Sich am Limit fühlen, obwohl grenzenlose Liebe herrschen sollte - viele Eltern kennen dieses Gefühl. Erschöpfung, Hadern oder Überforderung in der Elternrolle gehen oft mit Scham und Schuld einher, Gefühle, die es schwer machen, darüber zu reden. Dieser Artikel soll das Tabu brechen und offen über schwierige Situationen zwischen Eltern und Kindern sprechen, insbesondere wenn die Eltern "nerven". Es werden Tipps gegeben, wie man ein Eltern-Burnout erkennt, wer ein besonders hohes Risiko hat und was man tun kann, um wieder mehr Kraft zu schöpfen. Außerdem wird darauf eingegangen, wie Jugendliche mit anstrengenden Eltern umgehen können.
Eltern-Burnout: Wenn die Care-Arbeit zur Last wird
Oft wird unter Arbeit nur die Erwerbsarbeit verstanden. Viele Eltern wissen jedoch, dass die sogenannte Care-Arbeit (Kümmern und Großziehen der Kinder) oft kräftezehrender ist als jeder Bürojob. Für manche fühlt sich die Erwerbstätigkeit fast wie eine Auszeit an. Burnout wird per Definition als Erschöpfungszustand im Arbeitskontext verstanden. Viele Expert:innen sind sich jedoch einig, dass es sich nicht zwangsläufig um Erwerbstätigkeit im engeren Sinne handeln muss. Schließlich ist Care-Arbeit vergleichbar mit vielen sozialen und pflegerischen Berufen - also genau jenen, die besonders häufig von Burnout betroffen sind. Eltern-Burnout bezeichnet einen Zustand der anhaltenden Erschöpfung und Überlastung in der Elternrolle.
Anzeichen für Eltern-Burnout
Ein Anzeichen für Burnout bei Eltern ist es, sich in der Elternrolle körperlich oder emotional erschöpft und ausgelaugt zu fühlen. Dieser Zustand ist nicht ein einzelner Moment oder Tag, sondern kann sich wie ein Dauerzustand der Energielosigkeit anfühlen. Eltern ziehen sich von ihren Kindern zurück, unternehmen nicht mehr als notwendig mit ihnen oder sind nicht mehr in der Lage, ihre Liebe und Zuneigung auszudrücken. Dieser Rückzug ist oft der Versuch, Energie zu sparen. Betroffene Eltern verspüren häufig keine Erfüllung mehr im Elternsein und können das Gefühl haben, es kaum noch zu ertragen, Eltern zu sein. Oft haben Menschen ein Bild davon, wie sie als Eltern sein möchten. Bei einem Eltern-Burnout klaffen diese Vorstellung und die Realität plötzlich weit auseinander.
Wer ist besonders gefährdet?
Generell kann Burnout alle Eltern betreffen. Besonders häufig entwickeln jedoch Elternteile ein Burnout, die die Hauptlast der Care-Arbeit leisten. Die 40-Stunden-Woche kommt übrigens aus einer Zeit, in der in der Regel nur eine Person im Haushalt erwerbstätig war. Heute sieht es in vielen Beziehungen jedoch anders aus. Auch bestimmte Persönlichkeitsmerkmale wie Perfektionismus, Hochsensibilität oder Versagensangst können das Risiko eines Eltern-Burnouts erhöhen. Studien zeigen zudem, dass besonders Eltern aus eher individualistischen (westlichen) Ländern eine höhere Rate von Burnout bei Eltern aufweisen. Hier herrschen oft mehr Leistungsdruck, Perfektionismus, erhöhter Stress und weniger familiäre Unterstützung.
Prävention und Linderung von Beschwerden
Überforderung ist oft immer noch ein Tabuthema unter Eltern. Dabei kann es bereits enorm entlasten, mit anderen über die eigene Erschöpfung, Gereiztheit, Ungeduld oder fehlende Erfüllung in der Elternrolle zu sprechen. Ein solches Eingeständnis öffnet Türen für andere Eltern, die merken, dass sie nicht allein sind.
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Ambivalente Gefühle akzeptieren
„Ich will alleine sein und meine Ruhe haben, aber ich würde auch gerne mit meinem Kind spielen.” „Ich will gesund kochen, aber ich habe einfach keine Kraft mehr.” Das „aber” in den Sätzen kann den Eindruck erwecken, dass die beiden Satzteile nicht zusammenpassen. Versuche einmal, das Wort mit „gleichzeitig” oder „und” zu ersetzen. Damit gibst du beiden Satzteilen und damit auch beiden Gefühlen oder Zuständen Raum. Diese Ambivalenz ist Teil des Elternseins.
