Vaskuläre Demenz: Ursachen, Symptome und Persönlichkeitsveränderungen

Demenzen sind weit verbreitete neuropsychiatrische Erkrankungen im fortgeschrittenen Alter, die erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen haben. In Deutschland leiden derzeit etwa 1,6 Millionen Menschen an Demenz, und es wird erwartet, dass diese Zahl bis 2050 auf fast 3 Millionen ansteigt. Demenz führt zu einem fortschreitenden Verlust von kognitiven Fähigkeiten wie Orientierung, Urteilsvermögen, Sprach- und Rechenfähigkeiten sowie Veränderungen der Persönlichkeit. Die vaskuläre Demenz ist eine der häufigsten Formen von Demenz, die durch Durchblutungsstörungen im Gehirn verursacht wird.

Was ist vaskuläre Demenz?

Die vaskuläre Demenz ist ein Sammelbegriff für Demenzformen, die durch Gefäßveränderungen im Gehirn entstehen. Sie ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste Ursache für Demenz. Etwa 10 bis 20 Prozent aller Demenzpatienten haben eine rein vaskuläre Form, während weitere 20 Prozent unter einer Mischform aus Alzheimer-Demenz und vaskulärer Demenz leiden. Die vaskuläre Demenz wird auch manchmal als vaskuläre Enzephalopathie bezeichnet.

Ursachen der vaskulären Demenz

Vaskuläre Demenz entsteht durch Durchblutungsstörungen im Gehirn, die zu einer Unterversorgung von Hirnzellen mit Sauerstoff führen. Ursachen hierfür können sein:

  • Ablagerungen in Blutgefäßen (Arteriosklerose): Diese Ablagerungen können die Blutgefäße verengen und den Blutfluss zum Gehirn beeinträchtigen.
  • Blutgerinnsel (Thromboembolien): Blutgerinnsel können Blutgefäße verstopfen und so die Sauerstoffversorgung des Gehirns unterbrechen. Insbesondere die subkortikale vaskuläre Demenz kann durch Thromboembolien in den kleinsten Blutgefäßen des Gehirns verursacht werden.
  • Hirnblutungen: Blutungen im Gehirn können Hirnzellen schädigen und zu einer vaskulären Demenz führen.
  • Mikroangiopathie: Eine Mangeldurchblutung kleinster Blutgefäße kann zu einem schleichenden Nervenzelluntergang führen.
  • Strategische Infarkte: Kleine Hirninfarkte in für Merkfähigkeit und Orientierung wichtigen Gebieten können ebenfalls eine vaskuläre Demenz verursachen.

Risikofaktoren für vaskuläre Demenz sind die gleichen wie für einen Schlaganfall, da die vaskuläre Demenz oft eine Folge von kleineren oder größeren Schlaganfällen ist. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:

  • Bluthochdruck (arterielle Hypertonie): Insbesondere ein über lange Jahre bestehender, schlecht eingestellter Bluthochdruck ist ein bedeutender Risikofaktor.
  • Vorhofflimmern
  • Diabetes Typ II
  • Adipositas (Fettleibigkeit)
  • Erhöhte Blutfettwerte
  • Herzerkrankungen
  • Bewegungsmangel
  • Rauchen
  • Alter: Menschen ab dem 60. Lebensjahr haben ein höheres Risiko.
  • Familiäre Vorbelastung: Menschen mit nahen Verwandten mit Schlaganfall oder anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben ein erhöhtes Risiko.
  • Arteriosklerose in der Halsschlagader: Dies ist eine wichtige Ursache für die Entwicklung einer vaskulären Demenz.

