Versicherung bei Multipler Sklerose: Ein umfassender Leitfaden

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, von der in Deutschland über 280.000 Menschen betroffen sind, wobei jährlich etwa 15.000 Neuerkrankungen hinzukommen. Frauen sind etwa dreimal so häufig betroffen wie Männer. MS kann zu erheblichen Einschränkungen im Leben der Betroffenen führen, darunter auch ein erhöhtes Risiko, berufsunfähig zu werden. Mehr als die Hälfte der MS-Erkrankten wird vor dem 65. Lebensjahr berufsunfähig. Dies stellt eine große finanzielle Belastung dar, da Erwerbslosigkeit eine der Hauptursachen für Überschuldung ist.

Die Herausforderung der Absicherung bei MS

Aufgrund des unvorhersehbaren Krankheitsverlaufs und des hohen Risikos der Berufsunfähigkeit ist es für Menschen mit MS oft schwierig, eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abzuschließen. Versicherer stellen vor Vertragsabschluss Fragen zu Vorerkrankungen, wodurch die MS-Erkrankung bekannt wird. Das Verschweigen der Erkrankung ist keine Option, da dies im Leistungsfall zur Verweigerung der BU-Rente führen kann. Versicherungsnehmer sind gesetzlich verpflichtet, diese Fragen wahrheitsgemäß zu beantworten.

Einige Versicherer prüfen Anträge von Menschen mit MS individuell, jedoch haben Betroffene auch hier oft wenig Erfolg. Es ist ratsam, vorab anonyme Testanträge durch einen Makler stellen zu lassen, um die Chancen bei verschiedenen Anbietern auszuloten.

Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) und MS

Die Berufsunfähigkeitsversicherung dient der Absicherung der Arbeitskraft und schützt vor Verdienstausfällen infolge einer Berufsunfähigkeit, die beispielsweise durch eine Krankheit ausgelöst wird. Entscheidend ist normalerweise, dass der Versicherungsabschluss vor der Diagnose erfolgt ist. Denn bevor man sich versichern kann, muss man zunächst eine Gesundheitsprüfung absolvieren. Hierin wird die individuelle Krankengeschichte abgefragt, sodass sich die Versicherungsgesellschaften vor möglichen „Risikokunden“ schützen können. Eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit trotz MS abzuschließen, ist somit bei vielen Versicherern schwierig.

Im Rahmen von Sonderaktionen bieten Versicherer manchmal Berufsunfähigkeitsversicherungen mit vereinfachten Gesundheitsfragen an. Hier besteht jedoch das Risiko, dass der Versicherer im Fall einer Berufsunfähigkeit nicht leistet, wenn die MS-Erkrankung verschwiegen wurde.

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Alternative Versicherungsoptionen bei MS

Da eine BU-Versicherung für Menschen mit MS oft schwer zu bekommen ist, gibt es alternative Versicherungsoptionen, die in Betracht gezogen werden können:

Schwere-Krankheiten-Versicherung (Dread Disease Versicherung)

Die Schwere-Krankheiten-Versicherung, auch Dread-Disease-Versicherung genannt, leistet eine einmalige Kapitalzahlung im Falle der Diagnose bestimmter schwerer Krankheiten, darunter auch MS. Diese Versicherung kann finanzielle Unterstützung bieten, die beispielsweise für spezielle Behandlungen, den Umbau des Zuhauses oder zur Deckung der Lebenshaltungskosten genutzt werden kann, sollte das Einkommen wegfallen.

Die Dread-Disease-Versicherung (Schwere-Krankheiten-Versicherung) stammt ursprünglich aus dem angelsächsischen Raum, wo es traditionell eher eng gefasste Versicherungen für genau definierte Ereignisse gibt, bei deren Eintreten keine Rente gezahlt wird, sondern eine Einmalzahlung erfolgt. Seit Anfang der 90er Jahre kann die Versicherung auch in Deutschland abgeschlossen werden.

Je nach Anbieter und Vertrag kann es variieren, welche schweren Erkrankungen konkret versichert sind. Eine individuelle Beratung, die auf den persönlichen Gesundheitszustand zugeschnitten ist, ist daher empfehlenswert.

Grundfähigkeitenversicherung

Die Grundfähigkeitenversicherung leistet, wenn versicherte Grundfähigkeiten beeinträchtigt sind, unabhängig von der konkreten Berufsausübung. Der Versicherungsschutz der Grundfähigkeitsversicherung umfasst in der Regel bestimmte körperliche und motorische Fähigkeiten. Dazu zählen zum Beispiel das Sehen, Sprechen, Gehen, Autofahren oder Treppensteigen. Wer Fähigkeiten verliert, die im Vertrag bestimmt wurden, bekommt von der Versicherung eine vertraglich vereinbarte Monatsrente.

