Hirntumor: Ursachen, Risikofaktoren und Aktuelle Erkenntnisse

Hirntumoren sind komplexe und vielfältige Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS), die individuelle Therapieansätze erfordern. Selbst nach erfolgreicher Behandlung können Spätfolgen auftreten, was eine umfassende Rehabilitation und Nachsorge unerlässlich macht.

Was sind Hirntumoren?

Der Begriff Hirntumor umfasst Zellwucherungen im gesamten zentralen Nervensystem, einschließlich:

  • Gehirn und Hirnhäute
  • Rückenmark und Rückenmarkshäute
  • Hirnnerven, die vom Gehirn ausgehen

Am häufigsten entstehen Hirntumoren direkt im Gehirn und seinen Hüllen.

Gutartige und bösartige Hirntumoren

Wie bei anderen Tumorarten wird zwischen gutartigen (benignen) und bösartigen (malignen) Hirntumoren unterschieden. Bösartige Tumoren werden als Krebs bezeichnet und wachsen schneller als gutartige. Sie können metastasieren, d.h. Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Körperregionen bilden.

Klassifikation nach WHO-Grad

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert Hirntumoren in vier Grade, basierend auf ihrer Gut- oder Bösartigkeit:

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  • WHO-Grad I: Gutartiger Tumor mit langsamem Wachstum
  • WHO-Grad II: Teilweise gutartiger Tumor
  • WHO-Grad III: Bösartiger Tumor
  • WHO-Grad IV: Sehr bösartiger Tumor mit schnellem Wachstum

Primäre und sekundäre Tumoren

Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Tumoren des ZNS.

  • Primäre Hirntumoren: Entstehen aus Zellen des ZNS selbst.
  • Sekundäre Hirntumoren (Hirnmetastasen): Bilden sich infolge von Krebserkrankungen in anderen Körperregionen, wie Lunge, Brust oder Haut.

Arten von Hirntumoren

Primäre Hirntumoren

Primäre Hirntumoren entstehen aus Zellen des ZNS. Je nachdem, aus welchen Zellen der Tumor entsteht und welche Eigenschaften er hat, unterscheiden Ärzte verschiedene Typen:

  • Gliome: Etwa die Hälfte der primären Gehirntumoren sind Gliome. Es gibt gutartige und bösartige Varianten.

    • Glioblastome: Bösartig, WHO-Grad IV, aggressiv wachsendes Astrozytom.
    • Pilozystische Astrozytome: Treten meist bei Kindern auf und sind gutartig (WHO-Grad I).
    • Astrozytome: Gutartige und bösartige Formen (WHO-Grad I-IV). Tumoren mit einer IDH-Mutation und WHO-Grad 4 heißen jetzt „Astrozytom, IDH-mutiert, WHO-Grad 4“.
    • Oligodendrogliome: Meist WHO-Grad II oder III.
    • Ependymome: Können gut- oder bösartig sein (WHO-Grade I-III).
    • Gangliogliome: Mischtumoren, meist WHO-Grad II, können aber auch WHO-Grade III und IV entwickeln.
    • Inselgliome: Gliome, die aufgrund ihrer Lage in lebenswichtigen Hirnregionen schwer zu operieren sind. Sie können verschiedene WHO-Grade haben.
  • Meningeome: Meist gutartige Tumoren (WHO-Grad I), die von den Hirnhäuten ausgehen. Bösartige Formen (atypisches Meningeom, WHO-Grad II, und anaplastisches Meningeom, WHO-Grad III) sind selten.

  • Medulloblastome: Bösartige Tumoren (WHO-Grad IV), die häufig bei Kindern auftreten, aber insgesamt selten sind.

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  • Neurinome: Gutartig (WHO-Grad I), im Gehirn meist Akustikusneurinome, die an Hör- und Gleichgewichtsnerven entstehen und zu entsprechenden Störungen führen können.

  • Hypophysen-Adenome: Häufige gutartige Tumoren im Bereich der Hirnanhangdrüse. Sie werden formal nicht den Tumoren des zentralen Nervensystems, sondern den Tumoren des Hormonsystems zugeordnet (endokrine Tumoren).

