Arthrose und Nervenschmerzen können beide erhebliche Beschwerden verursachen, aber sie haben unterschiedliche Ursachen und Manifestationen. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede zwischen Arthroseschmerzen und Nervenschmerzen, um ein besseres Verständnis der jeweiligen Erkrankungen zu ermöglichen.
Einführung
Arthrose ist eine degenerative Gelenkerkrankung, die durch den Abbau von Knorpel gekennzeichnet ist. Nervenschmerzen hingegen entstehen durch Schädigungen oder Funktionsstörungen des Nervensystems. Obwohl beide Zustände Schmerzen verursachen, unterscheiden sie sich in ihren Ursachen, Symptomen und Behandlungsansätzen.
Arthrose: Gelenkverschleiß als Ursache von Schmerzen
Arthrose ist die weltweit häufigste Gelenkerkrankung. Sie ist eine Verschleiß-Erkrankung der Gelenke. Dabei kommt es zu Schädigung und Verlust von Knorpelgewebe, das für unsere Gelenke aber unverzichtbar ist. Die Knorpelschicht wird bei Belastung gestaucht und dehnt sich anschließend wieder aus, wie bei einem Stoßdämpfer.
Ursachen und Risikofaktoren
Arthrose entsteht meist durch physiologische Alterungsprozesse. Im Lauf des Lebens sind die Gelenke chronischen Belastungen ausgesetzt, was zu ihrer Abnutzung führt. Allerdings können auch sportliche oder berufliche Überbelastungen, Gelenkfehlstellungen, genetische Dispositionen, angeborene Fehlfunktionen des Knorpels, Verletzungen und Entzündungen den Verschleiß fördern. Übergewicht ist ein erheblicher Risikofaktor: Das übermäßige Bauchfett befeuert eine systemische Entzündung, die auch den Knorpel schädigt.
Symptome der Arthrose
Typische Symptome einer Arthrose sind Gelenkschmerzen, die vor allem morgens auftreten und nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Charakteristisch für eine Arthrose sind die Anlaufschmerzen, die nach Ruhephasen auftreten. Ein weiterer, typischer Arthroseschmerz ist der Belastungsschmerz: Er tritt bei akuter Überlastung eines Gelenks auf, zum Beispiel nach einer längeren Wanderung oder dem Tragen schwerer Lasten. Weitere Beschwerden sind Wetterfühligkeit (mit Kreislaufbeschwerden, Schwindel, Kopfschmerzen), Ermüdungs- und Belastungsschmerzen, Schwellungen, Muskelverspannungen, Bewegungseinschränkungen, Überwärmungsgefühl und bei fortgeschrittener Arthrose auch Ruheschmerzen. Arthrose beginnt mit Steifheitsgefühlen, mitunter zeigen sich Schwellungen am Gelenk.
Lesen Sie auch: Alzheimer und Demenz im Vergleich
Betroffene Gelenke und ihre spezifischen Symptome
- Kniearthrose (Gonarthrose): Neben Anlaufschmerzen und Schmerzen bei Belastung tut auch das Treppensteigen weh. Akuter Knieschmerz beim Treppensteigen ist zum Beispiel ein typisches Symptom der Kniearthrose (Gonarthrose).
- Hand- und Finger-Arthrose: Morgensteifigkeit der Finger, die mit Missempfindungen und Kälteempfindlichkeit einhergeht. Schraubverschlüsse stellen Menschen mit Arthrose in den Händen häufig vor eine Herausforderung.
- Schulter-Arthrose (Omarthrose): Dabei schmerzt das Anheben der Arme und es treten beim seitlichen Liegen Druckschmerzen in der Schulter auf.
- Sprunggelenksarthrose (OSG-Arthrose): Diese Form verläuft oft längere Zeit beschwerdefrei.
- Hüftarthrose (Coxarthrose): Die Hüftarthrose äußert sich durch Beschwerden beim Gehen oder Treppensteigen. Hinzu kommen Schmerzen beim Übereinanderschlagen der Beine.
- Spondylarthrose (Arthrose der Wirbelgelenke): Die sogenannte Spondylarthrose (Arthrose der Wirbelgelenke) tritt häufig im Alter auf und betrifft meist die Lendenwirbelsäule (LWS). Die Schmerzen fühlen sich dumpf oder wie Muskelkater an und strahlen bis in die Beine aus.
