Die Parkinson-Krankheit, erstmals vom Londoner Arzt James Parkinson erkannt, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die in der Regel zwischen dem 50. und 65. Lebensjahr beginnt. Sie ist gekennzeichnet durch die Hauptsymptome Akinese (Verlangsamung aller Bewegungsabläufe), Rigor (Muskelsteifheit) und Tremor (Zittern). Über 220.000 Menschen in Deutschland leiden an dieser Erkrankung. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Aspekte der Pflege bei Parkinson, einschließlich Therapieoptionen, Rehabilitation, Sturzprophylaxe und Fortbildungsmöglichkeiten für Fachkräfte.
Diagnostik und Therapie
Bei sicherer Diagnosestellung wird direkt mit einer medikamentösen Therapie begonnen. Für jeden Patienten sollte ein individueller Therapieplan erstellt werden. Wichtig ist die aktive Mitarbeit des Patienten. Eine sichere Diagnose ist grundlegende Voraussetzung für eine erfolgreiche Parkinsontherapie.
In einer Parkinson-Fachklinik werden folgende Diagnostikmöglichkeiten und medizinische Therapien angeboten:
- Parkinson-spezifische neurologische Untersuchung
- L-Dopa-Test
- Differenzialdiagnostische Abklärung
- Hirnstrommessung (EEG-Elektroenzephalographie)
- 24-Stunden-EEG, Video-EEG, Schlafentzugs-EEG
- Lumbalpunktion (Liquoruntersuchung)
- Muskelmessungen (EMG-Elektro-Myographie)
- Extra- und transkranielle Duplexsonographie
- Hirnparenchym-Sonographie
- Messung der Nerven und autonomer Nerven
- Muskel-Nerven-Ultraschall
- Transkranielle Magnetstimulation
- Tremorregistrierung
- Computer-, Kernspintomographie
- Parkinson-Demenz-Test (MoCA, CERAD)
- Fiberendoskopische Schluckprüfung (FEES)
- fachtherapeutische Assessments
- spezifische medikamentöse Therapie
- Pumpentherapie (Apomorphin und Duodopa)
- Diagnostik von Patientinnen und Patienten mit einem Tiefenhirnstimulator
- spezifische Analyse bei Gangstörung
- Kooperation mit anderen Fachabteilungen
Rehabilitation und aktivierende Therapien
Die Parkinsonerkrankung drückt sich in sehr unterschiedlichen Symptomen aus, entsprechend individuell ist der Behandlungsbedarf eines jeden Betroffenen. Eine Komplexbehandlung kombiniert die Möglichkeiten der akutstationären Behandlung (medikamentöse Einstellung) mit einer intensiven rehabilitativen Therapie (aktivierende Therapien). Oberstes Ziel der Komplexbehandlung ist es, die Selbstständigkeit und Lebensqualität durch viele ineinander greifende Maßnahmen maximal zu verbessern.
Komplexbehandlungen umfassen:
- Komplexbehandlung Rücken & Gelenke: Schwerpunkt in der Therapie orthopädischer und muskulärer Probleme.
- Komplexbehandlung Sturzprävention: Schwerpunkt auf intensivem Training zur Vermeidung von Stürzen.
Aktivierende Therapien:
- Physiotherapie:
- Gleichgewichtstraining
- Sturzprophylaxe
- Gangschule
- Anti-Freezing-Techniken
- Einsatz von Hinweisreizen ("Cues")
- Korrektur von Fehlhaltungen
- Gelenkmobilisation
- Übungen nach den Prinzipien des LSVT-BIG-Trainings
- Kraft- und Ausdauertraining
- Gerätegestütztes Training
- Wassergymnastik im Bewegungsbad
- Tanztherapie (gern mit Angehörigen)
- Physikalische Therapien:
LSVT® Therapiekonzepte
Das LSVT® loud (Lee Silverman Voice Treatment) ist eine spezielle Stimm- und Sprechtherapie, die in einem 4-wöchigen Intensivprogramm verläuft und nur von zertifizierten Therapeuten durchgeführt werden darf. Hier ist das Motto „Think Loud“.
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Das LSVT® Big ist ein umfassendes Therapiekonzept, welches NUR extra ausgebildete Physiotherapeuten und/oder Ergotherapeuten durchführen dürfen. Das Behandlungskonzept sieht ein vierwöchiges Intensivprogramm vor, bei dem 4x wöchentlich 60 Min. Therapie zzgl.
Bedeutung der Ergotherapie
Ergotherapie unterstützt und begleitet Menschen, die aufgrund unterschiedlicher Ursachen in der eigenen Handlungsplanung eingeschränkt sind. Ursachen können sein: Erkrankungen wie z.B. Schlaganfall, Morbus Parkinson, Unfälle, das Alter und ggf.
- Transferübungen z.B.
- Übungen zur Verbesserung der Feinmotorik wie z.B.
