Ein Ganglion und eine Zyste sind beides Begriffe, die oft im medizinischen Kontext verwendet werden, um eine Art von Schwellung oder Wucherung im Körper zu beschreiben. Obwohl sie einige Gemeinsamkeiten aufweisen können, gibt es auch wichtige Unterschiede zwischen ihnen. Dieser Artikel soll die Unterschiede zwischen Ganglion und Zyste aufzeigen, ihre Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten erläutern.
Einführung
Ein Ganglion ist eine mit Gelenkflüssigkeit gefüllte Zyste, die gutartig ist und vorwiegend am Handgelenk oder den Fingern auftritt. Es wird oft fälschlicherweise als Überbein bezeichnet, obwohl es keine knöchernen Strukturen aufweist. Eine Zyste hingegen ist ein allgemeinerer Begriff für einen mit Flüssigkeit, Luft oder anderem Material gefüllten Sack, der überall im Körper auftreten kann.
Was ist ein Ganglion?
Ein Handgelenksganglion ist eine flüssigkeitsgefüllte Ausstülpung der bindegewebigen Hülle des Handgelenks. Die Flüssigkeit entweicht aus dem Gelenk über einen sogenannten Stiel und sammelt sich in einer Gewebehöhle. Umgangssprachlich wird ein Ganglion auch als „Überbein“ bezeichnet. Der Begriff „Überbein“ bedeutet auf Germanisch „darüberliegender Knochen“ und verleitet zu einer Verwechslung mit knöchernen Anbauten am Handrücken (Carpal bossing).
Aufbau und Inhalt
Ein Handgelenksganglion ist gefüllt mit einer durchsichtigen, gelartigen, weiß-gelblichen Flüssigkeit. Die Flüssigkeit ist Gelenkschmiere (Synovia) sehr ähnlich. Die Hülle von Ganglien besteht aus einer dünnen, glatten Kollagenschicht, die vereinzelte Fibroblasten enthält. Ganglien unterscheiden sich von Zysten hinsichtlich des feingeweblichen Aufbaus und des Wassergehalts.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genaue Ursache des sogenannten Überbeins ist noch nicht vollständig geklärt. Feststeht, dass eine erhöhte Flüssigkeitsproduktion vorliegt, welche an einer Schwachstelle zu einer Ausstülpung der Handgelenkskapsel führt. Zu den gängigen Theorien gehören Verletzungen und eine angeborene Überbeweglichkeit (Hyperlaxizität) der Gelenke. Ein schwaches Bindegewebe begünstigt die Entwicklung von Ganglien. Es gibt etliche Risikofaktoren, die die Entwicklung eines Ganglions begünstigen. Frauen sind häufiger betroffen, weil sie ein schwächeres Bindegewebe und beweglichere Gelenkkapseln haben als Männer. In manchen Fällen wird die Bindegewebsschwäche sogar durch Genmutationen vererbt. Auch Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Arthrose und Gicht können eine Rolle spielen.
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Lokalisation
Am Handgelenk treten Ganglien am häufigsten am streckseitigen Handgelenk auf (in 60 bis 70 % der Fälle). Am zweithäufigsten finden sich Handgelenksganglien beugeseitig entlang der speicherseitigen Handgelenksbeugesehnenscheide des Musculus flexor carpi radialis (in 13 bis 20 % der Fälle). Etwas seltener sind Ganglien speichenseitig nahe dem großen Vieleckbein. Ganglien können auch im Knochen vorkommen. Grundsätzlich können Ganglien an allen Gelenken, Sehnenscheiden und Nervenscheiden auftreten. Sie kommen jedoch am häufigsten an der Hand vor, und dort bevorzugt an der Außenseite des Handgelenks, an der Handinnenfläche und den Grundgelenken der Finger. Seltener treten sie auch an anderen Körperstellen wie den Füßen oder am Knie auf.
Symptome
Ein Handgelenksganglion erscheint als eine Beule am Handgelenk, die über Tage bis Wochen an Größe zunehmen kann. Die darüber liegende Haut lässt sich gelegentlich etwas verschieben. Bewegungseinschränkungen des Handgelenkes oder Finger sind untypisch für ein Überbein. In seltenen Ausnahmefällen kann ein Überbein auf den Ellenseitigen Nerv (Nervus ulnaris) am Handgelenk drücken und Gefühlsstörungen verursachen. Etwa die Hälfte der Patienten stören sich an dem Aussehen und bevorzugen aus ästhetischen Gründen eine Entfernung. Typischerweise zeigt sich ein Handgelenksganglion als eine pralle, runde, gut abgrenzbare, schmerzlose Schwellung am Handgelenk. Die ersten Anzeichen einer Ganglionzyste sind oft eine sichtbare Schwellung oder Beule an Handgelenk oder Hand. Diese Beule kann je nach Aktivität und Belastung der Hand in der Größe variieren. In den frühen Stadien können keine Schmerzen oder nur leichte Beschwerden auftreten. Je nachdem, wo sie sitzen und wie groß sie sind, können Ganglien sehr unterschiedliche Beschwerden verursachen, wie z. B. eingeschränkte Beweglichkeit oder Schmerzen. Wenn das Ganglion am Fuß sitzt, kann es im Schuh drücken und Probleme beim Gehen bereiten.
