Triptane bei Migräne: Wirkweise, Anwendung und wichtige Hinweise

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Triptane sind eine Klasse von Medikamenten, die speziell für die Akutbehandlung von Migräneanfällen entwickelt wurden. Sie sind in der Lage, nicht nur den Kopfschmerz selbst zu bekämpfen, sondern auch die Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit zu lindern.

Was sind Triptane?

Triptane sind synthetische Substanzen, die dem körpereigenen Botenstoff Serotonin ähneln. Sie wirken, indem sie an Serotonin-Rezeptoren (insbesondere 5-HT1B- und 5-HT1D-Rezeptoren) im Gehirn und in den Blutgefäßen binden. Diese Bindung führt zu einer Verengung der Blutgefäße im Gehirn, hemmt die Freisetzung von Entzündungsstoffen und reduziert die Schmerzübertragung.

Professorin Gudrun Goßrau, Leiterin der Kopfschmerzambulanz am Uniklinikum Dresden und Generalsekretärin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, betont: „Triptane sind Standardmedikamente und eine wichtige Säule im Behandlungskonzept von mittelschwerer und schwerer Migräne.“ Sie werden auch bei Cluster-Kopfschmerzen eingesetzt.

Wie wirken Triptane?

Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass Entzündungen im Bereich der Blutgefäße des Gehirns und eine Erweiterung dieser Gefäße eine wichtige Rolle spielen. Triptane wirken auf verschiedene Weisen, um diese Prozesse zu beeinflussen:

  • Verengung der Blutgefäße: Triptane bewirken eine Verengung der erweiterten Blutgefäße im Gehirn, insbesondere der Dura-Arterien, die das Gehirn versorgen.

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  • Hemmung von Entzündungsprozessen: Sie hemmen Entzündungsvorgänge im Bereich dieser Arterien.

  • Reduktion der Schmerzübertragung: Triptane unterdrücken die Weiterleitung von Schmerzsignalen an das Schmerzzentrum im Gehirn.

Durch diese Wirkmechanismen können Triptane die Kopfschmerzen und die Begleiterscheinungen einer Migräneattacke effektiv lindern.

Welche Triptane gibt es?

In Deutschland sind sieben verschiedene Triptane zugelassen:

  • Almotriptan
  • Eletriptan
  • Frovatriptan
  • Naratriptan
  • Rizatriptan
  • Sumatriptan
  • Zolmitriptan

Diese Triptane unterscheiden sich in ihrer Wirkgeschwindigkeit, Wirkdauer, Nebenwirkungsprofil und Anwendungsform. Einige wirken schneller, andere länger. Die meisten sind als Tabletten erhältlich, einige auch als Nasenspray oder Injektion.

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Schneller Wirkeintritt:

  • Sumatriptan (insbesondere als Injektion oder Nasenspray)
  • Rizatriptan
  • Eletriptan
  • Almotriptan

Längere Wirkdauer:

  • Frovatriptan
  • Naratriptan

Die Wahl des geeigneten Triptans sollte individuell in Absprache mit einem Arzt erfolgen, um die bestmögliche Wirkung zu erzielen und Nebenwirkungen zu minimieren.

Wann und wie sollten Triptane eingenommen werden?

Triptane sollten so früh wie möglich in der Kopfschmerzphase einer Migräneattacke eingenommen werden, idealerweise sobald die Kopfschmerzen beginnen. Während der Aura-Phase sind Triptane in der Regel nicht wirksam, da sie die Symptome der Aura nicht direkt beeinflussen können.

Es ist wichtig, die Anweisungen des Arztes und die Informationen in der Packungsbeilage genau zu befolgen. Die Dosierung variiert je nach Triptan und individuellen Bedürfnissen. In der Regel wird eine Tablette eingenommen, und bei Bedarf kann nach einigen Stunden eine zweite Dosis eingenommen werden. Es ist jedoch wichtig, die maximale Tagesdosis nicht zu überschreiten, um einen Medikamentenübergebrauch zu vermeiden.

Was ist bei der Einnahme von Triptanen zu beachten?

Vor der ersten Einnahme von Triptanen ist eine sorgfältige ärztliche Untersuchung erforderlich. Der Arzt wird die Krankengeschichte des Patienten erheben, eine körperliche Untersuchung durchführen und gegebenenfalls weitere Untersuchungen wie ein Elektrokardiogramm (EKG) durchführen, um mögliche Risiken auszuschließen.

