Wir Menschen sind mit zwei Gehirnhälften ausgestattet, die unterschiedliche Funktionen erfüllen. Während die linke Gehirnhälfte für rationales Denken zuständig ist, unterstützt uns die rechte Gehirnhälfte dabei, Umstände intuitiv zu erfassen. Die linke Gehirnhälfte analysiert, ordnet und verhilft uns zu Klarheit in der Sprache. Doch was bedeutet das für unsere Denkprozesse? Sind besonders kluge Köpfe diejenigen, die vorwiegend mit der linken Gehirnhälfte arbeiten? Oder liegt der Schlüssel zur Genialität in der Nutzung beider Gehirnhälften? Dieser Artikel beleuchtet die Aufgaben der linken und rechten Gehirnhälfte, die Vernetzung der beiden Hälften und Übungen zur Verbesserung dieser Vernetzung.
Die unterschiedlichen Informationsverarbeitungsmethoden der Gehirnhälften
Die linke Gehirnhälfte übernimmt das analytische und sprachlich-begriffliche Denken. Sie ist zuständig für Sprache, Lesen und Rechnen und arbeitet nach Regeln und Gesetzen. Sie konzentriert sich auf einen Punkt, nimmt Details wahr und denkt in logischen Schritten. Sie verarbeitet verbale und mathematische Informationen und steuert die mündliche Darstellung sowie Grammatik und Wortstellung. Die linke Seite des Gehirns ist hierbei auf die Sprachprozesse spezialisiert, aber nicht auf alle. Sprache meint hier vor allem die motorische Sprachumsetzung, mit welcher viele kleine Muskeln angesteuert werden. Die linke Hemisphäre beinhaltet auch die Prozesse für abstrakte Begriffe wie Glück oder Liebe. Konkrete Begriffe wie z. B. Fußball, Kaffee oder Computer sind in jeder Gehirnhälfte fast gleichstark repräsentiert.
Die rechte Gehirnhälfte hingegen beinhaltet die Intuition und das „ganzheitliche“ Erfassen. Sie ist zuständig für Körpersprache, Bildersprache und Intuition. Sie ist kreativ und spontan und interessiert sich für Neugier, Spielen und Risiko. Die rechte Gehirnhälfte besitzt den Überblick und verarbeitet Informationen ganzheitlich. Sie kontrolliert die Körpersprache, Mimik und Gestik und steuert Bewegungen und physische Aktivität sowie künstlerische Leistungen und Erlebnisse wie Musik, Zeichnen und Malen. Ebenso gehören zur rechten Hälfte räumliches Denken, Zahlenverständnisse und die Gesichtserkennung. Die rechte Hirnhälfte beinhaltet ihrerseits Sprachmelodie und Subtexte.
Der Unterschied zwischen beiden liegt nicht in der Gehirnhälfte an sich, sondern in den verschiedenen Informationsverarbeitungsmethoden. Die linke Hirnhälfte arbeitet eher sequenziell und analytisch, während die rechte Hirnhälfte eher simultan und intuitiv funktioniert.
Das Gehirn als zusammenarbeitendes System
Das menschliche Gehirn stellt eine Gesamtheit dar. Es ist in seinem Aufbau komplex, sodass eindeutige Trennungen der Funktionen nicht möglich sind. Richtig ist, dass es Asymmetrien zwischen der einen Hirnhälfte und der anderen gibt. Nicht jede ist für alles gleichbedeutend zuständig. Der Mensch begegnet unterschiedlichen Aufgaben in seinem Leben. Wahrnehmungsgestützt nimmt er Reize auf, verarbeitet sie und reagiert. Letztendlich ist das Gehirn jedoch als zusammenarbeitendes System zu versehen.
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Einige Wissenschaftler vermuten, dass erfolgreiche und kreative Menschen besonders gut zwischen der linken und der rechten Gehirnhälfte kommunizieren können. Die Großhirnrinde ist verantwortlich für die Vernetzung der beiden Gehirnhälften. Die Erinnerung besteht hauptsächlich aus einer verstärkten Verknüpfung von Nervenzellen.
Störungen der Zusammenarbeit der Gehirnhälften
Diese kann aber auch gestört werden, u. a. durch physiologische Ursachen. Bei Kindern kann es z. B. vorkommen, dass das sogenannte Corpus callosum nicht herausgebildet wird - die stärkste Verbindung zwischen den Gehirnhälften. Unterm Strich würden 250 Millionen Nervenfasern fehlen.