Formen der vaskulären Demenz

Je nach Ort der betroffenen Gefäße und Art der Schädigung werden verschiedene Formen der vaskulären Demenz unterschieden:

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  • Multiinfarktdemenz: Diese Form entsteht durch mehrere kleine Hirninfarkte (Schlaganfälle). Die Symptome können bereits nach dem ersten Ereignis beginnen.
  • Subkortikale vaskuläre Demenz: Hier kommt es aufgrund von Blutgerinnseln (Thromboembolien) in den kleinsten Blutgefäßen des Gehirns zu Verschlüssen (Infarkten).
  • Vaskuläre Demenz bei strategischen Infarkten: Dabei treten kleine Hirninfarkte genau in den Gebieten auf, die für Merkfähigkeit und Orientierung besonders wichtig sind.
  • Gemischte Demenz: Eine Mischform zwischen Alzheimer-Demenz und vaskulärer Demenz.
  • Haemorrhagic dementia: Diese Form entsteht durch kleinere oder größere Hirnblutungen.

Symptome der vaskulären Demenz

Die Symptome der vaskulären Demenz können je nach betroffenem Gehirnareal und Ausmaß der Schädigung variieren. Im Gegensatz zur Alzheimer-Krankheit stehen Gedächtnisstörungen zu Beginn oft nicht im Vordergrund. Häufige Symptome sind:

  • Aufmerksamkeitsstörungen: Probleme mit der Konzentration und Aufmerksamkeit.
  • Verlangsamtes Denken: Betroffene sind oft verlangsamt und werden schnell müde.
  • Persönlichkeitsveränderungen: Dies können Stimmungsschwankungen, unangemessene Wutanfälle, Aggressivität oder plötzliches Lachen oder Weinen ohne ersichtlichen Grund sein.
  • Sprachstörungen: Schwierigkeiten beim Sprachverständnis und der Sprachproduktion.
  • Gangstörungen: Unsicherheit beim Gehen, Gleichgewichtsprobleme.
  • Kontrollverluste der Blase (Inkontinenz): Zwingender Harndrang oder Inkontinenz.
  • Gedächtnisstörungen: Obwohl nicht immer im Vordergrund, können auch Gedächtnisstörungen auftreten, insbesondere das Kurzzeitgedächtnis ist betroffen.
  • Neurologische Ausfälle: Halbseitenlähmung, gesteigerte Muskeleigenreflexe.
  • Depressive Episoden: Nicht selten entstehen im Verlauf auch depressive Episoden.
  • Orientierungslosigkeit: Schwierigkeiten, sich in vertrauter Umgebung zurechtzufinden oder die aktuelle Jahreszeit oder den Aufenthaltsort zu benennen.
  • Denkschwierigkeiten: Nachlassendes Urteilsvermögen und Probleme bei Alltagstätigkeiten.

Persönlichkeitsveränderungen bei vaskulärer Demenz

Persönlichkeitsveränderungen sind ein häufiges und belastendes Symptom der vaskulären Demenz. Sie können sich auf verschiedene Weise äußern:

  • Stimmungsschwankungen: Betroffene können plötzlich und ohne ersichtlichen Grund traurig, gereizt oder ängstlich sein.
  • Unangemessenes Verhalten: Dies kann sich in Form von Aggressivität, Wutausbrüchen oder Enthemmung äußern.
  • Verlust der Empathie: Betroffene zeigen möglicherweise weniger Mitgefühl oder Interesse an den Gefühlen anderer.
  • Sozialer Rückzug: Betroffene ziehen sich möglicherweise von sozialen Aktivitäten zurück und isolieren sich.
  • Veränderungen im Antrieb: Dies kann sich in Form von Apathie (Interesselosigkeit) oder Hyperaktivität äußern.
  • Verlust der Freude an Hobbys: Betroffene verlieren möglicherweise das Interesse an Aktivitäten, die ihnen früher Spaß gemacht haben.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Menschen mit vaskulärer Demenz Persönlichkeitsveränderungen entwickeln. Die Art und Schwere der Veränderungen können von Person zu Person unterschiedlich sein.

