Schlaganfall: Unbehandelte Folgen, Risiken und Therapieansätze

Ein Schlaganfall ist eine plötzlich auftretende Störung der Gehirnfunktionen, die durch eine Durchblutungsstörung oder eine Hirnblutung verursacht wird. Typische Anzeichen sind Sprech-, Seh- und Lähmungserscheinungen. Die rasche Behandlung ist entscheidend, um dauerhafte neurologische und körperliche Beeinträchtigungen zu minimieren. Was passiert, wenn ein Schlaganfall unbehandelt bleibt? Welche Risikofaktoren gibt es und wie sehen die Therapieansätze aus? Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Aspekte.

Was passiert bei einem unbehandelten Schlaganfall?

Ein unbehandelter Schlaganfall kann tödlich verlaufen oder schwerste Schäden im Gehirn verursachen. Je länger ein Schlaganfall unbehandelt bleibt, desto gravierender sind die Folgen. Dazu gehören dauerhafte Lähmungen, neurologische Ausfallerscheinungen, Sprachschwierigkeiten und Verständnisstörungen. Ein selbstständiges Leben ist oft nicht mehr möglich, und es besteht das Risiko, dass die Betroffenen dauerhaft pflegebedürftig und auf Hilfsmittel wie einen Rollstuhl angewiesen sind.

Die Nervenzellen des Gehirns sind auf eine ununterbrochene Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen angewiesen. Einen totalen Sauerstoffmangel können sie nur kurze Zeit (zirka 3 bis 5 Minuten) überleben. Bleibt ein Schlaganfall gänzlich unbehandelt, verliert das Gehirn so viele Zellen wie sonst im Laufe von 36 Jahren.

Erste Hilfe bei Verdacht auf Schlaganfall

Plötzlich auftretende Seh- und Sprechstörungen, Schwindel, Lähmungen und Taubheitsgefühle auf einer Körperseite können Symptome eines Schlaganfalls sein. Wann immer Anzeichen für einen Schlaganfall bestehen, muss sofort gehandelt werden. Auch wenn die Symptome nur vorübergehend sind, unbedingt den Notruf wählen.

Sofort handeln und behandeln:

  1. Die Notruf-Nummer 112 wählen und die Symptome schildern.
  2. FAST-Test machen.
  3. Erste Hilfe leisten.

Bis zum Eintreffen der Rettungskräfte bei der betroffenen Person bleiben. Selbst Ruhe bewahren und die betroffene Person beruhigen. Signalisieren, dass Hilfe unterwegs ist.

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Wenn man bei sich selbst Anzeichen feststellt und noch in der Lage ist zu reagieren, sofort selbst die Notruf-Nummer wählen bzw. Menschen in der Nähe auf den Verdacht eines Schlaganfalls aufmerksam machen. Besser ein Fehl-Alarm zu viel als die Gefahr eines unbehandelten Schlaganfalls!

FAST-Test:

Wenn man sich nicht sicher ist, ob es sich um einen Schlaganfall handelt, mache den FAST-Test.

Erste Hilfe leisten:

Bis die Notärztin / der Notarzt eintrifft, sollte man folgendermaßen Erste Hilfe leisten:

  • Wenn die betroffene Person bei Bewusstsein ist, den Oberkörper etwas hochlagern.
  • Wenn die betroffene Person bewusstlos ist, diese in eine stabile Seitenlage bringen. In diesem Fall den Oberkörper nicht hochlegen.
  • Bei Bedarf beengende Kleidung lockern.
  • Fenster öffnen.
  • Aufgrund möglicher Schluckstörungen nichts zu trinken, zu essen oder Medikamente geben.
  • Atmung und Puls überwachen.
  • Bei Herz- und Atemstillstand mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen.
  • Sollte der Notfall draußen passieren, eventuell andere Menschen um Hilfe bitten. Es sollte sich aber niemand über die betroffene Person beugen (Atemnot!).

