Tetraparese: Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung

Ein bedeutender Teil der Menschen mit Querschnittlähmung leidet an einer sogenannten Tetraparese. Diese Schädigung der Wirbelsäule kann vielfältige Ursachen haben und erfordert eine umfassende Langzeittherapie. Der folgende Artikel beleuchtet die Ursachen dieser Form der Querschnittlähmung und die verfügbaren Behandlungsansätze.

Was ist Tetraparese?

Tetraparese (griech. tetra "vier") bezeichnet man die inkomplette Lähmung der Skelettmuskulatur aller vier Extremitäten. Der Begriff Tetraparese beschreibt eine unvollständige Lähmung, die alle vier Gliedmaßen betrifft, also beide Arme und beide Beine. Im Gegensatz zur Tetraplegie, bei der eine vollständige Lähmung vorliegt, sind bei der Tetraparese noch Restfunktionen vorhanden.

Die Tetraparese ist gekennzeichnet durch eine Bewegungsunfähigkeit beider Arme und beider Beine. Die Tetraparese ist laut Definition eine unvollständige Lähmung aller vier Extremitäten, also beider Arme und Beine. Während die inkomplette Lähmung (Tetraparese) nur in Teilbereichen des Körpers auftritt, bedeutet die komplette Lähmung (Tetraplegie), dass der Körper ab der Verletzung des Rückenmarks jegliche Bewegung und Sensibilität verliert.

Ursachen der Tetraparese

Ursächlich ist häufig eine Verletzung des Rückenmarks. Ursache für die Lähmung bei der Quadriplegie ist die Zerstörung von Nervenzellen oder aber die Unterbrechung von Nervenfasern. Häufige Ursachen der inkompletten Tetraparese sind Verletzungen des Rückenmarks im oberen Halswirbelbereich (hohe Querschnittslähmung) oder neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Multiple Sklerose (MS) und Hirntumore.

Die Gründe, die zu einer Parese führen, sind sehr vielfältig. Vor allem wenn Verletzungen im Bereich des Kopfes oder des Rückenmarks vorliegen, kann es zu einer Form der Parese kommen.

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Die Tetraplegie ist die Folge einer Halswirbelsäulenverletzung, die in etwa 60 Prozent der Fälle durch einen Unfall, also ein Trauma, verursacht wird. Häufigste Ursachen für diese Rückenmarksverletzungen sind Unfälle im Straßenverkehr oder Unfälle bei sportlichen Aktivitäten. Neben Verkehrs- und Sportunfällen sind verschiedene Erkrankungen häufige Auslöser einer Tetraplegie. Weitere Ursachen für die Schädigung des Rückenmarks können Tumore, Erb- oder Infektionskrankheiten und Entzündungen sein. Zudem kann eine Tetraplegie auch idiopathisch - also ohne fassbare Ursache - entstehen.

In den meisten Fällen, bei rund fünfzig bis sechzig Prozent aller Patienten, wird eine Querschnittlähmung durch Traumata ausgelöst. Solche Verletzungen entstehen vor allem im Rahmen von Unfällen im Straßenverkehr oder bei sportlichen Aktivitäten. Neben Extremsportarten gehen auch beliebte sportliche Freizeitbeschäftigungen wie etwa Skifahren und Snowboarden, Klettern, aber auch Radfahren immer mit einem gewissen Verletzungsrisiko einher. Aus diesem Grund sind vor allem jüngere Menschen von Querschnittlähmungen betroffen.

Es ist auch möglich, dass eine solche Querschnittslähmung als Folge von neurologischen Autoimmunerkrankungen auftritt. Durch bisher nicht vollständig geklärte Auslöser richtet sich das Immunsystem gegen körpereigenes Gewebe und zerstört dieses im Rahmen chronisch-entzündlicher Prozesse. Jene Autoimmunerkrankung, der als Auslöser der Tetraplegie besondere Bedeutung zukommt, ist die Multiple Sklerose. Auch infektiöse Erkrankungen, die durch Viren oder Bakterien verursacht werden, können eine Tetraplegie zur Folge haben. Infektionen mit Herpes-Viren wie beispielsweise Herpes zoster, Varizellen, das Eppstein-Barr- und das HI-Virus kommen als Ursachen ebenso in Betracht wie Mykoplasmen, Brucellen und andere bakterielle Erreger.

