Die heilende Frequenz? Studien zu 432 Hz und ihre Auswirkungen auf das Gehirn

Die Frequenz 432 Hz und ihre potenziellen positiven Auswirkungen auf Körper und Geist faszinieren seit vielen Jahren. Obwohl die Forschung noch in einem frühen Stadium ist, gibt es eine Reihe von Studien, die diese Frequenz und ihre Wirkungen untersuchen. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen und beleuchtet sowohl die potenziellen Vorteile als auch die kritischen Stimmen.

Was ist 432 Hz Musik?

432 Hz Musik ist Musik, die auf einer Schwingungsfrequenz von 432 Hertz produziert wird. Hertz (Hz) ist das Einheitssymbol für die Frequenz. Die Frequenz ist eine physikalische Größe und gibt an, wie viele sich wiederholende Vorgänge (wie bspw. Schwingungen) pro Sekunde stattfinden. D.h. Musik mit 432 Hz Frequenz hat 432 Schwingungen pro Sekunde.

Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden

Die wohl meist erforschte Fragestellung im Zusammenhang mit der Frequenz 432 Hz ist, ob 432 Hz im Allgemeinen und 432 Hz Musik im Speziellen positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden haben kann.

Reduktion von Stress und Angst

Ein Forscherteam der Adler und Augusta University (USA) sowie der Jinan University (Guangzhou, China) untersuchte im Jahr 2018 die Auswirkung von Niedrigfrequenzmusik, insbesondere 432 Hz Musik, auf die Herzfrequenz von Risikopatienten bekannter Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dazu wurde 16 Patienten an zwei unabhängigen Untersuchungstagen (Experiment & Kontrolltag) in 432 und 440 Hz gestimmte Musik vorgespielt. Ergebnis: Während die Probanden die 432 Hz Musik hörten, verringerten sich ihr Blutdruck, ihre Herzfrequenz und ihr allgemeiner Stresspegel signifikant.

Eine klinische Studie der chilenischen Universidad Austral erforschte und verglich im Jahr 2020 die Auswirkungen von 432 und 440 Hz Musik auf das Angstempfinden und die Spiegel des Stresshormons Cortisol vor Zahnarztbehandlungen (Ziehen von Zähnen). Dazu wurden 42 Patienten, welchen die Entfernung eines Zahns bevorstand in drei Gruppen unterteilt. Ergebnis: Während das allgemeine Angstempfinden unabhängig von der Frequenz bei beiden Musik-Gruppen reduziert wurde, sanken die Cortisolspiegel im Blut der 432-Hz-Gruppe signifikant stärker als die der 440-Hz-Probanden.

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Verbesserung der Schlafqualität

Erholsamer Schlaf stellt eine wichtige Grundlage für ein gesundes und zufriedenes Leben dar. Viele Menschen nutzen Musik als Einschlafhilfe und auch in diesem Kontext ist Musik in 432 Hz Schwingungsfrequenz in das Interesse der Forschung gerückt. Ein Forscherteam des All India Institute of Medical Sciences führte im Jahr 2019 eine Schlafstudie durch, die Aufschluss über den Einfluss von 432 Hz Musik auf den Verlauf und die Qualität des Schlafs geben sollte. Dazu hörten 15 Probanden, die unter dem Delayed Sleep Syndrome litten und somit zwei oder mehr Stunden benötigten, um in den Schlaf zu finden, eine Woche lang 432 Hz Musik vor dem Schlafengehen. Während der Studie wurden wichtige Schlafparameter, u.a. Ergebnis: Die Schlaflatenz verringerte sich (geringe Signifikanz). Die Alphawellen wurden stark reduziert (hohe Signifikanz).

Einfluss auf die Stimmung

In einer neuropsychologischen Studie untersuchten türkische Wissenschaftler Anfang 2021 den unterschiedlichen Einfluss von 440 und 432 Hz Musik auf das emotionale Wohlbefinden. Dazu wurden 51 Menschen traurige und fröhliche Musikstücke jeweils in 440 und 432 Hz Stimmungsfrequenz vorgespielt und sowohl deren emotionale Erfahrung als auch ausgewählte Vitaldaten wie bspw. Ergebnis: Nach dem Hören von 440 Hz Musik, unabhängig von der Grundstimmung des Musikstücks, gaben die Probanden im Vergleich zur 432 Hz Musik eine negativere Grundstimmung an. Vor allem die männlichen Teilnehmer der Studie berichteten nach dem Hören der 440 Hz Musik von einer negativeren Stimmung.

