Migräne und Clusterkopfschmerzen sind mehr als nur "Kopfschmerzen". Sie sind neurologische Erkrankungen, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen können. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten dieser Leiden und zeigt Wege auf, wie Betroffene und Angehörige Unterstützung finden können.
Migräne: Wenn der Kopf zum Schlachtfeld wird
Viele Menschen mit Migräne kennen das Gefühl, sich während einer Attacke am liebsten verkriechen zu wollen. Der Migränekopfschmerz tritt in plötzlichen Attacken auf, oft begleitet von einem hämmernden Schmerz auf einer Kopfseite. Hinzu kommen Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit, Sehstörungen oder Schwindel. Die Migräneliga e.V. betont, dass Frauen deutlich häufiger betroffen sind als Männer und dass Migräne vererbbar ist.
Genetische Ursachen der Migräne
Eine große Studie aus dem Jahr 2013 lieferte weitere Indizien für die genetischen Ursachen von Migräne. Über 100 internationale Forscher analysierten die Daten aus 29 Genom-Studien mit rund 60.000 Migränepatienten. Dabei wurden knapp 30 genetische Faktoren für Migräne in zwölf Hirnregionen entdeckt. Die Wissenschaftler erhoffen sich davon neue, individuelle Therapien, an denen weiter geforscht wird. Wie genau bestimmte Genkombinationen die Migräne verursachen, wird noch erforscht, ebenso wie die Entwicklung neuer Therapien aus den Studienergebnissen.
Migräne und das erhöhte Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Doppelt so hohe Schlaganfallgefahr für Migränepatienten - das bestätigte ein Forschungsteam der Charité Berlin und der Harvard Medical School in Boston. Die Auswertung von Langzeitdaten von über 115.000 Menschen, darunter knapp 18.000 Migränepatienten, zeigte, dass Migräne als wichtiger Risikomarker für Herz-Kreislauf-Erkrankungen betrachtet werden muss, insbesondere bei Frauen. Das Herzinfarktrisiko war bei Migränepatientinnen um fast 40 Prozent erhöht. Interessanterweise war das erhöhte Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall unabhängig davon, ob die Patienten vor den Anfällen eine Aura hatten oder nicht.
Therapieansätze bei Migräne
Die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr. Hartmut Göbel bietet spezielle Therapien für Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen und andere Kopfschmerzarten an. Zur Planung eines Aufnahmetermins sind eine Verordnung von Krankenhausbehandlung, das Ausfüllen einer Aufnahme-Checkliste, eines Schmerzkalenders und eines Schmerzfragebogens erforderlich. Die Unterlagen sind zusammen mit Kopien relevanter Arztbriefe und Röntgenbilder an die Klinik zu senden. Zahlreiche Krankenkassen haben eine integrierte Versorgung ihrer Versicherten mit dem Behandlungsnetzwerk der Klinik vertraglich geregelt.
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Was man bei häufigen Kopfschmerzen tun kann
Um herauszufinden, was die Kopfschmerzen auslöst, ist es hilfreich, die eigene Lebensführung zu beobachten. Veränderungen im Alltag können eine Ursache sein. Oftmals spielt auch die Haltung am Arbeitsplatz eine große Rolle, da Kopfschmerzen nicht selten von Verspannungen der Nacken- und Halswirbelsäulenmuskulatur herrühren. Gesunde Bewegung und Entspannung können helfen, Stress zu kompensieren und Verspannungen durch eine gestärkte Muskulatur zu vermeiden.
Auch verschiedene Nahrungsmittel können in Zusammenhang mit Kopfschmerzen stehen. Reaktionen nach dem Verzehr von Glutamat, bestimmten Käsesorten oder Weinen können die Beschwerden auslösen. Es ist wichtig, auf das eigene Wohlbefinden zu achten und auf solche Nahrungsmittel zu verzichten, wenn ein Zusammenhang mit Kopfschmerzen auffällt.
Regelmäßige Check-ups beim Arzt, einschließlich Blutdruckmessung und Blutbild, können Aufschluss über mögliche Ursachen geben. Auch ein Besuch beim Augenarzt kann hilfreich sein, da eine ungeeignete Brille zu Kopfschmerzen führen kann.
Sollten die Beschwerden trotz einer gesunden Lebensweise nicht gemindert werden, ist es ratsam, den Hausarzt zu konsultieren. Eine langfristige, medikamentöse Therapie sollte nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, auch wenn viele Schmerzmittel rezeptfrei erhältlich sind.
Wenn Kopfschmerzen zur Qual werden: Chronische Kopfschmerzen
Chronische Kopfschmerzen treten regelmäßig über einen längeren Zeitraum hinweg auf und entwickeln sich trotz intensiver Diagnostik und Therapie zu einem eigenständigen Krankheitsbild. Betroffene leiden extrem darunter, da die Erkrankung sich auf alle Lebensbereiche auswirkt. Schlaflosigkeit, Leistungsabnahme und sozialer Rückzug sind häufige Folgen. Neben einer medikamentösen Therapie können Entspannungsübungen, Physiotherapie, Psychotherapie und alternative Kopfschmerztherapien wie Akupunktur helfen.
