Viagra bei Nervenentzündung: Ursachen, Diagnose und Therapie von Erektionsstörungen

Erektile Dysfunktion (ED), umgangssprachlich auch als Impotenz bekannt, ist ein weit verbreitetes Problem, das Männer aller Altersgruppen betreffen kann. Obwohl die Wahrscheinlichkeit mit zunehmendem Alter steigt, erleben viele Männer bereits ab dem 40. Lebensjahr Schwierigkeiten mit ihrer Erektionsfähigkeit. Schätzungen zufolge sind etwa 30 Prozent der 60-Jährigen und 50 Prozent der 70-Jährigen betroffen. Die Ursachen für ED sind vielfältig und reichen von psychischen Belastungen bis hin zu organischen Erkrankungen.

Ursachen von Erektionsstörungen

Die Ursachen für Erektionsstörungen können in verschiedene Kategorien eingeteilt werden:

  • Psychische Ursachen: Stress, Angstzustände, Depressionen und Beziehungsprobleme können sich negativ auf die Erektionsfähigkeit auswirken.
  • Organische Ursachen:
    • Gefäßerkrankungen: Arteriosklerose, Bluthochdruck und andere Gefäßerkrankungen können die Durchblutung des Penis beeinträchtigen und zu ED führen.
    • Neurologische Erkrankungen: Nervenschädigungen durch Diabetes mellitus, Multiple Sklerose, Rückenmarksverletzungen oder Operationen im Beckenbereich können die Nervenimpulse, die für eine Erektion erforderlich sind, stören.
    • Hormonelle Störungen: Ein Mangel an Testosteron (Hypogonadismus) oder eine Überproduktion von Prolaktin (Hyperprolaktinämie) können ebenfalls zu ED führen.
    • Erkrankungen des Penis: Veränderungen im Gewebe des Penis, wie z.B. der Verlust von glatten Muskelzellen und die Zunahme von Kollagen, können die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen.
  • Medikamente: Einige Medikamente, wie z.B. Antidepressiva, Betablocker und bestimmte blutdrucksenkende Mittel, können als Nebenwirkung ED verursachen.
  • Lebensstilfaktoren: Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Übergewicht und Bewegungsmangel können das Risiko für ED erhöhen.

Bei über 40-Jährigen sind Potenzstörungen häufig der erste Hinweis auf eine Gefäßerkrankung mit drohendem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Daher ist bei erektiler Dysfunktion bzw. Impotenz immer eine genaue Diagnostik erforderlich.

Erektionsstörungen durch neurologische Erkrankungen

Neurologische Erkrankungen können die Sexualfunktion auf vielfältige Weise beeinträchtigen. Hier einige Beispiele:

  • Schlaganfall (Insult): Drei von vier Patienten, die vor dem Schlaganfall sexuell aktiv waren, berichten danach von einer Beeinträchtigung ihrer Sexualität. Dies kann sich in verminderter Libido, Erektionsstörungen, Lubrikationsstörungen und Ejakulationsstörungen äußern.
  • Epilepsie: Bei vielen Patienten mit Temporallappenepilepsie, insbesondere bei rechtsseitigem Fokus, ist eine Hyposexualität zu beobachten, selbst bei solchen, die keine antikonvulsive Therapie erhalten. Viele Antiepileptika reduzieren zudem den Spiegel freien Testosterons im Blut.
  • Morbus Parkinson: Betroffene berichten oft über geschwundenes sexuelles Verlangen und Unzufriedenheit mit ihrer Sexualität. Etwa 60 Prozent der erkrankten Männer leiden an Erektionsstörungen, Ejakulationsstörungen und Orgasmusstörungen. Frauen berichten häufig über eine verminderte Orgasmusfähigkeit.
  • Polyneuropathie: Viele Polyneuropathien gehen mit einer Dysfunktion des autonomen Nervensystems einher. Bei Diabetikern steigt die Prävalenz von Erektionsstörungen mit dem Fortschreiten der Erkrankung.
  • Radfahren: Längeres Radfahren kann ebenfalls zu Erektionsstörungen führen. Eine Studie zeigte, dass 22 Prozent der Langstreckenradler pudendal-sensorische Symptome aufwiesen und 13 Prozent an ED litten.