Wichtige Hinweise:

  • Kontraindikationen: Triptane dürfen nicht eingenommen werden bei bestimmten Vorerkrankungen, insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie koronarer Herzkrankheit, Bluthochdruck oder Schlaganfall.
  • Wechselwirkungen: Triptane können mit anderen Medikamenten interagieren, insbesondere mit anderen Serotonin-wirksamen Substanzen wie bestimmten Antidepressiva (SSRI, SNRI, MAO-Hemmer).
  • Übergebrauch: Ein zu häufiger Gebrauch von Triptanen (mehr als 10 Tage pro Monat) kann zu einem Medikamentenübergebrauchskopfschmerz führen.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollten Triptane nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt eingenommen werden.
  • Alter: Der Hersteller empfiehlt, Triptane nur bis zu einem Alter von 65 Jahren zu verabreichen. In Absprache mit dem behandelnden Arzt und nach kardiologischer Abklärung spricht jedoch nichts gegen einen Einsatz von Triptanen auch jenseits dieses Alters. Mittlerweile liegen auch Studien für den Einsatz von Sumatriptan und Zolmitriptan als Spray bei Jugendlichen zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr vor, die kein erhöhtes Risiko in dieser Altersgruppe ergaben.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Wie alle Medikamente können auch Triptane Nebenwirkungen verursachen. Häufige Nebenwirkungen sind:

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  • Müdigkeit
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühl
  • Wärme- oder Hitzegefühl
  • Engegefühl in Brust oder Hals

Diese Nebenwirkungen sind in der Regel leicht und vorübergehend. Bei stärkeren oder anhaltenden Beschwerden sollte ein Arzt konsultiert werden.

Wann sind Triptane nicht geeignet?

Triptane sind nicht für alle Migränepatienten geeignet. Es gibt bestimmte Kontraindikationen, bei denen die Einnahme von Triptanen vermieden werden sollte:

  • Bekannte oder vermutete koronare Herzkrankheit
  • Zustand nach Schlaganfall oder transitorischer ischämischer Attacke (TIA)
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
  • Unkontrollierter Bluthochdruck
  • Schwere Leberfunktionsstörung
  • Gleichzeitige Einnahme von Ergotaminen oder MAO-Hemmern

In diesen Fällen sollte der Arzt alternative Behandlungsmöglichkeiten in Betracht ziehen.

Was tun, wenn Triptane nicht wirken?

Nicht bei allen Patienten wirken Triptane gleich gut. Es gibt sogenannte Non-Responder, bei denen Triptane keine oder nur eine geringe Wirkung zeigen. In diesem Fall sollte der Arzt andere Triptane ausprobieren oder alternative Medikamente in Betracht ziehen.

Mögliche Strategien bei unzureichender Wirkung:

  • Wechsel des Triptans: Wenn ein Triptan nicht wirkt, sollte ein anderes ausprobiert werden.
  • Anpassung der Dosierung oder Einnahmezeitpunkt: In manchen Fällen kann eine höhere Dosis oder ein früherer Einnahmezeitpunkt die Wirkung verbessern.
  • Kombination mit anderen Medikamenten: Die Kombination von Triptanen mit Schmerzmitteln (z.B. NSAR) oder Antiemetika kann die Wirksamkeit erhöhen.
  • Alternative Medikamente: Für Patienten, bei denen Triptane nicht wirken oder nicht geeignet sind, gibt es alternative Medikamente wie Lasmiditan oder Rimegepant.

Triptane ohne Rezept - was ist zu beachten?

In Deutschland sind einige Triptane (Almotriptan, Naratriptan und Sumatriptan) in niedriger Dosierung rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Dies ermöglicht es Patienten mit diagnostizierter Migräne, sich bei Bedarf schnell selbst zu behandeln.

Wichtige Hinweise zur rezeptfreien Anwendung:

  • Diagnose: Vor der rezeptfreien Anwendung muss eine Migräne von einem Arzt diagnostiziert worden sein.
  • Beratung: Lassen Sie sich in der Apotheke ausführlich beraten, um sicherzustellen, dass Triptane für Sie geeignet sind und keine Kontraindikationen vorliegen.
  • Dosierung: Beachten Sie die empfohlene Dosierung und maximale Tagesdosis.
  • Übergebrauch: Verwenden Sie Triptane nicht häufiger als 10 Tage pro Monat, um einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz zu vermeiden.
  • Arztkonsultation: Bei unklaren Kopfschmerzen oder ausbleibender Wirkung sollte ein Arzt aufgesucht werden.

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