Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die Nervenstrukturen zerstört und verschiedene Symptome auslöst. Die Krankheit verläuft meist in Schüben und kann je nach betroffenem Hirnareal unterschiedliche Verlaufsformen haben. Obwohl MS nicht heilbar ist, können moderne Behandlungsmöglichkeiten den Verlauf der Erkrankung oft lange hinauszögern und verbessern. Die Therapie stützt sich auf mehrere Säulen, darunter die Schubtherapie, die verlaufsmodifizierende Therapie (Basistherapie) und die symptomatische Therapie.
Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Berufsgruppen, die an der Behandlung von Multipler Sklerose beteiligt sind und die vielfältigen Aspekte, die bei der Berufswahl und -ausübung mit MS zu berücksichtigen sind.
Berufsgruppen in der MS-Behandlung
Die Behandlung von MS erfordert ein interdisziplinäres Team von Fachkräften, die in verschiedenen Bereichen spezialisiert sind. Zu den wichtigsten Berufsgruppen gehören:
- Neurologen: Neurologen sind die Hauptansprechpartner für die Diagnose und Behandlung von MS. Sie führen neurologische Untersuchungen durch, interpretieren MRT-Bilder und andere diagnostische Tests, verschreiben Medikamente und überwachen den Krankheitsverlauf. Regelmäßiger Kontakt zu einer Neurologin/einem Neurologen ist von großer Wichtigkeit.
- Pflegefachkräfte und Pflegehelfer: Pflegekräfte spielen eine zentrale Rolle bei der Betreuung von MS-Patienten, insbesondere in Akutkliniken, Tageskliniken und Pflegeheimen. Sie unterstützen die Patienten bei der Medikamenteneinnahme, der Körperpflege, der Mobilisation und anderen alltäglichen Aktivitäten. In der Marianne-Strauß-Klinik wird kontinuierlich nach Fachkräften, insbesondere Pflegefachkräften und Pflegehelfern, gesucht, die Lust auf neue Perspektiven in einem sich verändernden Umfeld haben.
- Physiotherapeuten: Physiotherapie ist ein wichtiger Bestandteil der MS-Behandlung. Ziel der Physiotherapie und des Funktionstrainings ist es vor allem die Beweglichkeit zu erhalten und zu verbessern. Physiotherapeuten helfen den Patienten, ihre Beweglichkeit, Kraft, Koordination und ihr Gleichgewicht zu verbessern. Sie entwickeln individuelle Trainingsprogramme und unterstützen die Patienten bei der Durchführung von Übungen. Ob Physiotherapie und ein Reha-Aufenthalt bei MS sinnvoll sind, ist abhängig von dem Verlauf der MS und den neurologischen Einschränkungen.
- Ergotherapeuten: Ergotherapeuten unterstützen MS-Patienten dabei, ihre Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten oder wiederzuerlangen. Sie helfen den Patienten, ihre feinmotorischen Fähigkeiten, ihre kognitiven Funktionen und ihre Fähigkeit zur Selbstversorgung zu verbessern. Die Behandlung von Patienten mit Gleichgewichtsproblemen, motorischen Schwierigkeiten, Konzentrationsschwierigkeiten, psychischen Erkrankungen, Verhaltensauffälligkeiten, Problemen in der sozialen Kommunikation, geistiger sowie körperlicher Beeinträchtigung, neurologischen Krankheitsbildern, Autismus, psychosomatischen Erkrankungen, Multiple Sklerose, Stress- und Alltagsbewältigungsproblemen oder z.B. Mobilisierung der Hand nach Unfällen und Operationen.
- Psychologen und Psychotherapeuten: MS kann erhebliche psychische Belastungen verursachen. Psychologen und Psychotherapeuten helfen den Patienten, mit Ängsten, Depressionen, Stress und anderen psychischen Problemen umzugehen.
- Sozialarbeiter: Sozialarbeiter beraten MS-Patienten und ihre Familien in sozialen und finanziellen Fragen. Sie informieren über Unterstützungsangebote, helfen bei der Beantragung von Leistungen und vermitteln Kontakte zu Selbsthilfegruppen und anderen Organisationen.
- Rezeptionisten: Die Rezeption ist oft der erste Anlaufpunkt für Patienten in Kliniken und Praxen. Sie sind das Aushängeschild der Einrichtung und sorgen für einen reibungslosen Ablauf.