Auch Tumorerkrankungen, Osteoporose sowie Thrombosen und Embolien von Arterien, die im Rückenmark verlaufen, spielen als mögliche Ursachen von Querschnittlähmungen ein Rolle. Nur äußerst selten entwickelt sich eine Querschnittlähmung aus Erkrankungen, die durch Nährstoffmängel ausgelöst werden. So ist es möglich, dass eine durch Vitamin-B1-Mangel verursachte Polyneuritis mit einer Tetraplegie einhergeht. Schädigungen des Rückenmarks und neurologische Erkrankungen können auch durch chronische oder akute Vergiftungen eintreten. Dadurch stehen verschiedene toxische Gefahrstoffe ebenfalls in Verdacht, das Risiko für eine Tetraplegie zu erhöhen. Allerdings bleiben die genauen Ursachen für toxisch bedingte Schädigungen des Rückenmarks in vielen Fällen ungeklärt.

Eine Spinalkanalstenose kann zu fast unerträglichen Schmerzen im unteren Rücken führen. Oft strahlen diese auch aus und es entwickeln sich starke Beinschmerzen, die das Gehen erschweren. Bei einer Spinalkanalstenose handelt es sich um eine Verengung (Stenose) des knöchernen Wirbelkanals, in dem das Rückenmark verläuft. Ursache dafür sind vor allem degenerative Prozesse. Dabei ragen Knochenanbauten oder verdickte Bänder in den Spinalkanal hinein und drücken auf Rückenmark und Nervenwurzeln. Die z. T. quälenden Beschwerden variieren je nach Ort der Einengung. Bei einer Spinalkanalstenose der Halswirbelsäule kommt es z. B. zu Nackenschmerzen und Störungen der Feinmotorik. Häufiger entsteht eine Stenose jedoch im Bereich der Lendenwirbel (lumbale Spinalkanalstenose).

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Grundsätzlich führen die Auslöser dazu, dass das Rückenmark oder auch Nerven (im Gehirn) geschädigt werden.

Schlaffe und spastische Tetraparese

Eine schlaffe Tetraparese entsteht durch die Schädigung eines sogenannten peripheren Nervs, der außerhalb des Rückenmarks liegt.

Welche Symptome bei spastischer Tetraparese auftreten, lässt sich nicht pauschal sagen. Bei einer Spastik sind die Bewegungsabläufe wesentlich verlangsamt. Durch die erhöhte Muskelspannung und unkontrollierte Zuckungen kann das Gangbild steif und ruckartig sein. Die Bandbreite möglicher Folgeerscheinungen bei spastischer Tetraparese ist groß.

Symptome der Tetraparese

Das bekannteste Symptom ist, dass die Körperteile sich nicht oder nur sehr wenig bewegen können. Auch fühlt man Reize auf der Haut nicht mehr wie vorher - das Gefühl kann vollkommen verschwunden oder noch leicht vorhanden sein. Beispielsweise kann es auch sein, dass nur das Temperaturempfinden sehr eingeschränkt ist.

