Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die sich durch vielfältige Symptome wie Muskelsteifheit, Zittern und verlangsamte Bewegungen äußert. In Deutschland ist Morbus Parkinson nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Parkinson-Krankheit, von den frühen Anzeichen und Symptomen über die Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten bis hin zu den Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen.
Verlauf von Morbus Parkinson
Der Verlauf der Parkinson-Krankheit ist individuell sehr unterschiedlich. Die Parkinson-Krankheit bleibt häufig über Jahrzehnte unbemerkt, während im Gehirn immer mehr Zellen untergehen. Die deutlichsten Symptome im Verlauf der Erkrankung betreffen das Bewegungssystem, die Motorik. Im Allgemeinen verstärken sich die Parkinson-Symptome über die Zeit, weil nach und nach immer mehr Nervenzellen absterben. Die Symptome können im Laufe des Tages schwanken. Die Parkinson-Diagnose wird meistens durch einen Facharzt gestellt, also einem Neurologen. Der Arzt untersucht den Patienten dafür körperlich und achtet dabei besonders auf Parkinson-Symptome.
Frühphase der Parkinson-Krankheit
Die Parkinson-Krankheit wird auch als »Schüttellähmung« benannt, weil es einerseits zum Schütteln meist der einen mehr als der anderen Hand kommt. Die Parkinson-Krankheit betrifft bestimmte Nervenzellen im Gehirn, vor allem in der sogenannten Schwarzen Substanz (Substantia nigra) im Hirnstamm. In der Frühphase sind die ersten Anzeichen von Parkinson Schlafstörungen, Verstopfungen und Geruchsstörungen. Auch ein fehlendes Mitschwingen des Armes beim Gehen oder eine leisere und monotonere Stimme können erste Symptome von Parkinson sein.
Spezifische Symptome
Als erstes spezifisches Symptom der Parkinson-Krankheit gilt eine REM-Schlafverhaltensstörung. Bei dieser Schlafstörung sprechen beziehungsweise schreien Betroffene oder bewegen sich ruckartig im Traum. Sie können sich oder andere sogar verletzen. Die Symptome der Schlafstörung lassen sich mit Medikamenten lindern.
Ursachenforschung
Bei der Entstehung von Parkinson wird angenommen, dass es zumindest bei einem Teil der Betroffenen zuerst zu einer Veränderung im Darm-Mikrobiom kommt: Die Zusammensetzung der Mikroorganismen aus Bakterien, Viren und Pilzen wird ungünstig verändert. Am Ende gehen die Nervenzellen durch Ablagerung von falsch gefaltetem alpha-Synuklein, einem Protein, zugrunde. Das falsch gefaltete alpha-Synuklein lässt sich sowohl in der Haut als auch im Nervenwasser bereits im frühen Stadium der Erkrankung nachweisen.
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Genetische Faktoren
Es gibt verschiedene Formen der Parkinson-Erkrankung. Nur bei etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle liegen einzelne schädliche Genmutationen vor, die vererbt werden können. Dann spricht man von familiären Parkinson-Formen. Dabei führen einige - aber nicht alle - vererbten monogenen Mutationen zwingend zu einer Parkinson-Erkrankung. Ob darüber hinaus polygenetische Varianten (mehrere Gene betreffend) im Genom auch das allgemeine Risiko für Parkinson erhöhen können, ist Gegenstand der Forschung.
Umwelteinflüsse
Pestizide, Schwermetalle, Lösungsmittel und Feinstaub können sowohl direkt als auch indirekt giftig auf Nervenzellen wirken. Dass Umweltgifte wie Pestizide und organische Lösungsmittel schädlich für die Nerven sein können, ist mittlerweile nicht nur wissenschaftlich, sondern auch behördlich anerkannt: Seit dem Frühjahr 2024 ist Parkinson für Pestizid-Einsetzende Personen in Deutschland auch als Berufserkrankung anerkannt. Besonders gefährdet sind Landwirte, Winzer und andere Anwender. Wer unzureichend geschützt mindestens 100 Anwendungstage mit einem dieser Pestizide im Berufsleben hatte, kann die Parkinson-Erkrankung als Berufskrankheit anerkennen lassen.
Diagnose von Morbus Parkinson
Die Diagnose eines Morbus Parkinson ist bei aller Technisierung der Medizin immer noch an den klinischen Blick des erfahrenen Neurologen gebunden, erst dann gehören bildgebende und selten nuklearmedizinische Verfahren zur Diagnostik. Weiter werden Riechproben, Tests zur Veränderlichkeit der Herzfrequenz und vieles mehr durchgeführt. Auch gibt es parkinsonähnliche Erkrankungen, sog. Parkinson-Plus-Syndrome, bei denen anders behandelt wird, es besteht also dringlicher neurologischer Abklärungsbedarf.
