Umschulung zum Pfleger für Alzheimer-Patienten: Voraussetzungen und Perspektiven

Die Betreuung von Menschen mit Demenz, insbesondere Alzheimer, stellt eine wachsende Herausforderung für unsere Gesellschaft dar. Angesichts des demografischen Wandels und der steigenden Zahl von Demenzerkrankungen steigt der Bedarf an qualifizierten Pflegekräften, die in der Lage sind, den besonderen Bedürfnissen dieser Patientengruppe gerecht zu werden. Eine Umschulung zum Pfleger für Alzheimer-Patienten kann eine sinnvolle und erfüllende Karriereoption darstellen, die sowohl persönliche als auch berufliche Perspektiven eröffnet.

Die Rolle der Betreuungskraft nach § 53b SGB XI

Ein wichtiger Aspekt in der Betreuung von Menschen mit Demenz ist die zusätzliche Betreuung und Aktivierung, auf die alle Pflegebedürftigen in teil- und vollstationären Pflegeeinrichtungen einen Anspruch haben (§ 43b Elftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB XI)). Hier kommen Betreuungskräfte ins Spiel, die Menschen mit Demenz betreuen und aktivieren, um ihr Wohlbefinden und ihre Stimmung positiv zu beeinflussen. Dies kann beispielsweise durch gemeinsames Malen, Basteln, Brett- und Kartenspiele oder die Begleitung bei Ausflügen und Spaziergängen geschehen.

Die Qualifikation nach § 53b SGB XI wird oft mit Begriffen wie Alltagsbegleiter/in, Alltagshelfer/in oder Betreuungsassistent/in bezeichnet. Betreuungskräfte arbeiten eng mit Pflegefachkräften in voll- oder teilstationären Einrichtungen oder für ambulante Pflegedienste zusammen. Ihre Aufgabe ist es, den erkrankten Menschen zu respektieren und seine Ressourcen zu erhalten.

Dementia Care Nurse (DCN) / Demenzpfleger/in: Eine Spezialisierung in der Pflege

Eine spezialisierte Rolle in der Pflege von Menschen mit Demenz ist die des Dementia Care Nurse (DCN) oder Demenzpflegers/in. Diese Fachkräfte konzentrieren sich auf die Betreuung von Patienten mit Demenz und bieten eine individuelle, ganzheitliche und patientenzentrierte Pflege an.

Voraussetzungen für die Tätigkeit als Dementia Care Nurse

Um als Dementia Care Nurse tätig zu sein, sind bestimmte Voraussetzungen erforderlich. In der Regel ist eine Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger/in, Altenpfleger/in oder Heilerziehungspfleger/in erforderlich. Es ist auch möglich, eine spezialisierte Ausbildung im Bereich der Gerontologie oder Demenzpflege zu absolvieren. Erfahrung in der Pflege älterer Menschen und/oder in der Betreuung von Menschen mit Demenz ist außerdem von Vorteil.

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Dementia Care Nurses sollten auch in der Lage sein, effektiv mit Patienten, Angehörigen und anderen medizinischen Fachkräften wie Pflegekräften, Ärzten und Therapeuten zu kommunizieren. Dazu braucht es besonders viel Empathie und Sensibilität.

Ausbildung und Fortbildungsmöglichkeiten

Es gibt keine eigenständige Ausbildung für Dementia Care Nurses, da es sich um eine spezialisierte Rolle innerhalb der Pflege handelt. Die meisten Dementia Care Nurses verfügen über eine Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger/in, Altenpfleger/in oder Heilerziehungspfleger/in. Eine zusätzliche spezialisierte Ausbildung im Bereich der Gerontologie oder Demenzpflege kann von Vorteil sein, ist aber nicht immer erforderlich.