Studien über Binaurale Beats und ihre Auswirkungen auf das Gehirn

Ist es möglich mit Hilfe von “Binaurale Beats” das menschliche Gehirn zu beeinflussen? Ein Grund mich in diesem Blogbeitrag mit diesem Thema zu beschäftigen.

Was sind Binaurale Beats?

Binaural bedeutet so viel wie “mit beiden Ohren”. Eine Binauraler Beat lässt eine akustische Täuschung entstehen. Diese wird durch zwei unterschiedliche zur gleichen Zeit abgespielten Töne / Frequenzen im menschlichen Gehirn erzeugt. Als Erfinder der binauralen Beats gilt Heinrich Wilhelm Dove. Er hat 1839 herausgefunden, dass wenn zwei unterschiedliche Frequenzen zeitgleich auf das rechte und das linke Ohr treffen, es zu Schwebungen (Überlagerungen, oder auch pulsierende Amplituden) kommt. Diese Frequenzen entstehen ausschließlich im Gehirn. Wichtig: Aus diesem Grund funktionieren Binaurale Beats nur mit Studiokopfhörern.

Wie verarbeitet das Gehirn Binaurale Beats?

Unser Gehirn produziert Gehirnwellen. Das sind elektromagnetische Impulse. Diese bestimmen, ob wir entweder wach, konzentriert oder entspannt sind. In einer Studie ist auf Gehirnwellen in Verbindung mit Binauralen Beats eingegangen worden. Diese wurden dabei nach ihrer Frequenz in fünf verschiedene Gruppen unterteilt:

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  • 38 bis 42 Hz: Gamma-Wellen stehen für eine erhöhte Aufmerksamkeit und Sinneswahrnehmung. Hier fühlen wir uns gestresst, können so aber auch anspruchsvollen Arbeiten nachgehen.
  • 14 bis 38 Hz: Beta-Wellen strahlen wir aus, wenn wir “normal” sind. Hier nutzen wir unser logisches Denken und kognitiven Fähigkeiten. Können aber auch leicht gestresst oder unruhig sein.
  • 8 bis 12 Hz: Alpha-Wellen senden wir aus, wenn wir entspannt sind, z.B. Musik hören oder ein Buch lesen. In diesem Zustand sind wir besonders kreativ und können neue Information schneller erlernen.
  • 3 bis 8 Hz: Im Zustand der Theta-Wellen sind wir tiefenentspannt und kurz vorm Einschlafen. In diesem Zustand lässt es sich gut meditieren.
  • 0 bis 3 Hz: Senden wir Delta-Wellen aus, sind wir in der Tiefschlafphase und schütten Melatonin- (ein Schlafhormon) und Somatropin (Ein Wachstumshormon) aus. Ab hier setzt die physische Regeneration des Körpers ein.

Sobald das Gehirn den binauralen Frequenzen ausgesetzt ist, beginnt es sich diesen anzupassen und in der Folge Gehirnwellen mit der gleichen Frequenz zu erzeugen. Man nennt diesen Effekt auch “Frequency Following Response” oder auch “Frequenz-Folge-Reaktion” (FFR).

Beispiel: Nehmen wir eine Frequenz von 200 Hz auf dem linken Ohr und eine Frequenz von 208 Hz auf dem rechten Ohr, dann erzeugen wir einen Binauralen Beat von 8 Hz, der uns in den Alpha Zustand versetzen kann.

Praktische Anwendungen von Binauralen Beats

Binaurale Beats finden in mehreren Bereichen Anwendung. Bei einigen lässt sich nachweislich ein Effekt erzielen, bei anderen ist das eher fragwürdig.

  • Entspannung: Frequenzen zwischen 12 Hz und 3 Hz können Stress, der im Job oder Alltagsstress begründet ist, ausgleichen. Außerdem können Anspannungen gelöst und das allgemeine Wohlbefinden verbessert werden.
  • Lernen: Binaurale Beats beim Lernen zu hören, kann das Vorstellungsvermögen, die Kreativität und die Konzentration stärken. Binaurale Frequenzen können in Verbindung mit klassischer Musik den Lernerfolg verstärken bei Klausuren und Prüfungen begünstigen.
  • Meditation: Meditation bedeutet den eigenen Mittelpunkt zu finden. Für viele ist sie auch gleichbedeutend mit einer bewusstseinserweiternden Praxis. Binaurale Beats können dabei helfen leichter in einen meditativen Zustand zu gelangen und diesen über einen längeren Zeitraum zu halten.
  • Schlafen: Binaurale Beats können den Schlaf unterstützen, wenn nicht sogar verbessern. Luzides Träumen, bzw. Klarträumen, lässt den Träumer darüber bewusst werden, dass er träumt.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Binauralen Beats

