalbandigen, spitzen Tönen wird bisher nicht berücksichtigt. Auch die Folgen wurden noch nicht näher untersucht. Bei vielen Geräten sei nicht einmal angegeben, welche Intensitäten an Ultraschall sie aussenden würden, kritisiert Leighton. Er rät daher dringend zu weiteren Untersuchungen zur Belastung durch den Ultraschall-Smog und die möglichen Auswirkungen auf die Gesundheit.
Migräne: Mehr als nur Kopfschmerzen
Starker pulsierender Kopfschmerzen, oft von Übelkeit oder Erbrechen begleitet sowie in vielen Fällen eine starke Lichtempfindlichkeit sind die typischen Symptome einer Migräne. Rund 15 % der Frauen und 8 % der Männer sind weltweit davon betroffen. Besonders in den Industrienationen ist die Migräne die häufigste chronische Schmerzform.
Migräne ist mehr als bloßer Kopfschmerz. Deshalb sucht man schon lange nach einer wirksamen Therapie. Nur etwa jeder zweite der Patienten mit Migräne weiß, dass er nicht an einfachen Kopfschmerzen sondern an Migräne leidet, obwohl die Migräneattacken zu einer massiven Beeinträchtigung der Lebensqualität führen können. Dabei sind die Ursachen für die starken Kopfschmerzattacken noch immer nicht endgültig erforscht.
Die in Studien gesammelten Daten zeigen jedoch, dass es sich bei der Migräne um eine Reizung der Blutgefäße im Gehirn handelt, welche die Gefäßwände durchlässig macht und zu einer Entzündung des durchbluteten Nervengewebes führt. Verschiedene Einflüsse wie Licht, Lärm, Stress, Nahrungs- und Genussmittel, Wetterumschwünge, Flüssigkeitsmangel, Schlafmangel können die Migräne auslösen. Dabei muss zwischen einer Migräne ohne Aura und einer Migräne mit Aura, die zu neurologischen Störungen wie Taubheitsgefühl einhergeht und ein erhöhtes Schlaganfallrisiko birgt, unterschieden werden. Deshalb sollten bei Patienten mit wiederkehrenden Kopfschmerzen unbedingt auch eine Ultraschalluntersuchung der Gefäße durchgeführt werden. Generell kann festgehalten werden, dass Frauen mehrheitlich betroffen sind. Besonders zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr leiden sie mehr als doppelt so häufig unter einer Migräne als Männer.
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Ultraschall und Migräne: Ein möglicher Zusammenhang
Es gibt Hinweise darauf, dass Ultraschall bei manchen Menschen Migräne auslösen oder verstärken kann. Lea Davis spürte den Schall zum ersten Mal als Teenager. Ihre Eltern hatten Tierschreckgeräte gekauft, die mithilfe von Ultraschalltönen Mäuse verjagen sollten. „Ich konnte sie kaum hören, aber wenn die Geräte an waren, wurde ich fahrig und unkonzentriert“, erinnert sie sich. Ihre Eltern merkten, wie sehr die Geräte Lea durcheinanderbrachten, und schalteten sie aus, wenn sie in der Nähe war. Wenn sie es vergaßen, setzten Leas Symptome sofort ein. Sie konnte sich nicht auf ihre Hausaufgaben konzentrieren und fühlte sich abgeschlagen - bis die Geräte wieder aus waren. Auch ihre Kinder reagierten mit Ohrenschmerzen und Übelkeit.
Der Forscher Timothy Leighton begann nach seinen Messungen mit einer Detektivarbeit. Er verglich Richtlinien aus der ganzen Welt, die Menschen vor Ultraschall schützen sollen. Angeblich basierten die Auflagen auf soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen. Leighton zählte nach: Alle Richtlinien zitierten die selben sechs Studien aus den 60er- und 70er-Jahren. Aber diese Studien waren nicht besonders umfangreich, eine von ihnen ist längst zurückgezogen worden. Die Richtlinien galten als „vorübergehend“, als sie in Kraft traten - und sind nie überarbeitet worden.