Es gibt stattdessen verschiedene Fortbildungen und Schulungen, die Dementia Care Nurses besuchen können, um ihr Wissen und ihre Fähigkeiten zu erweitern. Dazu gehören:

  • Zertifikatskurse: Verschiedene Organisationen bieten Zertifikatskurse in der Demenzpflege an. Diese Kurse können online oder in Präsenz besucht werden und umfassen Themen wie z.B.
  • Fortbildungskurse: Viele Krankenhäuser, Pflegeheime und andere Gesundheitseinrichtungen bieten Fortbildungskurse für Dementia Care Nurses an. Diese Kurse können spezifische Themen wie z.B.
  • Konferenzen und Workshops: Es gibt viele Konferenzen und Workshops, die sich auf die Demenzpflege spezialisiert haben.

Bisher bietet nur die School of Health Care in Halle (Sachsen-Anhalt) die Weiterbildung zur Dementia Care Nurse an. Die Gebühren betragen aktuell 3.250 Euro; darin sind jedoch alle Kursmaterialien enthalten. Anreise und Unterbringung für Kursbesucher aus anderen Bundesländern gehören jedoch nicht dazu. Aber: Oftmals finanzieren Arbeitgeber zumindest einen Teilbetrag.

Aufgaben einer Dementia Care Nurse

Die Aufgaben einer Dementia Care Nurse sind vielfältig und können je nach Arbeitsumfeld variieren. Im Allgemeinen konzentriert sich die Arbeit einer Dementia Care Nurse aber darauf, die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz zu unterstützen und zu verbessern. Einige der typischen Aufgaben einer Dementia Care Nurses können z.B. sein:

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  • Dementia Care Nurses erstellen Pflegepläne für Menschen mit Demenz und überwachen und aktualisieren diese regelmäßig.
  • Dementia Care Nurses beobachten und bewerten regelmäßig den Zustand und die Bedürfnisse von Patienten mit Demenz.
  • Dementia Care Nurses können bei alltäglichen Aufgaben wie der Körperpflege, Anziehen und Essen helfen.

Arbeitsorte und Gehaltsaussichten

Dementia Care Nurses werden vorwiegend von Einrichtungen der Alten- und Krankenpflege gesucht, die auf die Betreuung von Patienten mit Demenz spezialisiert sind. Dazu zählen beispielsweise Pflegeheime, geriatrische Kliniken, ambulante Pflegedienste oder Tagespflegeeinrichtungen. Auch Krankenhäuser und Hospize können Bedarf an Dementia Care Nurses haben.

Umschulung zur Demenzfachkraft: Eine Alternative

Eine weitere Möglichkeit, sich auf die Pflege von Menschen mit Demenz zu spezialisieren, ist die Umschulung zur Demenzfachkraft. Dieser Beruf gewinnt zunehmend an Bedeutung, da die Zahl der Menschen mit Demenzerkrankungen stetig steigt. Demenzfachkräfte sind speziell geschult, um die besonderen Bedürfnisse und Herausforderungen von Demenzpatienten zu verstehen und zu betreuen.

Aufgaben und Verantwortlichkeiten

Demenzfachkräfte sind Experten in der Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz. Sie sorgen für die tägliche Pflege, bieten emotionale Unterstützung und entwickeln individuelle Betreuungspläne. Zu ihren Aufgaben gehört es auch, die Angehörigen zu beraten und zu unterstützen. Demenzfachkräfte helfen, Angehörige und andere Pflegekräfte professionell zu entlasten, da sie über spezielles Wissen zur Betreuung und Pflege von Demenzkranken verfügen, das sie durch eine Ausbildung nach § 43b und § 53c SGB XI erworben haben. Die Begleitung von dementen Menschen erfordert ein hohes Maß an Verständnis.

Voraussetzungen für die Umschulung

Die Qualifikation zur Demenzfachkraft erfolgt in der Regel über eine Weiterbildung. Diese Weiterbildung richtet sich an Personen, die bereits im Pflege- oder Gesundheitssektor tätig sind und sich spezialisieren möchten. Für die Weiterbildung zur Demenzfachkraft ist in der Regel eine abgeschlossene Ausbildung in einem pflegerischen oder medizinischen Beruf erforderlich, wie z.B. als Altenpfleger, Gesundheits- und Krankenpfleger oder Heilerziehungspfleger. Zusätzlich sind praktische Erfahrungen in der Pflege wünschenswert.