Akuttherapie nach einem Schlaganfall

Bestätigt sich der Verdacht, wird die Notärztin/der Notarzt das Krankenhaus informieren, um dort idealerweise in einer auf Schlaganfall-Patientinnen und -Patienten spezialisierte Abteilung (Stroke Unit) sofort die erforderlichen Untersuchungen durchzuführen.

Die Diagnostik basiert auf einer neurologischen Untersuchung mithilfe von CT- oder MRT-Befunden des Kopfes. Hier lässt sich erkennen, ob eine Hirnblutung oder ein Hirninfarkt vorliegt. Zudem erfolgt eine Untersuchung der Funktions- und Leistungsfähigkeit des Herzens sowie eine Blutuntersuchung.

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Der Diagnose entsprechend werden dann die Apoplex-Behandlungen - von der Akuttherapie über die frühe Rehabilitation bis hin zu sozialdienstlichen Leistungen - abgeleitet. Es geht zudem darum, das Risiko eines erneuten Schlaganfalls zu minimieren.

Akute Behandlung bei einem Hirninfarkt (Ischämischer Schlaganfall)

Bei einem Hirninfarkt verstopft ein Thrombus (Blutgerinnsel) das Gefäß, durch das das Gehirn mit Blut versorgt wird. Das dahinter liegende Gehirn bekommt nicht genug Sauerstoff. Durch die Minderversorgung können Gehirnzellen absterben.

Das Wichtigste bei einer Hirninfarkt-Behandlung ist, die Durchblutung des betroffenen Gehirnbereichs so schnell wie möglich wiederherzustellen. Dazu gibt es zwei Schlaganfall-Behandlungsmöglichkeiten:

  • Bei der Thrombolyse wird das Blutgerinnsel durch Einbringung eines Medikamentes in das verstopfte Blutgefäß aufgelöst.
  • Bei größeren Blutgerinnseln wird dieses durch einen Katheter operativ entfernt (Thrombektomie).

Nach einem ischämischen Schlaganfall erfolgt zudem in der Regel eine Behandlung durch blutverdünnende Medikamente.

Akute Behandlung bei einer Hirnblutung (Hämorrhagischer Schlaganfall)

Bei einem hämorrhagischen Schlaganfall kommt es zu einer Einblutung in das Gehirngewebe. Dadurch können Nervenzellen zerstört werden. Es gilt, die Blutung so schnell wie möglich zu stoppen, um Schäden durch das austretende Blut zu vermeiden. Um das Blut aus der Hirnstruktur zu entfernen und den Druck zu verringern, muss je nach Art und Ort der Blutung möglicherweise am offenen Gehirn operiert werden.

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Behandlung bei einem leichten oder stummen Schlaganfall

Bei einem leichten Schlaganfall sind die Symptome ähnlich wie bei einem schweren Schlaganfall, sie sind aber in der Regel nur vorübergehend. Trotzdem sollte die Patientin / der Patient untersucht und beobachtet werden, da bei einer kurzen Durchblutungsstörung des Gehirns das Risiko eines erneuten und schweren Schlaganfalls besteht.

In der Regel verläuft die Genesung schnell und es bleiben keine Folgeschäden, sodass nach einem leichten Schlaganfall (Mini-Schlaganfall) keine spezielle Behandlung erfolgen muss. Ob sich der Lebensstil ändern sollte, um Schlaganfall-Risikofaktoren (Bluthochdruck, Rauchen, Alkohol, ungesunde Ernährung, Übergewicht, Stress und zu wenig Bewegung) auszuschließen, wird die Ärztin / der Arzt empfehlen.

Stummer Schlaganfall bedeutet, dass keine typischen Symptome verspürt werden oder diese im Schlaf auftauchen. Tritt der Schlaganfall in einem Gehirnbereich auf, der nicht für die Sprache oder die Bewegung „zuständig“ ist, gibt es auch keine typischen Schlaganfall-Anzeichen wie Taubheitsgefühle, Seh- und Sprachstörungen, Schwindel oder starke Kopfschmerzen. Stumme Hirninfarkte können Gedächtnis- oder Gangstörungen zur Folge haben und sind oft Vorboten eines Schlaganfalls. Ein stummer Schlaganfall kann nur im CT/MRT nachgewiesen werden und dementsprechend dann behandelt werden.