MS und Beruf: Herausforderungen und Chancen
MS kann sich auf den Berufswunsch und die Berufsausübung auswirken. Viele Menschen mit MS können jedoch sehr gut ihrer Arbeit nachgehen, auch wenn es immer wieder zu Phasen der Arbeitsunfähigkeit kommen kann. Bestimmte Rahmenbedingungen (z.B. flexible Arbeitszeiten) oder Unterstützungsmöglichkeiten (z.B. Arbeitsassistenz) können dazu beitragen, die Arbeitsfähigkeit langfristig zu erhalten.
Berufswahl
Die Berufswahl kann sich für MS-Patienten schwieriger gestalten. Es ist wichtig, realistisch einzuschätzen, ob der angestrebte Beruf mit möglichen MS-bedingten Beeinträchtigungen zu vereinbaren ist. Manche Berufe bringen hohe körperliche Anforderungen mit sich oder haben ein hohes Stresspotenzial. Bei der Entscheidung sollten also auch die Begleitumstände beachtet werden, die der Traumberuf mit sich bringt.
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- Eigene Interessen und Wünsche: Was sind die eigenen Interessen und Wünsche? Wo liegen die Stärken und Fähigkeiten?
- Realistische Einschätzung: Ist der Traumjob mit möglichen MS-bedingten Beeinträchtigungen zu vereinbaren?
- Begleitumstände beachten: Welche Begleitumstände bringt der Traumberuf mit sich?
Arbeitsleben mit MS
MS kann sich im Beruf manchmal eines ihrer tausend Gesichter zeigen. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass man beruflich nicht weiter aktiv sein kann. Solange man sich mit seiner Arbeit wohlfühlt, sollte man auch am Arbeitsleben teilhaben und so ganz nebenbei sein Gehirn trainieren.
- Offenes Gespräch mit dem Chef: Ein offenes Gespräch über das Arbeiten mit MS mit dem Chef kann für beide Seiten vorteilhaft sein. Im Gespräch mit dem Arbeitgeber und eventuell mit Unterstützung des Betriebsrates oder Schwerbehindertenvertreters kann man überlegen, wie der Arbeitsplatz optimal an die Bedürfnisse angepasst werden müsste.
- Anpassung des Arbeitsplatzes: Dies kann mithilfe verschiedener Maßnahmen gelingen: z. B. Haben Sie kein schlechtes Gewissen, wenn Sie aufgrund Ihrer MS-Erkrankung besondere Anforderungen an Ihren Arbeitsplatz stellen müssen. Ihr Arbeitgeber kann zum Ausgleich Einarbeitungszuschüsse, Lohnzuschüsse (Minderleistungsausgleich) oder Baumaßnahmen zur Herstellung der Barrierefreiheit erhalten. Ebenso ist es ihm möglich, Hilfen für die technische Ausstattung des Arbeitsplatzes mit Geräten oder Möbeln zu beantragen, die dem Behinderungsausgleich dienen (z. B.
- Wahrheitsgemäße Angaben: Ein Arbeitnehmer muss den Arbeitgeber von sich aus nicht über eine chronische Erkrankung oder eine festgestellte Behinderung informieren. Allerdings ist man verpflichtet, alle Fragen des Arbeitgebers nach einer Schwerbehinderung oder Krankheit, soweit sie die Arbeits- und Einsatzfähigkeit betreffen, wahrheitsgemäß zu beantworten.
Unterstützungsmöglichkeiten
Es gibt verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit MS im Berufsleben:
- Schwerbehindertenausweis: Ein Schwerbehindertenausweis bietet einen erweiterten Kündigungsschutz und ermöglicht die Inanspruchnahme unterschiedlicher Leistungen über das zuständige Integrationsamt. Schwerbehinderte Beschäftigte, die ihre Arbeitszeit aufgrund ihrer Behinderung reduzieren möchten, müssen keine Wartezeit erfüllen, die Betriebsgröße ist nicht von Bedeutung und eine Zustimmung des Arbeitgebers ist nicht notwendig.
- Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben: Im Rahmen der „Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben“ stehen verschiedene Einzelleistungen zur Verfügung wie z. berufliche Bildungsmaßnahmen.