Dauer und Inhalte der Weiterbildung

Die Dauer der Weiterbildung zur Demenzfachkraft variiert je nach Anbieter, beträgt jedoch meist zwischen sechs und zwölf Monate. Die Weiterbildung umfasst theoretische und praktische Unterrichtseinheiten. Während der Weiterbildung zur Demenzfachkraft erhält man in der Regel kein Gehalt.

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Arbeitsalltag und Arbeitszeiten

Der Berufsalltag einer Demenzfachkraft ist sehr vielseitig. Zu den täglichen Aufgaben gehört die Unterstützung der Demenzpatienten bei der Körperpflege, Ernährung und Mobilität. Darüber hinaus führen Demenzfachkräfte aktivierende Maßnahmen durch, wie Gedächtnistraining oder kreative Aktivitäten, um die kognitiven Fähigkeiten der Patienten zu fördern.

Demenzfachkräfte finden Beschäftigung in verschiedenen Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens. Dazu gehören Altenpflegeheime, geriatrische Abteilungen von Krankenhäusern, ambulante Pflegedienste und spezialisierte Demenz-Wohngruppen. Die Arbeitszeiten von Demenzfachkräften können variieren, je nachdem, in welcher Einrichtung sie tätig sind. In stationären Einrichtungen wie Pflegeheimen und Krankenhäusern sind Schichtdienste üblich, einschließlich Nacht- und Wochenenddiensten.

Gehaltsaussichten

Das Gehalt einer Demenzfachkraft hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Art der Einrichtung, der Region und der Berufserfahrung. Im Durchschnitt liegt das monatliche Bruttogehalt zwischen 2.500 und 3.200 Euro.

Berufsperspektiven

Die Berufsperspektiven für Demenzfachkräfte sind aufgrund des demografischen Wandels und der steigenden Zahl an Demenzpatienten sehr gut. Es gibt einen hohen Bedarf an spezialisierten Fachkräften in der Altenpflege und im Gesundheitswesen. Für Demenzfachkräfte gibt es zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten, um ihre Kenntnisse und Fähigkeiten weiter zu vertiefen. Dazu gehören Fortbildungen in den Bereichen Palliativpflege, Gerontologie oder Validation. Die Zukunftsaussichten für Demenzfachkräfte sind sehr positiv. Der Bedarf an qualifizierten Pflegekräften wird in den kommenden Jahren weiter steigen, was stabile und sichere Beschäftigungsmöglichkeiten bietet.

Fachweiterbildung Geriatrische Pflege

Die Fachweiterbildung in geriatrischer Pflege ist eine weitere Möglichkeit, sich auf die Betreuung älterer Menschen zu spezialisieren. Die Geriatrie widmet sich der Behandlung von akuten und chronischen Erkrankungen älterer Menschen und bezieht dabei körperliche, geistige, funktionale und soziale Aspekte in die Versorgung ein. Die geriatrische Pflege adressiert typische Alterssyndrome wie Sturzneigung und Gebrechlichkeit.

Zugangsvoraussetzungen, Struktur und Dauer

Die Zugangsvoraussetzungen, Weiterbildungsinhalte sowie die Struktur und Dauer der Weiterbildung zur Fachkraft für Geriatrie variieren je nach Anbieter, doch die Unterschiede sind in der Regel nicht signifikant.

Zugangsvoraussetzungen:

  • Eine abgeschlossene Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger/-in oder Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/-in.
  • Eine abgeschlossene Ausbildung zum/zur examinierten Altenpfleger/-in.
  • Mindestens 6 Monate Berufserfahrung in einer geriatrischen Einrichtung.

Struktur und Dauer:

Die Weiterbildung zur Fachkraft für Geriatrie, wie sie von der DGGP angeboten wird, besteht aus 216 Stunden Präsenzunterricht in Form von Blockseminaren, die sich über einen Zeitraum von 9 Monaten erstrecken. Hinzu kommen 92 Stunden, die für das Selbststudium vorgesehen sind. Die Ausbildung schließt mit einer zweitägigen Abschlussprüfung ab.

