Alzheimer-Aphasie: Unterschiede und Herausforderungen

Die Alzheimer-Aphasie stellt eine besondere Herausforderung im Bereich der Demenzerkrankungen dar. Um die Unterschiede und Besonderheiten dieser Form der Aphasie besser zu verstehen, ist es wichtig, zunächst die Grundlagen von Demenz und Aphasie zu betrachten.

Demenz: Definition, Prävalenz und Symptome

Der Begriff Demenz beschreibt einen hirnorganisch bedingten, pathologischen Abbau kognitiver Leistungen. Die Weltgesundheitsorganisation (ICD-10 psychischer Störungen) definiert Demenz als ein Syndrom infolge einer meist chronischen oder fortschreitenden Erkrankung des Gehirns. Nach der DSM-IV-TR (American Psychiatric Association (APA), 2000) sind bedeutende Merkmale einer Demenz die Entwicklung multipler kognitiver Defizite, die eine Gedächtnisstörung beinhalten. Eine der folgenden kognitiven Störungen muss ebenfalls vorhanden sein: Aphasie, Apraxie, Agnosie oder eine Beeinträchtigung exekutiver Funktionen. Der Schweregrad der kognitiven Defizite muss so hoch sein, dass berufliche oder soziale Leistungsniveaus beeinträchtigt sind. Zudem muss eine Verschlechterung gegenüber den früheren, höheren Leistungsniveaus bestehen. Eine Bewusstseinstrübung besteht nicht. Es wird eine Mindestdauer von sechs Monaten gefordert, um Verwechslungen mit reversiblen Zuständen, die zunächst die gleichen Beschwerden aufweisen, zu vermeiden.

Beeinträchtigungen des Gedächtnisses sind für die Diagnose einer Demenz nötig und stellen ihr prominentestes Symptom dar. Die kognitiven Störungen, die vorrangig das Gedächtnis (v. a. das Neugedächtnis) betreffen, wirken sich auf das Denken, die Urteilsfähigkeit, die Intelligenz und Orientierung aus. Unter Umständen können psychotische Symptome wie z.B. Halluzinationen oder Wahnideen beobachtet werden. Die folgenden Formen bieten eine erste Unterteilung: Alzheimer-Krankheit (rel. Häufigkeit 50%), zerebrovaskuläre Erkrankungen (17%) und Mischformen (16%) sowie im Rahmen anderer Erkrankungen (Pick-Krankheit, Chorea Huntington, Parkinson-Syndrom, HIV-Erkrankung, u.a.). Eine weitere Differenzierung unterscheidet zwischen degenerativen Demenzen (Alzheimer-Krankheit, Lewy-Körper-Krankheit, frontotemporale Demenz, kortikobasale Degeneration, Demenz bei Morbus Parkinson und Chorea Huntington) und vaskulärer Demenz (auch Multiinfarkt-Demenz). Eine weitere Form ist die sekundäre Demenz wie sie infolge einer Infektionskrankheit (z.B. AIDS, Kreutzfeldt-Jakob-Krankheit) auftritt. Außerdem fassen die Autoren kortikale und subkortikale Demenz zusammen. Auch wenn Krankheitsbilder wie z.B. Morbus Parkinson, Chorea Huntington und Morbus Wilson pathogenetisch und psychopathologisch unterschiedlich sind, treten andererseits die gleichen sub- und kortikalen pathologisch-anatomischen Veränderungen auf. Als Differenzialdiagnosen gibt der Pschyrembel u.a. Depression (v.a. als sog. Pseudodemenz), Psychose und geistige Behinderung an.

Alzheimer-Demenz

Die Alzheimer-Demenz, im angloamerikanischen Raum als „Dementia of the Alzheimer’s Type“ (DAT) bezeichnet, ist die häufigste Ursache für Demenz. Der Beginn der Erkrankung liegt meist ab dem 70. Lebensjahr. Die APA schlägt zwei Subtypen vor: mit frühem Beginn (Alter 65 Jahre oder darunter) und mit spätem Beginn (nach einem Alter von 65 Jahren). Außerdem wird in „with and without behavioural disturbance“ differenziert. Es besteht aktuell die Diskussion zweier Modelle zur Unterteilung aufgrund der Unterschiedlichkeit in der Symptomatik. Das Stadienmodell bezieht den relativ homogenen Funktionsabbau, eine zeitlich progrediente Verschlechterung sowie ggf. das Neuauftreten qualitativ andersartiger Defizite ein. Eine Manifestation unterschiedlicher Symptomatik von Beginn an wird mit Hilfe des Subgruppenmodells beschrieben.

