Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch anfallartige, meist halbseitige und pulsierende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Häufig treten zusätzliche Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Erschöpfung auf. Millionen Menschen sind betroffen, was Alltag, Arbeit und Lebensqualität massiv einschränkt. Viele Betroffene suchen neben klassischen Medikamenten nach ergänzenden Optionen. Cannabidiol (CBD), ein nicht berauschender Bestandteil der Cannabispflanze, rückt dabei zunehmend in den Fokus.
Was ist Migräne?
Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Betroffene leiden unter wiederkehrenden, oft unerträglichen Attacken. Es gibt verschiedene Formen, darunter Migräne mit oder ohne Aura sowie episodische (unter 15 Kopfschmerztage/Monat) und chronische Migräne (15 oder mehr Kopfschmerztage/Monat).
Ursachen und Auslöser
Die Anfälle entstehen aus einer komplexen Wechselwirkung von genetischer Veranlagung, Nervenzellübererregbarkeit und Triggern aus dem Alltag. Eine Aktivierung entzündlicher Signalwege - unter anderem über CGRP - kann die Attacke antreiben. Obwohl immer noch nicht lückenlos geklärt wurde, was bei einem Migräneanfall genau im Körper abläuft, gibt es mittlerweile Belege dafür, dass der Neurotransmitter Serotonin eine wichtige Rolle in diesem Prozess spielt. Bei Migräne-Patienten herrscht oft ein Ungleichgewicht an eben jenem Hormon Serotonin. Es wird angenommen, dass während einem akuten Migräneanfall vermehrt Serotonin ausgeschüttet wird.
Konventionelle Behandlungsmethoden
Bewährte Akuttherapien sind u. a. NSAR (z. B. Ibuprofen, Naproxen) und Triptane; prophylaktisch kommen Betablocker, Topiramat, Amitriptylin sowie moderne CGRP-Antikörper oder Gepants in Frage. Verhaltens- und Lebensstilmaßnahmen (Schlafhygiene, regelmäßige Mahlzeiten, Ausdauersport, Stressmanagement) sind essenziell. Viele Migränepatienten leiden nicht nur unter den Symptomen von Migräne, sondern auch unter den Nebenwirkungen der Medikamente, die je nach Schweregrad der Migräneanfälle fast dauerhaft eingenommen werden müssen.
Die Rolle von CBD bei Migräne
CBD (Cannabidiol) interagiert mit dem Endocannabinoidsystem (ECS) und weiteren Zielstrukturen wie TRPV1-Ionenkanälen und serotoninergen Rezeptoren (z. B. 5‑HT1A). Es moduliert Schmerzverarbeitung, Entzündungssignale und Stressreaktionen. Präklinisch gibt es Hinweise, dass CBD CGRP- und proinflammatorische Zytokine reduzieren kann. Darüber hinaus berichten manche Betroffene über Verbesserungen bei Schlaf, Anspannung im Kiefer-/Nackenbereich und Übelkeit - Faktoren, die Migräneverlauf und -empfinden beeinflussen können.
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Das Endocannabinoid-System (ECS)
Anfang der 1990er Jahre beschäftigte sich ein Team von Wissenschaftlern rund um den bekannten Cannabisforscher Dr. Raphael Mechoulam mit der Frage, warum Cannabinoide wie CBD so gut im menschlichen Körper wirken. Sie fanden heraus, dass der Mensch über ein körpereigenes Cannabinoid-System verfügt. Der Mensch produziert demnach körpereigene, also endogene Cannabinoide, die an sehr vielen essenziellen Körperfunktionen beteiligt sind und diese regulieren. Daher kommt auch der Name - Endocannabinoid-System, kurz ECS genannt. Das ECS ist Teil unseres Nervensystems. Aber nicht nur Menschen verfügen darüber, auch die meisten Tiere. Bisher konnten zwei primäre Cannabinoid-Rezeptoren eindeutig identifiziert werden - der CB1-Rezeptor und der CB2-Rezeptor. Diese Rezeptoren liegen verstreut im zentralen und peripheren Nervensystem.
Wie CBD wirken kann
CBD soll für eine Erhöhung des Serotoninspiegels sorgen, was in der Theorie das Auftreten von Migräne-Anfällen reduziert. Migräne kann durch entzündliche Prozesse im Gehirn verstärkt werden.