Der medizinische Begriff Tetraplegie bezieht sich auf die Lähmung, die bei dieser Erkrankung alle vier Gliedmaßen betrifft. Die Paraplegie führt zu Funktionsstörungen in der Muskulatur des Rumpfes und der Beine. Bei Vorliegen einer Tetraplegie ist zusätzlich auch die Bewegungsfähigkeit der Armmuskulatur eingeschränkt. Durch äußere Krafteinwirkungen bei Unfällen oder erkrankungsbedingte Einflüsse kommt es zu Schädigungen der Nervenbahnen im Bereich des Rückenmarks. Sind im Rahmen einer Tetraplegie die absteigenden Nervenbahnen betroffen, hat dies zur Folge, dass vom Gehirn an die Arme und Beine ausgesendete motorische Signale nicht mehr vollständig übertragen werden. Bei Verletzungen oder Schädigungen aufsteigender Nervenfasern kommt es zu einem Verlust des sensorischen Empfindens. Viele Menschen, die unter dieser Form der Tetraplegie leiden, spüren in den Gliedmaßen keinen Schmerz oder nehmen Temperatureinwirkungen auf der Haut nicht mehr wahr. In schweren Fällen ist auch die Atmungsfähigkeit vermindert oder erheblich eingeschränkt.

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Wie stark die Plegie ausgeprägt ist, hängt in erster Linie von der Lage des betroffenen Segments der Wirbelsäule ab. Es gilt: alle Funktionen unterhalb der Verletzung fallen aus. Von einer Tetraplegie spricht man meist, wenn das Rückenmark oberhalb des siebten Wirbels (Wirbel C1 bis C7) beschädigt ist. Der Begriff Tetraplegie meint, dass alle vier Gliedmaßen von der Lähmung betroffen sind. Im Rahmen der Lähmung der vier Extremitäten können die absteigenden Nervenbahnen und die aufsteigenden Nervenfasern betroffen sein. Sind absteigende Nervenbahnen betroffen, können motorische Signale, die vom Gehirn ausgehen, nicht vollständig an Arme und Beine übertragen werden. Abhängig von der Schwere der Wirbelverletzung fällt die Ausprägung der Lähmung betroffener Körperbereiche aus. Klient*innen verlieren meist die Sensibilität für Schmerz, Druck oder auch Temperaturunterschiede. Ihre Wahrnehmung ist dadurch stark eingeschränkt. Sie spüren zum Beispiel die Stellung der eigenen Beine nicht und merken es auch nicht, wenn sie Stuhlgang haben. Auch das Schwitzen ist in den meisten Fällen nicht mehr möglich, da das Nervensystem, das diese Funktion reguliert, nur noch eingeschränkt funktionsfähig ist.

Weitere mögliche Symptome und Komplikationen: Bei schweren Ausprägungen geht eine Tetraplegie nicht nur mit dem Verlust motorischer und sensorischer Fähigkeiten einher, sondern auch mit Funktionsstörungen innerer Organe. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Verletzung des Rückenmarks auch Störungen im autonomen Nervensystem verursacht. Dadurch ist die unwillkürliche Kontrolle über Organsysteme und den Blutkreislauf ebenfalls beeinträchtigt. Dies kann sich in Funktionsstörungen im Bereich des Magen-Darm-Traktes, der Blase und der Sexualorgane manifestieren. Auch die unwillkürliche Regulation der Herzfrequenz, der Körpertemperatur oder des Blutdrucks ist ein häufig auftretendes Begleitsymptom. Die Patienten sind dadurch deutlich anfälliger für Infektionen und degenerative Prozesse, die zum Abbau von Gewebe im Bereich des Bewegungsapparats führen.

Diagnose der Tetraparese

Bei Empfindungsstörungen und/oder Taubheitsgefühlen sollte umgehend ein entsprechender Facharzt aufgesucht werden, um die Symptome zu untersuchen und eine ernsthafte Erkrankung auszuschließen. Zunächst wird der Patient umfangreich befragt.

Menschen mit einer Verletzung des Rückenmarks sollten in einem spezialisierten Querschnittszentrum versorgt werden. Vor der Therapieentscheidung nehmen die Ärzte umfassende Untersuchungen vor: Sie bestimmen, wie viel restliche Muskelkraft in den Körperbereichen unterhalb der Rückenmarksverletzung und inwieweit noch Reflexe und Empfindungsvermögen vorhanden sind. Beeinträchtigungen der Organe stellen sie u.a.