Erste Symptome, die allerdings noch keine Diagnose zulassen, sind u.a. uncharakteristischer Kopfschmerz oder allgemeine Leistungsschwächen. Im weiteren Verlauf treten dann charakteristische neuropsychologische Ausfälle wie Vergesslichkeit, Verlieren des Überblicks über Situationen und Aufgaben, Schwierigkeiten beim Rechnen, Schreiben und Lesen auf. Die Patienten sind meist zeitlich und örtlich, ggf. auch persönlich nicht vollständig orientiert. Das Leitsymptom ist jedoch eine schwere Merkfähigkeit. Auffällig ist, dass die Persönlichkeit sowie die äußere Haltung weitgehend unbeeinträchtigt sind. Nicht kognitive Veränderungen wie Antriebsmangel, psychomotorische Unruhe, Schlafstörungen und Depressivität werden ebenfalls beschrieben. In der neurologischen Diagnostik findet man Reflexdifferenzen und Zeichen ähnlich denen von Morbus Parkinson. Bei längeren Untersuchungen sind Leistungsschwankungen zu beobachten, ermüden die Patienten zunehmend und können in eine ratlos-traurige Verstimmung fallen. „Der Verlauf ist unaufhaltsam progredient“.

Lesen Sie auch: Was sind erregende und hemmende Synapsen?

Sprachstörungen treten laut Hodges u. Patterson (1995) bei allen Patienten ab dem frühesten Stadium des degenerativen Prozesses auf. Wortfindungsstörungen sowie das Perseverieren von Gedanken und Wörtern sind zu beobachten. Es kommt zu einem fortschreitenden „Sprachzerfall“. Stereotypien, Echolalien, Neologismen und schließlich Logoklonien sowie Beeinträchtigungen des Sprachverständnisses werden beschrieben. Auch die Motorik ist von diesen gleichförmigen, automatenhaften Iterationen betroffen. Die Therapie erfolgt zurzeit häufig durch eine Behandlung mit reversiblen Cholinesterasehemmern, da von einem Mangel an Azetylcholin ausgegangen wird. Ein Training von Alltagsfunktionen in der familiären Umgebung wird vor dem sog. "Gehirnjogging" empfohlen, da bestenfalls Items, nicht aber Strategien erlernt werden.

Fronto-temporale Demenz

Hartje und Poeck (2001) unterteilen die fronto-temporale Demenz (FTD) in drei Varianten, Morbus Pick, semantische Demenz (SD) sowie primär progressive Aphasie. Eine Abgrenzung zur DAT ist aufgrund des Fehlens eindeutiger biologischer und apparativer Marker teils schwierig. Die Untersucher beobachten jedoch sehr differenziert, um „Patienten nicht einfach als atypische Alzheimer-Krankheit“ (Poeck et al., 2001, S.546) zu diagnostizieren.

Pick-Atrophie

Die nach dem Neurologen und Psychiater Arnold Pick (1851-1924) benannte seltene Demenzform beginnt meist zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr und hat eine mittlere Erkrankungsdauer von sieben Jahren. Die Ätiologie ist unbekannt. Charakteristische Beobachtungen sind eine Schwellung der Nervenzellen (Pick-Zellen) und argyrophile Einschlüsse (Pick-Körper). Es werden u.a. Atrophien im Bereich des Frontalhirns und der vorderen Anteile des Temporallappens gefunden. Zunächst tritt ein allgemeines Nachlassen der Leistungsfähigkeit ein. Es schließen sich Veränderungen der Persönlichkeit an. Im weiteren Verlauf kommen die Symptome progrediente Demenz und evtl. Sprachstörungen und Aphasie hinzu. Pathologische Hand- und Mundgreifreflexe sind möglich; im Endstadium ist ein akinetisches Parkinson-Syndrom mit schwerer Demenz zu beobachten.

