Polyneuropathie, eine Erkrankung, die oft mit Schmerzen, Taubheit und Muskelschwäche einhergeht, kann das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen. Viele Betroffene scheuen sich davor, aktiv zu sein, aus Angst vor Stürzen oder Verletzungen. Doch regelmäßige Bewegung, insbesondere Wandern, kann eine wirksame Methode sein, um Beschwerden zu lindern, die Lebensqualität zu steigern und die Kontrolle über den eigenen Körper zurückzugewinnen. Dieser Artikel gibt Ihnen wertvolle Tipps, wie Sie trotz Polyneuropathie sicher und effektiv wandern können.
Bewegung als Therapie bei Polyneuropathie
Sport ist bei einer Polyneuropathie durchaus empfehlenswert, da durch aktive Bewegung die Durchblutung stimuliert wird. Es kommt nicht darauf an, dass Sie anschließend Leistungssport betreiben, sondern regelmäßiger Sport ist für Ihre körperliche Fitness bereits hervorragend. Die Wahl der geeigneten Sportart hängt von der Art der Polyneuropathie ab: Falls Taubheitsgefühle und ähnliche Störungen der Empfindung zu den Symptomen gehören, sollte darauf geachtet werden, dass die Sportarten kein erhöhtes Verletzungs- oder Unfallrisiko aufweisen. Längeres Barfußgehen oder -laufen ist ebenso ungeeignet wie das Benutzen eines Laufbandes. Die regelmäßige Bewegung unterstützt die vom Arzt verordnete Therapie. Je regelmäßiger Sport getrieben wird, desto besser ist die therapeutische Unterstützung, selbst wenn Sie nicht so viel Ausdauer haben und den Sport daher eher moderat betreiben.
Empfohlene Sportarten bei Polyneuropathie
Sind bei einer Polyneuropathie die Empfindungen in den Fußsohlen gestört, sollten Sportarten gewählt werden, welche die Füße schonen. So ist Radfahren oder Schwimmen gut geeignet und verbessert - regelmäßig durchgeführt - die persönliche Fitness. Auch Geräte- oder Krafttraining eignet sich als Sport bei Polyneuropathie. Wenn Sie in ein Fitnessstudio gehen, sollten Sie den Trainer auf die Polyneuropathie aufmerksam machen, damit er Ihnen schonende Übungen zeigen und spezielle Übungen empfehlen kann. Auch Spaziergänge oder Walken sind bei Polyneuropathie geeignet, wie gesagt, es kommt dabei eher auf die Regelmäßigkeit an. Grundsätzlich eignen sich alle Sportarten, mit denen Sie Ausdauer und Kraft trainieren und Ihre Beweglichkeit steigern. Damit die empfohlene Therapie des Arztes unterstützt wird, sollte der Sport allerdings wirklich regelmäßig betrieben werden. Besser als eine intensive Einheit am Wochenende sind übrigens mehrere kurze Sporteinheiten in kürzeren Abständen. Damit kann sich der Stoffwechsel und der Körper langsam an die regelmäßige Anstrengung gewöhnen. Mit einer Mitgliedschaft im Verein oder in einer Sportgruppe lässt sich das Durchhalten deutlich steigern.
Wandern als ideale Aktivität
Wandern ist eine hervorragende Möglichkeit, sich aktiv zu bewegen und gleichzeitig die Natur zu genießen. Es stärkt den Kreislauf, fördert die Durchblutung und verbessert den Stoffwechsel. Dies kann typische Beschwerden der Polyneuropathie wie Kribbeln, Taubheit oder Schmerzen lindern.
Laut einer Studie der Mayo Clinic verbessert regelmäßige Bewegung die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung der Nerven um bis zu 20 %, was zu einer signifikanten Verbesserung der Nervenfunktion führen kann. Bewegung fördert die Durchblutung und erhöht die Sauerstoffversorgung, was sich positiv auf die Nerven auswirkt. Moderate Bewegung kann zudem die Schmerzempfindlichkeit senken und die Schmerzverarbeitung im Gehirn verbessern. Eine andere Studie zeigt, dass Menschen, die regelmäßig körperlich aktiv sind, eine bis zu 25 % höhere Schmerzresistenz haben. Darüber hinaus stärkt Sport die Muskeln und Gelenke, was Stürzen und Instabilität vorbeugen kann. Besonders ältere Menschen, die häufig von Polyneuropathie betroffen sind, profitieren von einer verbesserten Standfestigkeit und einem geringeren Risiko für Stürze. Eine Untersuchung ergab, dass bei älteren Erwachsenen, die regelmäßig Sport treiben, das Sturzrisiko um bis zu 40 % reduziert werden kann. Sport wirkt auch stimmungsaufhellend, da durch Bewegung Endorphine ausgeschüttet werden, die das Wohlbefinden fördern. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass körperliche Aktivität das Risiko für depressive Verstimmungen um bis zu 30 % senken kann. Dies ist gerade bei chronischen Erkrankungen wie Polyneuropathie von Bedeutung, da die psychische Belastung erheblich sein kann.