Reha und Behandlungsmöglichkeiten nach einem Schlaganfall

Bereits im Krankenhaus wird mit neurologischen Rehabilitationsmaßnahmen begonnen, damit die möglichen Folgen eines Schlaganfalls minimiert werden können. Ziele sind die Wiederherstellung verlorengegangener Funktionen, eine Anpassung an die Situation und eine Umstellung des Lebensstils. Ab Tag eins beginnt in der Stroke Unit die Früh-Reha entsprechend der Situation der / des Betroffenen.

Der Aufenthalt im Krankenhaus ist in der Regel kurz, sodass im Anschluss die Reha-Maßnahmen übergangslos fortgesetzt werden müssen. Diese können zuhause, in nahgelegenen Therapiepraxen oder in stationären geriatrischen oder neurologischen Reha-Kliniken erfolgen.

Folgende Behandlungsmöglichkeiten gibt es nach einem Hirninfarkt:

  • Logopädie bei Sprech- und Sprachstörungen
  • Ergotherapie zur Wiederherstellung der Eigenständigkeit (Motorik, Gedächtnis- und Konzentrationstraining, Alltagsbewältigung etc.)
  • Physiotherapie/Krankengymnastik bei Lähmungserscheinungen (Bewegungstherapie, Massagen, Wärmetherapie, Elektrostimulation)
  • Neuropsychologie bei kognitiven Störungen
  • Psychotherapie
  • Hilfsmittel-Verordnungen

Hilfsmittel für die Schlaganfall-Behandlung

Lähmungen auf einer Körperseite (Hemiparese) gehören zu den häufigsten Folgen eines Schlaganfalls. Die Lähmungen an Arm und Bein oder auch im Gesicht können sich vorübergehend oder dauerhaft auswirken. Spezielle Physio- und Ergotherapie bei Schlaganfall, Bewegungstraining sowie eine Gangrehabilitation können dazu beitragen, dass das Gehirn wieder lernt, die Gliedmaßen zu kontrollieren.

Auch orthopädische Hilfsmittel können die Rückkehr zu Bewegung und Aktivitäten und das Gehtraining unterstützen. Eine gute Anlaufstelle für die Beratung zu orthopädischen Hilfsmitteln ist das Sanitätshaus vor Ort.

Hilfsmittel für die körperliche Rehabilitation nach einem Schlaganfall:

  • Gehhilfe
  • Rollstuhl
  • Rollator
  • Dreirad
  • Liegerad
  • Hilfsmittel mit funktioneller Elektrostimulation (FES). Hierbei ersetzt ein elektrischer Impuls das fehlende Nervensignal.
  • Orthopädische Hilfsmittel/Orthesen

Eine häufige Begleiterkrankung ist die Fußheberschwäche. Das zentrale Nervensystem ist nicht mehr in der Lage, aktivierende Nervenimpulse an die Muskulatur zu senden und der Fuß kann nicht nach oben gezogen werden. Dadurch kommt es zu einem unsicheren Gang und zu Stürzen. Hierfür gibt es spezielle Fußheberorthesen.

Im Idealfall kommt die / der Betroffene nach Hause und es folgt eine Langzeittherapie mit entsprechenden Rehabilitationsmaßnahmen, Anschlussbehandlungen und einem angepassten Lebensstil.

Ab hier übernimmt die Hausärztin / der Hausarzt die weitere Apoplex-Therapie und die entsprechenden Verordnungen (Rezepte) zum Beispiel für physiotherapeutisches, neurologisches und logopädisches Training für die Rückkehr in die Selbständigkeit. Bei schwerwiegenden Folgen kann eine Übergangspflege oder Langzeitpflege in einer Pflegeeinrichtung erforderlich sein.