Semantische Demenz

Ursache der Semantischen Demenz (SD) ist u.a. eine Verminderung der Durchblutung, die sich in bildgebenden Verfahren in Form einer linksseitigen, infero-temporalen Atrophie äußert. Das Leitsymptom ist der fortschreitende Verlust semantischer Information, wobei zunächst nur lautsprachliche Modalitäten betroffen sind. Über einen langen Zeitraum sind das episodische Gedächtnis, das Sozialverhalten sowie die räumliche Orientierung nicht betroffen. Im späteren Verlauf können Patienten mit SD auch visuell oder taktil wahrgenommene Objekte nicht mehr erkennen; die Schriftsprache wird in Mitleidenschaft gezogen. Die Sprache kann als „flüssig“ , aber inhaltsleer beschrieben werden; Artikulation und Syntax sind unauffällig. Das Benennen und Definieren von Objekten und Tätigkeiten ist den Patienten nicht möglich oder sie produzieren semantische Paraphasien, wobei die Möglichkeit besteht, dass einzelne semantische Felder (z.B. Tiernamen) stärker betroffen sind. Eine Oberflächendyslexie/-dysgraphie kann nicht ausgeschlossen werden. Das Zuordnen von Bildern sowie das Nachsprechen einzelner Wörter sind intakt. Im Endstadium der Krankheit ist ein Mutismus ggf. mit Zeichen des Klüver-Bucy-Syndroms zu beobachten.

Primär progressive Aphasie

Die „primary progressive aphasia“ (Mesulam, 2001) oder auch „progressive non-fluent aphasia" (Neary et al., 1998) bzw. „primär progrediente Aphasie“ (Schultze-Jena u. Becker, 2005, S.14) ist durch eine langsam fortschreitende Aphasie gekennzeichnet. Die Sprachproduktion wird hier als „nichtflüssig“ beschrieben. Die Patienten produzieren viele phonematische Paraphasien und eine agrammatische Syntax. Es treten ebenfalls Wortfindungs- und Benennstörungen auf; Sprech- und Sprachstörungen z.B. in Form einer Sprechapraxie sind möglich, das Nachsprechen kann gestört sein. Das Sozialverhalten, räumliche Orientierung, episodisches Gedächtnis und Problemlösen sind wie bei der SD lange Zeit intakt; im Verlauf lassen andere kognitive Leistungen allerdings nach. Nach 2-8 Jahren liegt ein Mutismus ohne erkennbares Sprachverständnis vor.

Lesen Sie auch: Erregung und Hemmung an Synapsen: Eine Gegenüberstellung

Varianten der primär progressiven Aphasie

Zuordnung, Differenzierung und Unterteilung von SD und PPA sind nicht eindeutig. Mögliche Klassifizierungen und Probleme der Begrifflichkeit werden geschildert. In einem aktuellen Überblick unterscheiden Amici et al. (2006) folgende Varianten der primär progressiven Aphasie: 1) progressive nonfluent aphasia (PNFA), 2) semantic dementia, 3) logopenic progressive aphasia (LPA). In der Spontansprache von Patienten mit LPA sind Wortfindungsstörungen und phonematische Paraphasien zu beobachten. Das Nachsprechen und Benennen ist beeinträchtigt. Das Satzverständnis ist auch für einfache Sätze gestört. Das Lesen ist nur bei einfachen Wörtern möglich. Akalkulie und Apraxie sind möglich. Knibb und Hodges (2005) befassten sich ebenfalls mit der Kategorisierung von SD und PPA. Anhand der Daten von 50 Patienten, die seit 1990 in Cambridge untersucht wurden, begründen die Autoren, dass der Begriff „PPA“ weder nützlich noch klinisch von Bedeutung ist. Sie schlagen die Verwendung der Begriffe „SD“ und „PNFA“ zur Unterscheidung der Syndrome vor, da davon ausgegangen wird, dass eine „flüssige“ PPA eigentlich eine SD ist. In den bisher erschienenen sprachtherapeutischen Arbeiten im deutschsprachigen Raum erfolgt bei primär progressiven Aphasien weiterhin eine Differenzierung in flüssige vs. nichtflüssige PPA (vgl. Lange et al. 2006). Eine einheitliche Klassifikation und Begrifflichkeit wird von einigen Autoren angestrebt (vgl. Knibb et al., 2005).

