Das Glioblastom, kurz GBM, ist der häufigste und aggressivste Hirntumor bei Erwachsenen. Die Diagnose eines Glioblastoms stellt Betroffene und ihre Angehörigen vor große Herausforderungen. Neben der Auseinandersetzung mit der Erkrankung selbst, spielen auch finanzielle Aspekte eine wichtige Rolle. Die Kosten für die Behandlung eines Glioblastoms können erheblich sein und hängen von verschiedenen Faktoren ab.
Faktoren, die die Behandlungskosten beeinflussen
Die Kosten für eine Glioblastom-Behandlung sind von Patient zu Patient unterschiedlich und werden von einer Reihe von Faktoren beeinflusst:
- Art der Behandlung: Die Wahl der Behandlungsmethoden (Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie, Tumortherapiefelder) hat einen wesentlichen Einfluss auf die Gesamtkosten.
- Klinik und Arzt: Die Gebührensätze für ärztliche Leistungen können je nach Klinik, Chefarztbehandlung und behandelndem Professor variieren. Selbstzahler müssen hierbei mit dem 2,3- bis 3,5-fachen Satz der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) rechnen, in manchen Fällen sogar mit dem 5- bis 6-fachen Satz.
- Individueller Krankheitsverlauf: Unvorhersehbare Komplikationen oder ein längerer Krankenhausaufenthalt als geplant können die Kosten in die Höhe treiben.
- Begleitende Maßnahmen: Unterkunft, Fahrtkosten und Begleitung während der Behandlung sowie eine mögliche Nachbehandlung beim Hausarzt sind zusätzliche Kostenfaktoren.
Geschätzte Kostenbereiche
Es ist schwierig, pauschale Aussagen über die Kosten einer Glioblastom-Behandlung zu treffen. Dennoch lassen sich grobe Schätzungen für einzelne Bereiche geben:
- Operation: Eine Operation zur Entfernung des Tumors kann im "Standardfall" mindestens 10.000 € kosten. Kompliziertere Eingriffe oder längere Aufenthalte können die Kosten leicht auf 20.000 € oder mehr erhöhen.
- Chemotherapie und Strahlentherapie: Nach der Operation ist in der Regel eine kombinierte Chemo- und Strahlentherapie erforderlich. Die Kosten hierfür variieren je nach Art der Medikamente und der Bestrahlungstechnik.
- Tumortherapiefelder (TTF): Die Behandlung mit TTF ist eine relativ neue Therapieoption, bei der elektrische Wechselfelder das Wachstum der Tumorzellen hemmen sollen. Die Kosten für diese Therapie werden unter bestimmten Voraussetzungen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
- Weitere Therapien und Medikamente: Immuntherapien und andere innovative Behandlungsansätze können im Rahmen von Studien in neuroonkologischen Zentren eingesetzt werden. Die Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist hierbei jedoch nicht immer gewährleistet. Medikamente zur Linderung von Symptomen wie epileptische Anfälle oder Hirnschwellungen (Kortison) sind ebenfalls zu berücksichtigen.
Behandlungsmethoden beim Glioblastom
Die Behandlung eines Glioblastoms erfordert einen multidisziplinären Ansatz, der verschiedene Therapieformen kombiniert:
- Operation: Ziel der Operation ist es, den Tumor so vollständig wie möglich zu entfernen, ohne dabei wichtige neurologische Funktionen zu beeinträchtigen. Da sich Glioblastomzellen diffus im Gehirn ausbreiten, ist eine vollständige Entfernung jedoch meist nicht möglich.
- Strahlentherapie: Im Anschluss an die Operation erfolgt in der Regel eine Strahlentherapie, um verbliebene Tumorzellen zu zerstören.
- Chemotherapie: Die Chemotherapie mit Temozolomid ist ein wichtiger Bestandteil der Standardbehandlung. Das Medikament hemmt die Vermehrung der Tumorzellen.
- Tumortherapiefelder (TTF): Bei der TTF-Therapie werden elektrische Wechselfelder auf die Kopfhaut appliziert, um das Wachstum der Tumorzellen zu stören. Diese Therapie kann in Kombination mit der Chemotherapie eingesetzt werden.
- Weitere Therapieansätze: In bestimmten Fällen können auch Immuntherapien, gezielte Therapien oder andere innovative Ansätze in Betracht gezogen werden.