Stadien der Arthrose
Der Verlauf der Gelenkentzündung lässt sich in fünf verschiedene Stadien einteilen. Nicht jeder Patient durchläuft zwangsläufig alle fünf Phasen. Mediziner teilen den Verlauf der Arthrose in vier Stadien ein. Dabei stellen Orthopäden immer wieder Unterschiede zwischen dem Ausmaß des Knorpelabbaus in der Bildgebung und den individuellen Beschwerden des Patienten fest. Die Einteilung der Arthrose in bestimmte Stadien dient daher vorrangig der Orientierung und der Entwicklung eines individuellen Therapieplans.
- Phase 1: In der ersten Phase entstehen kleinste Risse am Gelenkknorpel, wodurch seine Oberfläche rau wird. Zudem produziert die Gelenkinnenhaut weniger Gelenkschmiere.
- Phase 2: Die zweite Phase kennzeichnet sich dadurch, dass die Risse zunehmend größer werden. Das Gelenk produziert nicht mehr ausreichend gesunden Knorpel und die Gelenke erholen sich dadurch langsamer von Belastungen.
- Phase 3: In Phase drei hat sich die Knorpelschicht inzwischen stark abgerieben, sodass der Knochen frei liegt und den Reibungen bei Bewegung ausgeliefert ist.
- Phase 4: Der nächste Grad der Arthrose (Phase vier) bezeichnet das Krankheitsbild, in dem der Knorpel an einigen Stellen komplett abgerieben ist und der Knochen frei liegt. Es kommt zudem zu Blutungen im Gelenkraum. Das Gelenk verliert weiter an Beweglichkeit und Gelenkschmerzen sind auch ohne, dass es zu einer Belastung kommt, wahrzunehmen.
- Phase 5: Phase fünf stellt das Beschwerdebild dar, bei der keine weitere Verschlimmerung möglich ist. Die Knorpelschicht ist nun vollkommen abgenutzt und es hat sich Narbengewebe an der Stelle der Gelenksverletzungen gebildet.
Diagnose von Arthrose
Bei der ärztlichen Untersuchung wird zunächst erfragt, wo und wann genau Schmerzen auftreten. Es folgt eine körperliche Untersuchung, in der Ihr Arzt die Beschaffenheit (Beweglichkeit, und Grad der Einschränkung) der Gelenke prüft. Abtasten der Gelenke und Prüfung ihrer Funktion, der Stabilität der Bänder und der umgebenden Muskeln sind die nächsten Schritte.
Behandlungsmöglichkeiten bei Arthrose
Die Behandlung zielt zunächst darauf ab, die Gelenke zu entlasten und Schmerzen zu lindern. Liegt eine Arthrose vor, so gilt es zunächst, die schmerzenden Gelenke zu entlasten, sodass Bewegungen wieder möglich sind. Denn nur durch Bewegung kann das Fortschreiten der Arthrose aufgehalten werden. Konservative Therapieansätze umfassen Schmerzmittel, Wärme- und Kältebehandlungen, Physiotherapie, Ergotherapie oder Gewichtsreduktion bei vorhandenem Übergewicht.
- Arthroskopie: Bei der Gelenkspiegelung (minimalinvasive Untersuchung des Gelenks) werden die Gelenkflächen geglättet und die Gelenkflächen gespült. Die Linderung der Gelenkschmerzen dauert allerdings einige Wochen bis Monate an.
- Gelenkversteifung (Arthrodese): Diese Methode kommt nur bei fortgeschrittener Arthrose zum Einsatz. Bei dem Eingriff entfernt der Arzt den restlichen Knorpel (gegebenenfalls auch Teile des Knochens darunter) mit einem Meißel. Dann verbindet er die Knochen, die das Gelenk bilden, beispielsweise mit Schrauben oder Metallplatten. Die Gelenkversteifung, die sich nicht rückgängig machen lässt, wird hauptsächlich zur Schmerzlinderung eingesetzt.
- Künstlicher Gelenkersatz: Ist die Gelenkentzündung bereits so weit fortgeschritten, dass die konservative Behandlung kaum Wirkung zeigt, gilt die Operation oft als letzter Ausweg.
