Pille bei PMS und Migräne: Erfahrungen, Auswirkungen und Alternativen

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch starke, oft einseitige Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit und Übelkeit auszeichnet. Frauen sind dreimal häufiger von Migräne betroffen als Männer, und etwa 20 Prozent der Patientinnen erleben die Beschwerden in Abhängigkeit von ihrem Zyklus. Diese zyklusbedingte Migräne, insbesondere die menstruelle Migräne, kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Die Schmerzen sind oft so stark, dass die Patientinnen nicht mehr in der Lage sind, am üblichen Leben teilzunehmen.

Zyklusbedingte Migräne: Menstruelle und menstruell assoziierte Migräne

Treten die Beschwerden zwei Tage vor bis drei Tage nach den Monatsblutungen auf und das bei mindestens zwei von drei aufeinanderfolgenden Zyklen, spricht man gemäß der internationalen Kopfschmerzklassifikation von einer menstruellen Migräne. Haben die Frauen auch zu anderen Zeitpunkten des Monatszyklus Beschwerden, handelt es sich um eine sogenannte menstruell assoziierte Migräne. Besonders heftig sind die Kopfschmerzattacken oft rund um die Regelblutungen oder bei Beginn der Wechseljahre. Während der Schwangerschaft oder auch nach Ende der Menopause verbessern sich die Symptome häufig.

Hormonschwankungen als Auslöser

Diese Beobachtung legt nahe, dass Hormonschwankungen, insbesondere ein abrupter Östrogenabfall, das Auftreten einer Migräne begünstigen können. Untersuchungen an Tieren haben gezeigt, dass Hormonschwankungen, insbesondere von Östrogen, zu einer verstärkten Freisetzung des Calcitonin Gene-Related Peptid (CGRP) im Gehirn führen. Dieses Peptid wird derzeit als entscheidend für die Schmerzentstehung bei Migräne angesehen.

Forscher der Charité in Berlin überprüften, ob dieser Zusammenhang auch bei Menschen besteht. Hierfür ermittelten sie bei 180 Frauen die CGRP-Konzentration im Blut: einmal zum Zeitpunkt des Eisprungs und einmal kurz vor der Periode. Im Vergleich zu Frauen ohne Migräne hatten Patientinnen mit Beschwerden während der Menstruation einen deutlich höheren CGRP-Spiegel. Das könne erklären, warum die betroffenen Frauen kurz vor und während der Monatsblutung häufiger Migräneattacken erleben, so die Wissenschaftler der Charité.

Die Rolle der Östrogene

Das am meisten relevante endogene Estrogen ist 17 β-Estradiol. Es hat Zugang zum zentralen Nervensystem durch passive Diffusion durch die Bluthirnschranke. Es kann jedoch auch lokal im Gehirn aus Cholesterin oder aus aromatisierten Vorstufen durch das Enzym Aromatase synthetisiert werden und dort als Neurosteroid wirken. Estrogene entwickeln ihre biologische Wirkung im zentralen Nervensystem durch genomische oder nichtgenomische zelluläre Mechanismen. Dadurch können die Neurotransmission und die Zellfunktion verändert werden. Zahlreiche Gehirnareale, die in der Pathophysiologie der Migräne involviert sind, exprimieren Estrogenrezeptoren. Dies trifft insbesondere für den Hypothalamus, das Kleinhirn, das limbische System, Brückenkerne sowie das periaquäduktale Grau (Substantia grisea periaquaeductalis) zu. Estrogen-Rezeptoren werden ebenfalls in der Hirnrinde exprimiert, wodurch die Schmerzempfindlichkeit afferent und efferent moduliert werden kann.

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Einfluss der Antibabypille auf Migräne

Neben den natürlichen Hormonschwankungen im weiblichen Zyklus können auch Hormonpräparate wie die Antibabypille eine Migräneattacke auslösen. Hier fällt der Östrogenspiegel mit Einnahme der letzten Tablette aus dem Blister und der damit verbundenen Einnahmepause ab.

