Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem die Beweglichkeit beeinträchtigt. Sie entsteht durch den Verlust von Nervenzellen im Gehirn, was zu einem Dopaminmangel führt. Die Neurologische Klinik des Uniklinikums Erlangen bietet ein breites Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten für Parkinson-Patienten an, von der Akutversorgung bis zur Rehabilitation.
Was ist Morbus Parkinson?
Morbus Parkinson ist eine Erkrankung des Nervensystems, bei der vor allem die Beweglichkeit gestört ist. Die Ursache ist ein Verlust bestimmter Nervenzellen im Gehirn. Das Parkinson-Syndrom äußert sich vor allem in typischen Bewegungsstörungen. Dazu zählen neben zitternden Händen und Füßen auch Einschränkungen durch versteifte Muskulatur. Betroffenen fällt es immer schwerer, sich zu bewegen oder zu strecken. Hinzu kommt eine Instabilität, sodass der Erkrankte Stöße nicht mehr abfangen kann.
Symptome und Diagnose
Die Parkinson-Erkrankung ist durch vier motorische Hauptsymptome gekennzeichnet:
- Verlangsamung der Bewegungsabläufe (Bradykinese/Akinese)
- Erhöhte Muskelspannung (Rigor)
- Zittern (Ruhetremor)
- Haltungsinstabilität (Posturale Instabilität)
Zusätzlich können auch vegetative und kognitiv/neuropsychologische Symptome auftreten. Frühsymptome wie Riechstörungen, Obstipation, Depression und Schlafstörungen können mehrere Jahre vor den motorischen Hauptsymptomen auftreten.
Wichtig ist eine umfassende neurologische Untersuchung. Nur so lässt sich der echte Morbus Parkinson von anderen Erkrankungen unterscheiden, die ähnliche Beschwerden verursachen. Die Diagnosestellung gelingt in den meisten Fällen anhand eines ausführlichen Gespräches und einer fachärztlich neurologischen Untersuchung. Dabei wird im Allgemeinen gefordert, daß neben der Bradykinese mindestes ein zusätzliches motorisches Hauptsymptom vorliegt. Tremor und Rigor können jeweils unterschiedlich ausgeprägt sein (Tremor-dominanter, Akinetisch-rigider, bzw. äquivalenter Verlaufstyp). Neben der klinischen Untersuchung kann es zur Abgrenzung von anderen Erkrankungen notwendig sein, zusätzliche diagnostische Maßnahmen durchzuführen. Von diesen können folgende Verfahren am Universitätsklinikum durchgeführt werden:
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- Zerebrale Bildgebung (Computertomographie, Kernspintomographie)
- Nuklearmedizinischer Untersuchungstechniken (IBZM-SPECT, DAT-SCAN)
- Nervenwasseruntersuchung
- Tremordiagnostik
- Autonome Testung
- Neuropsychiologische Testung
- Kardiale Diagnostik
- Riech-Test
- Genetische Beratung und Diagnostik
Behandlungsmöglichkeiten in der Uniklinik Erlangen
Morbus Parkinson ist nicht heilbar, aber die Beschwerden können gelindert werden. Ziel ist, eine normale Beweglichkeit ohne erhöhte Sturzgefahr zu erreichen. So kann der Patient seinen Alltag aufrechterhalten. Für die Therapie stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Um die Beweglichkeit zu erhalten, sind Physio- und Ergotherapie zu empfehlen. Bei leiser oder undeutlicher Stimme unterstützt eine logopädische Behandlung.
Die Neurologische Klinik des Klinikums am Europakanal bietet seit 2012 ein speziell auf die Bedürfnisse von Parkinson-Patientinnen und Patienten zugeschnittenes Therapiekonzept an. Dazu gehört die Diagnoseerstellung und die Abgrenzung von atypischen oder symptomatischen Parkinson-Syndromen. Während der intensiven Therapiezeit überprüfen Neurologinnen und Neurologen die Parkinsonmedikation, um sie bei Bedarf anzupassen. Aber auch logopädische, physiotherapeutische, ergotherapeutische und neuropsychologische Einheiten stehen Ihnen zur Verfügung. Unsere zertifizierten Therapeuten sind nach den Parkinson-Therapien LSVT®-BIG und LSVT®-LOUD geschult. Wir wollen Ihnen dabei helfen, Ihre Selbstständigkeit wieder auszuweiten. So unterstützen wir Sie bei der Verbesserung Ihrer alltags- und berufsrelevanten Fähigkeiten.
