Schlaganfallbehandlung im Krankenhaus: Ein umfassender Leitfaden

Ein Schlaganfall kann jeden treffen und ist eine plötzliche Durchblutungsstörung des Gehirns. Unverzügliche Maßnahmen sind entscheidend, um Hirnschäden, Tod oder Folgeschäden zu verhindern. Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache und die Hauptursache für Behinderungen bei Erwachsenen.

Was ist ein Schlaganfall?

Ein Schlaganfall entsteht, wenn die Blutgefäße im Gehirn plötzlich verstopfen oder platzen. Dies führt zu einem Sauerstoffmangel, der die Hirnfunktionen beeinträchtigt und innerhalb von Minuten zum Absterben von Hirngewebe führt.

Der Fall von Herrn A.

Herr A., 56, erlebte vor seinem Schlaganfall ein Kribbeln im Arm und Bein. Da die Symptome verschwanden, suchte er keine sofortige medizinische Hilfe. Am Abend bemerkte er, dass er seinen linken Arm und sein Bein nicht richtig bewegen konnte, kam aber zu spät in die Klinik.

Symptome und Anzeichen eines Schlaganfalls

Die Symptome eines Schlaganfalls können sich allmählich aufbauen oder zwischenzeitlich bessern. Zu den typischen Symptomen gehören:

  • Taubheitsgefühle
  • Sprachstörungen
  • Bewegungsstörungen
  • Einseitige Lähmungen
  • Sehstörungen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Koordinationsverlust
  • Akute Bewusstseinsstörung

Wichtig: Auch bei einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA) können Schlaganfallsymptome auftreten, die aber schnell wieder verschwinden. Eine TIA ist ein Warnsignal und sollte ernst genommen werden.

Lesen Sie auch: Neuronale Kommunikation durch Synapsen

Der FAST-Test

Der FAST-Test (Face, Arms, Speech, Time) hilft, einen Schlaganfall zu erkennen:

  • Face: Bitten Sie die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab?
  • Arms: Bitten Sie die Person, beide Arme nach vorne zu strecken und die Handflächen nach oben zu drehen. Kann die Person beide Arme gleichmäßig heben?
  • Speech: Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen. Ist die Sprache verwaschen oder unverständlich?
  • Time: Wenn eines dieser Symptome auftritt, wählen Sie sofort den Notruf 112.

Sofortmaßnahmen bei Verdacht auf Schlaganfall

  1. Notruf wählen (112): Zögern Sie nicht, den Rettungsdienst zu rufen.
  2. Betroffenen nicht allein lassen: Bleiben Sie bei der Person und beruhigen Sie sie.
  3. Enge Kleidung lockern: Dies erleichtert die Atmung.

Merke: "Zeit ist Gehirn" - jede Minute zählt!

Behandlung im Krankenhaus

Schlaganfallpatienten werden auf spezialisierten Schlaganfallstationen (Stroke Units) behandelt. Dort arbeiten Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten eng zusammen.

Diagnostik

In der Notaufnahme werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt:

  • Neurologische Untersuchung: Beurteilung der Hirnfunktionen.
  • Blutentnahme und EKG: Überprüfung der Vitalfunktionen und Ausschluss anderer Ursachen.
  • Bildgebung des Gehirns (CT oder MRT): Feststellung, ob es sich um einen Hirninfarkt oder eine Hirnblutung handelt.

Akuttherapie

Ziel der Akuttherapie ist es, die Durchblutung des Gehirns so schnell wie möglich wiederherzustellen.

Lesen Sie auch: Serotonin: Ein Schlüsselregulator im Gehirn

  • Thrombolyse: Medikamentöse Auflösung des Blutgerinnsels. Diese Therapie ist nur innerhalb von 4,5 Stunden nach Symptombeginn möglich.
  • Thrombektomie: Mechanische Entfernung des Blutgerinnsels mit einem Katheter. Dieses Verfahren kommt bei größeren Gerinnseln in Frage.

Weitere Maßnahmen auf der Stroke Unit

  • Überwachung der Vitalfunktionen: Atmung, Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Körpertemperatur und Blutzuckerspiegel werden kontinuierlich überwacht.
  • Frühmobilisation: Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden beginnen frühzeitig mit der Therapie, um die Reparaturvorgänge im Gehirn zu fördern.
  • Ursachenforschung: Suche nach den Ursachen des Schlaganfalls, um einen weiteren Schlaganfall zu verhindern.
  • Behandlung von Risikofaktoren: Einstellung von Blutdruck und Blutzucker.
  • Sekundärprävention: Medikamente zur Verhinderung von Blutgerinnseln.
  • Aufklärung: Patienten und Angehörige werden umfassend über den Schlaganfall aufgeklärt.

Schlaganfall-Zentren (Stroke Units)

In Deutschland gibt es ein Netz von Schlaganfall-Zentren (Stroke Units), die auf die schnelle und umfassende Behandlung akuter Schlaganfälle spezialisiert sind. Diese Zentren sind personell und ausstattungstechnisch optimal auf die Versorgung von Schlaganfallpatienten vorbereitet.

Rehabilitation nach dem Schlaganfall

Nach der Akutbehandlung schließt sich eine Rehabilitationsbehandlung an, um die Selbstheilungskräfte des Gehirns zu aktivieren und die Bewegungs- und Sprechfähigkeit wiederherzustellen.

Maßnahmen der Rehabilitation

  • Physiotherapie: Wiederherstellung der Bewegungsfähigkeit.
  • Ergotherapie: Verbesserung der Alltagskompetenzen.
  • Logopädie: Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen.
  • Neuropsychologie: Behandlung von kognitiven Beeinträchtigungen.

Ziele der Rehabilitation

  • Minderung der Pflegebedürftigkeit
  • Erhalt der Erwerbsfähigkeit
  • Verbesserung der Lebensqualität

Berufliche Wiedereingliederung

Schlaganfall-Betroffene im berufstätigen Alter haben Anspruch auf eine stufenweise Wiedereingliederung in den Beruf.

Pflegeversicherung

Bei bleibenden Einschränkungen kann ein Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung gestellt werden.

Langfristige Perspektiven

Die langfristigen Auswirkungen eines Schlaganfalls sind individuell verschieden und hängen davon ab, welche Hirnareale geschädigt sind.

Lesen Sie auch: Puzzeln: Ein mentaler Booster

Mögliche Folgen

  • Halbseitige Lähmungen
  • Verkrampfungen von Armen und Beinen
  • Gestörte Motorik
  • Schluck-, Seh- und Sprachstörungen
  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen
  • Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen oder Angststörungen

Wichtige Maßnahmen nach der Reha

  • Regelmäßige Übungen und Trainingsmaßnahmen
  • Anpassung des Lebensstils
  • Unterstützung durch Angehörige und Freunde

Prävention

Einem Schlaganfall kann bis zu einem gewissen Grad durch eine gesunde Lebensweise vorgebeugt werden:

  • Gesunde Ernährung (z.B. mediterrane Ernährung)
  • Regelmäßige Bewegung
  • Normalgewicht halten
  • Nicht rauchen
  • Blutdruck und Blutzucker kontrollieren

tags: #was #macht #man #bei #einem #schlaganfall