Tumortherapiefelder (TTF) im Detail
Die Behandlung mit Tumortherapiefeldern (TTF), auch bekannt als Tumor Treating Fields (TTFields), ist eine innovative Methode zur Behandlung von Glioblastomen. Hierbei werden über Elektroden auf der Kopfhaut elektrische Wechselfelder erzeugt, die das Wachstum der Tumorzellen stören sollen.
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Wie funktionieren TTFields?
Die elektrischen Wechselfelder beeinflussen die Orientierung von geladenen Proteinen und Molekülen in den Zellen, insbesondere während der Zellteilung (Mitose). Dadurch wird die Ausbildung des Spindelapparates gestört und der reguläre Ablauf der Zellteilung behindert. Darüber hinaus werden weitere Effekte diskutiert, wie eine veränderte Zellpermeabilität, immunologische Prozesse, eine gestörte DNA-Reparatur und eine eingeschränkte Zellmigration.
Anwendung der TTF-Therapie
Die TTF-Therapie wird bei Patienten mit neu diagnostiziertem Glioblastom eingesetzt, nachdem der Tumor möglichst vollständig entfernt wurde und eine Radiochemotherapie abgeschlossen ist. Die Behandlung erfolgt in der sogenannten Erhaltungsphase zusätzlich zur Standardtherapie mit Temozolomid.
Für die Therapie werden sogenannte Transducer Arrays, das sind Haftpflaster mit keramikisolierten Elektroden, auf die rasierte Kopfhaut geklebt. Die optimale Position wird vorher berechnet. Die Arrays sind über einen Konnektor und ein Anschlusskabel mit einem tragbaren Wechselfeldgenerator verbunden. Der Patient kann sich frei bewegen, muss aber die Arrays und den Feldgenerator (ca. 1,2 kg) ständig bei sich tragen. Die Therapie soll kontinuierlich erfolgen, mindestens aber 18 Stunden täglich.
Kostenübernahme und Voraussetzungen
Die Kosten für die TTF-Therapie werden in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Zu den Voraussetzungen gehören:
- Eine möglichst vollständige Entfernung oder Biopsie des Tumors
- Abschluss einer Radiochemotherapie ohne frühe Krankheitsprogression
- Eine Therapieempfehlung einer interdisziplinären Tumorkonferenz
Nebenwirkungen und Belastungen
Die häufigste Nebenwirkung der TTF-Therapie sind lokale Hautreizungen. Schwerwiegende Nebenwirkungen sind selten. Die Dauer der Therapie und die Begleitumstände können für die Patienten jedoch belastend sein.
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Diagnose des Glioblastoms
Die Diagnose eines Glioblastoms umfasst in der Regel mehrere Schritte:
- Neurologische Untersuchung: Der Arzt prüft verschiedene neurologische Funktionen wie Sehen, Hören, Koordination und Reflexe.
- Bildgebende Verfahren: Mittels Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) kann der Tumor sichtbar gemacht werden.
- Biopsie oder Operation: Eine Gewebeprobe (Biopsie) oder die operative Entfernung des Tumors ermöglicht eine mikroskopische Untersuchung des Gewebes, um die Diagnose zu bestätigen und den Tumortyp zu bestimmen.
- Neuropathologische Untersuchung: Die Neuropathologie spielt eine zentrale Rolle bei der Diagnosestellung. Hierbei werden histologische Gewebeschnitte und molekulare Diagnostik eingesetzt, um den Tumor genau zu charakterisieren.
Leben mit einem Glioblastom
Die Diagnose eines Glioblastoms hat erhebliche Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Neben der medizinischen Behandlung sind auch psychosoziale Unterstützung und eine palliative Versorgung wichtig, um die Lebensqualität so gut wie möglich zu erhalten.
- Psychoonkologie: Eine psychoonkologische Betreuung kann helfen, mit den emotionalen Belastungen der Erkrankung umzugehen.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann eine wertvolle Unterstützung sein.
- Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV): Für Menschen mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen bietet die SAPV eine umfassende Versorgung zu Hause, um Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
- Rehabilitation: Eine Rehabilitation kann helfen, verloren gegangene Funktionen wiederzuerlangen und die Selbstständigkeit zu fördern.
Klinische Studien
In vielen neuroonkologischen Zentren werden klinische Studien angeboten, in denen Patienten unter bestimmten Voraussetzungen Zugang zu innovativen Behandlungsverfahren erhalten können. Die Teilnahme an einer Studie kann die Chance auf eine Verbesserung des Krankheitsverlaufs und der Lebensqualität bieten.
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