Eigene Bedürfnisse wahrnehmen
Eltern werden viel häufiger gefragt, wie es ihren Kindern geht, als sich selbst. Dabei ist es genau andersrum wichtig. So wertvoll die Familienzeit auch ist - macht nicht alles zusammen. Schafft euch auch immer wieder Zeiten, in denen ihr nicht zuständig seid. Wirklich gar nicht. Das kann bedeuten, ganz bewusst das Haus zu verlassen oder die Zimmertür zu schließen. Auch hier ist Geduld und Übung gefragt. Denn so sehr wir uns freie Zeit auch wünschen, so schwer kann es manchmal auch sein, loszulassen. Wie du deine freie Zeit gestaltest, sollte allein dir überlassen sein und keinen Regeln oder Erwartungen folgen.
Aufladestationen finden
Um deine ganz persönlichen Aufladestationen zu finden, kannst du auch eine Liste anlegen, in der du deine Pausenzeit-Aktivitäten festhältst. Nach deiner Auszeit kannst du dann auf einer Skala von 0 - 10 bewerten: Wie erholsam war diese Aktivität heute für mich?
Schöne Momente bewusst wahrnehmen
Oft bleibt von einem turbulenten Familientag nur ein erschöpftes Gefühl zurück. Dabei ist an den allermeisten Tagen nicht alles chaotisch und ermüdend. Die kleinen schönen Momente am Tag fliegen jedoch schnell vorbei. Suche dir dafür am besten einen festen Zeitpunkt, zum Beispiel kurz vor dem Zubettgehen oder beim Zähneputzen. Überlege dir: Was war heute gut oder schön? Du kannst dir auch ein Notizbuch anlegen, in dem du die schönen Dinge (vielleicht auch mit deiner Familie gemeinsam) festhältst.
Professionelle Hilfe suchen
Wenn du merkst, dass deine eigenen Bewältigungsstrategien nicht mehr ausreichen, ist es wichtig, dir bei Eltern-Burnout Hilfe zu suchen. Professionelle Unterstützung und Beratung bekommst du unter anderem in Familienzentren, aber auch in deiner hausärztlichen Praxis. Hier kannst du beispielsweise mit deiner Hausärztin besprechen, ob eine Eltern-Kind-Kur oder vielleicht auch eine Psychotherapie für dich in Frage kommt. Kostenfreie Soforthilfe bei Burnout bietet dir der Online-Therapiekurs HelloBetter Stress und Burnout.
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Wenn Eltern nerven: Tipps für Jugendliche
Ständig erzählen eure Eltern allen Leuten, wie anstrengend das mit euch in der Pubertät ist. Aber hat euch schon mal jemand gefragt, wie es euch mit euren Eltern gerade geht? Denn eines ist jedenfalls schon lange klar: Pubertät ist, wenn die Eltern anstrengend werden! Hausaufgaben, Müll rausbringen, Oma anrufen, Zimmer aufräumen - das kann ganz schön nerven.
Reden hilft!
Sprecht mit euren Eltern darüber, dass alles zusammen nicht geht. Wenn ihr ordentlich die Hausaufgaben machen sollt, könnt ihr nebenbei nicht noch euer Zimmer aufräumen. Aber, ganz ehrlich, Müll rausbringen geht wahrscheinlich schon. Sagt euren Eltern, dass ihr euch wünscht, dass sie eure Grenzen respektieren. Dann erzählt ihr konkrete Beispiele und weist noch einmal darauf hin, dass ihr keine zehn mehr seid, sondern Jugendliche, die dabei sind, erwachsen zu werden. „Und dafür brauche ich eure Mithilfe. Zum Beispiel, indem ihr mir vertraut und ich euch vertrauen kann.“ In Konflikten mit anderen Menschen, ob erwachsen oder nicht, helfen sogenannte „Ich-Botschaften“.