Vorbeugung von Arthrose
Regelmäßige Bewegung ist essenziell, um einer Arthrose vorzubeugen. Gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Radfahren und Nordic Walking sind empfehlenswert. Weitere Maßnahmen beinhalten das Vermeiden von Über- und Fehlbelastungen, Gewichtsreduktion bei Übergewicht, Verzicht auf Nikotin und die Nutzung von Hilfsmitteln im Alltag (etwa Gehilfen oder orthopädische Schuhe). Eine ausgewogene Ernährung hilft zudem, das Risiko von Diabetes und Gicht zu reduzieren, die zu den begünstigenden Faktoren für Arthrose zählen.
Nervenschmerzen: Ursachen und Symptome
Nervenschmerzen sind sehr starke Schmerzen, die von neurologischen Ausfällen begleitet sein können.
Lesen Sie auch: Detaillierte Gegenüberstellung
Ursachen von Nervenschmerzen
Bei der Suche nach den Ursachen von Nervenschmerzen muss unterschieden werden, ob sie Folge einer Erkrankung des Bewegungsapparats oder eine eigenständige Erkrankung sind.
- Einklemmung oder Reizung von Nerven: Werden Nerven nur vorübergehend eingeklemmt oder gereizt, tritt der Schmerz blitzartig auf und hält nur wenige Sekunden an. Man spricht in diesen Fällen von einer Neuralgie. Ursache kann eine Fehlstellung der Wirbelkörper sein. Ferner können die Bandscheiben auf die Nervenstränge drücken. Aber auch Verspannungen oder altersbedingte Abnutzungen können für Nervenschmerzen verantwortlich sein.
- Neuropathische Schmerzen: Bei neuropathischen Schmerzen sind die Nerven selbst oder die sie versorgenden Blutgefäße erkrankt. Häufige Ursachen sind Autoimmunerkrankungen wie die Multiple Sklerose sowie Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch, Infektionen oder Verletzungen.
- Gürtelrose: Beispiel für eine Nervenschädigung in Folge einer Infektion ist die Gürtelrose, eine Spätfolge der Windpocken. Die auslösenden Viren (Varizella-zoster-Viren) verbleiben nach dem Abklingen der Windpocken in den Nerven und werden zu einem späteren Zeitpunkt reaktiviert.
- Diabetische Polyneuropathie: Bei der diabetischen Polyneuropathie ist die Durchblutung kleiner Blutgefäße durch Ablagerungen beeinträchtigt. Diese führt zu Nervenschädigungen insbesondere im Bereich der Füße, Unterschenkel und Hände.
Symptome von Nervenschmerzen
Dann leiden die Betroffenen unter Gefühlsstörungen wie Missempfindungen (z. B. Kribbeln) oder Taubheit. Auch Fehlfunktionen der von den Nerven versorgten Muskeln sind mögliche Auswirkungen mit Schwäche bis hin zu Lähmungen. Neben Missempfindungen und Gefühlsstörungen sowie Zuckungen und Muskelschwund leiden die Betroffenen unter brennenden, stechenden, schneidenden oder einschießenden Schmerzen.
Behandlung von Nervenschmerzen
Wie bei Rückenschmerzen beruht die Behandlung in diesen Fällen auf einer Kombination mehrere Behandlungskonzepte. In diesen Fällen wird begleitend zu einer medikamentösen Schmerztherapie ein Antiepileptikum verabreicht, um die Erregbarkeit der Nerven zu mindern. Zusätzlich können Lokalanästhetika den Teufelskreis vorübergehend unterbrechen. Darüber hinaus kann eine Psychotherapie Bestandteil eines multimodalen Behandlungsansatzes sein. Gegen die Viren werden bei einer akuten Gürtelrose Virusstatika eingesetzt. Zudem kann eine kühlende Zinksalbe gegen die Entzündung aufgetragen werden. Ferner erhalten die betroffenen Patienten eine medikamentöse Schmerztherapie. Neben einem Analgetikum kann diese zusätzlich ein Antidepressivum und ein Antiepileptikum umfassen. Wichtigste therapeutische Maßnahme ist in diesen Fällen die Normalisierung des Blutzuckerspiegels.
