Polyneuropathie, eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, kann sich durch vielfältige Symptome wie brennende Füße, Kribbeln, Taubheit oder Schmerzen äußern. Die Suche nach wirksamen und schonenden Behandlungsmethoden ist daher von großer Bedeutung für Betroffene. In diesem Artikel wird die Anwendung des Wassertretens nach Kneipp im Zusammenhang mit Polyneuropathie beleuchtet, wobei sowohl die traditionellen Aspekte als auch aktuelle Forschungsergebnisse berücksichtigt werden.
Einführung: Polyneuropathie und die Suche nach Linderung
Viele Menschen kennen das Gefühl: Abends im Bett, wenn der Körper zur Ruhe kommt, beginnen die Füße zu brennen, es kribbelt wie von tausend Nadelstichen, oder eine unangenehme Taubheit breitet sich aus. Elektrische Schläge können durch die Zehen schießen, und manchmal ist die Haut so empfindlich, dass selbst die Berührung der Bettdecke schmerzt. Morgens fühlt sich der Boden fremd an, als würde man auf Watte laufen. Diese Symptome können auf eine Polyneuropathie hindeuten, eine Erkrankung, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann.
Die vergessene Weisheit der Großmutter: Wärme, Bewegung und Wasser
Erinnern Sie sich an die Ratschläge Ihrer Großmutter? Bei kalten Füßen nach dem Spielen im Schnee oder einer Verstauchung empfahl sie oft warme Fußbäder, Massagen und abwechselnd kalte und warme Wickel. „Wärme und Bewegung bringen das Blut in die Nerven, und wo das Blut fließt, können die Nerven sich erholen", sagte sie. Was Großmutter instinktiv wusste, wird heute durch die moderne neurovaskuläre Forschung bestätigt.
Neurovaskuläre Forschung und die Blockaden der Nervenregeneration
Chronische Nervenschmerzen entstehen oft nicht durch irreparable Schäden an den Nerven, sondern durch Blockaden des natürlichen Regenerationsprozesses. Diese Blockaden werden durch folgende Faktoren verursacht:
- Verminderte Mikrozirkulation: Weniger Sauerstoff und Nährstoffe erreichen die Nervenfasern.
- Gestörte Nervensignale: Beschädigte Leitungsbahnen senden falsche oder übersteigerte Schmerzsignale an das Gehirn.
- Verspannte Muskeln und Faszien: Nerven werden eingeklemmt oder gereizt, was den Signalfluss behindert.
Diese Blockaden verstärken sich gegenseitig und führen zu einer Unterversorgung der Nerven, insbesondere nachts, wenn die Mikrozirkulation sich verlangsamt.
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Die Kneipp-Therapie: Ein ganzheitlicher Ansatz
Sebastian Kneipp, der berühmte „Wasserdoktor" aus Bad Wörishofen, erkannte bereits im 19. Jahrhundert die heilende Kraft des Wassers. Seine Therapie basiert auf fünf Säulen: Wasser, Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und Regulation der inneren Ordnung. Das Wassertreten ist eine der bekanntesten Anwendungen und wirkt infektvorbeugend, abhärtend und ausgleichend.
Die drei Säulen der Nervenregeneration
Um die Nervenregeneration anzukurbeln, bedarf es der Kombination von Wärme, Durchblutung und sanfter Stimulation. Diese drei Therapien müssen gleichzeitig und regelmäßig angewendet werden, um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen.
- Wärme: Macht die Nerven geschmeidig und fördert die Durchblutung.
- Kompression: Fördert die Mikrozirkulation.
- Vibration: Stimuliert die Nervenbahnen.
Eine Pilotstudie, veröffentlicht in Medical Science Monitor (2015), zeigte, dass Wärme, Kälte und Druck die Elastizität von Nerven, Bändern und Sehnen deutlich erhöhen.
Wassertreten: Anwendung und Wirkung
Das Wassertreten ist eine einfache, aber effektive Methode, um die Durchblutung anzuregen, den Stoffwechsel anzukurbeln und die Venen zu kräftigen. Es kann sowohl in Therapie- und Wellnesszentren als auch zu Hause durchgeführt werden.