Schule und Noten
Ständig gibt es Ärger, weil ich in der Schule schlechter geworden bin. Die Schule interessiert mich gerade einfach nicht so. Um in Noten zu sprechen, ist eine Vier „ausreichend“ und definitiv kein Drama wert. Ausrutscher sind in eurem Alter völlig normal. Bei dem Hormonchaos, das der Körper eines Jugendlichen durchmacht, ist es unmöglich, regelmäßig Spitzenleistungen zu bringen. Weder schulisch noch sportlich. Aber sprecht mit euren Eltern darüber und erinnert sie an ihre eigene Pubertät. Wichtig ist, dass ihr um Hilfe bittet, wenn ihr wirklich kein Land mehr seht. Ein „Ich merke, dass ich in Mathe nicht mehr mitkomme, könnt ihr mir da irgendwie helfen?“ wirkt total entwaffnend. Eure Eltern werden sich freuen, dass ihr so erwachsen seid, eure Probleme selbst zu erkennen, und gemeinsam mit euch nach einer Lösung suchen.
Handy-Entzug
Einfach so haben mir meine Eltern mein Handy weggenommen. Ich brauch das aber! Das ist echt übel, hat aber vermutlich einen Grund. Und jetzt? Macht das, was eure Eltern früher getan haben, fahrt spontan bei euren Freunden vorbei, um mit ihnen gemeinsam abzuhängen. Das geht auch ohne Handy. Wirklich!
Gesunde Abgrenzung im Erwachsenenalter
Gesunde Abgrenzung im Erwachsenenalter bedeutet (in den meisten Fällen) nicht, den Kontakt zu den Eltern abzubrechen. Deine Grenzen machen die Beziehung zu deinen Eltern gesünder. Wann sollte man sich von den Eltern abgrenzen? Frage dich lieber einmal: Wo ist es vielleicht sogar wichtig, deine Eltern zu enttäuschen?
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Identitätsfindung und Selbstreflektion
Du beschäftigst dich intensiv mit der Frage, wer du wirklich bist - losgelöst von den Erwartungen und Einflüssen deiner Eltern. Du suchst nach deinen eigenen Interessen, Werten und Lebenszielen. Du reflektierst dein eigenes Verhalten und machst dir Gedanken, welches Verhalten du möglicherweise von deinen Eltern unbewusst übernommen hast und wie sich das auf deine Beziehungen auswirkt. Du verstehst, wie du zu dem Menschen geworden bist, der du heute bist: Du lernst dich selbst besser kennen.
Beziehungsgestaltung und Akzeptanz
Während du dich von deinen Eltern ablöst, überdenkst du auch die Dynamik eurer Beziehung. Du lässt los und akzeptierst deine Eltern als eigenständige Individuen mit ihren Stärken und Schwächen. Dann könnt ihr euch gemeinsam einigen, wie ihr euren Kontakt gestalten wollt. Zu einer gesunden Abgrenzung gehören gesunde Grenzen. Dadurch behältst du deine Energie bei dir. So ermutigst du dich selbst, deinen Eltern gegenüber offen und selbstbewusst zu sein. Was ziehst du aus dem Kontakt deiner Eltern? Zeige Verständnis für die Perspektive und Gefühle deiner Eltern.
Alternative Unterstützung anbieten
Du kannst einen Teil deiner Verantwortung abgeben, indem du deinen Eltern professionelle Unterstützung vermittelst. In anderen Worten: Nur weil du dein Verhalten von heute auf morgen veränderst, heißt das nicht, dass deine Eltern ihr Verhalten auch über Nacht ändern. Berater:innen können Konfliktsituationen zwischen deinen Eltern und dir mediieren. Erstgespräche mit Psychotherapeut:innen in deiner Nähe kannst du bequem unter der kostenlosen Hotline 116117 vereinbaren. Auch ein gutes Coaching mit dem richtigen Coach kann dich effektiv dabei unterstützen, dich als Erwachsene:r von den Eltern abzugrenzen.
Klare Kommunikation
„Vielen Dank, dass ihr meine Bitte respektiert und mir keine ungefragten Erziehungsratschläge mehr gebt. Es ist wichtig für mich, meine eigenen Entscheidungen als Elternteil zu treffen. Ich schätze es, dass ihr meine Grenzen respektiert. Ihr gebt mir dadurch den Raum, mein eigenes Elterndasein zu gestalten. Was schulden erwachsene Kinder ihren Eltern?
Professionelle Hilfe und Verantwortungsverteilung
Beziehe andere gesellschaftliche Verantwortungsträger, wie das Gesundheits- und Pflegesystem, die Allgemeine städtische Sozialberatung oder gemeinnützige Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz mit ein. Wichtig ist, dass sich alle in der Familie und im Freundeskreis deiner Eltern für die Pflege verantwortlich fühlen.
