Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, von der weltweit etwa 2 Millionen Menschen betroffen sind. In Deutschland leiden schätzungsweise 120.000 bis 150.000 Menschen an MS. Die Krankheit manifestiert sich typischerweise im Alter zwischen 20 und 40 Jahren und stellt eine der häufigsten neurologischen Ursachen für Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit bei jungen Erwachsenen dar. Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer. Die MS kann in verschiedenen Verlaufsformen auftreten, darunter schubförmig-remittierende, sekundär progrediente und primär progrediente Verläufe.
Die Behandlung der MS zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Schubfrequenz zu reduzieren und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Dabei kommen verschiedene Therapieansätze zum Einsatz, darunter medikamentöse Behandlungen, Physiotherapie, Ergotherapie und psychologische Unterstützung.
Was ist Volon A und wie wirkt es?
Volon A ist ein Medikament, das den Wirkstoff Triamcinolon enthält. Triamcinolon ist ein synthetisches Kortikosteroid, das entzündungshemmende und immunsuppressive Eigenschaften besitzt. Es wird bei verschiedenen Erkrankungen eingesetzt, darunter entzündlich-rheumatische Erkrankungen, Asthma bronchiale und allergische Hauterkrankungen.
Triamcinolon kann in Form von Tabletten, Injektionen oder als Tinktur zur äußerlichen Anwendung verabreicht werden. Volon A Tinktur N enthält zusätzlich Salicylsäure, die eine leicht keratolytische (hornlösende) Wirkung hat.
Anwendungsgebiete von Triamcinolon
Triamcinolon wird bei einer Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt, darunter:
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- Entzündlich-rheumatische Erkrankungen (Rheuma, Arthritis, Polyarthritis, Arthritis psoriatica, Vaskulitis, Lupus erythematodes)
- Entzündungen am Skelettsystem (Multiple Sklerose, Gicht, Arthrose)
- Asthma bronchiale (Langzeitbehandlung, akute Verschlechterungen)
- Chronische Atemwegsverengungen (chronische Bronchitis, COPD)
- Entzündliche Atemwegserkrankungen (allergischer Schnupfen, Nasennebenhöhlenentzündung)
- Großflächige allergische Hauterkrankungen (Nesselsucht, Kontaktallergie, Arzneimittel-bedingte Hautausschläge, Ekzeme, Schuppenflechte, Juckreiz)
- Schwere Nierenentzündungen
- Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems (hämolytische Anämie, Hauteinblutungen, lymphatische Leukämie)
Volon A bei Multipler Sklerose
Bei Multipler Sklerose kann Triamcinolon zur Behandlung von Entzündungen im zentralen Nervensystem eingesetzt werden. Es kann helfen, die Symptome zu lindern und die Schubfrequenz zu reduzieren. Allerdings ist Triamcinolon keine ursächliche Therapie der MS, sondern behandelt lediglich die Symptome.
Eine spezielle Form der Anwendung von Triamcinolon bei MS ist die intrathekale Therapie. Dabei wird der Wirkstoff direkt in den Liquorraum (Flüssigkeitsraum um das Rückenmark) injiziert. Dies ermöglicht eine hohe Wirkstoffkonzentration im zentralen Nervensystem bei gleichzeitig geringerer systemischer Belastung.
Intrathekale Therapie mit Volon A
Die intrathekale Therapie mit Volon A wird in der Regel bei Patienten mit spastischen Lähmungen oder Blasenfunktionsstörungen im Rahmen der MS eingesetzt. Erfolge können sich unter anderem in einer Zunahme der Kraft, einer Besserung der Blasenstörung und einer Verminderung der Spastik zeigen. Der Wirkstoff wird in kristalliner Form verabreicht, wodurch die Freisetzung verzögert wird. Die Behandlung wird mehrmals (meist sechs Therapien) wiederholt und ähnelt einer Lumbalpunktion.
Allerdings wird zur intrathekalen Therapie kaum noch geforscht. Zwar gibt es eine Leitlinie was bei Nebenwirkungen zu tun ist, aber die ist nicht mehr als einige aufgeschriebene Meinungen. Teilweise erhält man beim ersten Mal mehrer Dosen über einige Tage, die nächste Klinik macht das nicht oder sie meinen es muss unbedingt alle drei Monate gemacht werden.