- Anwendung: Die Unterschenkel werden abwechselnd knapp 30 Zentimeter tief in Wasser mit einer Temperatur von unter 15 Grad Celsius eingetaucht.
- Wirkung: Kaltes Wasser verengt die Blutgefäße, während warmes Wasser sie weitet. Dieser Wechsel bringt den Kreislauf in Schwung und stärkt die natürlichen Abwehrkräfte.
Weitere Kneipp-Anwendungen
Neben dem Wassertreten gibt es weitere Anwendungen der Kneipp-Therapie, die bei Polyneuropathie hilfreich sein können:
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- Wassergüsse: Kaltes Wasser wird langsam in einem dünnen Strahl auf die zu behandelnde Stelle gegossen, um die Reizstärke lokal zu variieren.
- Kneipp-Bäder: Dem Wasser werden Essenzen von Kräutern wie Wacholder, Eukalyptus oder Melisse beigesetzt, um die Erkältungsprävention zu unterstützen.
Einsatzgebiete der Kneipp-Anwendungen bei Polyneuropathie
Die Kneipp-Anwendungen haben sich in verschiedenen Bereichen bewährt, insbesondere bei:
- Erkrankungen des Bewegungsapparates: Die durchblutungsfördernde Wirkung wirkt sich positiv auf Bänder, Sehnen und Gelenke aus.
- Herz- und Gefäßerkrankungen: Die gefäßerweiternde und -verengende Wirkung des Wassers ist ideal zur Behandlung von Blutdruckanomalien und Arteriosklerose.
- Nervale Funktionsstörungen: Die Temperaturreize stimulieren die Nerven und können bei peripheren Nervenkrankheiten wie Polyneuropathie eingesetzt werden.
Ergänzende Maßnahmen
Die Kneipp-Therapie kann durch weitere Maßnahmen ergänzt werden, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen:
- Medikamentöse Behandlung: Viele Patienten profitieren von B-Vitaminen, Alpha-Liponsäure oder verschreibungspflichtigen Medikamenten wie Gabapentin oder Pregabalin.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen ist wichtig für eine gesunde Nervenfunktion.
- Physiotherapie: Bei Gangunsicherheit und Bewegungseinschränkungen kann Physiotherapie helfen, die Muskelkraft zu stärken und die Koordination zu verbessern.
- Ergotherapie: Ergotherapeutisches Training kann helfen, feinmotorische Störungen zu behandeln und die Greiffunktionen zu verbessern.
- Akupunktur: Akupunktur kann zur Regulierung von Energie und Blutzirkulation eingesetzt werden.
- Elektrotherapie: Elektrotherapien wie Zellenbäder oder TENS können helfen, die Übererregbarkeit der Nerven zu regulieren und Schmerzen zu lindern.
Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen
Vor der Anwendung der Kneipp-Therapie sollten einige Einschränkungen beachtet werden:
- Substanzen, die sich auf die Blutgefäße auswirken: Unmittelbar vor oder nach der Anwendung sollten keine Substanzen wie Kaffee, Tee oder Nikotin konsumiert werden.
- Gesundheitliche Eignung: Vor der Behandlung muss geklärt werden, ob der Klient aus gesundheitlicher Sicht für die Kneipp-Therapie geeignet ist.
- Diabetes Typ II oder Thrombosen: Bei diesen Erkrankungen ist die Kneipp-Behandlung auszuschließen.
Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Kneipp-Therapie
Die Wirksamkeit der Kneipp-Therapie ist Gegenstand zahlreicher Studien. Eine Datenbankanalyse von Wissenschaftlern der Ludwig-Maximilians-Universität München berücksichtigte 25 Studien aus den Jahren 2000 bis 2019. Die Ergebnisse zeigten positive Auswirkungen bei Kindern mit Neurodermitis, allergischer Rhinitis und Asthma bronchiale. Auch Kältestimuli steigern die kognitive Funktion und tägliches Wassertreten härtet ab. Bei Erwachsenen mit leichter chronischer Herzinsuffizienz konnte die Lebensqualität durch häusliche Wasseranwendungen verbessert werden.
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