Überforderung der Eltern und ihre Auswirkungen
Oft gibt es wiederkehrende Muster, die zu Wut und Frustration führen. Du bist müde, erschöpft oder fühlst dich alleine gelassen? Das kann dazu führen, dass du weniger Geduld mit deinem Kind hast. Wenn du als Kind selbst keine positiven Bewältigungsstrategien gelernt hast, übernimmst du oft unbewusst das Verhalten deiner eigenen Eltern. Das kann bedeuten, dass du intuitiv schreist oder drohst, weil du es nicht anders gelernt hast. Manchmal erinnert dich das Verhalten deines Kindes an eine schmerzhafte Erfahrung aus deiner eigenen Kindheit.
Die Spirale durchbrechen
Wenn du als gestresste Mutter oder als gestresster Vater total genervt vom Alltag mit Kind(ern) und dem Familienleben bist, komm mit mir auf die Reise zu mehr Harmonie, Verbundenheit, Liebe, Entspannung und Glück!
Bedürfnisse erkennen und in Balance bringen
Unsere Kinder brauchen uns tagein, tagaus und bringen all diese Bedürfnisse mit, deren Erfüllung unsere Verantwortung als Eltern ist. Und wir als Mama und Papa haben ja auch noch unsere eigenen Bedürfnisse. Zack, da ist der Konflikt: Denn ganz oft stehen die verschiedenen Bedürfnisse erst mal in scheinbarem Widerspruch zueinander. Und es geht ja noch komplizierter: Auch wir selbst haben ganz verschiedene Bedürfnisse, die wir im Familienalltag erstmal erkennen und dann auch noch alle unter einen Hut bringen dürfen.
Ein praktisches Beispiel
Als Mutter habe ich das Bedürfnis nach Nähe und Verbundenheit mit meinem Kind. Wenn dieses Bedürfnis unerfüllt ist, bin ich traurig. Ich möchte jedoch auch arbeiten, denn das erfüllt meine Bedürfnisse nach finanzieller Sicherheit, Wirksamkeit, Struktur, Kreativität und Gemeinschaft. Bleiben diese Bedürfnisse unerfüllt, bin ich ebenfalls unglücklich. So, jetzt möchte ich also zum einen meinem Kind nah sein und viel Zeit mit ihm verbringen. Arbeiten kann ich allerdings dann am effektivsten, wenn ich räumlich getrennt von meinem Kind bin. Und so ist es mit vielen Bedürfnissen. Da gilt es, immer wieder in uns reinzuspüren und reinzuhören. Und Strategien zu finden, wie wir alles bestmöglich in Balance bringen: unsere eigenen verschiedenen Bedürfnisse, die Bedürfnisse der Kinder und die Bedürfnisse anderer Familienmitglieder.
Symptome von Stress erkennen
Auf Stress reagiert jede:r von uns ein bisschen anders. Doch es gibt einige Symptome, die ich besonders häufig beobachte und von denen mir gestresste Mamas - oder Papas - besonders oft erzählen. Du schläfst schlecht, es fällt dir schwer, einzuschlafen, du wachst nachts immer wieder auf. Inzwischen höre ich manchmal den Begriff Mama-Burnout.
Situationen analysieren und Bedürfnisse erforschen
Was sind das eigentlich für Situationen, die dich stressen? Nimm mal so eine Situation genau unter die Lupe. Zunächst beobachtest du wertfrei und objektiv, was passiert. Welches Gefühl hat diese Situation in dir ausgelöst? Versuche, das Gefühl möglichst genau zu beschreiben. Warst du zornig, wütend, frustriert, hilflos, unzufrieden, überfordert? Hinter jedem Gefühl steck eint Bedürfnis, das entweder gerade erfüllt ist (angenehme Gefühle) oder unerfüllt (unangenehme Gefühle). Das heißt: Unsere Gefühle zeigen uns den Weg zu unseren Bedürfnissen.
Verantwortung übernehmen und Unterstützung suchen
Eine Grundannahme der GFK ist es, dass wir für die Erfüllung unserer Bedürfnisse selbst verantwortlich sind. Natürlich kannst du dabei andere Menschen um Unterstützung bitten. Dich darum zu kümmern, das ist deine Verantwortung. Wenn du also bei der Erforschung deiner Bedürfnisse zu dem Schluss gekommen bist, dass du Unterstützung brauchst, kannst du deine:n Partner:in, eine:n Nachbar:in, Oma/Opa oder jemand anderen fragen, ob sie bereit sind, dich auf eine bestimmte Art zu unterstützen. Das ist jedoch eine Einladung und keine Aufforderung. Jede Person kann “Nein” sagen.