Thematische Schwerpunkte

Thematische Schwerpunkte dieser Weiterbildung beinhalten den Umgang mit altersbedingten physiologischen Veränderungen, spezifische Herausforderungen in der Geriatrie, sowie die Vermittlung von Kenntnissen über rechtliche Grundlagen und ethische Aspekte in der Pflege älterer Menschen.

Kosten und Finanzierung

Die Kosten für die Fachweiterbildung zur Fachkraft für Geriatrie unterscheiden sich je nach Anbieter und können zwischen 3.000 Euro und 5.000 Euro liegen. Diese Gebühren decken hauptsächlich die Kurskosten ab. Zusätzliche Ausgaben, wie für Lehrmaterialien, Prüfungsgebühren oder Reisekosten, sind in der Regel nicht inbegriffen. Die Kosten werden oft von Arbeitgebern übernommen, jedoch ist diese Kostenübernahme oft an die Bedingung einer längeren Betriebszugehörigkeit nach Abschluss der Weiterbildung geknüpft.

Weiterbildungsinhalte

Die Fachweiterbildung zur Fachkraft für geriatrische Pflege ist in der Regel in Module unterteilt, die ein breites Spektrum an Themen abdecken. Diese Module sind darauf ausgerichtet, die professionelle Identität und Handlungskompetenz der Teilnehmenden im geriatrischen und rehabilitativen Handlungsfeld zu fördern.

Einige der wesentlichen Inhalte dieser Weiterbildung umfassen:

  • Handeln im interdisziplinären Team.
  • Rechtsgrundlagen im geriatrischen und rehabilitativen Handlungsfeld.
  • Chronische und akute geriatrische Krankheitsbilder, Diagnostik, Therapie und Prävention.
  • Ethik in der geriatrischen Pflege.
  • Grundkurse in Bobath, Basaler Stimulation und integrativer Validation.
  • Pflegekonzepte im geriatrisch-rehabilitativen Handlungsfeld.
  • Gesundheitssystemgestaltung im Hinblick auf geriatrische Versorgungsstrukturen.
  • Kultursensible Pflege.
  • Expertenstandards zu Wundmanagement, Kontinenzförderung, Sturzprophylaxe.
  • Pharmakotherapie und Schmerzmanagement.
  • Störungen der Nahrungsaufnahme und des Sprechapparates.
  • Erkrankungen des Hormon- und Stoffwechselsystems.
  • Kennenlernen verschiedener stationärer und ambulanter Versorgungsangebote.
  • Selbsthilfe fördern und in das professionelle Handeln einbeziehen.
  • Onkologie und palliative Pflege.
  • Wissenschaftliches Arbeiten und Evidenzbasierung.
  • Praxistransferaufgaben mit Auswertung im kollegialen Austausch.

Arbeitsschwerpunkte

Fachpflegekräfte für Geriatrie finden ein breites Spektrum an Einsatzbereichen in verschiedenen Gesundheitseinrichtungen:

  • Stationäre Pflegeeinrichtungen: Dies umfasst traditionelle Alten- und Pflegeheime, wo Fachpflegekräfte für die umfassende Betreuung und Pflege älterer Menschen verantwortlich sind.
  • Spezialisierte Geriatrieabteilungen in Krankenhäusern: Hier arbeiten sie in multidisziplinären Teams, um ältere Patienten mit komplexen Gesundheitsproblemen zu versorgen.
  • Rehabilitationseinrichtungen: Diese Einrichtungen fokussieren sich auf die Wiederherstellung der Selbstständigkeit und Mobilität älterer Menschen nach Krankheiten oder Operationen.
  • Ambulante Pflegedienste: In diesem Bereich bieten Fachpflegekräfte Unterstützung und Pflege für ältere Menschen an, die zu Hause leben.
  • Tagespflegeeinrichtungen: Sie bieten tagsüber Betreuung und Pflege für ältere Menschen, die nicht rund um die Uhr Betreuung benötigen, aber dennoch Unterstützung im Alltag brauchen.
  • Hospize und palliative Einrichtungen: Fachpflegekräfte betreuen hier ältere Menschen am Ende ihres Lebens und bieten Unterstützung in der Palliativpflege.
  • Gedächtniskliniken und Einrichtungen für Menschen mit Demenz: In diesen spezialisierten Einrichtungen kümmern sie sich um ältere Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen.
  • Beratung und Schulung: Einige Fachpflegekräfte arbeiten auch in der Patienten- und Familienberatung oder als Dozenten in der Aus- und Weiterbildung im Bereich der Geriatrie.