Langzyklus und niedrig dosierte Präparate

Könnten menstruelle Migräneattacken dann im Umkehrschluss durch Hormongaben verhindert werden? Laut der Information kann der Gebrauch einer Antibabypille im sogenannten Langzyklus besser sein. Hierbei nehmen die Patientinnen die Hormone länger als die üblichen 21 Tage, manchmal sogar kontinuierlich ein. Bleibt die Periode aus, bleiben häufig auch die Migräneattacken aus. Zudem sind Präparate mit einer geringen Hormonkonzentration zu bevorzugen.

Migräne mit Aura und hormonelle Verhütung

Anders sieht es aus, wenn Patientinnen unter Migräne mit Aura leiden. Hier rät die Weltgesundheitsorganisation (WHO) grundsätzlich davon ab, mit hormonell wirksamen Präparaten zu verhüten. Der Grund: Diese Frauen haben ein leicht, aber signifikant erhöhtes Risiko einen Schlaganfall oder andere vaskulär bedingte Erkrankungen zu erleiden. Die zusätzliche Einnahme eines KOK würde dieses Risiko noch erhöhen. Obwohl die Datenlage bisher noch limitiert ist, scheinen orale Gestagen-Monopräparate (POP) das Risiko arterieller Thromboembolien hingegen nicht zu erhöhen, schreibt die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in ihrer Leitlinie. Demnach dürfen Migräne-Patientinnen mit oder ohne Aura POP einnehmen, insofern sie keine weiteren Risikofaktoren für einen Schlaganfall aufweisen. Vorläufige Ergebnisse zweier Pilotstudien deuten zudem darauf hin, dass bei Einnahme reiner Gestagenpräparate (Desogestrel 75 µg) die Migräneattacken weniger schwer ausfallen. 30 beziehungsweise 38 Patientinnen hatten in Schmerztagebüchern erfasst, dass sowohl die Schmerzintensität als auch die Dauer der Migräneattacke zurückgingen. Um die Ergebnisse dieser Untersuchungen zu bestätigen, müssen weitere Studien durchgeführt werden.

Individuelle Erfahrungen mit der Slinda Pille

Einige Frauen berichten von positiven Erfahrungen mit der Slinda Pille, einer Pille, die nur Gestagen enthält. Sie berichten von weniger Migräneattacken und einer Verbesserung der PMS-Beschwerden. Andere Frauen hingegen haben negative Erfahrungen gemacht, wie z.B. Stimmungsschwankungen, Angstzustände, Kopfschmerzen, Hautprobleme und Haarausfall. Es ist wichtig zu beachten, dass jede Frau anders auf die Pille reagiert und es einige Zeit dauern kann, bis sich der Körper an die Hormone gewöhnt hat.

Behandlung von menstrueller Migräne

Patientinnen mit zyklusabhängiger Migräne können dieselben Schmerzmittel einnehmen wie sie bei hormonunabhängiger Migräne üblich sind. Da die Attacken in der Regel besonders lange andauern, empfiehlt die Kieler Schmerzklinik, langwirksame Präparate wie Naproxen, Naratriptan oder Frovatriptan. Ist das Ansprechen auf diese Therapie unzureichend, kann in ärztlicher Absprache eine sogenannte Kurzzeitprophylaxe durchgeführt werden. Hier nehmen die Patientinnen zwei Tage vor der erwarteten Migräneattacke Naproxen oder Triptane für fünf bis sieben Tage ein. Haben Frauen auch zu anderen Zeitpunkten im Zyklus Schmerzen, können sie diese Methode nicht nutzen. Sie würden sonst zu häufig zu Schmerzmitteln greifen und die Grenzschwelle für Analgetika von zehn Tagen im Monat schnell überschreiten. Durch Schmerzmittel bedingte Kopfschmerzen könnten die Folge sein.

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Akuttherapie und vorbeugende Maßnahmen

Die Akuttherapie unterscheidet sich grundsätzlich nicht von der Standardtherapie der Migräneattacke. Bei leichten bis mittelschweren Attacken empfiehlt die Expertin normale Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (ASS). Bei schwereren Attacken sollten sich die Betroffenen Triptane, also migränespezifische Mittel, verschreiben lassen. Bei der menstruellen Migräne stehen therapeutisch aber auch ein paar Extraoptionen zur Verfügung. „Eine Möglichkeit wäre, während dieser prämenstruellen Phase vorbeugend ein Medikament über etwa sieben Tage einzunehmen. Beispielsweise ein lang wirksames Triptan oder ein lang wirksames Schmerzmittel wie Naproxen“, so die Expertin. „Das ist eine Option, die es nur bei der menstruellen Migräne gibt.“

PMS und die Pille: Eine mögliche Behandlung?