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Irrtümer und Ratschläge, die Migränepatienten nicht helfen
Migräne ist keine Folge eines stressigen Lebens, sondern eine eigenständige neurologische Erkrankung. Sie ist auch keine Allergie oder Vergiftung, die durch Diäten oder Entschlackungskuren behandelt werden kann. Vielmehr ist eine vollwertige Mischkost wichtig. Gut gemeinte Ratschläge wie "Versuch doch mal diese Diät" oder "Vielleicht verträgst du ein Nahrungsmittel nicht" sind für Betroffene oft eher ein Ärgernis als eine Hilfe.
Clusterkopfschmerzen: Wenn bohrende Schmerzen das Leben bestimmen
Clusterkopfschmerzen kommen deutlich seltener vor als Spannungskopfschmerzen oder Migräne, sind aber extrem heftig. Die schubweise auftretenden Schmerzen können die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Es gibt jedoch vielversprechende Behandlungsmethoden von der akuten Therapie bis zur Prophylaxe.
Symptome und Diagnose von Clusterkopfschmerzen
Clusterkopfschmerzen zeichnen sich durch anfallartige, bohrende Kopfschmerzen im Bereich der Augen, der Stirn oder der Schläfe aus. Die Schmerzattacken dauern 15 bis 180 Minuten und treten mit unterschiedlicher Häufigkeit auf: von einer Attacke jeden zweiten Tag bis zu acht Attacken pro Tag. Typische Symptome sind ein tränendes und rotes Auge auf der betroffenen Seite, eine laufende Nase, ein herabhängendes Lid, eine verkleinerte Pupille, starke Unruhe mit Bewegungsdrang sowie eine schwitzige und gerötete Gesichtshälfte. Die Betroffenen sind oft überempfindlich gegenüber Lärm und Licht.
Ursachen und Auslöser von Clusterkopfschmerzen
Die Ursachen von Clusterkopfschmerzen sind bislang noch nicht bekannt. Es scheint jedoch einen Zusammenhang mit Nikotinkonsum zu bestehen, weshalb Nikotinkarenz empfohlen wird.
Behandlung von Clusterkopfschmerzen
Zur Akutbehandlung werden die Inhalation von reinem hochdosiertem Sauerstoff (12 l/min über eine Maske) und Triptane (Sumatriptan unter die Haut gespritzt oder als Nasenspray) eingesetzt. Die Prophylaxe zielt darauf ab, die Schmerzattacken zu reduzieren. Da es sich um eine seltene Kopfschmerzerkrankung handelt, gibt es keine spezifischen prophylaktischen Maßnahmen außer einer allgemeinen gesunden Lebensführung.
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Wann sollte man einen Spezialisten aufsuchen?
PD Dr. Dr. Klietz empfiehlt eine Vorstellung beim Spezialisten, wenn der Verdacht auf Clusterkopfschmerzen besteht. Experten können klären, ob die richtige Diagnose gestellt wurde, eine adäquate Behandlung erfolgt und ob es andere Faktoren gibt, die einem Therapieansprechen im Wege stehen. Manchmal sind multimodale Therapieansätze erforderlich.
Die Bedeutung einer genauen Diagnose
Eine genaue Diagnose der Kopfschmerzen ist wichtig, um andere Ursachen auszuschließen und eine spezifische Therapie zu erhalten. Dieses kann die Lebensqualität der Betroffenen deutlich steigern und depressive Symptome verhindern. Bei länger bestehenden Kopfschmerzen sollte eine Neurologin oder ein Neurologe kontaktiert werden. Sollte es dort nicht zu einem ausreichenden Therapieerfolg kommen, sollte eine Vorstellung bei Kopfschmerzexpert:innen erfolgen.
Aktuelle Forschung zum Clusterkopfschmerz
Aktuell laufen einige Studien zum Clusterkopfschmerz, die versuchen, die Erfolge der neuen krankheitsspezifischen Migränemedikamente auf den Clusterkopfschmerz zu übertragen.
Krisendienste Bayern: Hilfe in seelischen Notlagen
Die Krisendienste Bayern sind ein psychosoziales Beratungs- und Hilfeangebot für Menschen in seelischen Krisen, Mitbetroffene und Angehörige. Unter der kostenlosen Rufnummer 0800 / 655 3000 erhalten Anrufer qualifizierte Beratung und Unterstützung. Die Krisendienste Bayern sind in ganz Bayern erreichbar und beraten telefonisch in über 120 Sprachen. Sie bieten erste Entlastung und Orientierung und können in dringenden Fällen den Einsatz erfahrener Fachkräfte am Ort der Krise in die Wege leiten. Die Krisendienste Bayern empfehlen auch geeignete Hilfeangebote, wie z.B. eine vorübergehende stationäre Behandlung.