Post-stroke Demenz

Demenzkrankheiten sind nicht nur mit dem Lebensalter, sondern auch mit bestimmten vaskulären Risikofaktoren assoziiert. Durch Infarkte im Versorgungsgebiet großer hinzuführender Arterien können so genannte vaskuläre Demenzen hervorgerufen werden. Hénon et al. (2001) wiesen mittels einer Studie mit 169 Patienten mit Schlaganfall im Rahmen einer 3-jährige Verlaufsbeobachtung nach, dass das Risiko einer PSD bei 28,5% liegt. Bei 1/3 der Patienten mit PSD wurde eine DAT, bei 2/3 eine Vaskuläre Demenz diagnostiziert. Die beschriebenen Demenzen zeigen eine Vielzahl an Überschneidungen mit den Symptomen einer Aphasie nach einem Schlaganfall. Im Besonderen die ähnlichen sprachlichen Fähigkeiten erfordern eine professionelle sprachtherapeutische Diagnostik.

Aphasie: Eine erworbene Sprachstörung

Die Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung, die das menschliche Sprachsystem betrifft. Bei einer Aphasie handelt es sich um eine erworbene Störung des Sprachsystems, bei der die Fähigkeit zu sprechen in der Regel nicht vollständig verloren gegangen ist. Aphasie ist keine geistige Behinderung. Eine Aphasie betrifft das Sprachsystem des Betroffenen. Die geistigen Fähigkeiten des Aphasikers, wie beispielsweise das Denken, Wissen oder Erinnern sind weitgehend unbeeinträchtigt.

Da sich Aphasiker sprachlich nicht mehr so gut mitteilen können, werden sie manchmal als verwirrt angesehen und teils nur noch eingeschränkt in Gespräche einbezogen. Ein solcher Umgang bringt viele Menschen mit Aphasie verständlicherweise in eine hilflose und unmündige Situation. Das verlangt manchmal außergewöhnliche Mittel und Wege. Doch in den meisten Fällen sind es genau diese Mittel, die den Alltag erheblich erleichtern. Seien Sie also kreativ. Eine Aphasie tritt nicht für sich allein auf. Sie ist immer die Folge einer Hirnschädigung.

Ursachen und Formen der Aphasie

Die Ursache einer Aphasie ist immer eine Schädigung des Gehirns. In den meisten Fällen liegt die Schädigung im Bereich der linken Großhirnhälfte. Ein Schlaganfall (Apoplex) ist mit Abstand die häufigste Ursache für eine Aphasie. Das bedeutet, die Aphasie wird im Verlauf der Schlaganfall-Behandlung und Rehabilitation chronisch. Eine Aphasie kann auch bei einer Alzheimer-Demenz oder bei einer oft früh einsetzenden Form der Demenz, der sogenannten Frontotemporalen Demenz, auftreten. Das ist jedoch sehr viel seltener der Fall im Vergleich zur Aphasie bei einem Schlaganfall.

Lesen Sie auch: Unterschiede im Gehirn: Pferd und Mensch

Aphasien werden unterteilt in flüssige Aphasie und nicht-flüssige Aphasie.

  • Amnestische Aphasie: Gehört zur Gruppe der flüssigen Aphasien. Das vorrangige Symptom ist die Wortfindungsstörung. Die Satzinhalte wiederholen sich oft und es werden Floskeln oder Umschreibungen verwendet, um die Wortfindungsstörung zu überspielen.
  • Broca-Aphasie: Zählt zu den nichtflüssigen Aphasien. Das heißt, die betroffene Person kann in der Regel nicht flüssig sprechen. Außerdem ist das Sprechen mit erheblichen Anstrengungen verbunden. Das heißt, es können keine vollständigen Sätze gebildet werden. Ausgesprochen werden nur einzelne Satzbestandteile oder Wörter. Dadurch ist die Möglichkeit, sich ausdrücken, für den Betroffenen stark eingeschränkt. Das Sprachverständnis ist gut erhalten.
  • Wernicke-Aphasie: Sie gehört zur Gruppe der flüssigen Aphasien. Die Satzbauteile geraten beim Sprechen durcheinander und Wörter werden verwechselt. So lässt sich der Sinn des Gesagten für den Zuhörenden nur schwer erkennen. Das heißt, der Aphasiker versteht das Gesagte nicht oder nur eingeschränkt. Lesen und schreiben ist für die Betroffenen nicht möglich.