CBD vs. THC
CBD ist nicht gleichzusetzen oder zu verwechseln mit THC (Tetrahydrocannabinol), das für seine psychoaktive und anregende Wirkung und das High-Gefühl beim Kiffen verantwortlich ist. CBD enthält nur klitzekleine Mengen THC.
Wissenschaftliche Erkenntnisse und Studien
Die wissenschaftliche Forschung zu CBD und Migräne befindet sich noch in einem frühen Stadium, aber die Ergebnisse sind vielversprechend.
Präklinische Studien
Eine experimentelle Studie in Mäusen untersuchte CBD in einem Migränemodell, das durch das Peptid CGRP (ein wichtiger Migränetrigger) ausgelöst wurde. Eine einzelne CBD-Gabe schützte sowohl weibliche als auch männliche Tiere vor einer schmerzhaften Berührungsempfindlichkeit im Gesichtsbereich und konnte diese auch nachträglich wieder reduzieren. Bei wiederholter CGRP-Auslösung verhinderte CBD in weiblichen Tieren die Entwicklung eines „chronischen“ migräneähnlichen Zustands. CBD minderte zudem spontane Schmerzzeichen (weibliche Mäuse) und Angstverhalten (männliche Mäuse), nicht jedoch Lichtempfindlichkeit bei weiblichen Tieren. Die Autorinnen und Autoren sehen darin Hinweise, dass CBD sowohl vorbeugend als auch während einer Attacke wirken könnte - ohne die Kopfschmerzen durch Übergebrauch zu verschlimmern, wie es bei manchen Migränemitteln vorkommt.
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Eine zweite präklinische Arbeit in Ratten nutzte das Nitroglyzerin-Modell (ein etabliertes Migränemodell). CBD erreichte relevante Hirn- und Kopfareale (z. B. Meningen, Trigeminusganglion) und reduzierte in akuten und wiederholten Modellen Schmerzempfindlichkeit sowie entzündliche Signale. Dazu zählten geringere CGRP- und IL‑6-Spiegel, wohingegen TNF‑α unverändert blieb. Motorik, Angst- oder Pflegeverhalten wurden nicht beeinträchtigt. Das spricht für eine zielgerichtete, entzündungs- und CGRP-bezogene Wirkung von CBD in migränerelevanten Schaltkreisen.
In drei weiteren Mausmodellen (CGRP, Natriumnitroprussid, kortikale Spreading-Depolarisation) verbesserte eine Kombination aus CBD und THC im Verhältnis 100:1 bestimmte migränetypische Symptome wie Lichtempfindlichkeit (bei beiden Geschlechtern) und schmerztypische Gesichtsausdrücke. Taktile Gesichtsempfindlichkeit wurde dagegen nicht verbessert. Unerwünschte Wirkungen auf Kognition, Stimmung oder Motorik traten nicht auf. Das legt nahe, dass eine sehr THC-arme Kombination einzelne Migränesymptome adressieren könnte - bestätigt aber nicht, dass jede Form der Migräne komplett gebessert wird.
In einer Tierstudie konnte ein direkter Zusammenhang zwischen neuropathischen Schmerzen und der Erhöhung der Endocannabinoide Anandamid und 2-Arachidonylglycerol gezeigt werden. Es wird vermutet, dass die Ausschüttung dieser Stoffe und die damit erhöhte Aktivität der Cannabinoid-Rezeptoren (auf die auch CBD wirkt), eine Reaktion des Körpers, um Schmerzen zu lindern.
Klinische Studien am Menschen
In einer randomisierten, doppelblinden Studie mit 60 Personen mit Schlafbruxismus (nächtliches Zähneknirschen) verringerte ein intraoral aufgetragener CBD-Gel (5% oder 10%) über 30 Tage die Muskelspannung, verbesserte die Schlafqualität und senkte die migrainebezogene Beeinträchtigung (MIDAS) im Vergleich zu Placebo. Wichtig: Die Teilnehmenden waren keine reine Migränepopulation - gemessen wurde die „Migräne-Disability“, die auch bei Patienten mit Kiefermuskelproblemen relevant sein kann. Die Ergebnisse deuten auf potenzielle Vorteile bei komorbiden Beschwerden hin; sie ersetzen jedoch keine Migräne-spezifische Wirksamkeitsstudie.