Von zentraler Bedeutung bei der Diagnose einer akuten Querschnittslähmung ist der Zeitfaktor. Eine Chance auf eine Rückbildung einer kompletten Querschnittslähmung besteht nur innerhalb der ersten 24 Stunden. Eine wesentliche Rolle spielen die bildgebenden Verfahren. Nach Erheben der Verdachtsdiagnose sollte zeitnah zumindest ein Computertomogramm (CT) und falls erforderlich ein Magnetresonanztomogramm (MRT) erfolgen. Bei einem Unfall muss allerdings zuerst nach lebensbedrohlichen Verletzungen der Lunge, des Bauches oder des Kopfes geschaut werden. Bilder der Computer- und Magnetresonanztomografie zeigen, wo und in welchem Ausmaß das Rückenmark beschädigt ist. Anhand der bildgebenden Verfahren können die Ärzte auch entscheiden, ob und wie dringend der Betroffene operiert werden muss.

Besteht noch eine Chance, das Rückenmark durch eine Entlastung, in der Fachsprache Dekompression genannt, zu retten, erfolgen die Eingriffe mit hoher Dringlichkeit zum ersten vertretbaren Zeitpunkt. Das ist besonders bei instabilen Wirbelbrüchen der Fall, das heißt, wenn Bruchstücke des Wirbels auf das Rückenmark drücken und weitere Schäden hervorrufen können. Ist das Rückenmark jedoch unwiederbringlich zerstört, dient ein Eingriff nur der Herstellung der Stabilität und ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Rehabilitation.

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Behandlung der Tetraparese

Grundsätzlich gilt: je früher mit einer Behandlung begonnen wird, um so besser ist es für den weiteren Verlauf. Die Behandlungsmethoden bei der Parese hängen jedoch stark vom Ergebnis der Diagnose ab. Bei einigen neurologischen Erkrankungen ist die Heilung der Parese leider nicht möglich, weil die entsprechenden Nerven dauerhaft Schaden davongetragen haben.

Die Behandlung von Tetraplegien erfordert eine umfassende Betreuung von Medizinern, Therapeuten und Pflegepersonal mit fachlicher Spezialausbildung und stützt sich auf mehrere Säulen. Abhängig von den Ursachen und der Ausprägung der Querschnittlähmung kommen in der Regel chirurgische Verfahren, fachneurologische Untersuchungsmethoden sowie verschiedene physiotherapeutische Ansätze zur Anwendung. Da viele Betroffene aufgrund ihrer Lebenssituation Depressionen entwickeln oder sogar suizidgefährdet sind, gilt auch die Psychotherapie als wichtiger Bestandteil der Behandlung.

Schulmedizinische Behandlungsansätze

Wenn nach einem Unfall der Verdacht auf eine Querschnittlähmung besteht, wird der Patient umgehend in die Klinik eingewiesen. Nach einer entsprechenden Diagnose erfolgt in vielen Fällen eine Operation, die eine Entlastung des Rückenmarks und die Stabilisierung der Wirbelsäule zum Ziel hat. Offene Verletzungen können im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs geschlossen werden. Zur Reparatur von Quetschungen oder Rissen von Nervenfasern stehen bis heute jedoch keine operativen Methoden zur Verfügung.

Im Rahmen einer neurologischen Untersuchung werden die Funktionen von Nerven und Muskulatur genau gemessen und das Ausmaß der Schädigung beurteilt. Darauf abgestimmt leiten die behandelnden Ärzte verschiedene akute Behandlungsmaßnahmen ein, um das Ausmaß der Gewebsschädigungen zu minimieren. Dies trägt maßgeblich dazu bei, wichtige Körperfunktionen zu erhalten und damit den Verlauf der Erkrankung positiv zu beeinflussen. Ebenso bedeutsam ist das Erstellen eines langfristigen Behandlungsplans zur Vorbeugung möglicher Komplikationen und Folgeerkrankungen wie Thrombosen sowie Infektionen und Entzündungen innerer Organe. Auch oft auftretende Funktionsstörungen des Magen-Darm-Traktes und der Harnwege sowie durch die eingeschränkte Bewegungsfähigkeit verursachte Druckgeschwüre müssen schulmedizinisch behandelt werden.