Diagnose von Erektionsstörungen

Um die sexuellen Probleme von neurologischen Patienten aufzudecken, reichen in der Praxis Anamnese und klinische Untersuchung oft aus. Zunächst sollte der Arzt die verschiedenen Aspekte der Sexualität, wie Libido, Erregbarkeit und Orgasmusfähigkeit, gezielt abfragen. Es kann nützlich sein, mit der Partnerin bzw. dem Partner zu sprechen, um ein umfassenderes Bild zu erhalten.

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Die Informationen aus der Anamnese geben Hinweise für die körperliche Untersuchung. Die motorische Funktion der unteren sakralen Segmente (S3-S4/5) lässt sich durch die Funktion des Analsphinkters beurteilen. Getestet werden sollte auch der Bulbospongiosusreflex (S2-S4/5) durch Drücken der Glanspenis bzw. durch Berühren der Vulva, wobei sich Kontraktionen der perinealen Muskulatur beobachten und palpieren lassen. Bei Männern gibt die Auslösbarkeit des Kremasterreflexes (L1) weitere Auskünfte über die Motorik.

Zur Untersuchung bei einer erektilen Dysfunktion kann die NPTR-Messung infrage kommen. NPTR steht für „Nächtliche penile Tumeszenz und Rigidität“, die nächtliche Anschwellung und Steifigkeit des Penis. Dabei werden meist in drei aufeinander folgenden Nächten die Ausdehnung in der Länge (Tumeszenz) und Steifigkeit (Rigidität) der Schwellkörper registriert. Auch die Häufigkeit und Dauer der nächtlichen Erektionen werden gemessen. Als normal gelten 3 bis 6 Erektionen pro Nacht von jeweils mindestens 10 Minuten Dauer und mit mindestens 70%iger Rigidität. Diese Messungen geben Aufschluss darüber, wie stark die organischen Schäden am Penis sind. Sie gehören jedoch zu den weiteren Untersuchungen und werden erst vorgenommen, wenn man alles andere untersucht hat.

Therapie von Erektionsstörungen

Die Therapie von Erektionsstörungen ist vielfältig und richtet sich nach der Diagnose. Zur Verfügung stehen verschiedene Optionen:

  • Medikamentöse Therapie:
    • Phosphodiesterase-5-Inhibitoren (PDE-5-Inhibitoren): Sildenafil (Viagra), Vardenafil (Levitra), Tadalafil (Cialis) und Avanafil (Spedra) sind Medikamente, die die Durchblutung des Penis verbessern und so eine Erektion ermöglichen. Die Effektivität von Sildenafil bei organisch bedingter Erektionsstörung wird mit 68 Prozent angegeben. PDE-5-Hemmer schlagen anfangs bei 75 bis 95 Prozent der betroffenen Männer an. Wenn diese Männer aber nicht den ursächlichen Grund beheben, müssen sie von Jahr zu Jahr die Dosis erhöhen. Irgendwann wirkt das Medikament trotz Maximaldosis nicht mehr. Wird die Ursache nicht behoben, schreitet sie weiter fort. Dann funktionieren auch die PDE5-Inhibitoren irgendwann nicht mehr. Zur Überbrückung sind sie gut, aber Mann soll auf jeden Fall zum Arzt gehen und die Ursache beheben.
    • Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT): Bei der SKAT wird ein Medikament direkt in den Schwellkörper des Penis injiziert, um eine Erektion zu erzeugen.
    • Intraurethrale Applikation von Alprostadil (MUSE): Alprostadil wird als Zäpfchen in die Harnröhre eingeführt, wo es die Durchblutung des Penis fördert.
  • Vakuumtherapie: Eine Vakuumpumpe wird über den Penis gestülpt, um eine Erektion zu erzeugen. Anschließend wird ein Gummiring um die Penisbasis gelegt, um das Blut im Penis zu halten.
  • Penisimplantate (Penisprothese): In schweren Fällen von ED, bei denen andere Therapien nicht erfolgreich sind, kann ein Penisimplantat eingesetzt werden.
  • Psychotherapie: Bei psychisch bedingten Erektionsstörungen kann eine Psychotherapie helfen, die Ursachen der Probleme zu erkennen und zu bewältigen.
  • Beckenbodentraining: Wenn die Potenzmuskulatur zu schwach ist, kann Beckenbodentraining helfen, die Muskeln zu stärken und die Erektionsfähigkeit zu verbessern.