Gewaltfreie Kommunikation und Selbstfürsorge
Du bist im Umgang mit deinem Kind ständig genervt und gestresst, bist nur noch am Meckern und Schimpfen und dein Kind macht dich aggressiv? Kümmere dich um dich und deine eigenen Bedürfnisse. Nur wenn deine Bedürfnisse weitgehend erfüllt sind, findest du überhaupt in die Bereitschaft, dich um das Wohl der anderen zu kümmern. Das ist eine Grundannahme der Gewaltfreien Kommunikation (GFK).
Umgang mit Wut
Dich packt manchmal die Wut, du bist genervt und gestresst? Dann lade ich dich ein, ins Handeln zu kommen und die Verantwortung für die Erfüllung deiner Bedürfnisse zu übernehmen!
Mama-Krisen sind normal
Mama immer beherrscht? Nein! Hand aufs Herz: Wann hattest du deine letzte richtige Mama-Krise? Eine hässliche, mit viel Rotz, noch mehr Tränen und entfesseltem Geschrei? Atme tief durch. Ganz tief. So, als würdest Du Deinen Bauchnabel von innen mit der Luft kitzeln wollen. Das hilft im ersten Moment schon sehr, da oberflächlicher Atem im Oberbauch versackt und Deine Unruhe nur noch verstärkt. Oder brülle einfach mal laut, vor allem im Auto ist das sehr beliebt. Wirklich, mach das. Verkneife es Dir nicht, lass es raus! Alles. Lies Klatschmagazine, hol Dir einen Kaffee, ganz egal was - Hauptsache, es beruhigt Dich. Ist Dein Körper ruhig, schaltet Dein Gehirn nämlich wieder von Kampf in den Flug-Modus und lässt Dich die Dinge wieder klarer sehen.
Kein Versagen, sondern Menschlichkeit
Dieser mehr oder minder große Nervenzusammenbruch, bei dem dir einfach alles zu viel wird, die große Stress-Welle direkt über deinem Kopf zusammenschlägt. Nur um dich dann heulend, voller Reue und mit dem Gefühl des Versagens zurückzulassen. Du bemerkst ihn meist gar nicht, so schleichend ergreift er von dir Besitz. Doch mach dir keine Sorgen: Das passiert jeder Mutter! Wirklich. Ganz ehrlich. Und du bist weder allein damit, noch eine Versagerin, die die Beherrschung verloren hat. Du bist Mama, Mensch und eben KEINE Maschine - einen Knopf, der angestaute Stress, Sorgen oder die Belastungen des Alltags einfach von deiner internen Festplatte löscht, gibt es leider nicht. Probiere sie einfach aus - den Unterschied wirst du spüren. Ganz sicher!
Emotionen als Kommunikationssignale
Vielleicht kennt Ihr sie von Euren Eltern, die irritierten Gesichter, begleitet von der Tonspur „Sieht man Euch auch mal wieder!“, „Was, Ihr wollt schon wieder gehen? Ein Signal will ankommen. Kommt es vermeintlich nicht an, wird das Signal wiederholt und verstärkt. Das betrifft auch unsere Emotionen. Denn Emotionen sind Kommunikationssignale. Die Ursachen der Emotionen sind unsere Werte. Leben und spüren wir unsere Werte, sind wir zufrieden. Verletzt jemand unsere Werte, ärgern wir uns und kommunizieren es. Der Ärger ist unsere Haupt-Kommunikations-Emotion. Erst dann, wenn wir merken, dass unser Ärger angekommen ist, beginnt der Ärger sich abzubauen. Stellen wir fest, dass es keinen Sinn mehr macht, sich weiter zu ärgern, resignieren wir. Wir lassen los, wir beginnen traurig zu sein. Trauer benötigt zum Heilen Zeit.
Werte erkennen und kommunizieren
Hinter diesen Kommentaren stecken Werte, die Werte Eurer Eltern. Vermutlich lieben sie Euch. Vermutlich sind Ihnen die Werte Familie, gemeinsame Zeit, Kontakt, Miteinander, Aufmerksamkeit o.a. wichtig. Und sie haben konkrete Vorstellungen dazu, an denen sie das Leben dieser Werte festmachen. Unabhängig davon, dass diese Werte ja auch Zeichen einer liebevollen Verbindung sein können, sind sie psychologische und neurowissenschaftliche Wirklichkeiten.
Was also tun?