Diagnose und Therapie der Aphasie

Die Aphasie-Diagnostik beginnt in der Akutphase im Krankenhaus und wird von Logopäden, also Sprachtherapeuten, durchgeführt. Viele Patienten haben sind zu Beginn dieser Phase noch schwach und ihr Gesundheitszustand ist instabil. Erst nach etwa sechs Wochen kann eine detaillierte Beurteilung der sprachlichen Fähigkeiten des Betroffenen stattfinden. Dafür stehen unterschiedliche Tests zur Verfügung. Sollten Sie als angehörige Person wiederholt Sprachstörungen bei Ihrem Familienmitglied bemerken, kann es sich lohnen, diese zu dokumentieren und für ein späteres Arztgespräch bereitzuhalten. Gibt es Muster, wie zum Beispiel Wortfindungsstörungen oder Verwechslungen? Der Aphasie-Schnell-Test (AST) wurde für leichte bis mittelgradige akute Aphasien entwickelt. Der Test kann einfach durchgeführt werden und dauert etwa fünf bis 15 Minuten. Mit diesem Test kann zum einen ermittelt werden, ob eine Aphasie vorliegt oder nicht.

Die Behandlung einer Aphasie ist nicht invasiv, das heißt, Betroffene müssen nicht befürchten, am Gehirn operiert zu werden. Das übergeordnete Ziel der Aphasie-Therapie ist es, die sprachlichen Fähigkeiten des Patienten wiederherzustellen, zu verbessern oder zu erhalten. Betroffene lernen, die Sprachstörung durch andere Ausdrucksmöglichkeiten wie Gestik oder durch die Zuhilfenahme von Hilfsmitteln zu kompensieren. Entscheidend ist es, dass die Patienten dazu befähigt werden, wieder kommunizieren zu können. Die Behandlung der Aphasie liegt im Aufgabenbereich der Logopädie, also des Sprachtherapeuten. Patienten führen speziellen Aphasie-Übungen unter der Anleitung der Logopäden durch. Das genaue Therapieziel orientiert sich am Einzelfall, je nach Aphasie-Form, Schweregrad sowie allgemeiner gesundheitlicher Verfassung des Betroffenen.

Grundsätzlich gilt, dass die logopädische Therapie so früh wie möglich begonnen werden sollte, am besten noch während des Krankenhausaufenthaltes. Wenn der Betroffene wieder zuhause ist, muss die logopädische Therapie von einem Arzt verordnet werden. Grundsätzlich kann die ambulante Logotherapie einzeln oder in Gruppen stattfinden.

Umgang mit Aphasie

Kommunikation spielt in vielen Modulen von Pflegekursen eine wichtige Rolle. Mit entsprechenden Fragen können Sie herausfinden, worüber der Betroffene sprechen möchte. Ein Beispiel: „Geht es um das Thema Urlaub? Meinst Du den Sommerurlaub im letzten Jahr? Wichtig ist, dass Sie ehrlich sind und es dem Betroffenen mitteilen, wenn Sie ihn nicht verstanden haben. Es gibt Hilfsmittel, die es Aphasikern trotz eingeschränkter Sprachfähigkeit ermöglichen, an Gesprächen teilzunehmen. Darüber hinaus gibt es inzwischen eine große Vielfalt an elektronischen Kommunikationshilfen. Bevor sich Aphasiker Hilfsmittel anschaffen, sollten sie einen Antrag auf Kostenübernahme für elektronische oder nicht-elektronische Hilfsmittel beim zuständigen Kostenträger stellen. Dem Antrag muss ein Kostenvoranschlag beigefügt werden. Kommunikationshilfen gibt es inzwischen auch als digitale Anwendungen (Apps) für Smartphones und Tablets. Nicht jede Krankenkasse übernimmt die Kosten für Aphasie-Apps. Zur therapeutischen Begleitung von Krankheiten etablieren sich Digitale Gesundheitsanwendungen jedoch immer mehr. Aphasiker können sich auf der Internetseite der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) informieren. Dort gibt es ein Verzeichnis der stationären Einrichtungen für medizinische Rehabilitation. In der Suchmaske kann das Krankheitsbild „Sprachstörung“ oder „Sprachbehinderungen“ ausgewählt werden.