Medikamentöse Therapie
Im Mittelpunkt der Behandlung steht heute die Therapie mit Medikamenten sowie die regelmäßige Physiotherapie und Logopädie. Bis jetzt gibt es kein Medikament, dass die Ursache der Erkrankung, nämlich den Verlust der betroffenen Nervenzellen, aufhalten kann. In den letzten Jahren sind jedoch viele neue Medikamente entwickelt worden, mit denen man die Krankheit gut behandeln kann. Der Arzt muß für jeden Patienten die auf den Einzelfall abgestimmte Kombination und Dosierung auswählen.
Bislang können mit den aktuellen Behandlungsmöglichkeiten der Mangel an Botenstoff Dopamin kompensiert und die Symptome der Parkinson-Erkrankung effektiv gelindert werden. Ein Fortschreiten der Erkrankung kann jedoch nicht verhindert werden. Dies ist das zentrale Ziel der aktuellen Forschung.
Nicht-medikamentöse Therapien
Physiotherapie: Zur Verbesserung der Motorik und zum Erhalt der Selbstständigkeit führen wir aktive und passive Übungen durch. Sie orientieren sich an den individuellen Funktions-, Bewegungs- und Aktivitätseinschränkungen, die bei der Aufnahmeuntersuchung festgestellt werden. Auch Ihre Wünsche oder Sorgen fließen in die Therapieplanung ein. Ziel ist der Erhalt oder die Wiederherstellung von Funktionen, die für die Selbstständigkeit nötig sind. Aber auch weitere Aspekte wie Schmerzreduktion und Sturzprophylaxe sind uns wichtig. Wir bieten Übungseinheiten der LSVT®-BIG-Therapie an, die besonders auf die Schrittlänge, die Bewegungsgeschwindigkeit, das Gleichgewicht sowie Beweglichkeit und Geschicklichkeit abzielt. Weiterhin bieten wir mit den MOTOmed®-Bein- und Armgeräten ein Bewegungstraining für Parkinson-Patientinnen und Patienten an, bei dem vor allem schnelle Bewegungen durchgeführt werden.
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Logopädie: Um die Kommunikationsfähigkeit und insbesondere die Sprechlautstärke zu erhalten oder zu verbessern, arbeiten unsere speziell ausgebildeten Logopädinnen und Logopäden mit unterschiedlichen Ansätzen. Dazu zählt beispielsweise die LSVT-LOUD®- Therapie. Dabei wird an der Erhöhung der Sprechlautstärke und der damit einhergehenden Steigerung der Verständlichkeit gearbeitet. Auch die Deutlichkeit der Artikulation wird trainiert.
Ergotherapie: In der Ergotherapie üben wir gezielt Funktionen und Bewegungsabläufe, die Sie im Alltag benötigen und die für den Erhalt der Selbstständigkeit nützlich sind.
Neuropsychologie: Wir unterstützen Sie bei der Verarbeitung Ihrer Krankheit und bei der Stabilisierung Ihrer Stimmung.
Physikalische Therapie: Hier bieten wir Fango-Behandlungen und Massagen an.
Spezialisierte Angebote der Neurologischen Klinik Erlangen
Parkinson-Komplextherapie: Die Neurologische Klinik des Klinikums am Europakanal bietet eine Parkinson-Komplextherapie an.
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Telemedizinische Betreuung: In der nächsten Online-Fragestunde des Deutschen Zentrums Immuntherapie des Uniklinikums Erlangen informieren Prof. Dr. Jürgen Winkler, Leiter der Bewegungsambulanz der Molekular-Neurologischen Abteilung des Uniklinikums Erlangen, und Nicole Pohlschmidt, Leiterin Digitale Medizinische Services der Erlanger Portabiles HealthCare Technologies GmbH, über einen neuen Behandlungsweg mit Patienten-App und Parkinson-Telenurse.