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Erwerbsunfähigkeitsversicherung

Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung leistet, wenn die versicherte Person nicht mehr als drei Stunden am Tag arbeiten kann - unabhängig davon, in welchem Beruf. Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung kann etwa für Personen in körperlich anstrengenden Berufen sinnvoll sein. Sie deckt den Verlust der Arbeitskraft durch Unfälle und alle körperlichen und psychischen Erkrankungen ab.

Unfallversicherung

Eine Unfallversicherung kann eine weitere Möglichkeit sein, sich vor den Folgen der Autoimmunerkrankung zu schützen. Denn wer an Multipler Sklerose erkrankt, hat unter Umständen ein höheres Unfallrisiko. Wird durch einen solchen Unfall die körperliche und/oder geistige Leistungsfähigkeit dauerhaft eingeschränkt, erhalten Sie als Versicherter eine sogenannte Invaliditätsleistung in Form eines Geldbetrags. Die private Unfallversicherung leistet nicht nur bei Arbeits-, sondern auch bei Freizeitunfällen, die den Großteil aller Unfälle ausmachen.

Pflegeversicherung

Dafür gibt es die Pflegeversicherung. Dabei handelt es sich um eine Pflichtversicherung. In Deutschland ist jeder gesetzlich Krankenversicherte auch automatisch bei der Pflegekasse versichert. Die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt nur einen Teil der Kosten, die bei der Pflege zuhause oder in einem Pflegeheim entstehen. Den anderen Teil muss der Versicherungsnehmer selbst bezahlen. Ja, diese Möglichkeit besteht. Zu diesem Zweck gibt es staatlich geförderte Pflege-Zusatzversicherungen, auch „Pflege-Bahr“ genannt. Im Gegensatz zu anderen Versicherungsunternehmen ist dabei keine Gesundheitsprüfung erforderlich.

Staatliche Unterstützung

Menschen, die aufgrund Ihrer MS-Erkrankung nicht mehr arbeiten können, haben mitunter Anspruch auf eine staatliche Erwerbsminderungsrente der Deutschen Renten­versicherung. MS muss Sie so weit einschränken, dass Sie nur noch wenige Stunden am Tag oder gar nicht mehr arbeiten können.

Tipps für den Versicherungsabschluss

  • Frühzeitig abschließen: Je früher eine Versicherung abgeschlossen wird, desto besser sind die Chancen auf günstige Konditionen. Besonders wichtig für Eltern zu wissen: Du kannst auch für Dein Kind, teilweise schon ab der Geburt eine Option in Form eines Ansparplan (z.B. die Nürnberger Kindervorsorge) oder einer Grundfähigkeitsversicherung (Alte Leipziger BU Option, ab dem sechsten Monat), die später in eine vollständige Berufsunfähigkeitsversicherung umgewandelt werden kann.
  • Ehrlichkeit bei Gesundheitsfragen: Es ist wichtig, alle Fragen wahrheitsgemäß zu beantworten, um den Versicherungsschutz nicht zu gefährden.
  • Vergleich verschiedener Angebote: Ein umfassender Vergleich der Versicherungsoptionen ist essenziell, da sich die Angebote nicht nur mit Blick auf das Leistungsspektrum, sondern auch bei den Kosten unterscheiden.
  • Professionelle Beratung: Eine professionelle Beratung durch einen Versicherungsmakler kann helfen, den passenden Versicherungsschutz zu finden.

Multiple Sklerose: Die Krankheit mit den 1.000 Gesichtern

Multiple Sklerose, häufig als MS abgekürzt, ist eine nicht heilbare Krankheit des Nervensystems. Bei MS greift das Immunsystem den eigenen Körper, genauer die äußere Schicht von Nervenfasern im Zentralnervensystem an. Da die Erkrankung sehr unterschiedlich verläuft, wird MS auch als die „Krankheit mit den 1.000 Gesichtern“ bezeichnet. Nicht nur können die Symptome von Person zu Person unterschiedlich sein. Häufig sind etwa Lähmungen, Sehstörungen, Gefühlsstörungen der Haut, Inkontinenz, Fatigue, Konzentrationsschwierigkeiten, Schmerzen oder auch Depression. Auch kann die Erkrankung von Patient zu Patient sehr unterschiedlich verlaufen. Typisch sind Schübe zum Krankheits­beginn, also das Auftreten neuer oder bereits bekannter Beschwerden über mindestens 24 Stunden. Diese Krankheits­zeichen können sich ganz oder teilweise zurückbilden. Die genauen Ursachen von MS sind aktuell bislang nicht geklärt.

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Mögliche Symptome der Multiplen Sklerose sind:

  • motorische Störungen wie Lähmungen
  • Sehstörungen mit Verschwommen- oder Nebelsehen
  • Gefühlsstörungen der Haut meist in Form von Kribbeln oder Missempfindungen
  • Gangunsicherheit
  • verwaschene Sprache
  • Lähmungserscheinungen, häufig mit einem Steifigkeitsgefühl verbunden
  • Blasenstörungen, bis hin zur Inkontinenz

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