Pflege von Senioren mit Alzheimer: Ein umfassender Leitfaden

Wenn Angehörige sich um Senioren mit Demenz kümmern, entstehen neben allgemeinen Fragen zur Pflegesituation viele spezifische Fragen zum Thema Demenz. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Pflege von Senioren mit Alzheimer, von den Grundlagen der Erkrankung bis hin zu praktischen Tipps und Unterstützungsangeboten.

Was ist Demenz und Alzheimer?

Demenz ist ein Syndrom, das durch eine meist chronische oder fortschreitende Erkrankung des Gehirns verursacht wird. Im Verlauf der Krankheit sterben Nervenzellen im Gehirn ab, was zu Beeinträchtigungen von Gedächtnis, Denkvermögen, Orientierung, Lernfähigkeit und Urteilsvermögen führt. Mehr als 50 Krankheitsformen können Demenz verursachen, wobei die Alzheimer-Krankheit die häufigste Form darstellt. Eine Heilung ist bei den meisten Demenzformen bisher nicht möglich.

Die Alzheimer-Krankheit, auch Morbus Alzheimer genannt, ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der Nervenzellen im Gehirn absterben. Dies führt zu Verwirrtheit, Vergesslichkeit und Orientierungslosigkeit. Betroffene können auch Veränderungen ihrer Persönlichkeit zeigen.

Auswirkungen von Demenz auf das Leben

Eine selbstständige Lebensführung wird bereits in den Frühstadien der Demenz erschwert. In den Spätstadien sind Betroffene auf umfassende Hilfe und Pflege angewiesen. Demenz ist eine sogenannte "Familienkrankheit", die weitreichend in die familiären Beziehungen eingreift. Die Betreuung und Pflege über eine Zeitspanne von etwa acht bis zehn Jahren ist mit erheblichen Belastungen verbunden. Da Möglichkeiten einer Heilung in absehbarer Zeit nicht zu erwarten sind, müssen sich alle Bemühungen darauf richten, die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten und das soziale Umfeld zu stabilisieren.

Frühe Diagnose und Unterstützung

Die Ausweglosigkeit der Situation und die soziale Isolierung können Angehörige überfordern. Daher ist es wichtig, eine Demenz so früh wie möglich zu diagnostizieren und Betroffene rechtzeitig aufzuklären und zu unterstützen.

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Informationen und Beratung:

  • Das interaktive Serviceportal Wegweiser Demenz bietet zahlreiche Informationen zum Thema Demenz, darunter Tipps für den Alltag sowie Veranstaltungshinweise.
  • Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft bietet professionelle Unterstützung unter der Nummer 030 - 259 37 95 14 (Alzheimer-Telefon).
  • In Lokalen Allianzen für Menschen mit Demenz vernetzen sich Partner vor Ort, um die Grundlage dafür zu schaffen, dass Betroffene nicht ausgegrenzt, sondern verständnisvoll und einfühlsam ihren Bedürfnissen entsprechend akzeptiert und ins gesellschaftliche Leben einbezogen werden.
  • Die Nationale Demenzstrategie trägt seit 2020 dazu bei, vielfältige Initiativen zusammenzuführen, zu bündeln und gemeinsam weiterzuentwickeln, um das Leben von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu verbessern.
  • Kostenlose Beratung zu allen Themen von der Wohnungsanpassung bis zur Auswahl eines Pflegedienstes bieten die Berliner Pflegestützpunkte.

Herausforderungen in der Pflege von Menschen mit Alzheimer

Die Pflege von Menschen mit Alzheimer stellt eine große Herausforderung dar. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung sind Betroffene zunehmend auf die Hilfe von außen angewiesen. Auch die Persönlichkeitsveränderungen können für Familienangehörige zunächst befremdlich sein.

Unterstützungsbedarf je nach Schweregrad:

  • Leichter Schweregrad: Betroffene können trotz kleiner Einschränkungen der Selbstständigkeit unabhängig leben. Eine Unterstützung ist nur fallweise nötig.
  • Mittlerer Schweregrad: Eine alleinige Lebensführung ist nicht möglich, Betroffene brauchen zwar keine permanente Beaufsichtigung, aber regelmäßige Unterstützung, beispielsweise beim Einkaufen.
  • Schwerer Schweregrad: Betroffene können nicht selbstständig die Lebensführung übernehmen. Sie sind auf eine dauerhafte Betreuung und Beaufsichtigung angewiesen.
GradAlltagstätigkeitenLebensführungWesenPflegebedarf
LeichtKomplexe Aufgaben sind nicht mehr möglichEingeschränkt, aber möglichVerlust der Spontaneität, antriebslos, gereizt oder depressivJe nach Fall notwendig
MittelNur noch einfache Tätigkeiten machbarBenötigen Hilfe von außenUnruhe, Aggressionen und SchlafstörungenSind auf Hilfe von außen angewiesen
SchwerAlltagstätigkeiten sind schwer beeinträchtigtSelbstständige & unabhängige Lebensführung ist nicht mehr möglichUnruhe, aggressive Verhaltensweisen oder Störung des Tag-Nacht-RhythmusPermanente Betreuung und Aufsicht

Pflegeformen: Zu Hause oder im Pflegeheim?

