Multiple Sklerose Forschung an der Universität Würzburg

Die Universität Würzburg hat sich als ein bedeutendes Zentrum für die Erforschung von Multipler Sklerose (MS) etabliert. Durch innovative Forschungsansätze und die Expertise renommierter Wissenschaftler trägt die Universität maßgeblich zum Verständnis und zur Behandlung dieser komplexen Erkrankung bei.

Multiple Sklerose: Eine Herausforderung für die Forschung

Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die Gehirn und Rückenmark betrifft. Sie wird oft als die "Krankheit der 1.000 Gesichter" bezeichnet, da ihr Verlauf und ihre Symptome von Patient zu Patient stark variieren können. Die Erkrankung führt zu Entzündungen im Gehirn und Rückenmark, was die Funktion der Nerven beeinträchtigen kann. Obwohl die genaue Ursache von MS noch nicht vollständig geklärt ist, spielt das Immunsystem eine entscheidende Rolle. Es greift fälschlicherweise die Markscheiden an, die die Nervenfasern umgeben und für eine effiziente Reizleitung notwendig sind.

Innovative Forschungsansätze in Würzburg

Systemimmunologie und die Rolle von Immunzellen

Ein wichtiger Forschungsbereich an der Universität Würzburg ist die Systemimmunologie. Anna Lippert, Juniorprofessorin für Systemimmunologie, untersucht, wie das Immunsystem Krankheitserreger erkennt und ausschaltet. Ihre Arbeit konzentriert sich auf die Wahrnehmung veränderter physischer Eigenschaften kranker Zellen durch Immunzellen, wie beispielsweise die Steifigkeit virenbefallener Zellen. Lipperts Ziel ist es, das Immunsystem genetisch so zu verändern, dass es Zellen mit bestimmten Eigenschaften gezielt ausschalten kann. Dieser Ansatz könnte perspektivisch dazu beitragen, Autoimmunerkrankungen zu verhindern oder klassische Chemotherapien durch schonendere und gezieltere Behandlungen zu ersetzen.

Elektrostimulation zur Stabilisierung des Gangs bei MS-Patienten

Dr. Carine Nguemeni, eine Nachwuchswissenschaftlerin an der Neurologischen Klinik des Uniklinikums Würzburg (UKW), forscht an der Elektrostimulation des Gehirns, um den Gang von MS-Patienten zu stabilisieren. Ihr Projekt wird von der Hertie-Stiftung unterstützt. Durch transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) soll die neuronale Aktivität im Kleinhirn verändert und somit die motorischen Defizite von MS-Patienten verbessert werden. Die bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend und zeigen das Potenzial dieser Methode in der MS-Therapie.

Ultraschallverfahren zur Darstellung von Entzündungszellen im Gehirn

Wissenschaftlern der Universität Würzburg ist es gelungen, mit einem neuen Ultraschallverfahren ins Gehirn einwandernde Entzündungszellen sichtbar zu machen. Dieses Verfahren verwendet ein Kontrastmittel, bei dem Antikörper an winzige, luftgefüllte Bläschen gekoppelt sind. Die Antikörper markieren krankheitsrelevante Moleküle und ermöglichen so die Darstellung der Entzündungszellen im Gehirn. Dieses Verfahren wurde bisher am Mausmodell getestet und soll dazu beitragen, die Entstehung der Multiplen Sklerose besser zu verstehen.

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Die Rolle von B-Zellen bei Multipler Sklerose

Stefanie Kürten, Professorin für Anatomie und Zellbiologie an der Universität Würzburg, forscht an neuen Therapieansätzen gegen Multiple Sklerose. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Rolle von B-Zellen, einer wichtigen Untergruppe der Zellen des menschlichen Immunsystems. Kürten konnte zeigen, dass B-Zellen eine zentrale Rolle in der MS-Erkrankung einnehmen und dass die Entwicklung einer B-Zell-abhängigen MS eng mit dem Fortschreiten der Erkrankung verbunden sein könnte. Ihr Team entwickelt Biomarker, mit deren Hilfe es möglich sein soll, mit einer Blutuntersuchung das Vorliegen einer B-Zell-abhängigen MS nachzuweisen.

Ausgezeichnete Forschung und Expertise

Sobek-Forschungspreis für Professor Rudolf Martini

Professor Rudolf Martini von der Neurologischen Klinik der Universität Würzburg erhielt den Sobek-Forschungspreis für seine Arbeiten über die Multiple Sklerose. Seine Studien zeigen, dass genetische Schäden in den Markscheidenzellen der Grund für eine Immunattacke sein können.

MS-Zentrum am Klinikum Würzburg Mitte

Die Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation (Phase B) am Klinikum Würzburg Mitte, Standort Juliusspital, ist als MS-Zentrum ausgezeichnet worden. Dies unterstreicht die hohe Qualität der Versorgung von MS-Patienten in Würzburg. Das Team der Neurologie am KWM Juliusspital sichert durch umfangreiche Untersuchungen die Diagnose ab, leitet die passende Therapie ein, überwacht diese und berät ausführlich zum Umgang mit der Erkrankung.

Spezialambulanz für Multiple Sklerose

Die Spezialambulanz für Multiple Sklerose an der Universität Würzburg betreut Patienten mit Multipler Sklerose und anderen entzündlichen Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Trotz der Größe der Ambulanz wird großer Wert darauf gelegt, dass sich die Patienten als Menschen wahrgenommen und wertgeschätzt fühlen. In der Ambulanz werden unterschiedliche Therapieziele verfolgt, wie die Bremsung der Entzündung während eines Schubes, die Aufhaltung des Fortschreitens der Erkrankung und die Verlängerung der schubfreien Phasen.

Kooperationen und Netzwerke

Die Universität Würzburg ist Teil der Forschungsallianz Immunmedizin, deren Ziel die Entwicklung neuer Diagnostikverfahren und Therapien zur Behandlung von Volkskrankheiten wie Infektionen, Krebs und Autoimmunerkrankungen ist. Zudem besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), einem großen Selbsthilfe- und Fachverband, der sich zugleich als Interessensvertretung von Menschen mit Multipler Sklerose versteht.

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Internationale Forschungsumgebung

An der Neurologischen Klinik des UKW arbeiten zahlreiche Forscherinnen und Forscher aus diversen europäischen und außereuropäischen Ländern, die zur international sichtbaren Spitzenforschung in Würzburg beitragen.

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