Neuer Ansatz: Medikamentöse Nervenreparatur nach Prostatektomie

US-Forschende haben ein Medikament entwickelt, mit dem sich die defekten Nerven nach einer radikalen Prostatektomie womöglich regenerieren lassen. Getestet wurde es bislang aber nur im Tierversuch. Das Medikament kann womöglich die Nerven, die bei der radikalen Prostataektomie beschädigt wurden, regenerieren helfen und die erektile Funktion wiederherstellen. Allerdings haben die Forscher die Arznei bisher nicht an Menschen, sondern nur im Tierversuch (an Ratten) ausprobiert. Die Anwendung bei Männern nach einer Prostatakrebs-Operation ist also noch ein weiter Weg.

Die Idee der Forschenden, dass Medikament auf seine Wirksamkeit bei der Regeneration von Nerven zu testen, geht auf andere wissenschaftliche Untersuchungen zur Wundheilung von vor etwa zehn Jahren zurück. Damals hatte das Forscherteam um David Sharp entdeckt, dass ein Enzym namens Fidgetin-like 2 (FL2) die Wanderung von Hautzellen bremst. Die Forscher entwickelten nun ein besonderes Medikament, um die Wundheilung zu beschleunigen. Dieses bremst die Aktivität von FL2- wirkt also wie eine Art „Anti-FL2-Arznei“. Dabei handelte es sich um kleine Ribonukleinsäure-Moleküle (engl. small interfering RNAs oder siRNAs), welche die Gene für die Codierung und Herstellung des Enzyms FL2 hemmen. Die Arznei regte nach der Nervenschädigung die Regeneration der Nerven an und die erektile Funktion erholte sich teilweise wieder. Das FL2 siRNA-Medikament war sogar in der Lage, Lücken von einigen Millimetern zwischen den beschädigten Nervenenden zu heilen.

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Bei ihren Versuchen stellten die Forschenden noch etwas anderes fest: Im Penisschaft der behandelten Tiere ließen sich höhere Mengen des Enzyms namens Stickstoffmonoxid-Synthase (NO-Synthase) nachweisen als bei den Kontrolltieren. Dieses Enzym produziert jenes Stickstoffmonoxid, welches die gesamte Kaskade von Prozessen anstößt, die schließlich zu einer Erektion führen. „Dies erscheint uns wichtig, weil Medikamente wie Sildenafil ohne das Vorhandensein von Stickstoffmonoxid, das diese Vorgänge ins Rollen bringt, nicht wirken“, betont Sharp. „Wenn wir sogar bestimmte Mengen an Stickstoffoxid in den Nerven wiederherstellen können, könnten Sildenafil und andere Medikamente gegen die Erektile Dysfunktion sogar noch mehr Schlagkraft entfalten.“

Potenz-App als Unterstützung im Alltag

Eine Unterstützung im Alltag kann die Potenz-App der Kranus Health GmbH bieten. Die App gibt Tipps, wie die User ihren Lebensstil verändern können, um wieder eine erfüllendere Sexualität zu erleben. Dazu gehören Empfehlungen für eine gesunde Ernährung und gezielte körperliche Aktivität. Die App ist als digitales Medizinprodukt zugelassen und gehört deshalb zu den erstattungsfähigen digitalen Gesundheitsanwendungen.

Was hilft bei Potenzproblemen?

PDE-5-Hemmer sind eine Gruppe von Wirkstoffen, die häufig gegen Potenzstörungen verschrieben werden. Mediziner bezeichnen PDE-5-Hemmer als Phosphodiesterase-5-Inhibitoren oder Phosphodiesterase-5-Hemmer. Die Bezeichnung PDE-5-Hemmer leitet sich von der Funktionsweise ab. Sie blockieren das Enzym Phosphodiesterase-5 (PDE-5). Dieses spielt bei der Erektion eine wichtige Rolle. Es baut den Botenstoff cGMP ab, der zur Erschlaffung der glatten Muskulatur in den Gefäßen des Penis führt. Die vier zugelassenen PDE5-Inhibitoren Sildenafil (Viagra, Generika), Vardenafil (Levitra, Generika), Tadalafil (Cialis, Generika) und Avanafil (Spedra) wirken ähnlich.