Es gibt also gar keine wissenschaftliche Basis, um zu beurteilen, ob und in welchem Maß Ultraschall für Menschen gefährlich ist. Leighton vermutet, dass die Wellen die Gesundheit sensibler Menschen beeinträchtigen können und dass die bisherigen Grenzwerte viel zu niedrig sind.
Alternative Behandlungen für Migräne
Da die Ursachen für Migräne noch nicht vollständig erforscht sind, gibt es keine 100 % wirksame Methode zur Vermeidung oder Behandlung der Migräne. Es gibt jedoch verschiedene Therapieansätze, die helfen können, die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren.
Akuttherapie
Ziel der Akuttherapie ist es, die Migräneattacke möglichst schnell und vollständig zu beenden.
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- Schmerzmittel: Nichtopioidanalgetika und nichtsteroidale Antiphlogistika (Aspirin, Paracetamol, Ibuprofen, Naproxen, Metamizol) können eine Linderung erbringen, sind aber nicht immer wirksam.
- Triptane: Diese wirken spezifischer und damit etwas besser als die o.g. anderen Schmerzmittel, und zwar u.a. durch eine Verengung der Blutgefäße im und am Kopf. Neben vielen oralen Triptanen, die sich in ihrer Wirkschnelligkeit und Wirkdauer unterscheiden, gibt es auch als Nasenspray oder als Spritzen anzuwendende Triptane. Aufgrund der Gefahr von gravierender Nebenwirkungen, sollte der Einsatz bedacht und unter ärztlicher Kontrolle geschehen.
- Lasmiditan („Rayvow“): Es kann bei Kontraindikationen gegen Triptane eingesetzt werden, da es keinen gefäßeinengenden Effekt (Vasokonstriktion) verursacht. Allerdings ist es weniger effektiv als Triptane. Außerdem führt es u.a.
- Rimegepant: Dies ist ein neu entwickelter CGRP-Rezeptor-Antagonist, der in Deutschland zwar schon zugelassen, jedoch noch nicht verfügbar ist und theoretisch zur Anwendung kommt, wenn Analgetika oder Triptane nicht eingesetzt werden können oder nicht vertragen werden. Auch hier kommt es nicht zu einer Vasokonstriktion.
- Gegen begleitende Übelkeit können Substanzen wie Metoclopramid oder Domperidon eingesetzt werden.
- Nicht-pharmakologische Maßnahmen: Minzöl, Entspannung, Biopfeedback etc. Deren Wirksamkeit in der Akuttherapie ist bisher wissenschaftlich nur wenig untersucht worden. Auch Akupunktur ist als nichtmedikamentöses Verfahren wirksam in der Behandlung einer akuten Migräne.
Prophylaktische Therapie
Bei einer hohen Anzahl von Migräneattacken pro Monat kommt weiterhin die prophylaktische Therapie zum Einsatz. Diese soll langfristig die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen reduzieren.
- Medikamente: Verschiedene Medikamente, die ursprünglich gegen andere Erkrankungen eingesetzt werden, haben sich in der prophylaktischen Therapie der Migräne als wirksam erwiesen.
- CGRP-Antagonisten: Wenn andere Substanzen erfolglos probiert wurden oder Kontraindikationen gegen eine Therapie bestehen, können Antikörper gegen das Molekül CGRP (Calcitonin gene related peptide) oder seinen Rezeptor eingesetzt werden. Im Einzelnen sind dies Fremanezumab („Ajovy“), Galcanezumab („Emgality“) oder Erenumab (CGRP-Rezeptor-Antikörper; „Aimovig“). Diese Substanzen werden alle 4 Wochen vom Patienten selbst unter die Haut (subkutan) gespritzt.