DigiTrainPD: Das Projekt „DigiTrainPD“ hat den diesjährigen mit 500 Euro dotierten Erlanger Preis für Medizin, Technik und Gesundheit in der Kategorie „Medizinische Versorgung“ erhalten. Geleitet wird das Projekt von PD Dr. Heiko Gaßner, Arbeitsgruppenleiter für Bewegungsanalyse und digitale Medizin in der Molekular-Neurologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Jürgen Winkler) des Uniklinikums Erlangen sowie Leiter der Attract-Arbeitsgruppe für digitale Versorgungspfade beim Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS. „DigiTrainPD“ ist eine Kooperation mit der Regionalgruppe Erlangen der Deutschen Parkinson Vereinigung e. V. Für Betroffene mit der Parkinson-Krankheit ist nicht nur die medikamentöse Behandlung, sondern auch eine gezielte Bewegungstherapie von wesentlicher Bedeutung. So werden motorische Symptome im Krankheitsverlauf gelindert sowie die Lebensqualität im Alltag entscheidend verbessert. Das prämierte Projekt „DigiTrainPD“ bietet Patientinnen und Patienten mit der Parkinson-Krankheit ein umfassendes Heimtrainingsprogramm an: Es besteht ergänzend zum Rehasport in der Klinik aus frei verfügbaren Übungsvideos, die online abrufbar sind. Zusätzlich gibt es eine Smartphone-App, die die Kommunikation mit einer Therapeutin bzw. einem Therapeuten ermöglicht und mit der sich ein individueller Trainingsplan erstellen lässt. „Durch dieses kombinierte Konzept erreichen wir eine optimale Therapie im Alltag, die den wöchentlichen Rehasport in der Klinik ideal ergänzt“, erklärt Heiko Gaßner.
Die Neurologische Klinik des Uniklinikums Erlangen
Die Neurologische Klinik des Uniklinikums Erlangen zählt zu einer der größten Kliniken des Faches in Deutschland. Die Klinik arbeitet eng mit der Neurochirurgischen Klinik und der Neuroradiologischen Abteilung des Uniklinikums Erlangen zusammen.
Die Neurologie des Uniklinikums Erlangen bietet eine Spezialstation für Schlaganfalltherapie (Stroke Unit) an, die auch zu einer der größten Einrichtungen dieser Art in Deutschland gehört. Darüber hinaus besitzt die Klinik eine nach modernstem Standard ausgestattete neurologische Intensivstation zur Behandlung schwerst-kranker Patientinnen und Patienten.
Weitere herausragende Einrichtungen sind das Epilepsiezentrum sowie das von der Klinik koordinierte telemedizinische Schlaganfallnetzwerk (STENO). Im Zentrum für Neurologie und Neurologische Rehabilitation diagnostizieren und behandeln wir das gesamte Spektrum neurologischer Erkrankungen. Das Spektrum reicht von der Akutversorgung über die Frührehabilitation bis hin zur weiterführenden Rehabilitation. Zu den besonderen Schwerpunkten zählt die Behandlung von Morbus Parkinson und Epilepsie. Unsere Patientinnen und Patienten kommen meist aus Erlangen oder anderen Städten der Region. In Sonderfällen nehmen wir aber auch Patientinnen und Patienten aus ganz Bayern auf. Die Akutneurologie ist 24 Stunden erreichbar, in Notfällen ist die Aufnahme auch ohne telefonische Vorankündigung möglich. PD Dr. Für die Akutneurologie stehen zwei Stationen zur Verfügung. Schwer erkrankte Patientinnen und Patienten werden außerdem auf der Intensivstation betreut. Ein Teil davon steht als Schlaganfalleinheit zur Verfügung. Die Abteilung verfügt über spezielle Behandlungsstrukturen und ist mit intensivmedizinischen Überwachungsgeräten und Beatmungsplätzen ausgestattet. Im Mittelpunkt der Akutneurologie stehen alle akuten und chronischen Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems sowie der Muskulatur. Mithilfe moderner apparativer Diagnostik erfassen wir Störungen der verschiedenen Bereiche des Nervensystems sowie der Muskulatur.
Das Zentrum für Neurologie und Neurologische Rehabilitation bietet sowohl eine Akutklinik als auch eine Rehabilitationsklinik. Auf diese Weise ist die Akutbehandlung ideal mit der Rehabilitation verknüpft. Das Ziel der Behandlung ist, die Alltagskompetenz Schritt für Schritt zu verbessern.