Lesen Sie auch: Alles über eingeklemmte Nerven
Tipps für sicheres Wandern mit Polyneuropathie
- Geeignete Strecken wählen: Beginnen Sie mit kurzen, ebenen Strecken ohne Hindernisse. Vermeiden Sie unebenes Gelände, steile Anstiege und stark befahrene Wege. Mit zunehmender Sicherheit und Kondition können Sie die Schwierigkeit langsam steigern.
- Gutes Schuhwerk: Tragen Sie Wanderschuhe mit guter Dämpfung und rutschfester Sohle. Achten Sie auf eine gute Passform, um Blasen und Druckstellen zu vermeiden. Strümpfe ohne Nähte minimieren das Risiko von Reizungen.
- Walking-Stöcke nutzen: Walking-Stöcke bieten zusätzliche Stabilität und Sicherheit, insbesondere auf unebenem Gelände. Sie entlasten die Gelenke und verbessern die Balance. Es ist wichtig, immer zwei Stecken für weite Strecken zu verwenden, weil einfach das Gehen dadurch ein flüssiges Gehen bleibt. Verwenden Sie Stöpsel, aber achten Sie darauf, dass wenn ich mit Stöpseln gehe, im Waldboden oder auf einer Forststraße die wegrutschen können. Umgekehrt ist es genauso: Wenn ich die Stoppel unten hab und ich gehe über Asphalt, dann rutschen die auch weg, weil Metall auf Asphalt rutscht. Darum ist es wichtig, entweder ein Gackerl Sackerl mitzuhaben und konsequent die Stoppel runter und wieder rauf, runter und wieder rauf, je nachdem, wie der Boden sich ändert. Oder es gibt auch Stecken, wo das Eisen aus dem Stoppel rausgeschoben wird. Die haben so einen Drehverschluss.
- Regelmäßige Pausen einlegen: Planen Sie ausreichend Pausen ein, um sich auszuruhen und die Füße zu entlasten. Nutzen Sie die Gelegenheit, um Dehnübungen zu machen und die Durchblutung anzuregen.
- Auf den Körper hören: Achten Sie auf Warnsignale wie Schmerzen, Taubheit oder Erschöpfung. Überanstrengen Sie sich nicht und passen Sie die Wanderung an Ihre individuellen Bedürfnisse an.
- Begleitung suchen: Wandern Sie idealerweise in Begleitung. Ein Partner kann Ihnen bei schwierigen Stellen helfen und im Notfall Unterstützung leisten.
- Sichtbarkeit erhöhen: Tragen Sie helle Kleidung und eventuell eine Warnweste, um von anderen Wanderern und Verkehrsteilnehmern gut gesehen zu werden.
- Achtsamkeit: Konzentrieren Sie sich auf den Weg und vermeiden Sie Ablenkungen wie das Handy. Achten Sie auf Unebenheiten, Wurzeln und andere Hindernisse.
- Fußpflege: Kontrollieren Sie Ihre Füße täglich auf Blasen, Druckstellen oder Verletzungen. Pflegen Sie Ihre Füße mit feuchtigkeitsspendenden Cremes, um die Haut geschmeidig zu halten. Um das Risiko einer Verletzung bei Polyneuropathie zu minimieren, sollten Strümpfe ohne Nähte und gut passende Schuhe getragen werden. Kontrollieren Sie Ihre Füße täglich, wenn Sie diese waschen und pflegen. So entdecken Sie mögliche Blasen oder andere Verletzungen schnell und können diese behandeln. Schließlich geht die Polyneuropathie mit ihrem oft gestörten Schmerzempfinden mit einem erhöhten Risiko für Verletzungen und Infektionen einher.
Fußgymnastik für mehr Beweglichkeit
Falls Ihnen zunächst Spazierengehen oder Walken zu anstrengend ist oder Ihnen durch die Polyneuropathie das Gehen grundsätzlich schwerfällt, sollten Sie trotzdem Ihre Füße beweglich halten. Das verbessert die Durchblutung der Zehen und Fußsohlen und beugt weiteren Verletzungen vor. Fußgymnastik lässt sich einfach im Sitzen durchführen und ist selbst beim Essen oder Fernsehen möglich. Wippen Sie beispielsweise im Stehen von den Zehen auf die Fersen. Das stärkt nicht nur die Muskulatur der Füße, sondern auch die Waden und verbessert dort die Durchblutung. Heben Sie ein Bein hoch und strecken dabei den Fuß waagerecht von sich weg. Bewegen Sie Ihre Zehen ähnlich wie eine Ballerina, rollen Sie einen Massageball unter den Fußsohlen oder malen Sie Kreise und Figuren mit den Füßen in der Luft. Laut einer Studie des American Journal of Physical Medicine fördern tägliche Übungen wie Fußkreisen die Durchblutung der Beine um bis zu 15 %.