- Botulinumtoxin A (Botox): Bei sehr häufigen Migräneattacken, also bei chronischer Migräne, kann das Nervengift Botulinumtoxin A an mehrere spezifische Stellen unter die Kopfhaut gespritzt wirken.
- Nicht-pharmakologische Verfahren: Ausdauersport, aber auch andere Sportarten, Yoga, Entspannungstechniken, Biofeedback, Akupunktur, Änderung des Lifestyles und der Ernährung etc. Bezüglich der Ernährung soll eine zuckerarme, fettarme oder ketogene Diät in manchen Fällen effektiv sein.
Migräne-Spritze
Die Migräne-Spritze ist ein Medikament zur Vorbeugung von Migräne. Sie gehört zur Gruppe der monoklonalen Antikörper. Das sind im Labor hergestellte Wirkstoffe, die gezielt den Botenstoff CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) im Körper blockieren. Dieser spielt bei der Entstehung von Migräne eine entscheidende Rolle. Wird seine Wirkung gehemmt, können Attacken seltener auftreten und schwächer ausfallen.
Die Spritze gegen Migräne kommt nicht in akuten Phasen zum Einsatz, sondern dient der langfristigen Vorbeugung. Verabreicht wird sie in der Regel einmal im Monat oder alle drei Monate - je nach Präparat. Es handelt sich um eine subkutane Injektion, also eine Spritze in das Unterhautfettgewebe. Patient*innen haben die Möglichkeit, sich die Spritze gegen Migräne selbst zu Hause zu verabreichen.
Die Migräne-Spritze kommt infrage, wenn andere vorbeugende Therapien nicht wirken oder nicht vertragen werden. Sie richtet sich an Menschen, die regelmäßig unter Migräne leiden, also meist bei mindestens vier Migräne-Tagen pro Monat.
Nach aktuellem Stand sind bei Migräne-Spritzen keine Langzeitfolgen bekannt.
Botox-Behandlung
Botox (Botulinumtoxin A) wird nur bei chronischer Migräne empfohlen. Dabei injizieren speziell geschulte Ärzt*innen den Wirkstoff in sehr niedriger Dosis an mehreren Stellen der Kopf- und Nackenmuskulatur. Botox entspannt die Muskeln und unterdrückt bestimmte Schmerzsignale. Die Behandlung erfolgt mindestens alle drei Monate.
Ultraschall als Nervenstimulation
Eine weitere Form der Nervenstimulation kann mit Ultraschall durchgeführt werden. Dabei geht es allerdings nicht um den Ultraschall, mit dem der Arzt manche Untersuchungen durchführt, sondern um einen speziell ‚fokussierten‘, also gebündelten und in Pulsen abgesetzten Ultraschall. Die nicht hörbaren Ultraschallwellen kommen dabei also sozusagen in kleineren Päckchen gezielt an der zu behandelnden Stelle an. Vergleichbar zu anderen Methoden können so beispielsweise Vagusnerv oder Okzipitalnerv stimuliert werden.
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei der Migräne-Spritze
Auch wenn die Migräne-Spritze in vielen Fällen gut verträglich ist, gibt es bestimmte Situationen, in denen besondere Vorsicht geboten ist.
Die wichtigsten Hinweise im Überblick:
- Therapie nur bei klarer Diagnose: Die Migräne-Spritze ist ausschließlich für die Vorbeugung von Migräne gedacht und nicht zur Linderung akuter Kopfschmerzen. Eine eindeutige Diagnose ist Voraussetzung für die Behandlung.
- Regelmäßige ärztliche Kontrolle: Während der Therapie sollten die Wirkung und mögliche Nebenwirkungen regelmäßig überprüft werden. Das erfolgt meist nach drei bis sechs Monaten. Auch längerfristig sind Kontrolltermine wichtig, um zu beurteilen, ob die Behandlung weiter notwendig ist.
- Achtung bei Magen-Darm-Beschwerden: Einige Präparate stehen im Verdacht, Verstopfung oder andere gastrointestinale Beschwerden zu verstärken.
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