Neurochirurgie: Ein umfassender Überblick

Die Neurochirurgie ist ein anspruchsvolles und sich ständig weiterentwickelndes Feld der Medizin, das sich mit der chirurgischen Behandlung von Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems befasst. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Neurochirurgie, einschließlich ihrer Geschichte, Spezialgebiete, Behandlungsmethoden und Zukunftsaussichten.

Geschichte der Neurochirurgie

Die Neurochirurgie hat eine lange und faszinierende Geschichte, die bis in die Antike zurückreicht. Bereits in der Steinzeit wurden Schädelöffnungen, sogenannte Trepanationen, durchgeführt. Diese Eingriffe wurden vermutlich aus rituellen Gründen oder zur Behandlung von Kopfverletzungen durchgeführt. Im antiken Griechenland und Rom wurden bereits erste neurochirurgische Instrumente und Techniken entwickelt.

Im Mittelalter stagnierte die Entwicklung der Neurochirurgie weitgehend. Erst in der Renaissance erlebte sie eine neue Blüte. Anatomen wie Andreas Vesalius trugen mit ihren detaillierten Beschreibungen des Nervensystems wesentlich zum Fortschritt der Neurochirurgie bei.

Im 19. Jahrhundert wurden wichtige Fortschritte in der Anästhesie und Asepsis erzielt, die die Durchführung komplexerer neurochirurgischer Eingriffe ermöglichten. Pioniere wie William Macewen in Schottland wagten sich an die Entfernung von Hirntumoren. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts etablierte sich die Neurochirurgie als eigenständiges Fachgebiet. Harvey Cushing in den USA gilt als einer der Väter der modernen Neurochirurgie. Er entwickelte neue Operationstechniken und Instrumente und trug wesentlich zur Verbesserung der Behandlungsergebnisse bei.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Neurochirurgie einen enormen Aufschwung. Neue bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT) ermöglichten eine präzisere Diagnostik von Erkrankungen des Nervensystems. Die Entwicklung mikrochirurgischer Techniken und neuer Operationsmethoden trug ebenfalls zur Verbesserung der Behandlungsergebnisse bei.

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Joachim Gerlach prägte die Neurochirurgie in der Bundesrepublik Deutschland maßgeblich. Werner Wachsmuth holte ihn 1948 an das Universitätsklinikum Würzburg für neurochirurgische Eingriffe. Gerlach war von 1958 bis 1960 Erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie. 1961 wurde ihm ein Extraordinariat verliehen, das 1968 in ein Ordinariat für Neurochirurgie umgewandelt wurde. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Neurochirurgie in Würzburg zu einem modernen Spezialfach. Anfang der 1970er Jahre wurde die chirurgische Technik mit der Einführung des Operationsmikroskops entscheidend verfeinert.

Spezialgebiete der Neurochirurgie

Die Neurochirurgie ist ein sehr breites Fachgebiet, das sich in verschiedene Spezialgebiete unterteilt. Zu den wichtigsten Spezialgebieten gehören:

  • Vaskuläre Neurochirurgie: Behandlung von Gefäßerkrankungen des Gehirns und Rückenmarks, wie Aneurysmen und arteriovenöse Malformationen. Die Versorgung von Aneurysmen und AV-Malformationen umfasst modernste neurochirurgische und endovaskuläre Behandlungsmöglichkeiten in gemeinsamer Absprache mit der Neuroradiologie vor Ort.
  • Neuroonkologie: Behandlung von Tumoren des Gehirns, Rückenmarks und der peripheren Nerven. In der Hirntumorchirurgie wird eine möglichst radikale Entfernung mit einem hohen Maß an Patientensicherheit angestrebt. Neueste Lokalisations- und Monitoring-Verfahren werden intraoperativ angewandt.
  • Wirbelsäulenchirurgie: Behandlung von Erkrankungen der Wirbelsäule, wie Bandscheibenvorfälle, Spinalkanalstenosen und Wirbelsäulenverletzungen. In der Wirbelsäulenchirurgie bieten wir neben mikrochirurgischen Operationen von Bandscheibenvorfällen weitere Möglichkeiten der Behandlung von degenerativen Erkrankungen der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule mit allen gängigen Stabilisierungsverfahren.
  • Kinderneurochirurgie: Behandlung von neurologischen Erkrankungen bei Kindern, wie Hydrozephalus, Spina bifida und Hirntumoren. Besonderes Interesse widmete Gerlach der Neurochirurgie des Kindesalters. Zusammen mit drei Co-Autoren verfasste er das erste deutsche Lehrbuch für Kinderneurochirurgie.
  • Funktionelle Neurochirurgie: Behandlung von Bewegungsstörungen, Schmerzen und Epilepsie durch gezielte Eingriffe im Gehirn oder Rückenmark.
  • Periphere Nervenchirurgie: Behandlung von Verletzungen und Erkrankungen der peripheren Nerven, wie Karpaltunnelsyndrom und Nerventumoren.
  • Schädelbasischirurgie: Behandlung von Tumoren und anderen Erkrankungen der Schädelbasis. Die Schädelbasis- und Hypophysenchirurgie ist, verstärkt durch die intensive Zusammenarbeit mit der HNO- Klinik, in unserem Haus traditionell stark vertreten.