Behandlungsmöglichkeiten bei Parkinson
Parkinson ist derzeit nicht heilbar. Allerdings lassen sich die Beschwerden durch verschiedene Behandlungsmöglichkeiten deutlich lindern. So wird die Lebensqualität verbessert. Die Therapie sollte früh beginnen. Sie besteht immer aus mehreren Bausteinen, um die Mobilität zu erhalten und die Symptome zu lindern. Eine Behandlung mit Medikamenten kann Parkinson-Beschwerden lindern. Wenn die Erkrankung fortschreitet, lässt die Wirkung der Medikamente jedoch nach - und ihre Nebenwirkungen werden belastender. Die medikamentöse Behandlung ist sehr individuell und muss häufig angepasst werden. Die Komplexbehandlung bei Parkinson besteht aus der medikamentösen Therapie, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und der psychologischen Betreuung. Sie zielt auf eine Verbesserung der Bewegungs- und Sprachfähigkeit, sodass die Patienten so lange wie möglich ein weitgehend selbstständiges Leben führen können.
Medikamentöse Therapie
Bei der Parkinson-Krankheit wird im Gehirn zu wenig Dopamin hergestellt - dies ist ein wichtiger Botenstoff. Der Dopaminmangel führt dazu, dass Nervenreize schlechter übertragen werden. In der Folge kommt es zu Bewegungsstörungen und anderen Beschwerden. Parkinson-Medikamente sollen den Dopaminmangel im Gehirn ausgleichen und dadurch die Beschwerden lindern. Die Krankheit heilen können die Mittel jedoch nicht. Durch die Medikamente nehmen die Beschwerden besonders im Frühstadium der Erkrankung deutlich ab. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung wird die Behandlung schwieriger.
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Levodopa (L-Dopa)
L-Dopa ist sehr wirksam und hat kaum Nebenwirkungen. Ärzte verordnen es vor allem bei Menschen ab dem 70. Lebensjahr. Bei jüngeren Betroffenen setzen sie L-Dopa dagegen nur sehr zurückhaltend ein. Der Grund ist, dass die Behandlung mit L-Dopa nach einigen Jahren manchmal Bewegungsstörungen (Dyskinesien) und Wirkungsschwankungen auslöst. L-Dopa ist eine Vorstufe von Dopamin und kommt immer in Kombination mit einem weiteren Wirkstoff zum Einsatz, einem sogenannten Dopa-Decarboxylase-Hemmer (wie Benserazid oder Carbidopa). Dieser zusätzliche Wirkstoff verhindert, dass L-Dopa bereits im Blut in Dopamin umgewandelt wird. Das ist wichtig, da Dopamin - im Gegensatz zu L-Dopa - nicht in der Lage ist, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden und ins Gehirn zu gelangen. Das gilt auch für den Dopa-Decarboxylase-Hemmer. Die Umwandlung von L-Dopa im Gehirn wird dadurch nicht beeinträchtigt.
Dopaminagonisten
Bei Betroffenen, die jünger sind als 70 Jahre, beginnt der Arzt die Parkinson-Therapie meist mit sogenannten non-ergolinen Dopamin-Agonisten. So lässt sich das Auftreten von Bewegungsstörungen verzögern, wie sie durch die längere Anwendung von L-Dopa ausgelöst werden. Dopamin-Agonisten ähneln chemisch dem Botenstoff Dopamin. Sie passieren jedoch problemlos die Blut-Hirn-Schranke und docken an den gleichen Bindungsstellen (Rezeptoren) der Nervenzellen an wie Dopamin. Deshalb entfalten sie auch eine ähnliche Wirkung. Dopamin-Agonisten stehen bei Parkinson zum Beispiel als Tabletten, Wirkstoffpflaster, Spritze oder Infusion zur Verfügung.
MAO-B-Hemmer
MAO-B-Inhibitoren hemmen das Enzym Mono-Amino-Oxidase-B (MAO-B), das normalerweise Dopamin abbaut. Auf diese Weise lässt sich der Dopaminspiegel im Gehirn von Menschen mit der Parkinson-Krankheit erhöhen. MAO-B-Hemmer sind weniger wirksam als Levodopa oder Dopamin-Agonisten. Als alleinige Parkinson-Therapie eignen sie sich deshalb nur bei milden Symptomen (meist im Frühstadium der Erkrankung). Sie lassen sich aber mit anderen Parkinson-Medikamenten (wie L-Dopa) kombinieren.
