Vergröberter Sehnerv: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Der vergröberte Sehnerv, auch bekannt als Papillenödem oder Optikusneuropathie, ist ein Zustand, der durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden kann und die Sehkraft beeinträchtigen kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnosemethoden und Behandlungsansätze für dieses Krankheitsbild.

Einführung

Der Sehnerv spielt eine entscheidende Rolle bei der Übertragung visueller Informationen vom Auge zum Gehirn. Eine Vergröberung oder Schwellung des Sehnervs kann auf eine zugrunde liegende Erkrankung hinweisen, die eine sofortige Diagnose und Behandlung erfordert, um dauerhafte Schäden zu vermeiden.

Ursachen eines vergröberten Sehnervs

Ein vergröberter Sehnerv kann verschiedene Ursachen haben, darunter:

  • Sehnervenentzündung (Neuritis nervi optici): Eine Entzündung des Sehnervs, die oft mit Erkrankungen wie Multipler Sklerose (MS) oder anderen Autoimmunerkrankungen in Verbindung steht.
  • Erhöhter Hirndruck (Stauungspapille): Ein Anstieg des Drucks im Schädelinneren, der auf den Sehnerv drückt. Ursachen hierfür können Hirntumore, Blutungen oder Infektionen sein.
  • Glaukom (Grüner Star): Eine Gruppe von Augenerkrankungen, die den Sehnerv schädigen, oft aufgrund eines erhöhten Augeninnendrucks.
  • Gefäßverschlüsse: Blockaden der Blutgefäße, die den Sehnerv versorgen, können zu einer Vergröberung und Schädigung führen.
  • Vergiftungen: Bestimmte Substanzen, wie z.B. Alkohol, können den Sehnerv schädigen und zu einer Vergröberung führen.
  • Kindliche Glaukome: Angeborene oder im Kindesalter auftretende Glaukome, die durch einen erhöhten Augendruck gekennzeichnet sind.
  • Fehlbildungen: Körperliche oder auf das Auge bezogene Fehlbildungen können ebenfalls zu einem kindlichen Glaukom führen.
  • Erworbene Erkrankungen: Chronische Aderhautentzündungen (Uveitis) oder Unfälle können ein kindliches Glaukom verursachen.

Diagnose eines vergröberten Sehnervs

Die Diagnose eines vergröberten Sehnervs umfasst eine umfassende Augenuntersuchung und Anamnese.

Anamnese

Der Arzt wird zunächst eine ausführliche Anamnese erheben, um Informationen über die Krankheitsgeschichte des Patienten zu sammeln. Dabei werden Fragen gestellt wie:

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei verdicktem Sehnerv

  • Wann hat sich Ihr Sehen verschlechtert?
  • Bereiten Ihnen Augenbewegungen Schmerzen?
  • Ist das Sehen auf einer Seite schlechter als auf der anderen?
  • Hatten Sie in der letzten Zeit eine Erkältung oder Fieber?
  • Hatte ein Familienmitglied von Ihnen bereits ähnliche Symptome?
  • Leiden Sie an einer Grunderkrankung (z.B. Multiple Sklerose, Lupus erythematodes)?
  • Ist in Ihrer Familie ein Fall von Multipler Sklerose bekannt?
  • Ist Ihnen schwindelig oder haben Sie Schwächen Ihrer Muskulatur bemerkt?
  • Rauchen Sie, trinken Sie Alkohol oder nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?
  • Sind die Beschwerden bei Wärme stärker (zum Beispiel, wenn Sie ein Bad nehmen, in der Sauna sitzen oder Sport machen)?
  • Nehmen Sie Lichtblitze wahr?

