Die Alzheimer-Krankheit und Demenz sind Themen, die angesichts der alternden Bevölkerung in Deutschland immer mehr in den Fokus rücken. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Aspekte dieser Erkrankungen, von den Ursachen und Symptomen bis hin zu den neuesten Therapien und Präventionsmaßnahmen.
Demografischer Wandel und steigende Fallzahlen
Die deutsche Bevölkerung wird immer älter, während die Geburtenrate seit Jahren sinkt. Dieses Ungleichgewicht wird auch durch Zuwanderung nicht vollständig ausgeglichen. Mit dem steigenden Durchschnittsalter der Bevölkerung nimmt auch die Zahl der Pflegebedürftigen und Demenzerkrankten zu. Allein in Deutschland leben 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Experten schätzen, dass sich die Zahl der Demenzpatienten in Deutschland bis zum Jahr 2050 von 1,5 auf 3 Millionen Menschen verdoppeln wird. Dies liegt vor allem daran, dass das Demenzrisiko mit dem Alter steigt. Im Jahr 2023 starben in Deutschland rund 10.100 Menschen an Alzheimer, verglichen mit rund 5.100 im Jahr 2003 - ein Anstieg um 96 Prozent.
Was ist Alzheimer und Demenz?
Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz. Sie ist gekennzeichnet durch ein fortschreitendes Absterben von Nervenzellen im Gehirn, was zu Gedächtnisverlust, Sprachstörungen und Persönlichkeitsveränderungen führt. Betroffene werden zunehmend vergesslich, verwirrt und orientierungslos. Im Endstadium der Erkrankung kann der geistige Zustand des Patienten dem eines Kleinkindes entsprechen.
Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen, die mit einem Verlust der geistigen Fähigkeiten einhergehen. Alzheimer ist die häufigste Ursache für Demenz, aber es gibt auch andere Formen, wie z.B. vaskuläre Demenz, frontotemporale Demenz und Lewy-Körperchen-Demenz.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen für Alzheimer sind noch nicht vollständig erforscht. Es gibt jedoch verschiedene Theorien und Risikofaktoren, die mit der Entstehung der Krankheit in Verbindung gebracht werden:
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- Eiweißablagerungen: Eine Theorie besagt, dass sich Eiweiße auf den Nervenzellen ablagern und dadurch die Verbindungen zwischen den Zellen kappen. Diese Ablagerungen werden als Plaques bezeichnet.
- Nährstoffmangel: Einer anderen Theorie zufolge sterben die Nervenzellen von Alzheimer-Patienten ab, weil sie keine Nährstoffe mehr erhalten.
- Genetische Faktoren: Der genetische Einfluss scheint nicht so entscheidend zu sein.
- Weitere Risikofaktoren: Depressionen, Angststörungen und Einsamkeit können Risikofaktoren für Demenz sein. Auch Diabetes und Schlafstörungen werden als Risikofaktoren genannt.
Symptome und Diagnose
Alzheimer tritt hauptsächlich bei Menschen über 65 Jahren auf, aber in seltenen Fällen können auch jüngere Menschen betroffen sein. Zu den typischen Symptomen gehören:
- Fortschreitender Gedächtnisverlust
- Sprachstörungen
- Veränderungen der Persönlichkeit
- Orientierungslosigkeit
- Probleme bei der Ausführung alltäglicher Aufgaben
Die Diagnose von Alzheimer wird in der Regel durch eine Kombination aus neurologischen Untersuchungen, neuropsychologischen Tests und bildgebenden Verfahren gestellt. Dabei wird versucht, andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen. Wichtig ist, dass die Diagnose möglichst frühzeitig erfolgt, da einige Therapieansätze in frühen Stadien der Erkrankung am wirksamsten sind.
Therapien und Behandlungsmöglichkeiten
Bisher ist Alzheimer nicht heilbar. Es gibt jedoch Medikamente, die den Krankheitsverlauf verlangsamen und die Symptome lindern können. Diese Medikamente wirken vor allem bei Patienten, bei denen die Demenz in einem sehr frühen Stadium entdeckt wird. Ein neues Medikament soll konkret gegen die schädlichen Ablagerungen im Gehirn wirken und so den Krankheitsverlauf verlangsamen.
Neben der medikamentösen Behandlung spielen auch nicht-medikamentöse Therapien eine wichtige Rolle. Dazu gehören:
- Ergotherapie: Hilft den Betroffenen, ihre Selbstständigkeit im Alltag so lange wie möglich zu erhalten.
- Physiotherapie: Fördert die körperliche Beweglichkeit und Koordination.
- Logopädie: Unterstützt bei Sprach- und Schluckstörungen.
- Psychotherapie: Kann bei Depressionen, Angstzuständen und anderen psychischen Problemen helfen.
- Musiktherapie: Kann Erinnerungen wecken und die Stimmung verbessern.
Prävention
Obwohl Alzheimer nicht vollständig verhindert werden kann, gibt es verschiedene Maßnahmen, die das Risiko einer Erkrankung senken können:
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- Gesunde Lebensweise: Alles, was gut fürs Herz ist, ist auch gut fürs Gehirn. Dazu gehören eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und wenig Fleisch, regelmäßige Bewegung, nicht rauchen und wenig Alkohol trinken.
- Geistige Aktivität: Fordern Sie Ihr Gehirn regelmäßig heraus, indem Sie lesen, Rätsel lösen, neue Dinge lernen oder sich sozial engagieren.
- Soziale Kontakte: Pflegen Sie Ihre sozialen Kontakte und vermeiden Sie Einsamkeit.
- Hörvermögen schützen: Unbehandelter Hörverlust kann das Risiko für Demenz erhöhen.
- Körperliche Aktivität: Bereits 3000 Schritte am Tag können dazu beitragen, dass sich im Gehirn weniger schnell schädigende Tau-Proteinklumpen ansammeln. Einen noch größeren Effekt haben 5000 bis 7500 Schritte. Regelmäßiges Gehen trainiert die Kognition, die kardiovaskuläre Gesundheit und setzt blutgebundene Wachstums- und Schutzfaktoren frei, die sich positiv auf das Gehirn auswirken und die Ausbreitung von Tau verlangsamen könnten.
Leben mit Demenz
Eine Alzheimer- oder Demenzdiagnose ist für die Betroffenen und ihre Angehörigen eine große Herausforderung. Es ist wichtig, sich frühzeitig mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und sich Unterstützung zu suchen. Es gibt zahlreiche Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und Pflegeangebote, die den Betroffenen und ihren Familien helfen können, mit der Krankheit umzugehen.
Rainer Heydenreich, ein 75-jähriger Alzheimer-Patient, engagiert sich im Beirat „Leben mit Demenz“ und plädiert für einen offensiveren Umgang mit der Krankheit. Er betont, dass er sich dafür entschieden hat, in die Offensive zu gehen und im Hier und Jetzt zu leben.
Aktuelle Entwicklungen in der Forschung
Die Alzheimerforschung macht stetig Fortschritte. Es gibt vielversprechende Ansätze für neue Therapien und Präventionsmaßnahmen. Forscher arbeiten an Medikamenten, die die Eiweißablagerungen im Gehirn reduzieren, die Entzündungsprozesse hemmen oder die Nervenzellen schützen sollen. Auch die Entwicklung von Bluttests, die Alzheimer frühzeitig erkennen können, ist ein wichtiger Schritt nach vorn.
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