Die Pflege von Alzheimer-Patienten kann zu Hause oder in einem Pflegeheim erfolgen. Möchten Sie eine Alzheimer-Patientin oder einen Alzheimer-Patienten zu Hause pflegen, ist vor allem eine gute Organisation wichtig.

Leistungen der Pflegekasse:

  • Pflegezeit/Familienpflegezeit: Mit der Pflegezeit können Sie sich teilweise oder vollständig von der beruflichen Tätigkeit freistellen lassen. Die Familienpflegezeit gibt Ihnen die Möglichkeit, über 2 Jahre hinweg die Arbeitszeit zu reduzieren.
  • Tages- und Nachtpflege: Für Zeiten, in denen Familienangehörige demenzkranke Menschen nicht pflegen können, kommt beispielsweise die Alzheimer-Tagespflege in Betracht.
  • Pflegesachleistungen: In Abhängigkeit von dem Pflegegrad steht Pflegebedürftigen monatlich ein festgelegtes Budget (Pflegesachleistungen) für professionelle Pflegeleistungen zu.
  • Entlastungsbudget: Pflegebedürftige ab Pflegegrad 2 können jährlich bis zu 3.539 Euro aus dem neuen Entlastungsbudget in Anspruch nehmen.

Es ist wichtig, die Pflegesituation in regelmäßigen Abständen neu zu beurteilen und die Pflegekasse um eine erneute Beurteilung der Pflegebedürftigkeit zu bitten, wenn die Pflegeleistungen nicht mehr ausreichen.

Tipps für die Betreuung von Alzheimer-Patienten

Bei der Pflege von Menschen mit Alzheimer ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Da Sie oft viele Stunden oder sogar rund um die Uhr für den Betroffenen oder die Betroffene da sein müssen, sollten Sie sich auch selbst nicht vergessen.

Pflegetipps:

  • Nehmen Sie Wutausbrüche nicht persönlich.
  • Vernachlässigen Sie nicht Ihre Bedürfnisse.
  • Holen Sie sich Unterstützung.

Kommunikation und Umgang mit Menschen mit Demenz

Die Diagnose Demenz verändert das Leben - für die erkrankte Person und für die Familie. Der Alltag wird herausfordernder, Gespräche schwieriger und vertraute Abläufe funktionieren nicht mehr wie gewohnt. Doch es gibt Wege, den Alltag zu erleichtern und ein stabiles Miteinander zu schaffen.

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  • Sprechen Sie langsam und deutlich, verwenden Sie einfache Sätze und vermeiden Sie komplizierte Begriffe.
  • Halten Sie sich an bereits vertraute Abläufe, wie zum Beispiel Aufstehen, Frühstücken, Anziehen oder Duschen.
  • Bauen Sie möglichst täglich Aktivitäten ein, die gut tun, wie zum Beispiel gemeinsame Spaziergänge oder Zeit für soziale Kontakte oder Hobbys.
  • Bereiten Sie Aktivitäten, die Angst auslösen könnten, behutsam und in kleinen Schritten vor.

Weitere Tipps:

  • Sorgen Sie für eine klare Tagesstruktur mit Tageslicht, frischer Luft und festen Abläufen am Tag, Ruhe und gedimmtem Licht am Abend.
  • Schaffen Sie eine ruhige Umgebung, feste Essenszeiten und vertrautes Geschirr.
  • Vermeiden Sie Sinnesüberlastung durch laute Wassergeräusche, helles Licht oder intensive Düfte von Pflegeprodukten.
  • Halten Sie das Angebot an Kleidung klein und leicht kombinierbar.

Entlastungsangebote für pflegende Angehörige

Viele Angehörige von Menschen mit Demenz berichten, dass sich während der Pflege ihre körperliche Gesundheit verschlechtert, sie häufiger Medikamente benötigen, Freunde, Bekannte und/oder Familienmitglieder den Kontakt meiden und sie ihren Beruf und ihre Hobbies aufgeben. Niemand kann und muss diese schweren Aufgaben auf Dauer und ganz alleine erfüllen. Auch im Interesse der Erkrankten ist es wichtig und ratsam, mit den eigenen Kräften hauszuhalten und sich frühzeitig nach Möglichkeiten der Beratung und Entlastung umzusehen.