Der Mensch kann aber auch ohne physiologischen Grund eine schlechte Verbindung zwischen den Gehirnhälften haben. Hierbei liegt eine A-Synchronisation vor bzw. eine A-Synchronität. Im schlimmsten Fall führen a-synchronisierte Gehirnwellenmuster zu Depressionen oder chronischem Frust, aber auch zu einem reduzierten Denkvermögen. Information kann dann nicht mehr adäquat verarbeitet werden. Um ein Bild zu nutzen: Die rechte Gehirnhälfte und die linke Hälfte sind im besten Fall Teamworker.
Training zur Verbesserung des Zusammenspiels der Gehirnhälften
Zu Recht kann gesagt werden: Du kannst dein Gehirn zwar grundsätzlich trainieren und verbessern. Aber es gibt auch bestimmte Grenzen, die gekoppelt sind an Veranlagung sowie Lernverhalten oder Lernmaterialien. Zum Beispiel können manche Menschen besser über ein Bild lernen und andere über Sprache. Ebenso ist es nicht möglich, nur eine Gehirnhälfte zu trainieren, weil immer beide angeregt werden. Gleichzeitig gibt es Methoden, spezielle Bereiche des Gehirns gezielt anzusprechen.
Das heißt, du kannst das Miteinander recht einfach mit zwei Übungsformen verbessern:
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- herkömmliches Gedächtnistraining bzw. Lernen im Allgemeinen, auch ohne eine Spezifizierung auf Gehirnareale,
- spezielle Übungen mit dem Zweck, die rechte Hemisphäre mit der linken zu synchronisieren.
Mit dem Übungstyp 2 wird die Hemisphären-Synchronität angestrebt.
Um die Zusammenarbeit und Synchronisation beider Gehirnhälften zu stärken, gibt es verschiedene Möglichkeiten:
- Multisensorische Aktivitäten: Durchführen von Tätigkeiten, die mehrere Sinne ansprechen und somit beide Gehirnhälften gleichzeitig aktivieren.
- Kinesiologische Übungen: Übungen, die die Koordination zwischen beiden Gehirnhälften verbessern sollen.
Es ist wichtig zu beachten, dass Übungen, die angeben, lediglich eine Gehirnhälfte zu trainieren, wissenschaftlich nicht fundiert sind. Bei jeglicher Art von Gehirntraining werden immer beide Hälften aktiv, jedoch in unterschiedlicher Form.
Beispiele für Übungen zur Synchronisation der Gehirnhälften
Ein Beispiel hierfür ist der Blick auf ein Bild mit zwei verschieden farbigen Punkten oder Figuren. Hebst du dabei leicht den Kopf und schielst minimal über die Nase entwickelt sich zwischen den Punkten / Figuren ein neuer Punkt bzw. eine neue Figur. Der neue Punkt / die neue Figur wird immer wieder seine / ihre Farbe ändern, weil dein Gehirn daran arbeitet, die Farbe neu einzustellen, wofür beide Gehirnhälften gleichsam nötig sind. Die Information (Umweltreiz) wird so immer wieder neu gesehen.
Eine weitere Übung besteht darin, die eine und andere Gehirnhälfte gleichsam zu stimulieren über die Anwendung von Ton. Ein Ton wird hierfür auf das eine Ohr gelegt und auf das andere kommt ein leicht veränderter Ton. Die Töne werden gleichzeitig abgespielt. Das Ergebnis ist ein dritter Ton, nämlich das Hören von Wellen, welcher das Ergebnis der Zusammenarbeit der beiden Hälften ist.
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Die Dominanz einer Gehirnhälfte
Um herauszufinden, welche Gehirnhälfte bei einer Person dominant ist, gibt es verschiedene Tests. Einer dieser Tests ist der sogenannte 2-Sekunden-Test. Wenn sie sich im Uhrzeigersinn dreht, wird der rechten Gehirnhälfte der Vorzug gegeben. Diese Personen sind eher kreativ, intuitiv und emotional. Wenn sich die Tänzerin gegen den Uhrzeigersinn dreht, dominiert die linke Gehirnhälfte, was zu einem strukturierten, logisch-analytischen Denken führt.Ein weiterer Hinweis auf die Dominanz der Gehirnhälfte ist die Kopf- und Augenhaltung bei der Beantwortung einer Frage. Personen, die den Kopf nach links drehen, bevorzugen die rechte Gehirnhälfte. Eine weitere Testmöglichkeit ist die Montageanleitung für technische Geräte. Linksseitig orientierte Personen folgen der Anweisung Satz für Satz. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Dominanz einer Gehirnhälfte nicht immer eindeutig ist und sich im Laufe des Lebens ändern kann.