Diagnose
Der typische Tastbefund eines Ganglions erlaubt meist eine sichere Zuordnung. Die Durchleuchtung mit einer Taschenlampe (Diaphanoskopie) zeigt eine für flüssigkeitsgefüllte Schwellungen typische Streuung des Lichtes. Eine Gewebeprobe ist bei Handgelenksganglien nicht sinnvoll, da die Erkrankung stets gutartig ist. Eine Schwellung der Sehnenscheiden am Handgelenk nennt sich Sehnenscheidenhygrom. Im Unterschied zu einem Überbein bewegt sich ein Sehnenscheidenhygrom leicht bei Faustschluss oder Fingerstreckung mit den Sehnen. Bei Verdacht auf eine Ganglionzyste kann eine MRT hilfreich sein, um die genaue Lage und Ausdehnung der Zyste sowie deren Einfluss auf umliegende Strukturen zu beurteilen. Der Arzt tastet die verdächtige Schwellung und die umliegenden Bereiche sorgfältig ab. Für ein Ganglion spricht beispielsweise, wenn es prall-elastisch und nicht verschiebbar ist.
Behandlung
Sofern die Patienten keine Beschwerden verspüren und es ästhetisch nicht weiter stört, kann in der Regel abgewartet werden. Prinzipiell können Ganglien sich von selbst zurückbilden. Die wissenschaftlichen Belege über die Rate an Selbstheilung oder die Dauer bis zur Selbstheilung sind unzuverlässig. Das liegt darin begründet, dass nur wenige Patienten Beschwerden aufweisen. Auch dürfte die Motivation Betroffener, über eine spontane Heilung eines Überbeins zu berichten, sehr begrenzt sein.
Bei einer Behandlung können schmerz- und entzündungslindernde Salben helfen. Zusätzlich trägt man meist entzündungshemmende und schmerzlindernde Salben auf, wie z.B. Arnika- und Beinwellsalben. Eine weitere Option ist die auch zur Diagnose verwendete Feinnadelaspiration, bei der mit einer Hohlnadel die Flüssigkeit aus dem Ganglion abgesaugt wird, um den Druck einzudämmen und ein erneutes Anschwellen zu verhindern. Reichen die genannten Methoden nicht aus, steht eine Operation an.
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Bei dem operativen Eingriff ist es äußerst wichtig, dass das Ganglion weiträumig entfernt wird, idealerweise unter Lupenbrillenvergrößerung. Bei der chirurgischen Behandlung wird zwischen der konventionellen Entfernung über einen Hautschnitt und der arthroskopischen Entfernung über mehrere kurze Hautschnitte unterschieden. Am Tag der Operation beugt das Hochlagern und die Kühlung des Handgelenks einer Schwellung vor. Frühzeitige belastungsfreie Bewegungsübungen sind für eine rasche Heilung förderlich. Nach der Operation schützt ein Verband die Wunde. Sie dürfen die Hand oder den betroffenen Körperteil jedoch sofort wieder benutzen, solange keine Schmerzen auftreten.
Prognose
Ein Handgelenksganglion ist eine gutartige Erkrankung. Wurde die Diagnose durch einen Handchirurgen bestätigt, besteht kein Grund zur Sorge vor einer Entartung oder einer deutlichen Verschlimmerung (Exazerbation). Die Prognose ist in den meisten Fällen gut. Die Zysten können jedoch nach der Behandlung wiederkehren, insbesondere wenn sie nur aspiriert wurden. Die Heilungsphase dauert ca. drei Wochen, kann jedoch individuell variieren.
Was ist eine Zyste?
Eine Zyste ist ein abnormaler, sackartiger Hohlraum im Körper, der mit Flüssigkeit, Gas oder halbfestem Material gefüllt sein kann. Zysten können überall im Körper auftreten, einschließlich der Haut, der Organe und der Knochen.
Arten von Zysten
Es gibt viele verschiedene Arten von Zysten, die sich in ihrer Ursache, ihrem Aussehen und ihrem Ort unterscheiden. Einige häufige Arten von Zysten sind:
- Epidermoidzysten: Diese Zysten entstehen durch die Ansammlung von Keratin unter der Haut.