Bei einer Schädigung unterhalb der C5-Wurzel der Halswirbelsäule ist immer Zwerchfellatmung möglich, muss aber trainiert werden. Gleichzeitig können Spasmen, bei denen sich ein oder mehrere Muskeln unwillkürlich zusammenziehen und schmerzen, auftreten.

In der akuten Therapie erhalten die Patienten meist innerhalb der ersten 24 bis 48 Stunden hochdosiert Kortison, um Schwellungen des Rückenmarks zu verhindern. Oftmals ist auch der Herzschlag verlangsamt oder der Blutdruck gefährlich niedrig, was mit bestimmten Medikamenten therapiert wird.

Eng verzahnt mit der Akut-Behandlung sind erste Schritte der Rehabilitation, die i.d.R. schon in der Akutphase auf der Intensivstation vorgenommen werden.

Physiotherapie

Grundsätzlich empfiehlt sich bei einer Parese immer Physiotherapie. Durch Massagen können gelähmte Bereiche (teilweise) wieder reaktiviert werden. Die Lähmung kann sich durch eine gezielte Therapie in einigen Fällen wieder zurückbilden.

Nach der Erstversorgung wird eine intensive, meist viele Jahre andauernde Rehabilitationsbehandlung eingeleitet. Der individuelle Therapieplan richtet sich nach dem Allgemeinzustand des Patienten und dem Ausmaß der Symptome und Begleiterkrankungen. Ziel ist immer eine bestmögliche Wiederherstellung der Selbstständigkeit des Betroffenen. Die Lähmung, die im Rahmen einer Tetraplegie auftritt, kann eine komplette oder inkomplette Ausprägung annehmen. Bei einer inkompletten Ausprägung sind noch sensorische und motorische Fähigkeiten vorhanden, die im Rahmen der Therapie aktiviert und erfolgreich trainiert werden können. Eine gezielte Sitzoptimierung im Rollstuhl und das Training im Umgang mit diesem gewährleisten die notwendige Versorgung des Patienten im Alltag. Das regelmäßige therapeutische Bewegen der Gliedmaßen aktiviert den Kreislauf und verhindert Muskelverkürzungen und Fehlstellungen. Um das Körpergefühl zu verbessern, wird der behandelnde Therapeut verschiedene Trainingsmethoden anwenden. Dadurch können Lagewechsel beim Sitzen und Liegen geübt, der Gleichgewichtssinn gestärkt und effiziente Rollstuhlfahrtechniken erlernt werden. Abhängig vom Lähmungsniveau kann auch eine Atemtherapie notwendig sein.

Einen besonders wichtigen Stellenwert nehmen nach Ablauf der ersten Rehabilitationsphase Maßnahmen zur Sehnenumlagerung und Ellbogenstreckung ein. Diese tragen wesentlich dazu bei, aus dem Rollstuhl aus alltägliche Tätigkeiten wie etwa das Ergreifen von Gegenständen oder das Bedienen eines Lichtschalters wieder zu bewerkstelligen. Solche Fähigkeiten erhöhen die Lebensqualität der Patienten und erlauben ein gewisses Maß an Unabhängigkeit, die das Selbstbewusstsein stärkt und wieder eine aktivere Teilnahme am Familien- und Sozialleben ermöglicht.