Auf dem 3. Kongress der europäischen Akademie für Neurologie (EAN) in Amsterdam im Juni 2017 wurde eine interessante Studie aus Italien präsentiert. Bei dieser Studie wurden chronische Migränepatientinnen und Patienten mit einem Kombipräparat aus CBD und THC behandelt. Die Intensität der akuten Schmerzen konnte dadurch um 55 % gelindert werden. In einem zweiten Teil der Studie wurde das gleiche Präparat zur Migräne-Prophylaxe verabreicht. Die Kontrollgruppe erhielt Amitryptylin, ein Medikament, das sich bereits zur Prophylaxe gegen Migräne bewährt hat und eingesetzt wird. Tatsächlich konnte das Kombipräparat aus CBD und THC eine vergleichbare Verbesserung bewirken, wie Amitryptylin (40.4 % vs. 40. 1%).
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Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2025 analysierte vorhandene Forschungsdaten zu CBD und Migräne und bewertete die Erkenntnisse. Das Ergebnis: Zwar kann CBD theoretisch über das Endocannabinoid-System ( ECS) Einfluss auf Migräneanfälle haben, die bisher vorliegenden klinischen Studien sind jedoch zu heterogen, um eine klare Empfehlung auszusprechen. Die Autoren betonen deshalb, dass CBD zum aktuellen Zeitpunkt nicht als primäre Migränebehandlung empfohlen werden kann. Aber: Viele Patienten erleben den Autoren zufolge subjektiv positive Wirkungen auf ihre Migräne. Die Forscher sehen deshalb ein großes Potenzial in CBD.
Zusammenfassungen und Übersichten
Ein aktueller Übersichtsartikel für Kliniker fasst zusammen: Die präklinische Evidenz ist ermutigend, die klinische Datenlage bei Migräne jedoch noch begrenzt. CBD könnte als Ergänzung erwogen werden, doch fehlen robuste, placebokontrollierte Studien mit klaren Dosierungen und standardisierten Präparaten. Für Jugendliche mit therapieresistenter chronischer Migräne läuft eine offene Dosis-Eskalationsstudie zu einem CBD-angereicherten Cannabisextrakt (THC:CBD 1:25), primär zur Prüfung von Verträglichkeit und Dosierung. Ergebnisse stehen noch aus, helfen aber, künftige Wirksamkeitsstudien besser zu planen.
Die derzeitige Evidenz spricht dafür, dass CBD in Tiermodellen migräneähnliche Schmerzen und Entzündungssignale dämpfen und einzelne Symptome (z. B. Lichtempfindlichkeit) verbessern kann. Beim Menschen liegen erste Hinweise aus verwandten Patientengruppen vor (z. B. Bruxismus), aber noch keine großen, hochwertigen Migräne-Studien.
Medizinisches Cannabis
Seit 2017 ist es Ärzten in Deutschland erlaubt, medizinisches Marihuana oder Cannabis zu verschreiben. Die Indikationen für die Anwendung sind nicht explizit formuliert, allerdings geht die Fachliteratur von einem sehr breiten therapeutischen Spektrum aus. Da zu den etablierten Indikationen chronische Schmerzen zählen, ist das Interesse von Migräne-Patienten naheliegend.
Anwendung von CBD-Öl bei Migräne
Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, CBD zu konsumieren. Neben dem klassischen CBD Öl gibt es diverse andere Produkte, wie zum Beispiel Kapseln, Salben, Pastillen, Kaugummis und ähnliches. Viele Menschen mit Migräne greifen aber meist doch zu CBD in Öl-Form, da sich die Konzentration besser wählen lässt und die Dosis einfacher angepasst werden kann. Natürliche Vollextrakte, im Idealfall in Bio-Qualität mit einer CBD-Konzentration von 8%, 10% und 13%. haben sich in Bezug auf Migräne bewährt. Da die Wirkung von CBD eine sehr individuelle ist, ist der Weg zur eigenen Wohlfühldosis am besten nach dem Motto „Weniger ist mehr“ zu erreichen.
Dosierung und Einnahme
Start low, go slow: Beginnen Sie niedrig dosiert und steigern Sie langsam, beobachten Sie Wirkung und Verträglichkeit. Die richtige Dosis von CBD variiert je nach individuellen Faktoren, einschließlich Körpergewicht, allgemeinem Gesundheitszustand und Schwere der Symptome. Zeitpunkt: Einige berichten Nutzen bei regelmäßiger Einnahme (Prävention) oder zu Beginn einer Attacke (akut). Nutzen Sie einen wissenschaftlich fundierten Dosierungsrechner, um eine personalisierte CBD-Empfehlung für Ihre spezifische Situation zu erhalten.