COMT-Hemmer
COMT-Inhibitoren werden gemeinsam mit L-Dopa verordnet. Auch sie blockieren ein Enzym, das Dopamin abbaut (die sogenannte Catechol-O-Methyl-Transferase = COMT). Auf diese Weise verlängern COMT-Hemmer die Wirkung von Dopamin. Die Wirkstoffe werden vor allem eingesetzt, um Wirkungsschwankungen (Fluktuationen) unter der Therapie mit L-Dopa zu reduzieren. Sie sind also Medikamente für fortgeschrittene Parkinson-Stadien.
NMDA-Antagonisten
Ebenso wie Acetylcholin ist der Botenstoff Glutamat bei Parkinson durch den Dopaminmangel in einem relativen Überschuss vorhanden. Dagegen helfen sogenannte NMDA-Antagonisten. Sie blockieren bestimmte Andockstellen von Glutamat im Gehirn und reduzieren so dessen Wirkung. NMDA-Antagonisten verordnet der Arzt vor allem in frühen Stadien des Parkinson-Syndroms. Der NMDA-Antagonist Amantadin wird am häufigsten bei der Parkinson-Krankheit eingesetzt.
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Pumpen-Therapien
Eine Medikamenten-Pumpe gibt kontinuierlich ein Medikament ab. Diese Pumpen vermeiden Wirkungsschwankungen. Sie sind für Personen geeignet, bei denen die Erkrankung bereits fortgeschritten ist und Tabletten oder Pflaster nicht mehr ausreichend wirken.
Dünndarm-Pumpen (intestinale Pumpen)
Die L-Dopa-Pumpe leitet ein Gel mit den Wirkstoffen Levodopa und Carbidopa (je nach Gel auch noch Entacapon) über einen dünnen Schlauch direkt in den Dünndarm. Dort nimmt der Körper die Stoffe ins Blut auf. Betroffene erhalten das Medikament durchgehend und erreichen sehr gleichmäßige Wirkspiegel in ihrem Blut.
Subkutane Pumpen
Diese Pumpen verabreichen den Wirkstoff direkt unter die Haut (subkutan). Sie werden entweder am Gürtel oder um den Hals getragen. An der Pumpe ist ein kleiner Behälter angebracht, der den Wirkstoff über einen dünnen Schlauch in das Unterhautgewebe am Bauch (oder Oberschenkel) leitet.
Operationen bei Parkinson
Derzeit gibt es zwei unterschiedliche Operationsmethoden, um die Beschwerden bei Parkinson zu lindern.
Ablative Verfahren
Ablative Verfahren sind alle Techniken, bei denen etwas abgetragen, also weggenommen wird. Bei der Parkinson-Krankheit gibt es theoretisch die Möglichkeit, Teile des Gehirns zu entfernen. Dadurch unterbricht man den Schaltkreis für Bewegungen und Bewegungskontrolle und reduziert die Symptome. Die einzige ablative Therapie, die bei der Parkinson-Krankheit empfohlen wird, ist die Pallidotomie.
Tiefe Hirn-Stimulation
Die tiefe Hirn-Stimulation (THS) ist ein chirurgischer Eingriff im Gehirn. Sie wird manchmal beim klassischen Parkinson-Syndrom durchgeführt. Im Rahmen einer Operation werden kleine Elektroden in bestimmte Bereiche im Gehirn eingesetzt. Sie sollen die krankhafte Aktivität der Nervenzellen positiv beeinflussen (entweder stimulieren oder hemmen).
Weitere Therapiemethoden
Damit Menschen mit Parkinson-Syndrom ihre Beweglichkeit, Sprechfähigkeit und Selbstständigkeit im Alltag möglichst lange erhalten können, gibt es weitere Behandlungskonzepte. Die wichtigsten Verfahren sind:
- Krankengymnastik (Physiotherapie)
- Logopädie bei Sprechstörungen
- Ergotherapie
Leben mit Parkinson: Was können Sie selbst tun?
Neben der medizinischen Behandlung trägt das Verhalten der Betroffenen viel zu einer wirksamen Therapie bei:
- Gehen Sie offen mit Ihrer Erkrankung um
- Nehmen Sie an Selbsthilfegruppen teil
- Bewegung und Sport
Lebenserwartung bei Parkinson
Parkinson ist keine akut lebensbedrohliche Erkrankung. Unter guter medikamentöser Therapie haben Betroffene eine in etwa normale Lebenserwartung. Viele werden allerdings innerhalb von 20 Jahren pflegebedürftig. Im Einzelfall können Schluckstörungen oder Stürze auch zu lebensverkürzenden Komplikationen führen. Manchmal kommt es zu einem kognitiven Abbau bis hin zur Demenz. Die Lebenserwartung von Menschen mit Parkinson verkürzt sich durchschnittlich um vier bis elf Jahre. Das gilt vor allem für die sogenannte Parkinson-Krankheit, welche die häufigste Form der Parkinson-Syndrome ist.