Sekundäre Hirntumoren (Hirnmetastasen)

Häufig entstehen Tumoren im Gehirn infolge von Krebs in anderen Körperregionen, z. B. der Lunge, Brust oder Haut. Wenn ein solcher Krebs metastasiert, können sich Metastasen im Gehirn bilden. In diesen Fällen spricht man von Hirnmetastasen oder sekundären Hirntumoren. Betroffene mit Hirnmetastasen erhalten eine Behandlung, die sich auch an der ursprünglichen Krebsart orientiert, von der die Metastasen stammen.

Wie häufig treten Hirntumoren auf?

Primäre Hirntumoren sind im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen selten und machen nur etwa zwei Prozent aller Krebserkrankungen aus. In Deutschland erhalten schätzungsweise 7.000 Menschen jährlich die Diagnose „primärer Hirntumor“. Hirntumoren treten dabei viel häufiger auf als Tumoren im Rückenmark. Die meisten Patienten sind bei der Diagnose zwischen 50 und 70 Jahre alt, aber auch bei Kindern können sich Tumoren im ZNS entwickeln.

Im Jahr 2020 erkrankten etwa 7.300 Menschen an einem bösartigen Hirntumor. Zum Vergleich: Die Diagnose Darmkrebs erhielten im selben Jahr etwa 54.770 Menschen. Das mittlere Erkrankungsalter bei Frauen liegt bei 66 Jahren, Männer erkranken etwas früher im Mittel mit 63 Jahren.

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Im Jahr 2020 erhielten ungefähr 2.250 Kinder unter 18 Jahren die Diagnose Krebs. Etwa 1 von 4 Kindern mit Krebs hat einen Hirntumor. Hirntumoren machen also etwa ein Viertel aller Tumorerkrankungen im Kindesalter aus. Am häufigsten erkranken Kinder an Astrozytomen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Hirntumoren sind oft unbekannt. Ein Tumor kann entstehen, wenn sich das Erbgut in einer Zelle verändert (Mutation). Diese Mutation führt dazu, dass die Zelle zur Tumorzelle wird, die sich unbegrenzt vermehren kann. Dieses Vermehrungsprogramm wird an alle Nachkommen weitergegeben, wodurch der Tumor immer weiterwächst.

Bekannte Risikofaktoren

  • Familiäre Veranlagung: Eine genetische Vorbelastung erhöht das Risiko. Das Risiko für Verwandte ersten Grades zu erkranken ist leicht erhöht, wenn Patienten jung an einem Hirntumor erkranken. Da Hirntumoren aber sehr selten sind, ist das Risiko für Eltern und Geschwister von Hirntumorpatienten insgesamt gesehen immer noch sehr gering.
  • Bestimmte Erbkrankheiten (Tumor-Syndrome): Tumor-Syndrome wie das Lynch- oder Li-Fraumeni-Syndrom sowie Neurofibromatose oder Tuberöse Sklerose erhöhen das Risiko. Bei der Neurofibromatose vom Typ 1 (Morbus Recklinghausen) treten neben anderen Tumoren auch Gliome, insbesondere pilozytische Astrozytome auf, welche häufig (beidseitig) am Sehnerv liegen. Charakteristisch für den Neurofibromatose-Typ-2 sind beidseitig gelegene Akustikusneurinome, Tumoren des Rückenmarks oder multiple Meningeome. Das Turcot-Syndrom kann bei Kindern zu Medulloblastomen, bei Erwachsenen zum Glioblastom führen.
  • Strahlentherapie im Kopfbereich: Eine Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich oder des Schädels kann das Risiko erhöhen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Hirntumoren können bei Erwachsenen und insbesondere bei Kindern und Jugendlichen viele Jahre nach einer Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich oder des Schädels auftreten.
  • Computertomografie (CT) im Kindesalter: Bei einer solchen diagnostischen Untersuchung der Kopf-Hals-Region kann sich das Risiko für Hirntumoren geringfügig erhöhen.