Berufliche Wiedereingliederung und Selbsthilfe

Der berufliche Wiedereinstieg mit einer Aphasie kann Betroffene vor große Herausforderungen stellen. Nicht alle Berufe sind mit einer Aphasie gleichermaßen vereinbar. Das Heidelberger Aphasie-Modell ist ein Angebot des Berufsförderungswerks in Kooperation mit dem Bundesverband Aphasie e. V. und den SRH Fachschulen. In dieser Zeit werden die Menschen zudem darüber beraten, welche beruflichen Tätigkeiten in Frage für sie kommen könnten. Danach absolvieren sie eine drei- bis sechsmonatige Berufsvorbereitung. Im gewählten Berufszweig folgt eine Qualifizierung in Form einer Umschulung oder Ausbildung.

Es gibt Selbsthilfegruppen, deren Angebote sich speziell an Aphasiker richten. Für viele Betroffene ist es hilfreich, sich in diesem Rahmen über Themen auszutauschen, die sie mit nicht betroffenen Menschen schwierig nur besprechen können. Selbsthilfegruppen unterscheiden sich zum einen in professionell geführte Gruppen, die auch therapeutische Angebote haben. Zum anderen gibt es von Betroffenen selbst organisierte Gruppen. Eine zentrale Interessenvertretung ist der Bundesverband für die Rehabilitation der Aphasiker e.V. Bei Hirnschäden mit kognitiven Leistungseinschränkungen, wie einer Aphasie, haben Betroffene die Möglichkeit, einen Nachteilsausgleich zu erhalten.

Unterschiede zwischen Aphasie und Demenz

Es ist entscheidend, Aphasien von Demenzerkrankungen abzugrenzen. Aphasien entstehen durch Schädigung und Verletzung des Gehirns in einem relativ eng begrenzten Bereich mit einer nachfolgenden Stabilisierung der Symptomatik. Im Gegensatz dazu gehen Demenzerkrankungen mit einem umfassenden Abbau aller Großhirnleistungen einher, einschließlich Gedächtnis, logischem Denken, Orientierung und sprachlichen Fähigkeiten. Auch Persönlichkeitsveränderungen sind zu beobachten.

Daraus ergibt sich ein Unterschied im alltäglichen und pflegerischen Umgang mit diesen beiden Patientengruppen. Bei Aphasikern geht es um Verbesserung der kommunikativen Fähigkeiten, bei Demenzkranken hingegen um längst mögliche Erhaltung dieser Fähigkeiten. Menschen mit einer Aphasie haben keine umfassende geistige Störung oder Behinderung, sondern sie haben eine Einschränkung oder gar einen Verlust ihrer Möglichkeiten, sich ihrer Sprache zu bedienen um ihre Empfindungen, Wünsche, Bedürfnisse auszudrücken. Da es sich bei dieser Störung um eine zentrale Störung des gesamten Sprachsystems handelt, können Aphasiker auch nicht auf die geschriebene Sprache, also Schreiben und Lesen ausweichen. Diese Fähigkeiten sind genauso oder noch stärker eingeschränkt als die mündliche Sprache. Sie sind also isoliert in einer Umgebung von sprechenden Menschen. Sie möchten und sollen "normal" behandelt werden.