Periradikuläre Therapie (PRT) mit Volon A
Eine weitere mögliche Anwendung von Volon A bei MS ist die periradikuläre Therapie (PRT). Dabei wird das Kortikosteroid unter CT-Kontrolle direkt an die Nervenwurzel injiziert, um Entzündungen und Schmerzen zu reduzieren. Die PRT wird vor allem bei chronischen Schmerzzuständen an der Wirbelsäule eingesetzt, die durch Nervenreizungen verursacht werden.
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Entwässerung und Volon A
Kortikosteroide wie Triamcinolon können zu Wassereinlagerungen im Körper führen (Ödeme). Dies ist eine bekannte Nebenwirkung, die vor allem bei längerer Anwendung und höherer Dosierung auftreten kann. Die Wassereinlagerungen entstehen durch eine Beeinflussung des Salz- und Wasserhaushaltes im Körper.
Um Wassereinlagerungen zu reduzieren, können entwässernde Maßnahmen (Diuretika) eingesetzt werden. Allerdings sollte die Anwendung von Diuretika in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen, da sie auch Nebenwirkungen haben können.
Nebenwirkungen von Volon A
Wie alle Medikamente kann auch Volon A Nebenwirkungen verursachen. Die Art und Schwere der Nebenwirkungen hängen von der Dosierung, der Anwendungsdauer und der individuellen Empfindlichkeit des Patienten ab.
Mögliche Nebenwirkungen bei innerlicher Anwendung
- Endokrine Störungen: Anzeichen eines Cushing-Syndroms (Vollmondgesicht, Fettsucht), Wachstumsverzögerungen (bei Kindern), Störungen der Sexualhormonsekretion (Zyklusstörungen, Impotenz), Körperbehaarungszunahme
- Stoffwechselstörungen: Erhöhung der Blutzuckerwerte, Diabetes mellitus (Verschlechterung oder Ausbruch), Erniedrigung des Kaliumgehaltes im Blut
- Hautveränderungen: Hauteinblutungen, Hautschwund, Hautstreifenbildung, Steroidakne, verzögerte Wundheilung, Hautentzündungen, Gesichtsrötung, Pigmentierungsstörungen
- Muskel- und Skelettveränderungen: Muskelschwund, Muskelschwäche, Muskelschmerzen, Knochenschwund (Osteoporose), Knochenzerfall, spontane Knochenbrüche, verzögerte Heilung von Knochenbrüchen
- Psychische Störungen: Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Nervosität, Kopfschmerzen, Schwindel, Depressionen, Gereiztheit, Euphorie, Antriebssteigerung, Persönlichkeitsstörungen, Psychosen
- Magen-Darm-Beschwerden: Magen-Darm-Geschwüre, Magen-Darm-Beschwerden, Speiseröhrengeschwür, Blutungen im Magen-Darm-Bereich, Bauchspeicheldrüsenentzündung
- Herz-Kreislauf-System: Bluthochdruck, Herzstolpern, Herzmuskelschwäche, Gefahr von Blutgefäßverschlüssen (Thrombosen), Venenentzündungen
- Immunsystem: Schwächung der Immunabwehr, Verschleierung von Infektionen
- Augen: Erhöhter Augeninnendruck (grüner Star)
Mögliche Nebenwirkungen bei äußerlicher Anwendung
- Kurzfristige Anwendung: Überempfindlichkeitsreaktionen (Brennen, Juckreiz, Reizung, trockene Haut, allergische Kontaktdermatitis)
- Langdauernde Anwendung: Hautstreifenbildung, Hautschwund, Gefäßzeichnung, Akne, Schweißdrüsenverstopfung, Überbehaarung, Haarbalgentzündung, Hautfarbenveränderung, Hautentzündung rund um den Mund, Infektionen mit Bakterien und Pilzen
Besonderheiten bei der Anwendung von Triamcinolon
- Bei kurzfristiger Anwendung ist die Gefahr von Nebenwirkungen gering.