Umstrittene oder widerlegte Risikofaktoren

  • Mobiltelefone: Bisher haben Wissenschaftler keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Nutzung von Mobiltelefonen und der Entstehung von Hirntumoren festgestellt. Auch ob ein langer und häufiger Gebrauch von Mobiltelefonen das Risiko für Gehirntumoren erhöht, ist bisher noch nicht eindeutig belegt.
  • Umweltfaktoren und Lebensstil: Ob eine Infektion mit bestimmten Viren, schädigende Substanzen, Rauchen oder Alkohol das Risiko für Hirntumoren erhöhen, ist bisher unklar. Nach derzeitigem Wissensstand führen weder Umweltfaktoren, Ernährungsgewohnheiten, seelische Belastungen, Stress noch elektromagnetische Felder im Frequenzbereich des Mobilfunks zu einem höheren Hirntumor-Risiko.

Früherkennung

Da Hirntumoren insgesamt selten sind und es keine einfachen, regelmäßig durchführbaren Tests gibt, existiert kein allgemeines Früherkennungsprogramm. Die Magnetresonanztomographie (MRT) kann zwar Hirntumoren nachweisen, ist aber eine zeitaufwändige und teure Untersuchungsmethode und eignet sich daher nicht als regelmäßige Screening-Maßnahme in der gesunden Bevölkerung.

Eine Ausnahme gilt für Personen mit einem erblichen Tumorsyndrom: Denn bei ihnen können Hirntumoren möglicherweise häufiger auftreten. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) empfiehlt Personen, bei denen der Verdacht auf ein erbliches Tumorsyndrom besteht, zunächst eine sogenannte humangenetische Beratung und gegebenenfalls eine genetische Testung. Wurde eine Veränderung im Erbgut nachgewiesen, die zu einem erblichen Tumorsyndrom führt, können regelmäßige Kontrollen mit bildgebenden Verfahren wie etwa einer Magnetresonanztomographie zur Früherkennung eines Hirntumors beitragen. Solche Kontrollen hängen von der individuellen Situation einer Patientin oder eines Patienten ab, etwa welches Tumorsyndrom vorliegt und wie dieses bei erkrankten Familienmitgliedern verläuft.

Symptome

Die Symptome von Hirntumoren sind vielfältig und individuell unterschiedlich. Sie hängen von der Lage, Größe und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab. Einige Symptome können auch bei anderen, harmloseren Erkrankungen auftreten, weshalb eine ärztliche Abklärung wichtig ist.

Häufige Symptome

  • Kopfschmerzen (besonders morgens, zunehmend stärker, nicht auf Schmerzmittel ansprechend)
  • Übelkeit und Erbrechen (besonders morgens)
  • Sehstörungen
  • Lähmungserscheinungen
  • Taubheitsgefühle
  • Epileptische Anfälle (neu auftretend)
  • Sprachstörungen
  • Schluckstörungen
  • Schwindel
  • Schwerhörigkeit
  • Hormonstörungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Vergesslichkeit
  • Depression
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • Neu auftretende Ungeschicklichkeit ohne bekannte Ursache
  • Bewusstseins-/Konzentrations-/Koordinationsstörungen
  • Gefühlsstörungen

Besonderheiten einiger Symptome

  • Kopfschmerzen: Neu auftretende Kopfschmerzen werden im Laufe der Zeit immer heftiger und treten vor allem nachts oder in den frühen Morgenstunden auf, nehmen beim Liegen zu und können tagsüber besser werden. Übliche Schmerzmittel helfen immer weniger.
  • Übelkeit und Erbrechen: Treten häufig am frühen Morgen auf leeren Magen und ohne Magen-Darm-Erkrankung auf.
  • Epileptische Anfälle: Neu auftretende epileptische Anfälle.

Diagnose

Bei Verdacht auf einen Hirntumor erfolgt zunächst eine neurologische Untersuchung. Anschließend kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz:

  • Computertomographie (CT): Gut zur Erkennung von Tumoren, Verkalkungen und Blutungen.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Bevorzugt, da sie Weichgewebe genauer darstellt.
  • Elektroenzephalogramm (EEG): Kann Aufschluss über das Risiko von Anfällen geben.
  • Liquoruntersuchung: Prüft, ob sich entzündliche Prozesse im Gehirn abspielen.
  • Positronen-Emissions-Tomographie (PET)
  • Angiographie

Gewebeuntersuchung (Biopsie)