- Talgzysten: Diese Zysten entstehen durch die Verstopfung von Talgdrüsen.
- Ovarialzysten: Diese Zysten bilden sich auf den Eierstöcken.
- Baker-Zysten: Diese Zysten bilden sich in der Kniekehle.
Ursachen von Zysten
Die Ursachen von Zysten sind vielfältig und hängen von der Art der Zyste ab. Einige Zysten entstehen durch genetische Defekte, während andere durch Infektionen, Entzündungen oder Verstopfungen verursacht werden.
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Symptome von Zysten
Die Symptome von Zysten hängen von der Größe, dem Ort und der Art der Zyste ab. Einige Zysten verursachen keine Symptome, während andere Schmerzen, Schwellungen, Druck oder andere Beschwerden verursachen können.
Diagnose von Zysten
Zysten werden in der Regel durch eine körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren wie Ultraschall, CT-Scan oder MRT diagnostiziert. In einigen Fällen kann eine Biopsie erforderlich sein, um die Art der Zyste zu bestimmen.
Behandlung von Zysten
Die Behandlung von Zysten hängt von der Größe, dem Ort, der Art und den Symptomen der Zyste ab. Einige Zysten können von selbst verschwinden, während andere eine Behandlung erfordern. Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören:
- Beobachtung: Kleine, asymptomatische Zysten müssen möglicherweise nicht behandelt werden, sondern können beobachtet werden, um zu sehen, ob sie sich verändern.
- Aspiration: Bei der Aspiration wird die Flüssigkeit aus der Zyste mit einer Nadel entfernt.
- Injektion: Bei der Injektion wird ein Medikament in die Zyste injiziert, um sie zu verkleinern.
- Chirurgische Entfernung: Bei der chirurgischen Entfernung wird die Zyste operativ entfernt.
Die wichtigsten Unterschiede zwischen Ganglion und Zyste
| Merkmal | Ganglion | Zyste |
|---|---|---|
| Definition | Eine mit Gelenkflüssigkeit gefüllte Zyste, die typischerweise in der Nähe von Gelenken oder Sehnen auftritt. | Ein abnormaler, sackartiger Hohlraum im Körper, der mit Flüssigkeit, Gas oder halbfestem Material gefüllt sein kann. |
| Ursache | Erhöhte Flüssigkeitsproduktion und Ausstülpung der Gelenkkapsel, oft in Verbindung mit Verletzungen, Überlastung oder Bindegewebsschwäche. | Vielfältig, abhängig von der Art der Zyste. Kann genetische Defekte, Infektionen, Entzündungen oder Verstopfungen umfassen. |
| Lokalisation | Häufig am Handgelenk (insbesondere am Handrücken), Fingern, aber auch an anderen Gelenken wie Knie oder Fuß. | Kann überall im Körper auftreten, einschließlich Haut, Organe und Knochen. |
| Inhalt | Gelenkflüssigkeit (Synovia), eine klare, gelartige Flüssigkeit. | Flüssigkeit, Gas oder halbfestes Material, abhängig von der Art der Zyste. |
| Hülle | Dünne, glatte Kollagenschicht mit vereinzelten Fibroblasten. | Kann unterschiedliche Zellschichten aufweisen, abhängig von der Art der Zyste. Zysten am Kniegelenk (Baker-Zyste) weisen häufig eine Zellauskleidung auf. |
| Symptome | Sichtbare Beule, die über Tage bis Wochen an Größe zunehmen kann. Gelegentlich Schmerzen, Druckgefühl oder Einschränkung der Beweglichkeit. In seltenen Fällen Gefühlsstörungen. | Symptome variieren stark je nach Größe, Lokalisation und Art der Zyste. Kann asymptomatisch sein oder Schmerzen, Schwellungen, Druck oder andere Beschwerden verursachen. |
| Diagnose | Klinische Untersuchung, Abtasten, Durchleuchtung mit Taschenlampe, Ultraschall, MRT. | Körperliche Untersuchung, bildgebende Verfahren (Ultraschall, CT-Scan, MRT), Biopsie. |
| Behandlung | Beobachtung, schmerzlindernde Salben, Feinnadelaspiration, operative Entfernung. | Beobachtung, Aspiration, Injektion, chirurgische Entfernung, abhängig von Art und Symptomen. |
| Rezidivrisiko | Relativ hoch, insbesondere nach Aspiration. | Variiert je nach Art der Zyste und Behandlungsmethode. |
| Gut- oder Bösartig | Gutartig | In den meisten Fällen gutartig, aber in seltenen Fällen können Zysten auch bösartig sein. |
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