Entlastungsangebote:

  • Ambulante Pflegestationen: Leisten einen oft unverzichtbaren Beitrag dazu, dass die Erkrankten weiterhin zu Hause leben können. Die „Hauspflege“ umfasst Hilfen im Haushalt sowie die Grundpflege (Körperpflege, Hilfe beim Essen). Die „häusliche Krankenpflege“ (Behandlungspflege) wird von examinierten Pflegefachkräften durchgeführt.
  • Betreuungsgruppen: Alzheimer-Gesellschaften in den verschiedenen Regionen sowie unterschiedliche Wohlfahrtsverbände bieten Betreuungsgruppen zur Entlastung pflegender Angehöriger als niedrigschwelliges ambulantes Angebot an.
  • Angehörigen- bzw. Selbsthilfegruppen: Bieten die Möglichkeit, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen, die sich in einer ähnlichen Pflegesituation befinden wie man selbst.
  • Helferinnenkreise: Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer betreuen für einige Stunden in der Woche vor allem Demenzerkrankte, die mit ihren Angehörigen oder alleine zu Hause leben.
  • Tagespflegeeinrichtungen: Dienen der Aktivierung und Rehabilitation durch therapeutische und pflegerische Angebote sowie durch soziale Einbindung und einen strukturierten Tagesablauf.
  • Kurzzeitpflege: Für maximal 28 Tage im Jahr kann der erkrankte Angehörige in einer stationären Pflegeeinrichtung in Obhut gegeben werden, sodass die Pflegeperson in diesem Zeitraum zum Beispiel einen Erholungsurlaub in Anspruch nehmen kann.
  • Urlaubs- bzw. Verhinderungspflege: Ebenfalls für maximal 28 Tage pro Jahr ist es möglich, die erkrankte Person zum Beispiel durch einen Pflegedienst oder eine nahestehende Person zu Hause versorgen zu lassen, wenn die Hauptpflegeperson (zum Beispiel durch Krankheit oder Erholungsurlaub) verhindert ist.

Alternative Betreuungsansätze

Sobald ein Mensch mit Alzheimer-Demenz nicht mehr zu Hause versorgt werden kann, gibt es alternative Betreuungsansätze:

  • Demenzdörfer: Räumlich abgegrenzte Wohnkomplexe, die Menschen mit einer Demenz ein selbstständiges Leben innerhalb der Gemeinschaft ermöglichen wollen.
  • Demenz-WG: Mehrere Menschen mit Demenz wohnen in einer Wohnung oder einem Haus zusammen.
  • Bauernhöfe als Orte für Menschen mit Demenz (Green Care Farms): Kooperieren ambulante bzw. Durch Tätigkeiten wie Eier sammeln, Tiere versorgen oder im Garten arbeiten entsteht ein wohltuender Kontakt zu Tieren und der Natur.

Ursachen und Risikofaktoren von Alzheimer

Sicher ist, dass Alzheimer eine neurodegenerative Erkrankung ist. Durch spezielle Veränderungen im Gehirn kommt es bei der Alzheimer-Demenz zu einem fortschreitenden Verlust von geistigen Funktionen. An dem Krankheitsgeschehen beteiligt sind hauptsächlich zwei Proteine: das sogenannte Beta-Amyloid und Tau-Protein.

Risikofaktoren:

  • Alter: Die Wahrscheinlichkeit, an einer Demenz zu erkranken, steigt deutlich ab einem Alter von 65 Jahren.
  • Genetische Veranlagung: In circa einem Prozent aller Alzheimer-Fälle handelt es sich um eine Erbkrankheit (familiäre Alzheimer-Demenz, FAD).
  • Weitere Faktoren: Es gibt eine Reihe an Faktoren, die das Risiko für die Entwicklung von Demenzerkrankungen und kognitiven Abbauprozessen erhöhen können.

Diagnose und Krankheitsverlauf

Eine frühe Diagnose bei Alzheimer ist in vieler Hinsicht wichtig, auch wenn die Krankheit an sich bislang nicht heilbar ist. Sie bildet die Grundlage für alle weiteren Maßnahmen, die im nächsten Schritt getroffen werden sollten.

Diagnostische Maßnahmen:

  • Kognitive Tests und psychometrische Tests: Im Rahmen von verschiedenen Demenz-Tests wird die geistige Leistungsfähigkeit untersucht.
  • Neurologische Untersuchung:
  • Bildgebende Verfahren: MRT, CT
  • Liquoruntersuchung:

Krankheitsstadien:

  • Frühes Stadium: Das Kurzzeitgedächtnis ist bereits beeinträchtigt, und es fällt den Betroffenen schwer, sich zu konzentrieren und Gesprächen zu folgen.
  • Mittleres Stadium: Sprach- und Orientierungsprobleme sowie Vergesslichkeit nehmen zu und der Tag-Nacht-Rhythmus kann gestört sein. Häufig stellt sich auch eine massive Unruhe ein.
  • Spätes Stadium: Essen und Trinken ist nicht mehr selbstständig möglich. Die Betroffenen erkennen meist vertraute Personen nicht mehr, verlieren die Fähigkeit zu sprechen und ihre Bewegungen zu koordinieren.

Therapie und Behandlung

Therapie und Behandlung können das Fortschreiten von Alzheimer verlangsamen und erträglicher machen. Im Durchschnitt verläuft eine Alzheimer-Erkrankung acht bis zehn Jahre nach der Diagnose tödlich. Aber das kann je nach Patient und Krankheitsverlauf sehr unterschiedlich sein.

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