Eine Behandlung des Prämenstruellen Syndroms (PMS) durch Verhütung? Ja, die Antibabypille zählt zu den möglichen Behandlungsoptionen, die Frauen mit PMS-Beschwerden empfohlen werden. Selbstverständlich nur dann, wenn kein gleichzeitiger Kinderwunsch besteht. Bei Beschwerden, die auf einem hormonallen Ungleichgewicht beruhen können, ist naheliegend, dass Hormonpräparate helfen können. Denn mit einem Hormonpräparat wie einer Verhütungspille wird der körpereigene Zyklus unterdrückt Wenn gleichzeitig der Wunsch zum Verhüten besteht, kann der Einsatz von oralen Kontrazeptiva tatsächlich als praktikable und erfolgversprechende Lösung in Betracht gezogen werden.

Nicht jede Pille ist gleich gut geeignet

Durch die Einnahme und Einnahmepause der Pille wird zwar ein sehr regelmäßiger Zyklusablauf erreicht und die Menstruationsblutung ist häufig auch weniger intensiv, wenn es aber um die Beschwerden des Prämenstruellen Syndroms geht, stellen manche Frauen fest, dass sich das Beschwerdebild lediglich verschiebt. Enthält die vom Arzt verordnete Pille beispielsweise einen hohen Östrogengehalt, kann dies das Problem der Brustschmerzhaftigkeit noch verstärken. Somit ist nicht jede Pille ist für jede Frau gleichermaßen gut geeignet. Der Wechsel von Verhütungspillen aufgrund von unerwünschten Wirkungen ist vielen Frauen bestens bekannt.

Die richtige Wahl der Pille ist entscheidend

Es gibt zahlreiche Präparate zur hormonellen Verhütung, die alle auf künstlich hergestellten Geschlechtshormonen basieren und sich in ihrer Zusammensetzung und Dosierung unterscheiden. Mikropillen enthalten eine niedrig dosierte Kombination der Hormone Östrogen und Gestagen, in Minipillen wird dagegen nur ein Gestagen als Wirkstoff verwendet. Außer in Pillenform gibt es die hormonelle Kontrazeption auch als Pflaster, Spirale, Vaginalring oder Depotspritze. Ob und wie sich deren Einsatz zur Linderung von PMS-Beschwerden bewährt, ist allerdings noch unzureichend untersucht In jedem Fall sollten Sie sich von Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt ausführlich dazu beraten lassen.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen hormoneller Verhütungsmethoden

Bei geeigneter Produktauswahl können PMS-Beschwerden und Zyklusstörungen über die Hormonkonstanz günstig beeinflusst werden. Positive Berichte über weniger Beschwerden, ein verbessertes Alltagsleben, mehr soziale Aktivitäten und eine höhere Zufriedenheit in der Partnerschaft liegen vor. Allerdings wird auch über Nebenwirkungen der Pille geklagt. Diese können sich beispielsweise in Form von Übelkeit, Erbrechen, Zwischenblutungen und Brustschmerzen äußern. Migräne, Stimmungsveränderungen und eine verminderte Libido gehören ebenfalls zum Spektrum der möglichen unerwünschten Wirkungen, die Frauen belasten können. Auch die Anfälligkeit für eine Blasenentzündung (Zystitis) kann durch die durch die Pille ausgelösten Hormonveränderungen erhöht werden. Außerdem erhöhen hormonelle Verhütungsmittel bekanntermaßen das Risiko für Blutgerinnsel (Venenthrombosen). Zwar ist die Thrombosegefahr insgesamt gering, kann aber durch bestimmte Faktoren - wie das Rauchen oder Übergewicht - deutlich gesteigert werden. Nicht geeignet ist die Pille für Frauen, die bereits von einer Erkrankung mit Gefäßverschluss betroffen sind oder waren. Auch akute oder chronische Lebererkrankungen sowie ein schwer zu behandelnder Bluthochdruck zählen zu den Gegenanzeigen. Das gilt auch für eine massive Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).