Schluckstörungen (Dysphagie)
Dysphagie ist eine Schluckstörung, von der viele Parkinson-Patienten betroffen sind. Leider bemerken die Betroffenen selber oft nicht, dass sie ein Schluckproblem haben, was dazu führen kann, dass sie die Notwendigkeit einer Therapie häufig nicht einsehen.
Mimik und soziale Interaktion
Durch die Muskelsteifigkeit (Rigidität) der Gesichtsmuskulatur kommt es nicht selten dazu, dass der Betroffene teilnahmslos und desinteressiert wirkt.
Ernährung und Medikamente
Die Wechselwirkung zwischen L-Dopa (Levodopa) und der Ernährung ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Parkinson-Therapie.
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Grundproblem: Konkurrenz um die Aufnahme
L-Dopa konkurriert mit Proteinen und deren Bausteinen (Aminosäuren) um die Aufnahme in den Körper.
Was bedeutet "proteinreich"?
Vermeiden Sie zeitnah zur Medikamentennahme: Fleisch, Fisch, Geflügel, Milchprodukte (Käse, Joghurt, Milch), Eier, Hülsenfrüchte (Bohnen, Linsen), Nüsse in größeren Mengen, Sojaprodukte
Was können Sie bedenkenlos essen?
Proteinarm und L-Dopa-freundlich: Salate und grünes Gemüse, Kartoffeln und Süßkartoffeln, Reis und Pasta (ohne Sahnesauce), Obst, Gemüsesuppen, Brot (in Maßen)
Strategien für die optimale Medikamentenwirkung:
- Nehmen Sie L-Dopa idealerweise 30 Minuten vor oder 90 Minuten nach einer Mahlzeit ein.
- Verteilen Sie Ihre Proteinzufuhr gleichmäßig über den Tag.
- Beobachten Sie, wie Ihr Körper auf bestimmte Lebensmittel reagiert.
Besondere Situationen:
- Bei Übelkeit durch L-Dopa: Nehmen Sie das Medikament mit einem kleinen, proteinarmen Snack (z.B. Cracker). Vermeiden Sie die Einnahme auf völlig nüchternen Magen.
- Bei unregelmäßiger Wirkung: Überprüfen Sie Ihr Essverhalten der letzten Stunden.
- Sprechen Sie mit Ihrer Neurolog:in über mögliche Anpassungen.
Wichtige Hinweise:
Verändern Sie niemals selbstständig Ihre Medikamentendosis oder -zeiten. Bei Beschwerden wenden Sie sich an Ärzt:innen.
Sturzprophylaxe
Ein unachtsamer Schritt, eine falsch eingeschätzte Stufenlänge und schon ist es passiert: Ein Sturz! Vor allem im betagten Alter kann ein Sturz schnell gefährlich werden. Die Motorik ist eingeschränkt - oftmals hat man die genauen Bewegungsmuster aus vergangenen Zeiten schlichtweg verlernt, weil die Routine fehlt. Eine genau auf die Bedarfe der Senior*innen abgestimmte Sturzprophylaxe kann Körper und Geist gleichermaßen trainieren, künftige Situationen besser einzuschätzen und intuitiv darauf reagieren zu können. Deshalb empfiehlt sich Sturztraining mit dem G-WEG System für Personengruppen, welche z.B. durch eine Vorerkrankung die Stabilität ihres Gangs eingebüßt haben. Solche Defizite tauchen häufig im Zusammenhang mit z.B. Parkinson, Multiple Sklerose, Schlaganfall, fortschreitender Osteoporose oder auch Demenz auf. Für die Betroffenen liegt der Vorteil eines Sturzprophylaxe-Trainings klar auf der Hand: Der Abbau von Ängsten und der Zugewinn an Lebenslust! Kontinuierliche Maßnahmen zur Sturzprävention sind wertvoll und sehr wirksam. Das Vermeiden von Stürzen verhindert Verletzungen der Bewohner, trägt zur Qualität der Pflege bei und spart Kosten.
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G-WEG® Sturzprophylaxe
Das G-WEG System zur Sturzprophylaxe kombiniert Muskel-, Ausdauer- und Gedächtnistraining. Es wird in Pflegeheimen, Tagespflegen, Ergo-Physiopraxen und Vereinen eingesetzt. Auch in der Neurologie, Geriatrie und Orthopädie wird das Konzept erfolgreich umgesetzt.
Der G-WEG besteht aus einer 6 Meter langen und 1,20 Meter breiten therapeutischen Gangmatte mit durchdachtem Design. Durch spezielle Rasterfelder und durch die Simulation eines Weges, wie er auch im Alltag sein könnte, besitzt er einen großen Übungswert und einen hohen Aufforderungscharakter. Sturzprophylaxe-Training wird so intuitiv und greifbar wie nie zuvor.
Das G-WEG Set 2.0 beinhaltet 98 anschauliche Methodik- und Übungskarten in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, die die Möglichkeit eröffnen, Bewegungsabläufe und Fortbewegungssicherheit zu erlernen und nachhaltig zu festigen.