Die Forschung zu binauralen Beats zeigt bislang uneinheitliche Ergebnisse. Christoph Reuter betont, dass die versprochenen Effekte wissenschaftlich kaum nachgewiesen wurden. Einige Studien, wie die von Lane et al. (1998), deuten zwar auf eine mögliche Wirkung bei Entspannung und Konzentration hin, doch gibt es viele widersprüchliche Ergebnisse. Zusätzlich gibt es methodisch schwache Studien, insbesondere aus dem Umfeld des Monroe Instituts. In seriösen, peer-reviewten Journals fehlen belastbare Belege. Dennoch könnten Placebo-Effekte bei überzeugten Anwendern eine Rolle spielen.

Wie kann man Binaurale Beats erstellen?

Binaurale Beats können vom Menschen nur wahrgenommen werden, wenn diese unterhalb von 1500 Hz angesiedelt sind. Die Differenz der beiden Frequenzen, die dabei im Gehirn entsteht ist 10 Hz = unser Binauraler Beat. Um zwei unterschiedliche Frequenzen zu erzeugen und einen binauralen Beat zu erzeugen, bietet sich das Programm Audacity an.

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Kritik und Gegenstimmen

Um das Thema aus wissenschaftlicher Sicht möglichst unvoreingenommen und ganzheitlich zu erfassen, werden auch die wissenschaftlichen Stimmen betrachtet, die sich gegen die positive Wirkung der Frequenz 432 Hz aussprechen.

Im Handbuch Musikpsychologie aus dem Jahr 2018 erwähnen die Autoren Reuter und Mühlhans im Kapitel „Mythen und Legenden zur Wirkung von Musik“ ebenfalls die Musik in 432 Hz Schwingungsfrequenz. Die Autoren setzen das Thema 432 Hz insbesondere in Zusammenhang mit Verschwörungstheorien und „esoterischen Überzeugungen“.

Vergleich von 432 Hz und 440 Hz

Im Jahr 2003 untersuchten Wissenschaftler der TU München mögliche Wirkungs- und Wahrnehmungsunterschiede bei der Stimmung eines Flügels in 440 bzw. 432 Hz. Dazu wurde ein Flügel jeweils in 440 und 432 Hz gestimmt, anschließend sechs identische Musikstücke gespielt und hiervon Aufnahmen angefertigt. Ergebnisse: Die Angaben der Probanden ließen keine Schlüsse auf eine bessere Klangqualität der einen oder der anderen Frequenz zu.

Weitere Studien und Erkenntnisse

Einfluss musikalischer Stimmung auf die kognitive Leistung

In einer Studie aus dem Jahre 2019 wurde der Einfluss unterschiedlicher musikalischer Stimungen auf die kognitive Leistungsfähigkeit analysiert. Probanden wurden vor und nach dem Hören von Musik, die entweder auf 432 Hz oder 440 Hz gestimmt war, einer Reihe standardisierter kognitiver Tests unterzogen, die Aufgaben zur Aufmerksamkeit, kognitiven Flexibilität und Kreativität umfassten. Die Ergebnisse zeigten, dass die Teilnehmer, die Musik bei 432 Hz hörten, signifikant bessere Leistungen in den kognitiven Tests erzielten als jene, die der 440-Hz-Stimmung ausgesetzt waren. Insbesondere verbesserte sich ihre Fähigkeit zur Problemlösung und kreativen Denkweise.

Auswirkungen von 432 Hz versus 440 Hz auf das autonome Nervensystem

Der Schwerpunkt dieser Studie lag auf der Untersuchung, wie sich unterschiedliche musikalische Stimmungen auf das autonome Nervensystem auswirken. Mittels Messung der Herzfrequenzvariabilität (HRV) - einem anerkannten Indikator für das Gleichgewicht zwischen sympathischer und parasympathischer Aktivität - wurde erfasst, wie die Zuhörer auf Musik bei 432 Hz im Vergleich zu 440 Hz reagierten. Die Ergebnisse zeigten, dass Musik bei 432 Hz eine signifikante Erhöhung der HRV bewirkte, was auf eine intensivere parasympathische Aktivierung und somit auf eine tiefere Entspannungsreaktion hinweist. Im Gegensatz dazu führte die 440-Hz-Stimmung zu weniger ausgeprägten Veränderungen der HRV.