Nebenwirkungen von PDE-5-Hemmern

Bei ansonsten gesunden Männern mit Erektionsstörungen bleiben die Nebenwirkungen von PDE-5-Hemmern in der Regel auf Befindlichkeitsstörungen beschränkt. Kopfschmerzen, Schwindel, Fließschnupfen und Gesichtsrötungen sowie Magen-Darm-Beschwerden zählen zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen. Insbesondere Sildenafil und Vardenafil verursachen nicht selten Störungen des Farbsehens. Seltener, aber auch deutlich unangenehmer, sind mögliche Rücken- und Nervenschmerzen. Zudem kommt es mitunter zu über Stunden anhaltenden Erektionen, die sehr schmerzhaft verlaufen können (Priapismus).

Für wen sind PDE-5-Hemmer nicht geeignet?

Männer mit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems wie koronare Herzkrankheit (KHK), Herzmuskelschwäche und Herzrhythmusstörungen sollten PDE-5-Hemmer grundsätzlich nur nach einer ausführlichen ärztlichen Beratung einnehmen. Das gilt ebenso für Patienten mit Thrombosen, Herzinfarkt und Schlaganfall in der Vorgeschichte. Hier ist vor allem abzuklären, ob die körperliche Anstrengung beim Sex überhaupt vertretbar ist - oder das Herz überlasten könnte.

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Auf keinen Fall dürfen PDE-Hemmer in Kombination mit bestimmten Herz- und Kreislauf-Medikamenten eingenommen werden. Das gilt insbesondere für Nitrate, Betablocker, Kalziumkanalblocker und Molsidomin, die unter anderem zur Vorbeugung und Behandlung von Brustenge (Angina pectoris) und/oder gegen hohen Blutdruck eingesetzt werden.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Darüber hinaus gibt es Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen. Dazu gehören zum Beispiel die Antiepileptika Carbamazepin, Phenytoin und Phenobarbital sowie das stimmungsaufhellende pflanzliche Antidepressivum Johanniskraut. Diese beschleunigen den Abbau und die Ausscheidung von PDE-5-Hemmern - mit einer entsprechend kürzeren Wirkdauer und geringeren Wirkstärke.

Andere Wirkstoffe verlängern Abbau und Ausscheidung der PDE-5-Hemmern und erhöhen die Wirkstärke zum Teil beträchtlich - bis zu lebensgefährlichen Überdosierungen. Das sind vor allem Wirkstoffe aus der Gruppe der Antibiotika wie Clarithromycin und Erythromycin, die Antipilzmittel Itraconazol und Ketoconazol, Saquinavir zur Behandlung von HIV-Infektionen oder Cimetidin gegen Sodbrennen. Auch Grapefruitsaft kann eine Überdosierung von PDE-5-Hemmern verursachen. Deshalb ist es wichtig, den Arzt vor der Verschreibung von PDE-5-Hemmern über alle angewendeten Medikamente (auch rezeptfreie Wirkstoffe) zu informieren.

Erektionsstörungen und Lebensstil

Auch der Lebensstil beeinflusst die Fähigkeit, eine Erektion zu bekommen. Rauchen (kann die Blutversorgung verschlechtern) und übermäßiger Alkoholkonsum (Alkohol beeinträchtigt das Nervensystem und den Hormonhaushalt) gelten beispielsweise als Risikofaktoren für eine erektile Dysfunktion.

Die Potenzmuskulatur, eine bestimmte Beckenbodenmuskulatur, ist zu schwach. Wenn der Mann eine Erektion hat, befinden sich nur zwei Drittel der Penislänge außerhalb des Körpers. Ein Drittel befindet sich im Körper und ist zirkulär und seitlich flankiert von zwei Beckenbodenmuskeln umgeben. Wenn die erschlaffen oder nicht gut trainiert sind, kann das dazu führen, dass der Penis nicht mehr hart genug wird.

Die häufigsten Stoffwechselstörungen sind Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankungen oder Testosteronmangel. Testosteronmangel kann erblich bedingt sein, entsteht aber bei vielen Männern ab dem 35. bis 40. Lebensjahr durch ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel. Viele Männer in den Industrienationen nehmen im Laufe der Jahre an Fettgewebe, das hinter der Bauchmuskulatur sitzt, zu. Das ist das „schlechte“ Fettgewebe, welches den Stoffwechsel negativ beeinflusst. Es ruft Entzündungsparameter hervor. Dieses schlechte Bauchfett wirkt sich negativ auf die Gefäße aus und kann langfristig auch zu Diabetes mellitus führen. Das schädigt wiederum die Nerven. Das schlechte Bauchfett bewirkt zudem, dass der Körper das Testosteron in weibliche Hormone verstoffwechselt.

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