Migräne: Ursachen, Therapie und aktuelle Behandlungsansätze

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft sehr heftige Kopfschmerzattacken gekennzeichnet ist. Diese Attacken können von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Obwohl Migräne nicht heilbar ist, gibt es inzwischen wirksame Therapien, um die Symptome zu lindern und die Häufigkeit der Attacken zu reduzieren.

Was ist Migräne?

Migräne äußert sich meist durch einen Schmerz, der nicht den ganzen Kopf, sondern nur einen Teil betrifft. Die Intensität der Schmerzen ist meistens höher als bei Nicht-Migräne-Patienten. Hinzu kommen oft Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Teilweise werden die Schmerzen bei körperlicher Aktivität schlimmer. Attacken dauern in der Regel zwischen vier und 72 Stunden an, bis der Schmerz endlich nachlässt.

Laut Robert Koch-Institut (RKI) leiden 14,8 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer in Deutschland unter Migräne. Die Zahlen könnten jedoch wahrscheinlich erheblich höher liegen, so eine RKI-Studie aus dem Jahr 2020. Oft werde die Krankheit nicht erkannt.

Ursachen von Migräne

Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Vermutlich erzeugt eine vorübergehend stärkere Durchblutung gewisser Gefäße im Gehirn bereits die Schmerzen, oder sie verursacht schmerzhafte kleine Entzündungen in den Gefäßwänden. Hormonelle Störungen können für die Durchblutungsschwankungen verantwortlich sein.

Die Anlage für die Krankheit trägt man genetisch in sich. Zwischen dem zehnten und 14. Lebensjahr trete Migräne besonders häufig auf.

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Triggerfaktoren

Bestimmte Faktoren können Migräneattacken auslösen oder verstärken. Zu den häufigsten Triggern gehören:

  • Stress: Sowohl akuter als auch chronischer Stress kann Migräneattacken provozieren.
  • Hormonelle Veränderungen: Schwankungen im Hormonspiegel, beispielsweise während des Menstruationszyklus, der Schwangerschaft oder der Wechseljahre, können Migräne auslösen.
  • Ernährung: Bestimmte Nahrungsmittel und Getränke, wie z.B. Alkohol, Käse, Schokolade oder Zitrusfrüchte, können bei manchen Menschen Migräneattacken auslösen.
  • Schlafstörungen: Unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, Schlafmangel oder übermäßiger Schlaf können Migräne begünstigen.
  • Wetterveränderungen: Wetterumschwünge, wie z.B. plötzliche Temperaturänderungen, Luftdruckschwankungen oder Gewitter, können bei manchen Menschen Migräneattacken auslösen.
  • Sensorische Reize: Helles Licht, laute Geräusche, starke Gerüche oder Flackerlicht können Migräne triggern.

Therapie von Migräne

Die Therapie von Migräne zielt darauf ab, die Symptome während einer akuten Attacke zu lindern und die Häufigkeit und Intensität der Attacken langfristig zu reduzieren. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die je nach Schweregrad der Migräne, individuellen Bedürfnissen und Begleiterkrankungen eingesetzt werden können.

Akutbehandlung

Die Akutbehandlung von Migräne zielt darauf ab, die Schmerzen und Begleitsymptome während einer Attacke schnell und effektiv zu lindern.

  • Schmerzmittel: In den meisten Fällen reichen frei verkäufliche Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (Aspirin), um den akuten Schmerz zu bekämpfen.
  • Triptane: Für Migränepatienten gibt es besondere Medikamente, genannt Triptane, die zur akuten Behandlung eingesetzt werden. Vier Wirkstoffe aus der Substanzgruppe der Triptane sind derzeit die wirksamsten Migränemittel zur oralen Einnahme: Eletriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan. Diese Wirkstoffe blockieren den Ausstoß von Botenstoffen, die Migräneattacken auslösen.
  • Ditane: Ditane werden ebenfalls zur akuten Behandlung von Migräne eingesetzt.

Prophylaktische Behandlung

Die prophylaktische Behandlung von Migräne zielt darauf ab, die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Attacken langfristig zu reduzieren. Sie kommt vor allem bei Patienten in Frage, die häufig unter Migräne leiden oder bei denen die Akutbehandlung nicht ausreichend wirksam ist.

  • Betablocker: Betablocker werden häufig zur Migräneprophylaxe eingesetzt, da sie die Blutgefäße erweitern und so die Durchblutung des Gehirns verbessern können.
  • Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva, wie z.B. Amitriptylin, können ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden, da sie die Schmerzwahrnehmung beeinflussen können.
  • Antiepileptika: Einige Antiepileptika, wie z.B. Topiramat oder Valproinsäure, können ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden, da sie die Erregbarkeit der Nervenzellen reduzieren können.
  • Antikörperspritzen: Antikörperspritzen sind für viele ein Gamechanger.
  • Botox: Botox kann ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden.
  • Hormone: Hormone können ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Neben der medikamentösen Behandlung gibt es auch verschiedene nicht-medikamentöse Ansätze, die bei Migräne hilfreich sein können.

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  • Regelmäßiger Ausdauersport: Regelmäßiger Ausdauersport senkt nachweislich den Stresshormonspiegel und kann damit Schmerzattacken vorbeugen.
  • Entspannungstechniken: Viele Betroffene profitieren außerdem davon, Entspannungstechniken zu erlernen und in den Alltag einzubauen.
  • Physiotherapie: Ist eine verspannte Nackenmuskulatur schuld an den Kopfschmerzen, dann helfen spezielle Dehn- und Kräftigungsübungen.
  • Akupunktur: Akupunktur kann bei manchen Menschen die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken reduzieren.
  • Biofeedback: Biofeedback kann helfen, die Körperfunktionen besser zu kontrollieren und so Stress abzubauen und Migräneattacken vorzubeugen.
  • Migränepiercing: Migränepiercing kann bei manchen Menschen die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken reduzieren.
  • Änderung des Lebensstils: Oft kann eine Änderung des Lebensstils helfen.

Nahrungsergänzungsmittel

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Neuromodulationsgerät

  • Neuromodulationsgerät gegen Migräne

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Gelegentliche Kopfschmerzen, die keine schweren Einschränkungen der Lebensqualität verursachen und sich mit einfachen Schmerzmitteln lindern lassen, müssen in der Regel nicht behandelt werden. Treten sie jedoch regelmäßig auf oder sind die Schmerzattacken besonders intensiv, sollte man auf jeden Fall seinen Hausarzt oder seine -ärztin aufsuchen. In den Unikliniken im Land gibt es außerdem Kopfschmerz-Ambulanzen, die in Sachen Diagnose und Behandlung hochspezialisiert sind. Hier kann auch ausgeschlossen werden, dass andere, versteckte Krankheiten für die Kopfschmerzen verantwortlich sind. Je früher man sich Hilfe holt, desto besser.

Migräne bei Kindern und Jugendlichen

Insbesondere müsse es mehr und bessere Therapieangebote für Kinder und Jugendliche geben. Denn zwischen dem zehnten und 14. Lebensjahr trete Migräne besonders häufig auf.

Forschung und Ausblick

"Eine Symptomfreiheit wird in der Zukunft wohl deutlich besser zu erreichen sein als heute", meint Goßrau. Dabei gehe es auch - aber nicht nur - um eine ganze Reihe neuer Medikamente, mit denen gezielt individuelle Symptome der Patienten gelindert werden können.

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