Behandlungsmethoden in der Neurochirurgie

Die Neurochirurgie verfügt über ein breites Spektrum an Behandlungsmethoden, die je nach Art und Schwere der Erkrankung eingesetzt werden. Zu den wichtigsten Behandlungsmethoden gehören:

  • Mikrochirurgie: Operationen, die mit Hilfe eines Mikroskops durchgeführt werden, um feinste Strukturen des Nervensystems zu schonen. Mit der Einführung des Operationsmikroskops Anfang der 1970er Jahre wurde die chirurgische Technik entscheidend verfeinert.
  • Endoskopische Chirurgie: Operationen, die mit Hilfe eines Endoskops (einer Kamera mit Lichtquelle) durch kleine Hautschnitte durchgeführt werden.
  • Stereotaktische Chirurgie: Operationen, die mit Hilfe eines computergestützten Navigationssystems durchgeführt werden, um eine hohe Präzision bei der Platzierung von Instrumenten im Gehirn zu gewährleisten.
  • Strahlentherapie: Behandlung von Tumoren des Nervensystems mit hochenergetischer Strahlung.
  • Chemotherapie: Behandlung von Tumoren des Nervensystems mit Medikamenten.

Neben diesen etablierten Behandlungsmethoden werden in der Neurochirurgie auch ständig neue Verfahren entwickelt und eingesetzt. Dazu gehören beispielsweise die intraoperative Bildgebung mit mobilen Computertomographen (O-Arm), die eine unmittelbare Kontrolle des Operationsergebnisses ermöglicht. Als eine der wenigen Kliniken in Deutschland verfügen wir über einen hochinnovativen mobilen Computertomographen (O-Arm), der unmittelbar am Operationstisch eingesetzt wird. Auch die Laserchirurgie gewinnt in der Neurochirurgie zunehmend an Bedeutung. Doch die Zukunft gehört offenbar auch in der Neurochirurgie dem Laser. Die Neurochirurgie schließlich trägt die Verantwortung für die Implantation der künstlichen Systeme.

Prof. Dr. Thomas Kapapa: Ein Neurochirurg im Rollstuhl

Professor Thomas Kapapa ist ein bemerkenswerter Neurochirurg, der trotz seiner Gehbehinderung eine beeindruckende Karriere gemacht hat. Seit seiner Kindheit hat er eine Gehbehinderung, die ihn jedoch nicht davon abhält, komplexe neurochirurgische Eingriffe durchzuführen. Er ist ein Vorbild für viele Menschen mit Behinderung und zeigt, dass man mit Engagement und Willenskraft seine Ziele erreichen kann.

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Kapapa wurde in Sambia geboren und flüchtete als Kind mit seinen Eltern nach Deutschland. Er studierte Medizin und spezialisierte sich auf Neurochirurgie. Seit 16 Jahren ist er in Ulm tätig und hat sich dort einen Namen als Experte für komplizierte Fälle gemacht.

Sein Spezialgebiet sind die komplizierten Fälle: „Ich schätze es, immer wieder an meine Grenzen zu kommen. Wenn ich über Stunden und Tage eine Lösung für einen schwierigen Befund entwickle und während der OP dann sehe: ,Okay, der Plan geht auf. Das funktioniert hier.‘" Er ist leitender Oberarzt und kann sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorstellen, aus der direkten Patientenversorgung auszusteigen: „Ich möchte meine Abteilung weiterentwickeln, damit wir ein größeres Spektrum bekommen, mehr Leute ausbilden und wissenschaftlich vorankommen. Wir sehen seit Jahrzehnten Probleme, für die wir einfach noch keine richtige Lösung haben. Das gilt auch für meine Spezialgebiete wie die Subarachnoidalblutung und die Schlaganfallforschung."