Die pathohistologische Untersuchung einer Gewebeprobe ist notwendig, um die Diagnose Hirntumor sicher zu bestätigen, die Art des Tumors und den Tumorgrad festzustellen. Die Gewebeproben werden mittels Biopsie oder im Rahmen einer Operation gewonnen. Für die Entnahme des Tumorgewebes gibt es zwei Möglichkeiten: Die stereotaktische Biopsie, bei der gezielt Gewebeproben entnommen werden, oder die Tumoroperation, bei der schon möglichst viel vom Tumor entfernt wird. Welche Biopsie die Chirurgin oder der Chirurg durchführt, hängt unter anderem von der Lage des Tumors und deinen Beschwerden ab. Sie ist auch nötig, um die Art des Tumors und den Tumorgrad festzustellen. Dieses Wissen ist unbedingt erforderlich, um die bestmögliche Therapie für den*die Patient*in auszuwählen.

Charakterisierung des Tumors

Anhand der entnommenen Gewebeprobe (Biopsat) wird festgestellt, ob der Tumor gut- oder bösartig und in welchem Stadium er ist (Klassifikation). Die Klassifikation richtet sich dabei nach den international anerkannten Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

WHO-Klassifikation von Hirntumoren:

  • Grad I: gutartig, langsames Wachstum, sehr gute Prognose
  • Grad II: Übergang in bösartigen Tumor möglich, erhöhtes Risiko für Rezidive
  • Grad III: bösartig, Operation gefolgt von Strahlen- und/oder Chemotherapie notwendig
  • Grad IV: sehr bösartig, schnelles Wachstum, schlechte Prognose, Operation gefolgt von Strahlen- und/oder Chemotherapie notwendig

Auch der Tumortyp kann so bestimmt werden. Neben den bereits erwähnten Gliomen (eine große Gruppe an Tumoren, da es viele verschiedene Gliazellen gibt, aus denen Tumore entstehen können), gibt es noch weitere Typen, die sich in ihren Ursprungszellen unterscheiden.

Beispiele für weitere eher gutartige (benigne) Hirntumore sind:

  • Meningeome aus den Hirnhautzellen
  • Neurinome/Schwannome aus den Hirnnerven-umhüllenden Zellen

Beispiele für weitere eher bösartige (maligne) Hirntumore sind:

  • Medulloblastome aus unreifen Kleinhirnzellen
  • Glioblastome aus Gliazellen

Es ist wichtig, all diese Eigenschaften des Tumors zu kennen. So können die Prognose und die erfolgversprechendste Therapie abgeschätzt werden.

Behandlung

Die Behandlung von Hirntumoren ist komplex und richtet sich nach verschiedenen Faktoren:

  • Tumorart
  • Tumorgrad
  • Lage und Größe des Tumors
  • Genetische Eigenschaften des Tumors
  • Alter und Allgemeinzustand des Patienten
  • Begleiterkrankungen

Therapieoptionen

  • Operation: Ziel ist die vollständige oder teilweise Entfernung des Tumors, wobei umliegendes Hirngewebe geschont werden muss. Da bei einem Hirntumor nicht wie bei anderen Krebserkrankung großzügig umliegendes Gewebe entfernt werden kann, müssen diese Tumorzellen anderweitig bekämpft werden. Manchmal kann auch nicht alles sichtbare Tumorgewebe aufgrund der Lokalisation im Gehirn entfernt werden. Beides könnte sonst zu neurologischen Beeinträchtigungen führen.
  • Strahlentherapie: Wird oft nach der Operation eingesetzt, um verbliebene Tumorzellen zu zerstören. Die Strahlentherapie ist nach der Operation die zweitwichtigste Therapiemöglichkeit bei Tumoren des ZNS. Die Strahlen schädigen das Erbgut der Tumorzellen und verhindern so das weitere Wachstum. Bei der Strahlentherapie unterscheiden Expertinnen und Experten die Lokalbehandlung (die erweiterte Tumorregion wird bestrahlt), die Ganzhirnbestrahlung und die Bestrahlung des gesamten Liquorraums. Denn Tumorzellen können sich auch über das Nervenwasser (Liquor) verteilen und können dann nicht durch eine Operation entfernt werden.
  • Chemotherapie: Kann in Kombination mit der Strahlentherapie eingesetzt werden, um die Wirkung zu verstärken oder nach der Bestrahlung, um die erreichte Wirkung aufrecht zu erhalten und weiter zu verbessern. Da Zytostatika meist per Infusion in die Vene verabreicht werden, verteilen sie sich über das Blut im Körper. Hier kommt es zu einer Herausforderung bei Hirntumoren: Das Gehirn ist durch die Blut-Hirn-Schranke vor schädlichen Substanzen geschützt. Nur wenige Medikamente, darunter auch einige Zytostatika, können diese Barriere überwinden. Vereinfachend kommt hinzu, dass die Blut-Hirn-Schranke bei bösartigen Tumoren häufig nicht mehr intakt ist.
  • Zielgerichtete Therapien: Zielen auf spezielle Eigenschaften des Tumors ab und werden eingesetzt, wenn der Tumor nicht auf vorherige Behandlungen anspricht oder wiedergekehrt ist. So können beispielweise BRAF/MEK-Hemmer bei einer BRAF V600-Mutation angewendet werden.
  • Immuntherapien: Sie zielen auf spezielle Eigenschaften des jeweiligen Tumors ab.
  • Klinische Studien: Bieten die Möglichkeit, neue Therapieansätze zu nutzen.