CBD Öl einzunehmen ist sehr einfach. Am besten werden Tropfen direkt unter die Zunge getropft. Zuerst sollte man die Flasche allerdings gut schütteln und dann die Pipette neu füllen. Wie bereits erwähnt, muss man sich bei der Anwendung von CBD in Form von handelsüblichen und rezeptfreien CBD-Produkten keine Sorgen um eine berauschende Wirkung machen. THC ist der Stoff, der für die psychoaktive Wirkung von Cannabis verantwortlich ist.
Empfehlenswert ist es, zum Beispiel mit 2×3 Tropfen zu starten und die Dosis dann langsam steigern, bis die individuelle Wohlfühldosis erreicht ist. So gibt man dem Körper die Chance, sich an CBD zu gewöhnen und bestmöglich darauf zu reagieren. Wie schnell man die Wirkung von CBD bemerkt, hängt ganz von der Art der Aufnahme und auch Art und Qualität der Produkte ab. Wenn man CBD in Form von Öl einnimmt, darf man nach circa zwei bis zwanzig Minuten mit einer Wirkung rechnen. Etwas länger dauert es, wenn CBD über die Haut aufgenommen wird, etwa in Form von einer Salbe oder Tinktur. Hier kann es bis zu einer Stunde oder auch länger dauern, bis die gewünschte Wirkung eintritt.
Generell ist es sicher empfehlenswert, das CBD Öl gegen Beschwerden prophylaktisch zu verwenden und den Körper mit CBD bekanntzumachen.
Darreichungsformen
CBD Öl erlaubt eine flexible, zügige Dosierung (sublingual), Kapseln sind geschmacksneutral und praktisch für den Alltag. Für Personen mit muskulärer Anspannung im Kiefer-/Nackenbereich kann eine begleitende topische Anwendung sinnvoll sein. Die Wirkung kann individuell variieren.
Cannabis steht in verschiedenen Darreichungsformen zur Verfügung:
- Inhalation (Verdampfen): Wirkt schnell - bereits nach wenigen Minuten.
- Öle und Tinkturen: Wirken verzögert (15-30 Minuten), dafür länger.
Erfahrungen von Anwendern
Viele Migräne-Betroffene berichten schon seit Jahren, dass CBD ihre Lebensqualität massiv verbessert habe. Auch wenn CBD oft nicht ausreicht, um komplett ohne Schmerzmittel auszukommen, kann es doch die Schmerztherapie unterstützen und dafür sorgen, dass die Betroffenen weniger häufig Medikamente einnehmen müssen.
Sicherheit und Nebenwirkungen
CBD gilt generell als gut verträglich. Mögliche Nebenwirkungen: Müdigkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Mundtrockenheit, selten Leberenzymerhöhungen (v. a. bei hohen Dosen). Es wird empfohlen, nach dem Prinzip 'Start low, go slow' vorzugehen - also mit einer niedrigen Dosis zu beginnen und diese langsam zu steigern.
Wechselwirkungen mit Medikamenten
CBD kann Leberenzyme (CYP450) beeinflussen und damit die Spiegel anderer Medikamente verändern (z. B. Blutverdünner, Antiepileptika). Überprüfen Sie mit einem umfassenden Wechselwirkungsrechner, ob CBD mit Ihren aktuellen Medikamenten interagieren könnte, bevor Sie mit der Anwendung beginnen. Dieses Tool basiert auf den neuesten pharmakologischen Erkenntnissen. Es ist wichtig, die Einnahme von CBD unbedingt vorher mit einem qualifizierten Arzt abzusprechen! CBD könnte beispielsweise mit manchen Blutverdünnern, Antidepressiva oder Antibiotika wechselwirken. Bei den meisten Medikamenten sollte man einen Abstand von zwei Stunden zu dem Öl einberechnen.
Ergänzende Maßnahmen und natürliche Alternativen
Neben CBD gibt es weitere natürliche Alternativen und ergänzende Maßnahmen, die bei Migräne helfen können:
- Kräuter und Tees: Pfefferminzöl, Lavendel, Ingwer, Vanille
- Mikronährstoffe: Magnesium, Vitamin B2, Coenzym Q10, Antioxidantien, Vitamin B6, B12 und Folsäure
- Lebensstiländerungen: Schlafhygiene, regelmäßige Mahlzeiten, Ausdauersport, Stressmanagement
- Entspannungstechniken: Autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Yoga, Meditation