Kapapa engagiert sich auch in der Ausbildung von Ärzten in Malawi. 2018 rief er das Malawi-Projekt ins Leben, um vor Ort Ärzte, Pflegende und Physiotherapeuten auszubilden. „Noch vor kurzem gab es dort einen Neurochirurgen für 19 Millionen Einwohner, inzwischen sind es drei“, informiert er und beschreibt die Situation: „Über die Hälfte der Bevölkerung ist unter 25 Jahre. Die Gesellschaft ist daher viel mobiler, wodurch es zu vielen Verletzungen kommt. Schädel-Hirn- und Wirbelsäulentraumen sind die großen Themen. Da es so viele Kinder gibt, sind auch Erkrankungen wie Hydrocephalus und Meningitis häufig."

Die Praxis für Neurochirurgie am Promenadeplatz

Die Praxis für Neurochirurgie am Promenadeplatz in München bietet ein breites Spektrum an neurochirurgischen Leistungen an. Zum Januar 2020 habe ich die renommierte Praxis von Herrn Privatdozent Dr. Andreas Frank übernommen. Als mein Mentor hat er mich in den ersten beiden Jahren meiner Selbständigkeit begleitet. Ende 2021 ist er in den wohlverdienten Ruhestand gegangen. Mein Anspruch: Ihnen durch innovative Behandlungskonzepte selbst in komplexen oder scheinbar ausweglosen Situationen nachhaltig zu helfen.

Besonders wichtig für eine exakte Diagnose: Ich nehme mir für Sie Zeit. Ein ausführliches Anamnesegespräch und sorgfältige klinische und bildgebende Untersuchungen ermöglichen mir, den Auslöser für Ihre Beschwerden zu finden. Um diese effektiv zu lindern, erstelle ich für Sie ein individuelles Behandlungskonzept. Sind konservative Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft oder gilt es, aufgrund schwerer Symptome - wie Lähmung, Taubheit, neurologische Defizite oder immobilisierende Schmerzen - rasch zu handeln, greife ich auf moderne, minimal-invasive Verfahren zurück. Operativ stehen mir hierfür alle Möglichkeiten in der Arabellaklinik zur Verfügung.

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Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg: Ihre aktive Mitarbeit. Mit gezielten Übungen können Sie selbst viel dazu beitragen, Ihr Wohlbefinden, sowie den Erfolg der Behandlung dauerhaft zu verbessern.

Die Zukunft der Neurochirurgie

Die Neurochirurgie steht vor großen Herausforderungen und Chancen. Die alternde Bevölkerung und die Zunahme neurologischer Erkrankungen werden den Bedarf an neurochirurgischen Leistungen in Zukunft erhöhen. Gleichzeitig werden neue Technologien und Behandlungsmethoden die Möglichkeiten der Neurochirurgie erweitern.

Zu den wichtigsten Zukunftstrends in der Neurochirurgie gehören:

  • Robotische Chirurgie: Roboterassistierte Operationen ermöglichen eine noch präzisere und schonendere Durchführung neurochirurgischer Eingriffe.
  • Gentherapie: Die Gentherapie bietet neue Möglichkeiten zur Behandlung von genetisch bedingten neurologischen Erkrankungen.
  • Neurostimulation: Die Neurostimulation wird zur Behandlung von chronischen Schmerzen, Bewegungsstörungen und Depressionen eingesetzt.
  • Künstliche Intelligenz: Künstliche Intelligenz kann bei der Diagnose und Behandlungsplanung neurologischer Erkrankungen helfen.

Die Neurochirurgie wird sich in den kommenden Jahren weiterentwickeln und neue Möglichkeiten zur Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems eröffnen. Es bleibt wichtig, den akademischen Nachwuchs der Neurochirurgie zu fördern und eine größere Bedeutung für die Neurochirurgie zu schaffen. Das, was den Patienten am Ehesten zugutekommt, ist die Entwicklung in der Funktionslokalisierung des Gehirns und der Vermeidung von Komplikationen in den Operationen.

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