Eine wichtige Säule der Rehabilitation ist die Physiotherapie. Hier lernen die Patienten z.B. im täglichen Stehtraining mithilfe eines Stehbrettes, in die aufrechte Position zu kommen, das Gleichgewicht im Sitzen zu halten und noch intakte Muskeln mit gezielten Übungen zu stärken. So ist eine kräftige Armmuskulatur enorm wichtig, um sich später mit dem Rollstuhl fortbewegen zu können oder sich aus dem Bett auf einen Stuhl zu bewegen. Die Betroffenen müssen mit der gesamten Armkraft ihren Körper versetzen. Ein weiteres Ziel ist es, auch wieder eine gute Rumpfstabilität zu erreichen.

Weitere Therapieansätze

Die Betroffenen lernen, die Blase vier- bis fünfmal täglich mit einem Einmalkatheter vollständig zu entleeren. Hierzu stehen unterschiedliche sterile Kathetersysteme verschiedener Hersteller zur Verfügung, sodass auf die individuellen Bedürfnisse und Notwendigkeiten eingegangen werden kann, um Folgekomplikationen möglichst zu vermeiden. Das Darmmanagement muss mit dem Ernährungs- und Flüssigkeitsmanagement eng abgestimmt sein. Ein verlässliches Darmmanagement kann durch unterschiedliche Hilfsmittel unterstützt werden.

Zentral in der Rehabilitation ist das Rollstuhl-Training, in dem die Betroffenen lernen, den Rollstuhl anzutreiben und mit ihm in unterschiedlichen Situationen im Alltag zurecht zu kommen. Der Rollstuhl und das notwendige, druckentlastende Spezialsitzkissen müssen individuell angepasst sein, damit der Betroffene in seiner selbstbestimmten Mobilität nicht eingeschränkt ist. Mit der Auswahl des Hilfsmittels müssen mögliche Folgekomplikationen an Haut und Bewegungsapparat sowie Wirbelsäule bei schlechter Sitzhaltung, unzureichender Druckentlastung etc. Das Ausprobieren unterschiedlicher Modelle, Sitzdruckprüfungen, richtiges Ausmessen und Anpassen sind nur ein Teil notwendiger Maßnahmen.

Ein wesentlicher Aspekt in der Behandlung ist die psychologische Begleitung, um sich mit der Behinderung, die das bisherige Leben völlig auf den Kopf stellt, auseinanderzusetzen. In der Ergotherapie lernen die Patienten, im Haushalt selbstständig klarzukommen. Dazu gehört es, sich trotz der Behinderung anzuziehen, zu waschen, Mahlzeiten zuzubereiten und zu essen. Je nach Lähmungsausmaß lernen sie z.B., einen Löffel oder eine Gabel zu halten, zum Mund zu führen…

Hilfsmittel und Unterstützung

Spätestens wenn das Gehen nicht mehr möglich und das Umsteigen zwischen Rollstuhl und Bett alltäglich ist, kann eine Aufstehhilfe nützen. Unser Aufstehbett INDREA ermöglicht Aufstehen, Sitzen, Hinlegen und Beine ins Bett heben ohne weitere Hilfe. Zudem kann es Ihre Liegeposition im Bett verändern und man kann darin sehr gut Physiotherapie durchführen. Da die Tetraparese sich bei Menschen völlig verschieden ausprägt, passen wir Pflegebett, Beinanheber oder Wandgalgen genau an Ihre persönlichen Bedürfnisse an.

Oft ist die Sprachfunktion bei Querschnittgelähmten nicht betroffen. Kann der Betroffene die Arme nicht mehr bewegen, kann er keine herkömmliche Computer-Maus oder Tastatur mehr verwenden. In einem solchen Fall kann zum Schreiben von Texten eine Stirnmaus oder eine Augensteuerung zum Einsatz kommen. In Kombination mit geeigneter Software (z.B. Kann jedoch der Betroffene noch seine Hand bewegen, nicht aber eine Taste oder Maustaste herunterdrücken, kann eine Bildschirmtastatur mit Autoklickfunktion verwendet werden. Der Einsatz einer Stirnmaus oder Augensteuerung ist in diesem Fall in der Regel nicht nötig. Zum Drücken einer Maus- oder Keyboard-Taste muß der Gelähmte lediglich die Maus auf den entsprechenden Button (der Bildschirmtastatur) bewegen und dort etwas verweilen. Bei Fragen zu elektronischen Hilfsmitteln bei Querschnittlähmung (z.B. Hilfsmittelnetzwerk-Berater in Ihrer Nähe. Zudem haben Sie die Möglichkeit elektronische Hilfsmittel unverbindlich und kostenfrei auszuprobieren. Dieser Beratungs- und Erprobungsservice ist kostenfrei und kann auch von Verwandten, Bekannten, Pflegern und Ärzten in Anspruch genommen werden.