Berufliche Perspektiven und Gehalt

Fachpflegekräfte mit einer Weiterbildung in Geriatrie werden höher eingestuft als solche ohne diese Qualifikation, was zu einem höheren Gehalt führt. In öffentlichen Einrichtungen gilt der Tarifvertrag TVöD-P. Fachpflegekräfte in der Geriatrie werden in der Entgeltgruppe P9 eingestuft. Mit zusätzlichen Leitungsaufgaben können sie in höhere Gruppen wie P10 oder P11 aufsteigen.

Das Bruttogehalt in P9 nach 5 Jahren Berufserfahrung beträgt etwa 4.400 Euro monatlich, das Einstiegsgehalt liegt bei rund 3.800 Euro. Die Gehälter in Tarifverträgen anderer Träger sind ähnlich.

Zukunftsaussichten

Die geriatrische Pflege ist aufgrund der steigenden Zahl älterer Menschen ein dynamisch wachsender Markt. Es besteht eine hohe Nachfrage nach Fachkräften sowohl in der ambulanten als auch in der stationären Pflege. Mögliche Arbeitgeber in der stationären Pflege sind insbesondere Senioren- und Pflegeheime, während in der ambulanten Pflege vor allem ambulante Pflegedienste infrage kommen.

Weiterbildung zur Fachkraft in der Psychiatrischen Pflege bzw. für Gerontopsychiatrie

Eine weitere Option für eine Umschulung ist die Weiterbildung zur Fachkraft in der Psychiatrischen Pflege bzw. für Gerontopsychiatrie. Psychische Aspekte spielen in pflegerischen Prozessen und Abläufen eine wichtige Rolle, insbesondere in der Altenpflege. Aufgrund der demografischen Entwicklung und dem zunehmenden Alter der Pflegebedürftigen wächst der Anteil der psychisch veränderten Bewohner in stationären Pflegeeinrichtungen stetig an. Um diesen Menschen eine angemessene Pflege und Betreuung zukommen zu lassen, werden immer mehr speziell ausgebildete Fachkräfte gebraucht.

Voraussetzungen und Inhalte

Um sich für diesen Bereich zu qualifizieren, braucht es mindestens eine Berufsausbildung als Pflegefachkraft und ein gewisses Maß an Erfahrung sowie die Teilnahme an einer entsprechenden Weiterbildung. Je nach Interessenschwerpunkt kann man sich hier entweder auf die psychiatrische Pflege im Allgemeinen oder aber auf die Gerontopsychiatrie, also speziell die psychiatrische Pflege von alten Menschen, fokussieren.

Damit die Teilnehmer nach Abschluss der Weiterbildung in der Lage sind, psychisch kranke Menschen sach- und fachgerecht zu pflegen und zu beschäftigen, müssen sie sich nicht nur mit aktuellen Erkenntnissen der Pflegewissenschaften und Pflege- und Betreuungskonzepten auskennen, sondern auch in der Lage sein, psychische Krankheitsbilder richtig zu diagnostizieren und zu behandeln. Deswegen beschäftigt sich die Weiterbildung inhaltlich nicht nur mit erweiterten Inhalten aus dem Bereich der Psyche bzw. der Psychiatrie, sondern auch mit medizinisch-pharmazeutischen Modulen.