Spastiken als Folge eines Schlaganfalls

Nach einem Schlaganfall muss sich das geschädigte Gehirn neu orientieren. Dabei können Spastiken entstehen, die sich allerdings oft erst Wochen oder Monate später entwickeln. Spastiken sind schmerzhaft und schränken die Beweglichkeit massiv ein. Als Folge der verkrampften und schmerzenden Muskulatur wird die Beweglichkeit der Betroffenen eingeschränkt; unbehandelt kann sich die Muskulatur dauerhaft verkürzen. Dies kann zu versteiften Gelenken und unnatürlichen Körperhaltungen führen, was Bewegungen für die Betroffenen sehr anstrengend und schmerzhaft macht.

Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe weist darauf hin, dass Spastiken gut behandelbar seien.

Risikofaktoren und Prävention

Die Hauptrisikofaktoren für einen Schlaganfall sind Bluthochdruck und das sogenannte Vorhofflimmern. Andere Schlaganfall-Risikofaktoren, die weniger stark, aber dennoch relevant sind, sind Diabetes, Rauchen, Bewegungsmangel und Fettstoffwechselstörung. Das Risiko für einen Schlaganfall steigt mit dem Alter an.

Die besten Tipps zur Prävention eines Schlaganfalls sind letztendlich immer die Vermeidung von Risikofaktoren. Das heißt: Maßnahmen, die effektiv einem Bluthochdruck, Übergewicht, Bewegungsmangel und letzten Endes auch Diabetes vorbeugen und verhindern. Dazu gehört im ersten Schritt, dass man sich vernünftig ernährt, das heißt eine balancierte, ausgewogene zum Beispiel mediterrane Diät zu sich führt. Also überwiegend Gemüse, nicht zu viel Fleisch, nicht zu viel Alkohol. Alkohol ist zwar nicht komplett verboten, aber nur in sehr geringen Mengen. Und natürlich ist ausreichende Bewegung sehr wichtig. 20 bis 30 Minuten Bewegung pro Tag, bei der man leicht schwitzt, ist ideal. Und wenn Risikofaktoren wie Diabetes oder Bluthochdruck vorliegen, sollte man die natürlich auch behandeln.

Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe hat einen Online-Risikotest entwickelt. Hier können Interessierte kostenlos in bis zu 15 Minuten erfahren, wie wahrscheinlich ein Schlaganfall ist. Das Profil wird mithilfe medizinisch-wissenschaftlicher Grundlagen ermittelt.

Schlaganfall erkennen: Der FAST-Test

Erkennen lässt sich ein Schlaganfall mit dem FAST-Test. Die Abkürzung steht für Face, Arms, Speech und Time.

  • Face (Gesicht): Ist das Gesicht asymmetrisch oder hängen die Mundwinkel? Das kann auf eine Halbseitenlähmung hinweisen.
  • Arms (Arme): Die Arme nach vorn auf Schulterhöhe heben und die Handflächen nach oben drehen: Hat er/sie Probleme damit? Das kann auf Lähmungen oder Muskelschwäche hinweisen.
  • Speech (Sprache): Einen einfachen Satz nachsprechen: Klappt das nur mit Fehlern und klingt die Stimme verwaschen? Es kann eine Sprachstörung vorliegen.
  • Time (Zeit): Bei diesen Beschwerden muss sofort der Notruf gewählt werden - denn bei einem Schlaganfall geht es immer um „Time“, also Zeit.

Forschung und Ausblick

Ein Bereich der Forschung dreht sich aktuell um die Verbesserung der Akuttherapie. Da haben wir ja mit der Thrombektomie eine sensationell wirksame neue Therapiemethode hinzugewonnen. Auf dem Gebiet der Schlaganfall-Früherkennung wird natürlich auch viel an der Genetik des Schlaganfalls geforscht. Warum treten Schlaganfälle zum Beispiel in manchen Familien häufiger auf als in anderen? Woran kann man eine Art Veranlagung erkennen? An diese und ähnlichen Fragen wird stark geforscht. Zuletzt gibt es auch viele Forschungsprojekte zur Verbesserung der Regeneration und Rehabilitation nach Schlaganfall.

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