Betroffenen und Angehörigen ist sehr zu empfehlen, sich beraten zu lassen, für welche Hilfsmittel die Gesetzlichen Krankenkassen die Kosten übernehmen (müssen). Die Unterstützung durch die Fördergemeinschaft der Querschnittsgelähmten in Deutschland e.V. und ggf. die Mitgliedschaft in einer Selbsthilfegruppe sind dafür hilfreich. Ebenfalls hilfreich ist der Austausch der Betroffenen unter sich. Peers der Fördergemeinschaft der Querschnittsgelähmte in Deutschland e.V. (FGQ) unterstützen die Frischbetroffenen in der Klinik und später auch zuhause bei Bedarf. Gerade in Selbsthilfegruppen können „erfahrene“ Querschnittspatienten ihre Tricks weitergeben.

Leben mit Tetraparese

Die Tetraplegie als Form der Querschnittslähmung kann in der Akutphase der Plegie tödlich enden. Ein Leben mit Tetraplegie birgt eine Vielzahl von Einschränkungen und Komplikationen für erkrankte Menschen. Verletzungen der Halswirbelsäule sind oft so gravierend, dass Klient*innen von Hals an abwärts vollständig gelähmt sind. Somit sind diese Personen auf eine umfassende Pflege angewiesen. Ab der Schädigung des vierten Halswirbels (Tetraplegie C4 aufwärts) geht mit der Lähmung der vier betroffenen Gliedmaßen (Arme und Beine) die Lähmung des Zwerchfells einher. Das Zwerchfell, auch Diaphragma genannt, ist ein Muskel, der für die Atmung unerlässlich ist und maßgeblich zur Einatmungsfunktion beiträgt. Für den Fall, dass das Zwerchfell bei erkrankten Personen beeinträchtigt ist, müssen diese dauerhaft beatmet werden. Eine solche Beatmung erfolgt mithilfe der Tracheotomie, invasiv durch eine Trachealkanüle.

Das Leben eines Querschnittgelähmten geht mit einigen Einschränkungen und Begleiterscheinungen einher, die meist lebenslang bestehen: Da Betroffene, vor allem bei Plegien, meist die Beine nicht mehr bewegen können, sind sie im Alltag auf einen Rollstuhl und andere Hilfsmittel angewiesen - zum Beispiel Treppenlifte und Haltegriffe im Badezimmer. Menschen mit Tetraplegie oder Tetraparese können auch ihre Arme nicht mehr oder kaum bewegen und sind im Alltag auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. Die Sensibilität der betroffenen Bereiche geht verloren. Das bedeutet, dass Menschen dort keine Berührungen, Schmerzen und Temperaturen fühlen. Sie spüren auch nicht, wo sich ihre Beine (und gegebenenfalls ihre Arme) gerade befinden. Gelähmte können häufig Darm und Blase nicht selbstständig entleeren. Sie benötigen z.B. einen Blasenkatheter und Maßnahmen zur regelmäßigen Stuhlentleerung. Zudem steigt dadurch das Risiko von Harnwegsinfekten. Teilweise treten Schmerzen auf, zum Beispiel durch Verknöcherungen von Muskeln, Versteifung von Gelenken und Flüssigkeitsansammlungen im Rückenmark. Es besteht eine erhöhte Gefahr für Druckgeschwüre auf der Haut („Wundliegen“).

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