Kurative und palliative Therapien

  • Kurative Therapien: Zielen auf die vollständige Entfernung des Tumors und Heilung ab.
  • Palliative Therapien: Lindern Beschwerden, verlangsamen das Krebswachstum und verlängern die Lebenserwartung, wenn eine Heilung nicht möglich ist.

Unterstützende Behandlung (Supportivtherapie)

Zusätzlich zur Behandlung des Hirntumors erhalten Betroffene auch eine unterstützende Behandlung (Supportivtherapie). Sie lindert oder beugt Beschwerden vor, die durch die Behandlung oder die Krebserkrankung auftreten können. Solche Beschwerden sind beispielsweise: Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, epileptische Krampfanfälle, Hirnschwellung (Hirnödem). Durch die Behandlung dieser Symptome kann sich die Lebensqualität eines Patienten oder einer Patientin verbessern.

Nebenwirkungen der Therapie

Die Behandlung eines Hirntumors kann erhebliche Nebenwirkungen haben, insbesondere bei einer Chemotherapie.

Strahlentherapie

Die Nebenwirkungen einer Strahlentherapie sind meist geringer als bei anderen Therapien, wie z. B. der Chemotherapie. An der bestrahlten Stelle können Rötungen und trockene Schuppung sowie Haarausfall auftreten. Manchmal kann es auch zu Kopfschmerzen, Schluckbeschwerden oder Übelkeit und Erbrechen kommen. Nach Ende der Therapie bilden sich die Nebenwirkungen in der Regel zurück und nur selten kommt es zu bleibenden Hautveränderungen, wie beispielsweise einer Verfärbung oder Verhärtung.

Chemotherapie

Bei einer Chemotherapie können die typischen Nebenwirkungen auftreten, die durch den Angriff auf sich schnell teilende Zellen verursacht werden. Die häufigsten sind Übelkeit und Erbrechen, Entzündung der Mundschleimhaut und ein verändertes Blutbild. Haarausfall ist bei den bei Hirntumoren eingesetzten Zytostatika eher selten.

Rehabilitation

In der Reha nach der Akuttherapie des Hirntumors werden die Folgen der Tumorerkrankung und der Tumortherapie und - falls der Tumor nicht vollständig entfernt werden konnte - auch der Hirntumor in Kliniken für Rehabilitation behandelt. Patientinnen, die einen Hirntumor hatten oder haben, leiden häufig unter neurologischen Ausfallerscheinungen (bspw. Lähmungen, Sprach- und Sprechstörungen, Beeinträchtigungen von Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Konzentration und Orientierung). Daher sollten die Patientinnen während der Rehabilitation nicht nur onkologisch sondern unbedingt auch neurologisch behandelt werden. Aufgrund der großen Vielfalt der Krankheitsbilder und den unterschiedlichen Verläufen bei einem Hirntumor, muss bei jedem*r Patienten*in die Nachsorge individuell geplant werden. Grundsätzlich unterscheidet man auch bei der Reha kurative und palliative Therapien: Die kurative Behandlung soll Sie dabei unterstützen, sich wieder in Ihren privaten und beruflichen Alltag einzufinden die Folgen der Tumortherapie behandeln Ihre Lebensqualität verbessern Ihre Selbstständigkeit wiederherstellen Ziele einer palliativen Behandlung: das Fortschreiten der Erkrankung eindämmen Ihre Beschwerden lindern Ihre Lebensqualität verbessern die häusliche Versorgung klären