Augenuntersuchungen

Anschließend werden verschiedene Augenuntersuchungen durchgeführt:

  • Bestimmung der Sehschärfe: Mithilfe einer Buchstaben- oder Zahlentafel wird die Sehschärfe bestimmt. Bei einer Sehnerventzündung ist diese oft gemindert. Die Niedrigkontrast-Sehschärfe kann ebenfalls beeinträchtigt sein.
  • Test der Pupillenreaktion: Der Arzt leuchtet abwechselnd mit einer Lampe in die Augen, um die Reaktion der Pupillen zu beobachten. Bei einer Retrobulbärneuritis liegt oft ein relativer afferenter Pupillendefekt (RAPD) vor.
  • Prüfung der Augenbeweglichkeit: Der Patient soll den Blick einem Finger oder Stift folgen, um die Beweglichkeit der Augen zu überprüfen. Dabei wird auf Schmerzen oder Doppelbilder geachtet.
  • Bestimmung des Gesichtsfeldes: Das Gesichtsfeld wird getestet, um Einschränkungen zu erkennen. Dies kann grob mit den Fingern des Untersuchers oder genauer mit einem Perimeter erfolgen. Bei einer Sehnerventzündung liegt häufig eine Einschränkung im zentralen Bereich vor (Zentralskotom).
  • Untersuchung des Augenhintergrundes (Funduskopie): Mit einem Augenspiegel wird der Augenhintergrund beurteilt, um Veränderungen der Blutgefäße und der Papille (Austrittsstelle des Sehnervs) zu erkennen. Bei einer Retrobulbärneuritis ist die Funduskopie oft unauffällig, während bei einer Papillitis die Papille gerötet und geschwollen ist.
  • Prüfung der Farbwahrnehmung: Die Farbwahrnehmung wird getestet, da bei einer Neuritis nervi optici oft die Farbsättigung für Rot abgeschwächt ist.
  • Test der Sehnervleitung (Visuell evozierte Potentiale, VEP): Mithilfe von Elektroden am Kopf wird die Leitungsgeschwindigkeit des Sehnervs überprüft. Bei einer Entzündung des Sehnervs sind die Messwerte oft verändert.

Weiterführende Diagnostik

Um die Ursache der Sehnerventzündung herauszufinden, können weitere Untersuchungen notwendig sein:

  • Kernspintomografie (MRT) des Kopfes und der Wirbelsäule: Um eine Multiple Sklerose (MS) zu diagnostizieren.
  • Liquorpunktion: Entnahme und Untersuchung von Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) auf Entzündungszeichen, die für eine MS sprechen könnten.
  • Blutuntersuchungen: Um andere Krankheiten oder Krankheitserreger als Ursache auszuschließen.

Abgrenzung zu anderen Krankheiten

Es ist wichtig, andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen, wie z.B. die Stauungspapille oder Vergiftungen.

Behandlung eines vergröberten Sehnervs

Die Behandlung eines vergröberten Sehnervs richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

Sehnervenentzündung

Bei einer Sehnervenentzündung kann eine Behandlung mit Kortikosteroiden in Betracht gezogen werden, um die Entzündung zu reduzieren und die Sehkraft wiederherzustellen. In einigen Fällen kann eine Plasmapherese erforderlich sein, um Antikörper aus dem Blut zu entfernen.

Lesen Sie auch: Sehnerv: Funktion und Erkrankungen

Erhöhter Hirndruck

Bei erhöhtem Hirndruck ist es entscheidend, die Ursache zu behandeln, z.B. durch operative Entfernung eines Tumors oder Ableitung von Flüssigkeit.

Glaukom

Die Behandlung des Glaukoms zielt darauf ab, den Augeninnendruck zu senken, um weitere Schäden am Sehnerv zu verhindern. Dies kann durchAugentropfen, Laserbehandlungen oder Operationen erreicht werden. Medikamentöse Therapie des chronischen Glaukoms. Zur medikamentösen Glaukomtherapie werden verschiedene Wirkstoffe eingesetzt (in alphabetischer Reihenfolge):Betablocker (verringern die Produktion von Kammerwasser), Karboanhydrasehemmer (senken die Produktion vom Kammerwasser), Parasympathomimetika (erhöhen den Kammerwasserabfluss), Prostaglandine/Prostanoide (erhöhen den Abfluss des Kammerwassers), Sympathomimetika (wirken sowohl auf die Produktion vom Kammerwasser, als auch abflusssteigernd).