Da Absolventen einer Weiterbildung oft langfristig im Betrieb aufsteigen und leitende Positionen auf mittlerer Ebene übernehmen, werden die Kurse in der Regel außerdem auch noch durch Elemente aus dem Bereich der Organisation und der Administration ergänzt.

Ein Beispiel-Curriculum könnte folgendes umfassen:

  • Organisation und Führung
  • Anleiten und Beraten
  • Ethische und rechtliche Aspekte der Pflege in der Psychiatrie
  • Spezifische Behandlungssettings
  • Psychosomatische Erkrankungen
  • Gerontopsychiatrie
  • Psychopharmaka
  • Geschichte der Psychiatrie
  • Krankheitsmodelle und Diagnostik
  • Therapie und Prävention
  • Wirtschaftlichkeit
  • Budget und Entgeltsysteme

Wer sich auf den Schwerpunkt der Gerontopsychiatrie konzentrieren möchte, wird auf dem Stundenplan noch einige zusätzliche Fächer finden. Hier beschäftigen sich die Teilnehmer nämlich auch noch mit altersspezifischen psychischen Erkrankungen und Behandlungsmethoden und lernen außerdem, wie man die psychischen Fähigkeiten älterer Menschen durch entsprechende Methoden fördern und erhalten kann.

Persönliche Voraussetzungen

Der Umgang mit psychisch erkrankten Menschen kann sehr belastend sein; aus diesem Grund sollten Pfleger, die sich gerne auf den Bereich der Psychiatrie bzw. der Gerontopsychiatrie spezialisieren möchten, auf jeden Fall viel Geduld und starke Nerven mitbringen. Einfühlungsvermögen und Empathie helfen darüber hinaus, sich in die Patienten hineinzuversetzen und können bei Diagnose und Therapie eine wichtige Unterstützung sein.

Dauer und Struktur

Eine staatlich anerkannte Weiterbildung zur Fachkraft in der psychiatrischen Pflege umfasst sowohl einen theoretischen als auch einen praktischen Teil und setzt das Absolvieren einer bestimmten Gesamtanzahl von Stunden voraus; wie viele das genau sind, kann allerdings je nach Bundesland variieren. In der Regel dauern die Weiterbildungen zwei Jahre und sind modular aufgebaut; jedes Modul endet dabei mit einer eigenständigen Prüfungsleistung.

Während sich der theoretische Teil vor allem auf das Besuchen von Lehrveranstaltungen und das Selbststudium bezieht, sieht der praktische Teil hingegen nicht nur die Teilnahme an Praxisprojekten, sondern auch den projektbezogenen Praxiseinsatz in verschiedenen Fachabteilungen eines pflegerischen Betriebs vor. Da sich die Weiterbildungen an Berufstätige wenden, sind in den meisten Fällen Absprachen möglich, nach denen dieser im eigenen Betrieb abgeleistet werden kann. Das gilt aber natürlich nur dann, wenn dieser auch über eine psychiatrische Abteilung und die entsprechende Infrastruktur verfügt.

Abgeschlossen wird die Weiterbildung schließlich sowohl mit einer praktischen als auch einer mündlichen Prüfung nach den Vorgaben des jeweiligen Bundeslandes.

Berufsbegleitende Angebote

Viele Weiterbildungen zur „Staatlich geprüften Fachkraft Psychiatrie/Gerontopsychiatrie“ sind berufsbegleitend aufgebaut. Das bedeutet, dass die Kurse so organisiert sind, dass sie auch neben einer Voll- oder Teilzeitbeschäftigung ausgeübt werden können. Allerdings gibt es je nach Anbieter verschiedene Organisationsformen; so bieten manche Institute zum Beispiel einmal im Monat eine Woche durchgehenden Blockunterricht an, während andere ihre Kurse ausschließlich an den Wochenenden oder aber in den Abendstunden der Werkwoche abhalten.