Die Alzheimer-Aphasie im Detail

Bei der Alzheimer-Aphasie handelt es sich um eine progressive Sprachstörung, die im Rahmen der Alzheimer-Krankheit auftritt. Die sprachlichen Störungen können im Vergleich zu weiteren neuropsychologischen Auffälligkeiten (z. B. Gedächtniseinbußen) weniger ausgeprägt sein. Je nach Ort und Ausdehnung der Schädigung im Sprachnetzwerk des Gehirns sowie der Ausprägung von sprachlichen Symptomen können verschiedene Unterformen unterschieden werden.

Symptome der Alzheimer-Aphasie

  • Wortfindungsstörungen: Betroffene haben Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden, um sich auszudrücken. Dies kann sich in Umschreibungen, Pausen oder dem Verwenden von Füllwörtern äußern.
  • Semantische Fehler: Es kommt zu Fehlern im Wortverständnis, bei denen Wörter in ihrer Bedeutung verwechselt werden.
  • Reduzierter Wortschatz: Der aktive Wortschatz nimmt ab, was die Ausdrucksmöglichkeiten einschränkt.
  • Schwierigkeiten im Sprachverständnis: Das Verstehen von komplexen Sätzen oder Anweisungen fällt schwer.
  • Grammatikalische Fehler: Die korrekte Anwendung von Grammatikregeln wird zunehmend schwieriger.

Therapieansätze bei Alzheimer-Aphasie

Im Unterschied zur Therapie bei anderen Sprachstörungen können bei Sprachstörungen im Rahmen einer Demenz nicht neu gelernt werden oder Fähigkeiten zurückerlangt werden. Ziele der Therapie sind individuell vorhandene Fähigkeiten anzuregen, zu nutzen, so lange wie möglich zu erhalten und Kompensationsstrategien zu entdecken. Auch soll mit vorhandenen vielleicht eingeschränkten Fähigkeiten die Erfahrung gelungener Kommunikation gemacht werden. Betroffene leiden oftmals unter entstehenden Misserfolgen und haben weniger Selbstvertrauen. Auch Angehörige werden aufgeklärt, wie ihr Partner Kommunikation erlebt, was schwierig ist und welche Situationen besonders herausfordernd sind.

Konkretes Ziel der Sprachtherapie ist die Verbesserung des Sprachverständnisses und die Wiederaufnahme der Wort- und Satzproduktion. Dabei stehen die Wünsche des Patienten oder der Patientin klar im Vordergrund. Ein Wunsch könnte beispielsweise sein, mit den Enkelkindern wieder Bücher zu lesen.

Viele Betroffene fallen besonders in den ersten Wochen und Monaten in ein tiefes Loch - sie können dann eine Depression entwickeln. In solchen Fällen ist eine Behandlung unbedingt notwendig, um die Erfolge einer Sprachtherapie nicht zu beeinträchtigen und die allgemeine Lebensqualität möglichst hoch zu halten.

Tipps für den Umgang mit Menschen mit Alzheimer-Aphasie

  • Respektvoller Umgang: Behandeln Sie die Betroffenen mit Respekt und Geduld. Vermeiden Sie es, für sie zu sprechen oder sie zu korrigieren.
  • Einfache Sprache: Verwenden Sie kurze Sätze und vermeiden Sie Fremdwörter oder komplexe grammatikalische Strukturen.
  • Unterstützung durch nonverbale Kommunikation: Nutzen Sie Gestik, Mimik und Körperhaltung, um Ihre Botschaft zu unterstützen.
  • Visuelle Hilfsmittel: Verwenden Sie Bilder, Symbole oder Schrift, um die Kommunikation zu erleichtern.
  • Geduld: Geben Sie den Betroffenen Zeit, sich auszudrücken und ihre Gedanken zu formulieren.
  • Positive Verstärkung: Loben Sie die Betroffenen für ihre Bemühungen und Erfolge.
  • Schaffen Sie eine ruhige Umgebung: Vermeiden Sie Ablenkungen und Lärm, um die Konzentration zu fördern.
  • Seien Sie ehrlich: Teilen Sie dem Betroffenen mit, wenn Sie ihn nicht verstanden haben, und bitten Sie ihn, die Aussage zu wiederholen oder anders zu formulieren.

tags: #vergleich #alzheimer #aphasie