- Lohnfortzahlung und Krankengeld: Wer gesetzlich krankenversichert ist, erhält im Fall der Arbeitsunfähigkeit aufgrund von MS eine Lohnfortzahlung in voller Höhe für sechs Wochen. Danach zahlt die Krankenkasse ein Krankengeld.
- Berufliche Rehabilitation: Eine berufliche Reha-Maßnahme verfolgt das Ziel, die Arbeitsfähigkeit zu erhalten. Die Behandlung erfolgt meist ganzheitlich und richtet sich nach den jeweiligen Symptomen. Anlaufstellen sind die Reha-Servicestellen der deutschen Rentenversicherung.
Medikamentöse Behandlung und ihre Auswirkungen auf den Alltag
Die medikamentöse Behandlung der MS hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Es gibt verschiedene Medikamente, die den Verlauf der Erkrankung beeinflussen und die Symptome lindern können.
- Intervalltherapie: Die meisten Medikamente zur Intervalltherapie gibt es als Tabletten, die täglich eingenommen werden oder Spritzen, die in größeren Zeitabständen verabreicht werden. In einer Patientenschulung wird erklärt, wie man die Medikamente bei einer Immunsuppression einnehmen soll. Meist werden die ersten Einnahmen ambulant in einer Praxis überwacht. Bei anderen Medikamenten der Intervalltherapie wird das Medikament im Krankenhaus oder einer geeigneten Praxis als Infusion verabreicht.
- Kontrolluntersuchungen: Nicht nur die Medikamenteneinnahme, sondern auch die Kontrolluntersuchungen können sich auf den Alltag auswirken. Wie oft man zur Kontrolle gehen muss, hängt von dem Krankheitsverlauf und der Therapieform ab. Bei manchen Therapien, zum Beispiel manche Medikamente aus der Gruppe der Immunsuppressiva, ist eine engmaschigere Kontrolle notwendig.
Sport und Bewegung als Therapiebaustein
Körperliche Fitness und Bewegung sind gut für Körper und Seele. Das gilt auch bei Multipler Sklerose (MS). Regelmäßige Bewegung bringt das Herz-Kreislauf-System in Schwung und stärkt die Muskulatur. Gleichzeitig ist Sport ein wichtiger Therapiebaustein.
- Individuelle Sportart: Welche Sportart die richtige ist, kann nur individuell beantwortet werden. Von Aqua-Gymnastik über Yoga oder Fitness und Gerätetraining kann man alles ausprobieren und entscheiden, was am besten zu einem passt.
- Regelmäßiger Tagesablauf: Es ist wichtig, einen regelmäßigen Tagesablauf einzuhalten.
Aktuelle Entwicklungen in der MS-Forschung
Die MS-Forschung ist ein dynamisches Feld. Pharmaforscher versuchen weiterhin, für die Patienten Medikamente zu entwickeln, die noch wirksamer und noch besser verträglich sind. Und sie arbeiten an weiteren Medikamenten gegen die stetig fortschreitende (die sogenannte "primär-progrediente" oder "sekundär-progrediente“) MS. Ein wichtiger Schwerpunkt der klinischen Forschung liegt 2024 wie auch in den vergangenen Jahren auf der Weiterentwicklung von immunmodulatorischen Substanzen, die das Voranschreiten der Behinderung effektiver unterbinden sollen.
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- Neue Medikamente: Es gibt eine Reihe von Medikamenten in Erprobung oder im Zulassungsverfahren, die das Potenzial haben, die Behandlung von MS weiter zu verbessern.
- Siponimod (Mayzent): Verhindert die Freisetzung von T- und B-Lymphozyten aus den Lymphknoten. Ist in der EU seit 01/2020 gegen sekundär progrediente MS zugelassen.
- Ozanimod: Verhindert als S1P1- und S1P5-Rezeptorantagonist die Freisetzung von T- und B-Lymphozyten aus den Lymphknoten.
- OCREVUS: Ist in der EU seit 05/2020 gegen schubförmige MS zugelassen.
- Ponesimod: Verhindert Freisetzung von T- und B-Lymphozyten aus den Lymphknoten. Befindet sich in klinischer Erprobung, Phase III.
- Immunoglobulin Octagamk.
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