Alltagstipps für mehr Bewegung
Selbst wenn Sie nur wenig Zeit für Sport haben, können Sie sich jeden Tag ein kleines bisschen mehr bewegen. Erledigen Sie so viele Gänge wie möglich zu Fuß, steigen Sie lieber die Treppen hoch und lassen dafür den Fahrstuhl links liegen. Je mehr Sie sich im Alltag bewegen, desto besser ist es für Sie und Ihre Gesundheit.
Sturzprävention im Alltag
Ist die Polyneuropathie bereits fortgeschritten, ist ein Sturz ein recht häufiges Risiko bei dieser Erkrankung. Nimmt Ihre Angst vor einem Sturz zu, schränken Sie sich häufig mehr ein, als Ihnen und Ihrem Körper gut tut. Schon leichte regelmäßige Bewegung führt zu einer verbesserten Koordination und einem erheblich sichereren Gefühl im Körper. Die Muskeln werden gefordert und bleiben damit länger erhalten. Damit reduziert sich auch die Sturzgefahr im Alltag.
Sie können auch Schuhe, die rutschfest sind, anziehen oder auch entsprechende Pantoffel, wenn man so will, die rutschfest sind. Und, ganz wichtig: Gehen mit den Augen. Sie stolpern nicht nur extern draußen, sondern auch in der Wohnung, wenn Sie schlecht sehen. Schauen Sie darauf, dass Sie gut sehen.
Ernährung als Unterstützung
Eine ausgewogene Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil der Regeneration und unterstützt den Körper dabei, sich nach dem Sport zu erholen. Lebensmittel wie Beeren, Walnüsse und fetter Fisch fördern die Durchblutung und wirken entzündungshemmend. Omega-3-Fettsäuren, die in fettem Fisch wie Lachs oder Makrele enthalten sind, helfen dabei, Entzündungen im Körper zu reduzieren und die Nervenfunktionen zu unterstützen. Eine Studie zeigt, dass der regelmäßige Verzehr von Omega-3-Fettsäuren die Nervenregeneration um bis zu 15 % beschleunigen kann. Einfache Snacks, wie ein Beeren-Joghurt-Smoothie oder ein Salat mit Lachs, sind ideale Optionen nach dem Sport, da sie viele Nährstoffe enthalten, die der Körper für die Regeneration benötigt. Eiweiß ist besonders wichtig, da es die Muskelerholung unterstützt und hilft, beschädigtes Gewebe zu reparieren. Studien belegen, dass eine proteinreiche Mahlzeit nach dem Sport die Proteinsynthese um bis zu 50 % steigern kann. Gesunde Fette, wie sie in Nüssen oder Avocados enthalten sind, tragen ebenfalls zur Regeneration bei und unterstützen die allgemeine Gesundheit des Nervensystems.
Lesen Sie auch: Wandernde Nervenschmerzen verstehen
Reha-Maßnahmen bei Polyneuropathie
Im Reha-Aufenthalt erhalten die Patienten neben der ärztlichen und pflegerischen Betreuung Therapien nicht nur zur Behandlung der Polyneuropathie, sondern auch zu anderen Beschwerden, die oft auch ebenfalls als Folge der Chemotherapie aufgetreten sind. Dazu gehören eine ganze Reihe von Einzelbehandlungen in Ergotherapie und Physiotherapie, aber auch Teilnahme an Gruppen: die Handfunktionsgruppe zum Beispiel, die Gruppe für die Behandlung von Polyneuropathie der Füße. Sie werden Physiotherapie-Bewegungsabläufe trainieren, Sie werden unter anderem zum Beispiel eine Vibrationstherapie bei uns erhalten, einem Gerät, das Galileo heißt. Dazu kommen verschiedene Formen der Elektrotherapie. Es wird in der Reha aber auch eingegangen auf andere Beschwerden, zum Beispiel wenn jemand Rücken- oder Gelenkprobleme hat, wird es in der Physiotherapie angegangen. Sie werden allgemeine Informationen erhalten zur gesunden Lebensführung, aber auch spezifisch auf diese Krankheit bezogen. Wichtigste Rolle spielt die Reizstrombehandlung, TENS, und die Hochtontherapie. Für die Vibrationstherapie gibt es ein Gerät, das den ganzen Körper behandelt, das Galileo Gerät. Ein wichtiger Punkt ist immer auch die körperliche Kräftigung durch die medizinische Trainingstherapie mit Ausdauer- und Krafttraining.
Lesen Sie auch: Wandert Botox ins Gehirn? Eine Faktencheck
tags: #wandern #mit #polyneuropathie