Anerkennung der Weiterbildung

Wer in puncto Anerkennung auf Nummer sicher gehen will, sollte am besten darauf achten, dass seine Weiterbildung mit einem staatlich anerkannten Abschluss endet. Diese bauen auf den Vorgaben der Bundesländer auf und entsprechen immer der jeweiligen Weiterbildungs- und Prüfungsverordnung. Deswegen wissen Arbeitgeber bei Bewerbern mit einem staatlich anerkannten Abschluss automatisch, welches Wissen und welche Handlungskompetenzen dieser mitbringen und dass ihre Weiterbildung bestimmte Standards erfüllt hat. Bei Weiterbildungen ohne staatliche anerkannten Abschluss ist das hingegen nicht immer so eindeutig; stammt dieser dann auch noch von einem wenig bekannten Institut ohne besonderes Renommee, kann es mit der Anerkennung durch den jeweiligen Arbeitgeber ggf. Schwierigkeiten geben.

Berufliche Perspektiven und Gehalt

Nach dem Abschluss der Weiterbildung zur Fachkraft in der psychiatrischen Pflege bzw. der Gerontopsychiatrie eröffnen sich ganz neue berufliche Möglichkeiten. So kannst du entweder innerhalb deines Betriebs in leitenden Funktionen im mittleren Bereich aufsteigen oder in anderen stationären, teilstationären oder ambulanten Pflegeeinrichtungen arbeiten, die spezialisierte Fachabteilungen haben. Durch deine verbesserte Qualifikation und dein Fachwissen hast du die Möglichkeit, hier zum Beispiel als Leiter eines Teams von Pflegefachkräften zu agieren, diese anzuleiten und sicherzustellen, dass die Qualität der geleisteten Pflege den Ansprüchen entspricht. Darüber hinaus kannst du aber auch an der Konzipierung von neuen psychisch-pflegerischen Konzepten mitarbeiten, diese im Betrieb umsetzen sowie pflegebedürftige Personen und deren Angehörige beraten.

Die Berufschancen auf dem Arbeitsmarkt sind bestens, was (leider) vor allem daran liegt, dass psychische Erkrankungen heutzutage immer stärker zunehmen. Ein Beispiel: Laut der Schätzung von medizinischen Experten erkrankt im Moment rund alle drei Sekunden ein Mensch an Demenz. Darüber hinaus kann es aber auch die Pflegebedürftigkeit selbst sein, die sich psychisch belastend auf die Patienten auswirkt und zu Folgeerkrankungen, wie zum Beispiel Depression, führen können.

In der Regel sollten sich deine erweiterten Qualifikationen und Handlungskompetenzen als Fachkraft für die psychiatrische Pflege bzw. die Gerontopsychiatrie natürlich auch positiv aufs Gehalt auswirken. Wie viel mehr du nach dem Abschluss der Weiterbildung erwarten kannst, kann sich aber je nach konkretem Arbeitgeber (öffentlich oder privat), Größe des Betriebs (je größer, desto höher das Einkommen), deiner persönlichen Berufserfahrung und schließlich auch dem Bundesland (im Süden im Westen der Bundesrepublik gibt’s mehr als im Osten) unterscheiden.

E-Learning-Angebote

Für Interessierte gibt es auch E-Learning-Angebote im Bereich der Demenzpflege. Diese bieten eine flexible Möglichkeit, sich berufsbegleitend weiterzubilden. Die Themen sind in kompakte "Lernhäppchen" eingeteilt, und Selbstkontrolltests und vertiefende Skripte sichern den Lernerfolg.

Die E-Learnings sind so entwickelt, dass Sie zu keiner bestimmten Zeit online sein müssen. Es werden in regelmäßigen Abständen weitere Inhalte freigeschalten, die Ihnen bis zum Ende des Lernzeitraums zur Verfügung stehen. Pro Woche sollten Sie ca. 3-4 Stunden aktive Lernzeit einplanen, um das E-Learning optimal berufsbegleitend absolvieren zu können. Innerhalb des Zugriffszeitraums können Sie Ihre Lernzeit selbst einteilen.

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