- Akzeptiert es. Akzeptiert die Werte Eurer Eltern. Diese Werte könnt Ihr nicht ändern. Versöhnt Euch damit.
- Spiegelt Euren Eltern ohne Druck, sondern absolut WERTschätzend zurück, dass bei Euch angekommen ist, was ihnen am Herzen liegt. Dass Ihr verstanden habt, worum es ihnen geht. Und macht deutlich, dass Ihr den Unmut Eurer Eltern spürt. „Ich kriege mit, dass Ihr Euch wünscht, dass wir uns deutlich häufiger sehen und mehr Zeit miteinander verbringen. Vielleicht fühlt Ihr Euch sogar lieblos behandelt und ärgert Euch darüber.
- Kommuniziert deutlich Eure Werte. Sobald Eure Botschaft angekommen ist, können Eure Eltern (und in den allermeisten Fällen werden sie es auch tun) selbstverantwortlich die Entscheidung treffen, sich nicht mehr zu ärgern. Sie werden eher in eine Phase der Trauer oder Resignation treten. „Ich möchte, dass Ihr wisst, dass ich Euch liebe, dass Ihr mir sehr wichtig seid. Auch mir liegt viel an der gemeinsamen Zeit mit Euch, auch mir ist unsere Familie wichtig. Und (nicht „aber“!!) ich merke, dass ich deutlich mehr Zeit als früher für mich alleine/ und für meine Familie benötige. Vielleicht liegt es an meinem Job, vielleicht daran, dass auch ich älter werde. Tatsache ist, ich kann und werde Eure Ansprüche auf gemeinsame Zeit nicht immer erfüllen. Ruhe und Freiheit spielen für meine Balance in meinem Leben eine größere Rolle als früher.
- Wiederholt dieses Gespräch gegebenenfalls. Doch verwendet es niemals als manipulative Taktik, Eure Eltern würden es Euch anmerken. Ihr braucht die Haltung „Es ist okay.
Tipps gegen elterliche Überforderung
Um der elterlichen Überforderung nachhaltig beizukommen, mach dir zunächst bewusst, dass es völlig normal ist, unter ihr zu leiden. Womöglich wirst du all den Stress nicht von einem Tag auf den anderen abstellen können. Wenn du allerdings ein paar der folgenden Tipps beherzigst, wird sich das schon bald positiv auf dein Wohlbefinden und das deiner Familie auswirken.
- Binde Großeltern und Freunde ein: Während diese sich über ein wenig kindliche Energie freuen, kannst du eine wohlverdiente Pause einlegen.
- Lass dich nicht aus der Ruhe bringen: Du musst nicht bei jedem Gezeter sofort die Feuerwehrstange runterrutschen. Trinke deinen Kaffee, solange er warm ist.
- Setze auf Aufgabenverteilung: Neben Partner oder Partnerin kannst du allmählich auch leichte Aufgaben an die größeren Kinder abgeben. Das macht häufig nicht nur Spaß, sondern auch selbstständig.
- Sei nicht zu penibel: Du musst nicht jeden Tag mit dem Staubsauger durch die Wohnung wüten.
- Es muss nicht immer selbstgemacht sein: Mit Dreigänge-Menü und selbstgebackenem Kuchen kannst du zwar eindrucksvoll deine Kochkünste unter Beweis stellen, aber hin und wieder tut es auch das Fertigessen.
- Du musst nicht überall dabei sein: Reduziere private Termine und Aktivitäten, die dir nicht so wichtig sind.
- Nimm dir gezielt Auszeiten: Ob Wellnesswochenende, Spieleabend oder Restaurantbesuch - es gibt genügend Dinge, die ein willkommenes Gegenstück zum mitunter nervenaufreibenden Familienalltag bilden können.
Konflikte clever lösen
In keiner Familie herrscht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Wenn der Haussegen aber andauernd schief hängt und statt Reden nur noch Brüllen geht, muss etwas passieren. Hier kommen die 10 besten Tipps, wie du das Kriegsbeil mit deinen Eltern begraben kannst!
- Sprich mit deinen Eltern.
- Erklär ihnen, was mit dir los ist.
- Sprich immer nur von dir.
- Frag nach, wie deine Eltern die Dinge sehen.
- Versetz dich mal in ihre Lage.
- Mach ihnen Angebote und Kompromissvorschläge.
- Trefft klare Vereinbarungen.
- Versprich nur, was du halten kannst.
- Schimpf nur ohne Schimpfwörter.
- Appellier an ihre Erinnerungen - und arbeite an dir.