Fortbildungen für Fachkräfte
Für Therapeuten, Betreuungskräfte, Pflegefachkräfte und Pflegehelfer werden anerkannte, praxisnahe und hochwertige Inhouse-Fortbildungen angeboten. Es gibt auch eine Online-Fortbildung mit den wichtigsten Basics rund um das Thema Sturzprophylaxe.
Beispiele für Fortbildungen:
- Kinaesthetics Grund- und Aufbaukurse: Bewegung sollte ein Grundsatz in der Pflege sein. Gemeint ist, Pflege als Mobilisation zu verstehen, mit den Patienten zu handeln und nicht an ihnen. Kinaesthetics unterstützt Bewegungsaktivitäten differenzierter zu verstehen und anzuleiten, um Patienten in ihren Fähigkeiten zu unterstützen. Das Seminar bietet Möglichkeiten, herkömmliche Hebe- und Tragegewohnheiten zu überprüfen und ggf. Weiterentwicklung von Bewegungs- und Handlungskonzepten, um Überlastungsschäden zu verringern.
- Ergotherapie bei CRPS (Complex Regional Pain Syndrome): Das komplexe regionale Schmerzsyndrom beschreibt einen Symptomkomplex mit chronischen, oft schwer beherrschbaren Schmerzen. In diesem Kurs wird das CRPS diagnostisch in CRPS - I und II unterschieden und die genauen Symptome erklärt. Danach wird der Schwerpunkt auf diverse Behandlungsansätze gelegt, die auch chronische Schmerzpatienten Hilfestellung bieten können.
- Sektoraler Heilpraktiker für Physiotherapie: In diesem Kurs werden die vom Gesetzgeber geforderten Mindestanforderungen an Kenntnissen und Fähigkeiten vermittelt und auch so bescheinigt. Diese werden auf dem Gebiet der Rechts- und Berufskunde sowie der medizinischen Erstdiagnostik erteilt. Mit diesem Kurs hat der Teilnehmer die Möglichkeit, bei seinem zuständigen Gesundheitsamt einen Antrag zu stellen, um eine Erlaubnisurkunde für die oben genannte Berufsbezeichnung zu erhalten. Jetzt dürfen Sie als Physiotherapeut ohne bisherige Weisungsgebundenheit praktizieren, eigenständig verordnen und eigene Anamnesen erstellen.
- Schmerzhafte Schulter bei Hemiplegie Patienten - Befund und Behandlung: In diesem Kurs werden Sie sich mit der Untersuchung und Behandlung von Schulterbeschwerden bei Schlaganfallpatienten beschäftigen. Die Theorie konzentriert sich auf die Pathophysiologie von Schulterschmerzen, die relevante Neurophysiologie und die Neuropathologie.
- Grundlagen der Stomaversorgung, Schwierige Stoma- und Fistelversorgungen, Spezielle Stomaversorgung bei einem Urostoma.
- Update Kompressionsverbände.
- Der fachliche Umgang mit einer PEG-Sonde - Tipps für Pflegende: In diesem Seminar wird die Handhabung der verschiedenen Hilfsmittel angesprochen, die Versorgung einer PEG und der Pflegeschwerpunkt bei Neu-Anlage.
- Schmerzmanagement /PDK: In diesem Kurs erhalten Sie eine kompakte Übersicht über drei Kernbereiche der Schmerztherapie: Medikamente mit peripherer oder zentraler Wirksamkeit sowie Nervenblockaden.
Selbsthilfegruppen und Netzwerke
Eine enge Zusammenarbeit besteht mit der Deutschen Parkinson Vereinigung e. V. (dPV) von dem auch Sie profitieren. Zudem können Sie davon ausgehen, dass Ihre Behandlung in einer Parkinson-Fachklinik den hohen Qualitätsanforderungen der dPV entspricht.
Inhalte der Gruppe:
- Gruppentreffen mit Erfahrungsaustausch für Belange im täglichen häuslichen Leben
- Geselligkeit
- Busfahrten
- Hausbesuche
- Telefonische Beratung
- Arztvorträge in Verbindung mit der Fachklinik für Parkinson-Kranke
- Referenten nach Wunsch, von Behörden, Krankenkassen und sonstigen Institutionen
Weitere Termine / Angebote:
- Gymnastik: Spezielle Krankengymnastik für Parkinsonerkrankte
- Spezielle Krankengymnastik für Parkinsonerkrankte nach der HORA-Methode
- Teilnahme an den Patientenfortbildungen der Paracelsus-Elena-Klinik
- Pflegeanleitung und Rückenschule für Angehörige
- Doppelkopfrunde
- Spaziergänge
- Tanzen
- Parkinson-Tanzkurs
- Tanztheaterworkshop
Veranstaltungen und Informationen
Regelmäßig werden für Menschen mit Parkinson, für Angehörige sowie für Fachpublikum Veranstaltungen rund um das Thema Parkinson angeboten.
Beispiele:
- Parkinson-Netzwerktreffen (Zielgruppe: Fachleute)
- Parkinson-Café (Zielgruppe: Betroffene und Angehörige)
- Klinikforum mit Vorträgen zu modernen Therapien