Diagnose der vaskulären Demenz

Um eine vaskuläre Demenz zu diagnostizieren, werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt:

  • Anamnese: Erfassung der Symptome und des Krankheitsverlaufs.
  • Körperliche Untersuchung: Überprüfung von Reflexen, Koordination, Gedächtnisleistung, Sprache und Orientierung.
  • Neurologische Untersuchung: Überprüfung des Gleichgewichtssinns und anderer neurologischer Funktionen.
  • Neuropsychologische Tests: Standardisierte Fragebögen und Tests zur Beurteilung der kognitiven Fähigkeiten (z.B. Montreal Cognitive Assessment Test (MoCA), Mini Mental Status Test (MMST)).
  • Bildgebende Verfahren:
    • Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT): Diese liefern Schichtaufnahmen des Gehirns, der Knochen und der Blutgefäße, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen und charakteristische Gewebeveränderungen zu erkennen.
    • Positronenemissionstomografie (PET): Mittels radioaktiv markierter Substanzen werden bestimmte Funktionsprozesse des Gehirns dargestellt, wie der Stoffwechsel von Sauerstoff und Zucker.
    • Ultraschalluntersuchungen: Der Blutgefäße am Hals und Kopf, um festzustellen, ob die Gefäße verschlossen sind oder ob der Blutfluss zum Gehirn beeinträchtigt ist.
  • Blutuntersuchungen: Um Risikofaktoren für Durchblutungsstörungen zu erkennen (z.B. Blutzucker, Blutfettwerte).
  • Nervenwasserentnahme (Lumbalpunktion): Eine Probe des Nervenwassers wird entnommen und auf Entzündungszellen oder demenztypische Eiweiße untersucht.

Die Abgrenzung zu anderen Demenzformen, insbesondere zur Alzheimer-Demenz, ist wichtig für die Therapieplanung. Die Alzheimer-Demenz kann von der vaskulären Demenz durch den Nachweis bestimmter Proteine im Gehirnwasser (Liquor) abgegrenzt werden.

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Therapie der vaskulären Demenz

Die vaskuläre Demenz ist nicht heilbar, aber es gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten, um die Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen:

  • Medikamentöse Behandlung:
    • Behandlung von Risikofaktoren: Medikamente zur Einstellung von Bluthochdruck, Blutfettwerten und Blutzucker.
    • Blutverdünnende Medikamente: Um weitere Schlaganfälle zu verhindern.
    • Antidementiva: In einigen Fällen können Acetylcholinesterase-Hemmer und Memantin, die hauptsächlich bei Alzheimer eingesetzt werden, hilfreich sein.
    • Ginkgo biloba Extrakt (EGb761): Es gibt Hinweise, dass dieser Extrakt bei vaskulärer Demenz wirksam sein kann.
    • Medikamente gegen psychiatrische Symptome: Im Einzelfall können Medikamente gegen Depressionen, Angstzustände oder Verhaltensauffälligkeiten eingesetzt werden.
  • Nicht-medikamentöse Behandlung:
    • Kognitives Training: Spielerisches Gehirntraining zur Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten.
    • Ergotherapie: Üben von alltäglichen Fähigkeiten.
    • Physiotherapie: Gehtraining bei Gangunsicherheit.
    • Sprachtherapie: Bei Sprachstörungen.
    • Beschäftigungstherapie: Um Stresssituationen zu vermeiden.
    • Musiktherapie und Erinnerungstherapie: Zur Reaktivierung von positiven Erinnerungen.
    • Psychotherapie: Bei Traurigkeit und Depressionen.
    • Toilettentraining: Bei Problemen mit der Kontinenz.
  • Lebensstiländerung:
    • Gesunde Ernährung: Weniger tierische, mehr pflanzliche Fette.
    • Regelmäßige körperliche Aktivität: Sport und Bewegung.
    • Verzicht auf Rauchen:
    • Gewichtsreduktion bei Übergewicht:

Vorbeugung der vaskulären Demenz

Die Vorbeugung der vaskulären Demenz besteht in einem gesunden Lebensstil und der Kontrolle von Risikofaktoren:

  • Gesunde Ernährung
  • Regelmäßige körperliche Aktivität
  • Nichtrauchen
  • Kontrolle von Bluthochdruck, Diabetes und hohen Cholesterinwerten
  • Vermeidung von Übergewicht

Auch wenn bereits Grunderkrankungen bestehen, können diese Maßnahmen das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen.

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