Kindliches Glaukom

Die Therapie des angeborenen Glaukoms ist primär operativ. Ziel ist es, das veränderte Trabekelwerk zu eröffnen, um den Abfluss des Kammerwassers zu ermöglichen. Dies erfolgt klassischerweise mit der Trabekulotomie. Bei der Trabekulotomie wird der sogenannte Schlemm’sche Kanal mit einer zarten Metallsonde aufgesucht und das Trabekelwerk zum Augeninneren hin eingerissen. In den letzten Jahren setzt sich zunehmend die 360° Trabekulotomie mit einer speziellen, beleuchteten Sonde durch. Wenn sich durch diese Operation der Augendruck nicht senken lässt kommen weitere operative Verfahren zum Einsatz wie die Trabekulektomie (als klassische Glaukomoperation) oder drucksenkende Eingriffe mit Implantaten. Diese haben beim Kind jedoch ein hohes Vernarbungsrisiko, dies kann zu einem Versagen der Operation führen. Die Erfolgswahrscheinlichkeit ist bei der ersten Operation am höchsten und wird geringer, wenn weitere Nachoperationen notwendig sind. Wenn die drucksenkende Operation nicht ausreicht, ist es möglich einen zusätzlichen Effekt mit drucksenkenden Augentropfen zu erreichen. Einzig zugelassen bei Kleinkindern sind die Prostaglandinpräparate Latanoprost und Travoprost, wobei der drucksenkende Effekt geringer sein kann als beim Erwachsenen. Der seit langem eingesetzte Betablocker Timolol sollte bei Kleinkindern in speziellen niedrigen Dosierungen eingesetzt werden, und erst nach dem Ausschluss von Herz- oder Lungenerkrankungen durch den Kinderarzt. Carboanhydrasehemmstoffe (Dorzolamid, Brinzolamid) stehen im Verdacht das Hornhautendothel zu schädigen und sollten zurückhaltend eingesetzt werden. Streng kontraindiziert ist der Wirkstoff Brimonidin, der zu schweren Atmungsstörungen führen kann. Ein bedeutender Therapiebaustein ist die Behandlung des Refraktionsfehlers (Brille) und der Amblyopie (Schwachsichtigkeit). Im Rahmen einer engen Anbindung an eine Abteilung für Orthoptik/Sehschule müssen regelmäßig die Brillenwerte und die Sehfunktion überprüft werden. Die Amblyopie wird je nach Befund mit einer Okklusionstherapie behandelt. Wenn ein sekundäres kindliches Glaukom vorliegt, dh eine andere Grunderkrankung gefunden wurde, richtet sich die Behandlung auch nach der jeweiligen Ursache oder Begleiterkrankung. Zusätzlich zur medizinischen Behandlung ist eine Frühförderung der kleinen Patienten notwendig um eine möglichst optimale Entwicklung der Kinder zu ermöglichen. Der Bundesverband Glaukom-Selbsthilfe ist hierbei wichtiger Ansprechpartner, der den Eltern und Familien wichtige Informationen und Hilfestellungen bietet.

Akutes Glaukom

Nachdem die Diagnose primäres akutes Winkelblockglaukom gestellt wurde, wird die Erkrankung typischerweise initial medikamentös mittels Parasympathomimetika zur Freilegung des Kammerwinkels, Carboanhydrasehemmern zur Senkung der Kammerwasserproduktion und einem osmotischen Mittel wie Mannit zur osmotischen Augeninnendrucksenkung behandelt. Als nächster Schritt werden in der Regel operative Maßnahmen zur Verbesserung des Kammerwasserabflusses ergriffen, beispielsweise eine Iridektomie.

Vorbeugung

Obwohl es keine spezifische Prophylaxe für die Entstehung eines vergröberten Sehnervs gibt, ist es wichtig, Risikofaktoren zu minimieren und regelmäßige Augenuntersuchungen durchzuführen, insbesondere bei Vorliegen von Risikofaktoren wie erhöhtem Augeninnendruck oder Glaukom in der Familie. Die Leitlinie empfiehlt zur Glaukomvorsorge die Durchführung einer Inspektion der Papille sowie eine Augeninnendruckmessung. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund wichtig, dass unter einer wirksamen Therapie, welche den Augeninnendruck senkt, die Wahrscheinlichkeit der Konversion eines erhöhten Augeninnendrucks in ein manifestes Glaukom gesenkt wird.

Lesen Sie auch: Methoden zur Untersuchung des Sehnervs

tags: #vergroberter #sehnerv #und #starke #kopfschmerzen