- Bei Patienten mit Leberzirrhose kann die Wirkung von Triamcinolon verstärkt sein.
- Eine Schilddrüsenüberfunktion oder -unterfunktion kann eine Anpassung der Dosierung erforderlich machen.
- Bei langdauernder oder großflächiger Anwendung wird Triamcinolon verstärkt über die Haut in den Körper aufgenommen, wodurch die Wahrscheinlichkeit systemischer Nebenwirkungen steigt.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Triamcinolon kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen. So kann die Wirkung von Triamcinolon abgeschwächt werden, wenn es gemeinsam mit Rifampicin (gegen Tuberkulose), Phenytoin und Primidon (Antiepileptika) oder Barbituraten (Schlafmittel) angewendet wird. Umgekehrt kann die Wirkung von Triamcinolon verstärkt werden, wenn gleichzeitig Östrogen-Gestagen-Kombinationen (zur Verhütung) oder Ketoconazol (Pilzmittel) eingenommen werden.
Gegenanzeigen
Triamcinolon darf nicht angewendet werden bei:
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- Überempfindlichkeit gegen Triamcinolon
- Akute Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre
- Schwerer Knochenschwund (Osteoporose)
- Psychiatrische Vorerkrankungen (Psychosen)
- Akute Infektionen (Herpes zoster, Herpes simplex, Windpocken, Kinderlähmung, bakterielle Infektionen, Amöbeninfektionen)
- Schutzimpfungen (acht Wochen vorher bis zwei Wochen nachher)
- Lymphknotenentzündungen nach Impfungen gegen Tuberkulose
- Hautgeschwüre durch Tuberkulose oder Syphilis
- Schwerwiegende oder großflächige Pilzerkrankungen
- Krampferkrankungen
- Myasthenia gravis
- Erhöhter Augeninnendruck (grüner Star)
- Akute Leberentzündungen
Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit
Triamcinolon gelangt über die Plazenta in den Embryo und kann dort zu Wachstumsstörungen führen. Die hochdosierte Anwendung in den ersten fünf Monaten einer Schwangerschaft ist nicht erlaubt. Danach kann Triamcinolon nach Abwägung von Nutzen und Risiko durch den Arzt in einer niedrigen Dosierung angewendet werden.
Der Wirkstoff geht in die Muttermilch über und kann so in den Säugling gelangen. Um Schädigungen zu vermeiden, sollte die Behandlung mit Triamcinolon nur nach ärztlicher Rücksprache stattfinden.
Wichtige Hinweise
- Die Blut-Kaliumkonzentration muss während der Behandlung mit Triamcinolon überwacht werden.
- Das Medikament erhöht die Calcium-Ausscheidung und kann daher bei Langzeitanwendung Knochenschwund (Osteoporose) hervorrufen.
- Durch Anwendung des Medikaments können Hautreaktionen auf Allergietests unterdrückt werden.
- Eine längerdauernde Behandlung sollte langsam ("ausschleichend") beendet werden.
- Bei äußerlicher Anwendung sollten die behandelten Hautflächen nicht UV-Bestrahlung (Sonne, Sonnenbank) ausgesetzt werden.
- Das Medikament sollte bei äußerlicher Anwendung nicht in die Augen gelangen, da die Gefahr der Erhöhung des Augeninndruckes besteht.
Alternativen zu Volon A
Es gibt verschiedene alternative Behandlungsmöglichkeiten für Multiple Sklerose, die je nach Verlaufsform und Symptomatik eingesetzt werden können. Dazu gehören:
- Immunmodulatoren: Diese Medikamente beeinflussen das Immunsystem und können die Schubfrequenz reduzieren und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Beispiele sind Interferon-beta, Glatirameracetat und Teriflunomid.
- Immunsuppressiva: Diese Medikamente unterdrücken das Immunsystem und werden bei schwereren Verläufen der MS eingesetzt. Beispiele sind Natalizumab, Fingolimod und Ocrelizumab.
- Symptomatische Therapien: Diese Behandlungen zielen darauf ab, die Symptome der MS zu lindern, wie z.B. Spastik, Schmerzen, Fatigue und Blasenfunktionsstörungen.