Diagnosemaßnahmen in der Reha

  • medizinische Untersuchung
  • neurologische Untersuchung (Muskelkraft, Ausdauer, Muskelreflexe)
  • psychiatrische Untersuchung (formales und inhaltliches Denken, Stimmung, Antrieb, Anpassungsvorgänge, Orientierung)
  • neuropsychologische Diagnostik (kognitive Basisfunktionen, Sehstörungen, Orientierungsstörungen)
  • logopädische Diagnostik (Sprach- und Sprechstörungen, Schluckstörungen)
  • Computertomografie
  • Magnetresonanztomografie
  • Elektroenzephalografie
  • Nervenwasseruntersuchung

Therapien in der Reha

An einer onkologischen und neurologischen Rehabilitation sind neben Ärztinnen auch viele andere Fachkräfte, wie Pflegerinnen, Physiotherapeutinnen, Ergotherapeutinnen, Logopädinnen, Psychologinnen und Sozialarbeiterinnen beteiligt. Da die Beschwerden und Funktionsstörungen durch einen Hirntumor oder die Tumortherapie von Patientin zu Patient*in sehr unterschiedlich sind, wird für Sie ein individueller Therapieplan erarbeitet. Dieser kann je nach Fall folgende Behandlungen und Maßnahmen beinhalten:

  • Ärztliche Therapie: Die Ärztliche Therapie umfasst die Behandlung von Schmerzen, Beschwerden und Begleitkrankheiten während Ihres Aufenthalts in der Reha-Klinik. Wenn Sie eine Chemotherapie bekommen, kann diese fortgeführt werden.
  • Physiotherapie: Die Physiotherapie soll ihre Mobilität und Bewegungsfähigkeit verbessern und Sie dabei unterstützen, Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit auszugleichen. Physiotherapie auf neurophysiologischer Basis, Funktionelle Bewegungslehre nach Klein-Vogelbach, Spiegeltherapie, Forced-use-Therapie, Kinesio-Tape, Schlingentischübungen, Manuelle Therapie, Cranio-Sacral-Therapie, Training in Aktivitäten des täglichen Lebens, Gangschule.
  • Ergotherapie: In der Ergotherapie trainieren Sie Alltagsfähigkeiten und lernen den Umgang mit Hilfsmitteln. Die Ergotherapie bereitet Sie praxisnah auf Ihren Alltag vor und unterstützt Sie dabei, wieder (mehr) Selbstständigkeit und Handlungsspielraum zu erlangen. Feinmotorische Übungsgruppen, Sensibilitätsschulung, kognitive Übungsgruppen in Zusammenarbeit mit der Neuropsychologie, Kunsttherapie in Kreativgruppen, freizeittherapeutisch orientierte Gruppenaktivitäten, Rollstuhltraining, Frühstückstraining: In diesem Training üben Sie, wie Sie trotz motorischer Störungen Essen zubereiten, Kochgruppe, Werkgruppen.
  • Physikalische Therapie: In der physikalischen Therapie werden Körperfunktionen angeregt, die durch Schäden im Nervensystem infolge des Hirntumors gestört wurden. verschiedene Massagen, Bewegungstherapie im Wasser, Wärmebehandlungen, Kryo-Therapie, Magnetfeld-Therapie, medizinische Bäder, Elektrotherapie.
  • Sporttherapie: Die Sporttherapie während einer Rehabilitation wird an Ihre persönlichen körperlichen Möglichkeiten und Fähigkeiten angepasst. Sie dient Ihrer geistigen und körperlichen Erholung. Zusätzlich fördert die Sporttherapie Ihre Ausdauer, Ihre Kraft und Ihre Beweglichkeit. Gymnastik, Beinbewegungstraining, Spezielles Muskelaufbautraining, Rückentraining, Schwimmtraining, Wassergymnastik, Laufband, Terraintraining, Walking.