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Alternativen zur Pille

Wenn eure Kopfschmerz- oder Migräne-Attacken unabhängig von eurem Zyklus auftreten, solltet ihr eher auf Alternativen zur hormonellen Verhütung zurückgreifen. Kupfer- oder Gold-Spiralen, mechanische (z.B. Kondome oder Diaphragma) oder natürliche Verhütungsmethoden sind mögliche Alternativen.

Etwas weniger zuverlässig, aber ebenfalls möglich ist die Verhütung durch Zeitplanung. Zur sogenannten NFP (Natürliche Familien Planung) zählt zum einen die Symptothermal-Methode, bei der man zyklische Temperaturschwankungen des Körpers und die Veränderung des Gebärmutterschleims beobachtet, und ggf. auch den Zustand des Gebärmutterhalses ertastet, um Rückschlüsse auf die fruchtbaren Tage zu erhalten. Zum anderen besteht die Möglichkeit anhand von Zyklus-Apps oder Hormon- bzw. Temperaturcomputern den Eisprung zu berechnen. Bei diesen Methoden ist eine zuverlässige und sorgsame Anwendung, sowie ein regelmäßiger Rhythmus der Periode, allerdings Voraussetzung für eine hohe Sicherheit.

Wollt ihr trotz Migräne hormonell verhüten, wählt am besten eine niedrig dosierte Pille, die nur das Hormon Gestagen (z.B. Mini-Pille) enthält, statt zusätzlich noch Östrogen, wie es bei den meisten Kombinationspillen der Fall ist. Diese wird ohne Pause eingenommen, sodass hier auch der Abfall des Hormonspiegels wegfällt.

Pflanzliche Präparate

Alternativ dazu gibt es aber auch andere, sogar ursächlich wirksame Therapiemöglichkeiten: die Einnahme von geeigneten pflanzlichen Präparaten. Hier sticht vor allem der Mönchspfeffer heraus. Er wird auch Keuschlamm oder Vitex agnus-castus genannt und kann den Zyklus harmonisieren, PMS-Beschwerden reduzieren und Regelbeschwerden lindern.

Nicht-medikamentöse Migräneprophylaxe

Eine neue, nicht-medikamentöse Migräneprophylaxe bietet die App sinCephalea Migräneprophylaxe. Die digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) sinCephalea bietet dir die Gelegenheit mittels eines Blutzuckersensors die Reaktion deines Blutzuckers auf gewisse Mahlzeiten und Lebensmittel zu testen. Im Anschluß an die Testphase erhältst du individuell auf dich zugeschnittene Ernährungsempfehlungen, mit denen du mit nur wenigen Änderungen (keine Migräne-Diät!!) wirksam Migräneattacken vorbeugen kannst.

Migräne mit Aura

Bei einer Migräne mit Aura rät die WHO Frauen jeden Alters von der Pilleneinnahme ab.6 Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DKMG) führt auf, dass das absolute Schlaganfallrisiko für junge Frauen bei einer Migräne mit Aura leicht erhöht sei, abhängig von der Aktivität der Migräne. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft empfiehlt Aura-Migränikerinnen, die Kombination von Rauchen und Antibabypille zu vermeiden, da sich das Schlaganfallrisiko dadurch um das Zehnfache erhöhe. Um den oder die Auslöser einer Migräne mit Aura feststellen zu können, hat sich ein Migräne-Tagebuch als sehr hilfreich gezeigt. Es ermöglicht eine detaillierte Dokumentation möglicher Trigger im Zyklusverlauf, sodass ggf. frühzeitig reagiert werden kann.

Symptome der Migräne mit Aura

Bei Auren können Störungen des Geruchs- oder Sehsinns oder Empfindungsstörungen, beispielsweise an den Händen, auftreten, aber auch andere neurologische Einschränkungen bis hin zu Sprachstörungen und Lähmungserscheinungen. Alle Symptome der Aura verschwinden aber in der Regel mit Einsetzen der Migräne.

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