Frührehabilitation
In der Frührehabilitation (Phase B) übernehmen wir schwer hirngeschädigte Patientinnen und Patienten aus dem Bereich der Akutneurologie oder von externen Akutkliniken. Wir behandeln Menschen mit schwersten Einschränkungen des Bewusstseins und der Wahrnehmung sowie mit schweren körperlich-neurologischen Beeinträchtigungen.
Weiterführende Rehabilitation
In der weiterführenden Rehabilitation (Phase C und D) behandeln wir Menschen mit mittelschweren neurologischen Funktionsstörungen. Unsere Reha-Schwerpunkte sind die Mobilisation und die Behandlung von kognitiven Ausfällen sowie Sprach- und Sprechstörungen.
An wen können Sie sich wenden?
Wenn Sie oben genannte oder ähnliche Symptome bei sich oder Angehörigen feststellen, sollten Sie Ihren Haus- oder Facharzt aufsuchen. Darüber hinaus bietet die Neurologische Klinik des Klinikums am Europakanal die notwendigen Untersuchungen an. Auch eine Parkinson-Komplextherapie können Sie hier in Anspruch nehmen.
In der Bewegungsambulanz wird das gesamte Spektrum hypokinetischer und hyperkinetischer Bewegungsstörungen behandelt. Der Schwerpunkt der Bewegungsambulanz liegt in der Versorgung von Patienten mit Parkinson-Syndromen, Tremor, der Huntington Erkrankung und Hereditärer Spastischer Spinalparalyse. Zusätzlich werden Patienten mit Restless-legs Syndrom und Ataxien behandelt.
Das Zentrum für Seltene Bewegungserkrankungen der Bewegungsambulanz betreut insbesondere Patienten mit seltenen genetischen und erworbenen Bewegungsstörungen wie der Huntington Erkrankung und der Hereditären Spastischen Spinalparalyse. Ein gesonderter Schwerpunkt ist hierbei die Beratung, Versorgung und Betreuung von Anlageträger und Patienten mit der Huntington Erkrankung und sonstigen choreatiformen Bewegungsstörungen in der Huntingtonambulanz.
Unsere Patienten werden in enger Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Kollegen individuell und kontinuierlich betreut. Dabei stehen unseren Patienten alle modernen diagnostischen Verfahren einer Universitätsklinik zur Verfügung. Neben der klinischen und apparativen Diagnostik wird eine auf die individuellen Bedürfnisse angepasste Therapie angeboten, die den medikamentösen und physiotherapeutischen, aber auch den sozialen und familiären Aspekten des Patienten gerecht werden soll. Auch beraten und betreuen wir Parkinson Patienten die invasive Therapieverfahren wie Apomorphinpumpe, DuodopaPumpe oder eine Tiefe Hirnstimulation benötigen. Auch Patienten mit Tiefer Hirnstimulation bei den Erkrankungen Essenzieller Tremor und Dystonie werden in unserer Ambulanz vollumfänglich betreut.
Darüber hinaus besteht die Möglichkeit zur Teilnahme an klinischen Studien, um Krankheitsursache und Verlauf besser zu verstehen und neue Therapieoptionen zu entwickeln.
Die Bewegungsambulanz dient als Referenzzentrum für die Region Franken und Nordbayern. Es bestehen gute und intensive Kontakte zu den Regionalgruppen der Deutschen Parkinson-Vereinigung sowie der Deutschen Huntington Hilfe.
Forschung und Innovation
Zunehmend zeigt sich, dass Entzündungsprozesse im Darm und Gehirn zur Entstehung und zum Fortschreiten der Parkinson-Erkrankung wesentlich beitragen. Gezielte Immuntherapien sind ein möglicher Ansatz für die Behandlung der Parkinson-Erkrankung.
Am DZI wird die Grundlagenforschung zur besseren Entschlüsselung der Rolle von Entzündungsvorgängen bei der Parkinson-Erkrankung sowie zur Unterstützung der Entwicklung neuer Therapien mit modernsten Bewegungsanalysen, zur Individualisierung und Optimierung der Behandlung verbunden.
Ein Fokus liegt auf der Untersuchung des Darms betroffener Patienten, da dort bereits in einer sehr frühen Phase der Parkinson-Erkrankung Entzündungen nachgewiesen werden können, die mutmaßlich zur Ausbreitung der Erkrankung ins Gehirn beiträgt.