Nachsorge

Nach der Therapie dienen Kontrolluntersuchungen dazu, einen Rückfall der Erkrankung (Rezidiv) und Folgen der Behandlung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Treten Beschwerden zwischen den Terminen auf, sollte man auf jeden Fall schon früher zum Arzt gehen. Ziele der Nachsorgeuntersuchungen und Verlaufskontrollen:

  • Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen helfen dabei, einen Rückfall der Krebserkrankung (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
  • Die Untersuchungen dienen auch zur Tumorkontrolle - sowohl bei Betroffenen ohne als auch mit vorhandenem Resttumor: Wächst der Tumor wieder, müssen Betroffene und die behandelnden Ärzte über eine erneute Krebstherapie entscheiden. Das hängt unter anderem davon ab, wie schnell ein Tumor wächst, wie groß er ist und welche Symptome er macht.
  • Beschwerden durch den Hirntumor oder aufgrund der Therapie können frühzeitig erkannt und behandelt werden. Das kann die Lebensqualität einer Patientin oder eines Patienten verbessern und sie bestmöglich erhalten.
  • Betroffene können bei einem Nachsorgetermin auch seelische und soziale Probleme ansprechen. Die behandelnden Ärzte vermitteln bei Bedarf Fachleute für eine psychosoziale und psychoonkologische Unterstützung.

Ablauf einer Nachsorgeuntersuchung

Zunächst fragt die behandelnde Ärztin oder der Arzt nach vorhandenen Beschwerden. Im Anschluss folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei prüfen Ärzte unter anderem die Muskelreflexe, die Muskelkraft und die Koordination. Patienten müssen dabei zum Beispiel die Stirn runzeln oder bekommen Licht in ihre Augen geleuchtet. Zur Nachsorge gehören für eine Patientin oder einen Patienten auch regelmäßige Untersuchungen mit der Magnetresonanztomographie (MRT).

Wie oft Patientinnen und Patienten untersucht werden müssen, ist verschieden: Je größer das Risiko ist, dass der Hirntumor erneut wächst oder neue Beschwerden auftreten, desto engmaschiger erfolgen in der Regel die Kontrollen.

Leben und Alltag mit einem Hirntumor

Wie die Einschränkungen eines Betroffenen mit einem Hirntumor ausfallen, hängt von mehreren Faktoren ab, wie:

  • der Art des Tumors
  • der Lage im Gehirn
  • der Phase der Erkrankung
  • dem allgemeinen Gesundheitszustand
  • der Art der Behandlung
  • den Behandlungsfolgen

Nicht nur der Verlauf der Tumorerkrankung kann eine Belastung für einen Patienten oder eine Patientin darstellen, sondern auch mögliche Störungen der Gehirnfunktionen. Dazu zählen Beeinträchtigungen in der Wahrnehmung, beim Lernen, Erinnern, Denken, aber auch beim Sprechen oder der Koordination von Sinneswahrnehmung und Bewegung. Diese Störungen kann die Erkrankung selbst auslösen oder die durchgeführte Therapie.

Ansprechpartner

Bei der Behandlung von Hirntumoren arbeiten Ärzte verschiedener Fachrichtungen eng zusammen. Krankenhäuser, die besonders viel Erfahrung bei der Behandlung von Patienten mit Hirntumoren haben, können sich dies durch eine Zertifizierung als Onkologisches Zentrum mit dem Modul Neuroonkologie bestätigen lassen. Die Deutsche Krebsgesellschaft prüft dabei regelmäßig die Einhaltung bestimmter fachlicher Anforderungen. Die Adressen der zertifizierten Zentren finden Sie auf der Internetseite OncoMAP. Dazu in der Suchmaske unter "Zentrum" "Neuroonkologie" auswählen. Die Neuroonkologische Arbeitsgemeinschaft (NOA) in der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. kann bei der Suche nach einem geeigneten Behandlungszentrum unterstützen. Deren Mitglieder stammen aus verschiedenen medizinischen Bereichen und sind alle mit der Versorgung von Patienten mit Hirntumoren befasst. Wo sich solche Zentren in Deutschland genau befinden, hat die NOA auf ihrer Internetseite auf einer interaktiven Landkarte verzeichnet.

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