Die wichtigsten Unterschiede im Überblick
| Merkmal | Arthroseschmerzen | Nervenschmerzen |
|---|---|---|
| Ursache | Abbau von Knorpel in Gelenken, altersbedingte oder überlastungsbedingte Abnutzung | Schädigung oder Funktionsstörung von Nerven, Einklemmung, Entzündung, Infektionen, Stoffwechselerkrankungen |
| Schmerzcharakter | Anlaufschmerzen, Belastungsschmerzen, dumpf, stechend, im fortgeschrittenen Stadium auch Ruheschmerzen | Brennend, stechend, schneidend, einschießend, begleitet von Missempfindungen, Kribbeln, Taubheit |
| Begleitsymptome | Morgensteifigkeit, Schwellungen, Muskelverspannungen, Bewegungseinschränkungen, Wetterfühligkeit | Neurologische Ausfälle, Gefühlsstörungen, Muskelschwäche, Lähmungen |
| Betroffene Bereiche | Häufig Knie, Hüfte, Finger, Schulter, Wirbelsäule | Entlang des Nervenverlaufs, z.B. bei Ischiasnerv im Bein, bei diabetischer Polyneuropathie Füße und Hände |
| Behandlung | Schmerzlinderung, Entlastung der Gelenke, Physiotherapie, Gewichtsreduktion, operative Maßnahmen (Arthroskopie, Gelenkersatz) | Schmerztherapie mit Antidepressiva und Antiepileptika, Lokalanästhetika, Behandlung der Grunderkrankung (z.B. Normalisierung des Blutzuckerspiegels bei Diabetes), Psychotherapie |
Fehldiagnosen und Differentialdiagnose
Schmerzen, die einer Arthrose ähnlich sind, können sowohl durch andere Erkrankungen im Gelenkbereich als auch durch Probleme benachbarter Körperregionen mit Ausstrahlung in die Hüfte verursacht werden. Eine genaue Befragung und Untersuchung durch den Arzt ist erforderlich, um mögliche Ursachen abzugrenzen.
Erkrankungen im Hüftgelenk, die Arthrose vortäuschen können
- Hüftdysplasie: Angeborene Steilstellung des Hüftdaches
- Impingement: Einklemmung zwischen Hüftkopf und Pfanne
- Hüftkopfnekrose: Absterben von Teilen des Hüftkopfes aufgrund von Durchblutungsstörungen
- Eitrige Hüftgelenkentzündungen: Durch Bakterien verursachte Entzündungen mit plötzlich und sehr stark auftretenden Schmerzen
- Chronische Polyarthritis: Autoimmunerkrankung, die mehrere Gelenke betrifft und schleichend beginnt
Störungen in der Nachbarschaft des Hüftgelenkes, die Arthrose vortäuschen können
- Schleimbeutelentzündungen: Stechende Schmerzen an der Außenseite der Hüfte, meist durch Überlastung von Sehnen und Muskeln verursacht
- Piriformis-Syndrom: Schmerzen im Gesäß mit Ausstrahlung in die Hinterseite des Oberschenkels, verursacht durch Irritation des Ischiasnervs
- Erkrankungen der Lendenwirbelsäule: Reizung von Nerven durch Abnutzung oder Entzündung, die ausstrahlende Schmerzen im Gesäß und in der Hüftregion verursachen
- Osteoporose: Schleichende und auch akut auftretende Brüche des hüftnahen Oberschenkels, des Beckenringes und der Wirbelsäule
- Tumorerkrankungen: Weichteiltumoren oder Tumorabsiedelungen, die den Knochen befallen und zu Brüchen führen können
- Meralgia parästhetica: Missempfindungen des seitlichen Oberschenkel-Hautnervs
- Polymalgia rheumatica: Erkrankung aus dem Bereich der Gefäßentzündungen
- Gicht: Stoffwechselerkrankung
- Fibromyalgie: Komplexes Krankheitsbild mit wechselnden Schmerzen von Muskeln und Gelenken
Lesen Sie auch: Verwirrung im Alter: Delir oder Demenz?
tags: #unterschied #zwischen #arthroseschmerzen #und #nervenschmerzen