Kreativität in der Kommunikation durch das Zusammenspiel beider Gehirnhälften
Kommunikation kreativ zu gestalten, bedeutet, zum Schöpfer neuer Inhalte und Arten der Darbietung von Kommunikation zu werden. Es bedeutet: Informationen, Zusammenhänge und Botschaften zu etwas Neuem zu kombinieren. Es bedeutet, zu überraschen; ein Problem anders zu lösen, als dies nach Schulbuch erwartbar wäre. Dafür braucht man beide Gehirnhälften: Systematische, auf rationaler Ebene gesammelte Einsichten in Verhältnisse und Zusammenhänge sind nicht minder wichtig als ein inspirierter Umgang mit diesen Informationen im Licht des verfolgten Kommunikationsziels. Man benötigt Zeit zum Denken und für konstruktives Sparring. Vor allem aber Nähe zu Menschen und Märkten zusätzlich zu methodisch perfekten, mathematisch wasserdichten Erhebungen. Dabei ist Neugier ebenso wichtig wie ein erweiterter Horizont: das Interesse für unbekannte Welten und Milieus, für neue Medien und Interaktionsformate und für deren spezifische Regeln. Gute Kampagnen basieren auf der kombinierten Verwendung beider Gehirnhälften. Die Frage ist vielmehr, wie und auf welcher Ebene hier ein Gleichgewicht hergestellt werden kann: intrapersonal oder durch gekonnt zusammengesetzte Teams, die sich der Lösung eines Kommunikationsproblems widmen? „Kreativität“ in der Kommunikation muss (wieder) wachsen. Sie muss reflektiert, kultiviert und belohnt werden.
Das Gehirn als Glücksorgan nutzen
Bekanntlich besteht unser Gehirn aus zwei Gehirnhälften, die mittels eines zentralen Balkens miteinander kommunizieren. Dabei herrscht eine weitgehende Arbeitsteilung zwischen den Hälften. Die linke Hälfte ist stärker auf Sprache und Logik spezialisiert, während die rechte eher für Gefühle und Affekte zuständig ist. Die verschiedenen Hirnareale kooperieren alle miteinander und der Hippocampus ist zum Beispiel für andere Funktionen zuständig als die Amygdala, und faszinierend ist in dem Kontext auch der Nucleus Accumbens für uns. Dieser bildet das Belohnungszentrum im Gehirn, das uns durch die Produktion von Glückshormonen berauschen kann. Alles, was wir gerne tun konsumieren, wird in dort als reizvoll fixiert, ganz gleich ob es sich um Sport, Essen, Alkoholkonsum, Shopping, Glücksspiel, Abenteuer, Sex, Geselligkeit oder Meditation handelt.
Kritik am Modell der getrennten Gehirnhälften
Auf Social Media kursieren Tests, mit denen wir herausfinden sollen, mit welcher Hirnhälfte wir vor allem denken: Links steht für analytisch und rechts für kreativ. So einfach ist es aber nicht. Die Annahme, dass die linke Gehirnhälfte nur für analytische Aufgaben und die rechte nur für kreative Aufgaben zuständig ist, ist von der Wissenschaft längst überholt. Sie stammt noch aus einer Zeit, in der Epilepsie-Patientinnen der Balken durchtrennt wurde, der die beiden Hirnhälften verbindet. Bei diesen Patientinnen wurden verschiedene Tests durchgeführt. So wurden ihnen beispielsweise Objekte nur auf der linken Gesichtsfeld gezeigt - diese konnten sie nicht benennen. Aus diesen Experimenten wurde der Kurzschluss gezogen, dass die linke Hirnhälfte für sprachliche, analytische Aufgaben zuständig ist und die rechte für kreative. So einfach lassen sich die Funktionen nicht zuordnen; schließlich sind sie die beiden Hirnhälften beim Menschen verbunden, also im ständigen Austausch. Das Gehirn arbeitet nicht isoliert, sondern großflächig.
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