Einfluss von 432 Hz Musik auf Angst und Stress bei Patienten

Diese Studie aus dem Jahre 2021 untersuchte, wie Musik, die auf 432 Hz gestimmt ist, das Erleben von Angst und Stress bei Patienten beeinflusst. In einem kontrollierten Experiment wurden die Probanden in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe hörte Musik bei 432 Hz, während die Vergleichsgruppe entweder Musik bei 440 Hz oder gar keine Musik erlebte. Die Ergebnisse zeigten, dass die Teilnehmer, die Musik bei 432 Hz hörten, signifikant niedrigere Werte in den Angst- und Stressindikatoren aufwiesen. Konkret wurden niedrigere Herzfrequenz und Blutdruck gemessen, und auch der Cortisolspiegel war deutlich reduziert.

Vergleichende Analyse der Wirkung von 443 Hz vs. 432 Hz Musik auf Krebs-Patienten

Diese neue deutsche Studie aus 2024 untersuchte den Einfluss von Musik, die auf 432 Hz im Vergleich zu 443 Hz gestimmt ist, speziell bei Krebs-Patienten. Im Fokus standen dabei physiologische und emotionale Parameter, die für Patienten in einem sensiblen Gesundheitszustand von großer Bedeutung sind. Die Untersuchung ergab, dass Patienten, die Musik bei 432 Hz hörten, signifikant bessere Stressparameter aufwiesen als jene, die Musik bei 443 Hz ausgesetzt waren. Konkret zeigten sich niedrigere Werte bei Herzfrequenz und Blutdruck, was auf eine tiefere Entspannung hinweist. Darüber hinaus berichteten die Patienten subjektiv von einem gesteigerten Wohlbefinden und einer intensiveren inneren Harmonie, wenn sie der 432-Hz-Bedingung ausgesetzt waren.

Frequenztherapie in der Massagepraxis: Synergieeffekte

Die klassische Massage wirkt über Druck, Dehnung und Reibung auf Muskeln, Faszien und das vegetative Nervensystem. Sie kann Stress abbauen, Schmerzen lindern und die Durchblutung fördern. Wird sie nun mit Frequenztherapie kombiniert, entstehen Synergieeffekte:

  • Vertiefte Entspannung: Alpha- und Theta-Wellen, die durch Frequenztherapie induziert werden, verstärken die physiologische Entspannungsreaktion der Massage
  • Traumaverarbeitung: Besonders Theta-Frequenzen können unbewusste, gespeicherte Emotionen ansprechen. In Kombination mit der lösenden Wirkung einer Massage können so alte Muster sanft verarbeitet werden
  • Emotionale Regulation: Viele Menschen erleben während solcher Sitzungen plötzliche emotionale Lösungen oder Einsichten. Der Körper erinnert sich, und die Frequenz hilft, dieses "Erinnern" in Balance zu bringen
  • Stimulierung der Selbstheilung: Frequenzen wie 432 Hz oder 528 Hz werden mit Zellregeneration und Herzheilung assoziiert. Gleichzeitig fördert die Massage die Durchblutung - beides zusammen unterstützt Regeneration
  • Verbesserter Zugang zum Unterbewusstsein: Während einer Frequenzmassage im Alpha- oder Theta-Zustand wird das Bewusstsein durchlässiger, Affirmationen oder innere Bilder können tiefer wirken

Neurofeedback-Training

Forschungen mittels EEG haben ergeben, dass bestimmte psychische Störungen, wie z. B. ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung), Depressionen, Angststörungen oder Schlafstörungen, mit Auffälligkeiten der gemessenen Gehirnwellenmuster einhergehen. Tatsächlich ist es möglich, diese störungsspezifischen EEG-Abweichungen durch ein sogenanntes Neurofeedback-Training zu beeinflussen. Beim Neurofeedback-Training erhalten Patienten direkte Rückmeldung über ihre mittels EEG gemessenen Gehirnaktivitäten und lernen, wie sie diese selbst beeinflussen und regulieren können. Erfolge werden dabei im Sinne einer operanten Konditionierung belohnt. Die anhaltende Wirksamkeit von Neurofeedback-Training gilt als wissenschaftlich belegt. Mit diesem Training können z. B. ADHS-Patienten lernen, ihre Gehirnaktivität im Bereich des aufmerksamen Wachzustands der Beta-Wellen zu halten und das bei ADHS typische Vorherrschen der Theta-Wellen-Aktivität zu reduzieren.

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