Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die von vielen Betroffenen als äußerst belastend empfunden wird. Neben konventionellen Medikamenten suchen viele Menschen nach alternativen und natürlichen Behandlungsmethoden, um ihre Symptome zu lindern. In diesem Zusammenhang rücken zwei Pflanzen in den Fokus: Mutterkraut (Tanacetum parthenium) und Wermut (Artemisia absinthium). Beide Pflanzen haben eine lange Tradition als Heilpflanzen und werden in der Volksmedizin zur Behandlung verschiedener Beschwerden eingesetzt, darunter auch Migräne.
Mutterkraut: Ein traditionelles Mittel zur Migräneprophylaxe
Mutterkraut, auch bekannt als Falsche Kamille, Zierkamille oder Fieberkraut, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeerraum stammend, hat sich die Pflanze seit dem Mittelalter auch in Mitteleuropa verbreitet. Heute findet man sie häufig als Gartenzierpflanze oder verwildert an Zäunen, Hecken und Wegrändern.
Geschichte und Anwendung
Bereits im 1. Jahrhundert wurde Mutterkraut vom griechischen Arzt Dioskurides als Heilpflanze beschrieben. Im Mittelalter wurde es in größerem Maßstab gegen Fieber und Kopfschmerzen eingesetzt. Das HMPC (Herbal Medicinal Product Committee) stuft Mutterkraut als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein und empfiehlt es basierend auf langjähriger Erfahrung zur Prophylaxe von Migräne, sofern keine ärztlichen Bedenken bestehen.
Inhaltsstoffe und Wirkungsweise
Für Arznei- und Nahrungsergänzungsmittel wird das zur Blütezeit geerntete Kraut (Tanaceti parthenii herba) pulverisiert und zu Dragees oder Tabletten verarbeitet. Teezubereitungen sind weniger sinnvoll, da die Wirkstoffe kaum in das Wasser übergehen.
Mutterkraut enthält 0,5 bis 0,9 Prozent ätherisches Öl mit den Hauptkomponenten Kampfer und Chrysanthenylacetat. Daneben kommen zu 0,5 bis 2 Prozent Sesquiterpenlactone vor, unter anderem der Inhaltsstoff Parthenolid.
Lesen Sie auch: MS-Medikamente im Detail erklärt
In Laborexperimenten zeigen Zubereitungen aus Mutterkraut verschiedene Effekte, die vor allem auf das Parthenolid zurückgeführt werden: Es verringert die Freisetzung des Botenstoffes Serotonin aus Zellen, wirkt Entzündungen entgegen und hemmt die Blutgerinnung. Da Serotonin an der Entstehung von Migräneanfällen beteiligt sein könnte, liegt eine vorbeugende Wirkung von Mutterkraut zumindest theoretisch nahe. Wissenschaftliche Beweise für diesen Zusammenhang fehlen jedoch bislang.
Nebenwirkungen und Gegenanzeigen
Mutterkraut gilt als gut verträglich, es können allenfalls leichte Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Wechselwirkungen mit anderen Arzneien sind nicht bekannt. Menschen mit Allergien gegen Korbblütler sollten Mutterkraut meiden. Schwangeren, Stillenden und Kindern unter 18 Jahren wird aufgrund mangelnder Erkenntnisse von der Einnahme abgeraten.
Traditionelle Arzneimittel mit Mutterkraut
Neben zahlreichen Nahrungsergänzungsmitteln mit Mutterkraut stehen auch traditionelle Arzneimittel zur Verfügung, wie z.B. Dr. Böhm Mutterkraut 200 mg Filmtabletten von Apomedica und Mutterkraut Heumann 200 mg Filmtabletten.
Wermut: Bitterstoffreiche Pflanze mit vielfältigen Wirkungen
Wermut (Artemisia Absinthi) gehört ebenfalls zur Familie der Korbblütler und ist eng mit Beifuß und Eberraute verwandt. Die Pflanze ist für ihren hohen Gehalt an Bitterstoffen bekannt und wird seit der Antike als Heil- und Genussmittel genutzt.
Geschichte und Anwendung
Im alten Ägypten wurde Wermut für Liebeszauber verwendet und war der Fruchtbarkeitsgöttin Bastet geweiht. Die Griechen weihten ihn der Jagdgöttin Artemis. Im Mittelalter befasste sich Hildegard von Bingen ausführlich mit dem Wermut und entwickelte unter anderem eine Wermutsalbe, die heute noch bei Gelenkschmerzen eingesetzt wird.
Lesen Sie auch: Cortison-Therapie bei Epilepsie im Detail
Inhaltsstoffe und Wirkungsweise
Die Wirkung des Wermuts beruht vor allem auf seinen ätherischen Ölen und Bitterstoffen. Er kann Beschwerden im Verdauungstrakt lindern, wirkt appetitanregend, regt die Aktivität der Leber an und unterstützt den Gallenfluss. Er wirkt krampflösend und kann kombiniert mit den richtigen Arzneipflanzen bei bestimmten Patienten auch zur Linderung einer Migräne beitragen.
Vorsicht bei der Anwendung
Alkoholische Auszüge von Wermut enthalten das toxische Thujon, das bei Überdosierung zu Benommenheit, psychischen Beschwerden, Störungen des zentralen Nervensystems, Erbrechen und Bauchschmerzen führen kann. Der Konsum von Absinth, einem alkoholischen Getränk mit hohem Wermutanteil, kann aufgrund des hohen Thujongehalts gesundheitsschädlich sein und ist in vielen Ländern verboten.
Ein Tee kann für einen Erwachsenen mit einem Teelöffel des getrockneten Krauts pro Tasse zubereitet werden. Er sollte abgedeckt etwa 15 Minuten ziehen und 30 Minuten vor dem Essen getrunken werden, um eine verdauungsfördernde Wirkung zu erzielen. Bei bekannten Allergien gegen Korbblütler sollte auf Wermut verzichtet werden. Patienten mit Störungen der Gallenfunktion oder Gallensteinen sollte Wermut nicht ohne vorherigen ärztlichen Rat anwenden.
Wermut in der Homöopathie
In der Homöopathie finden die frischen oberen Pflanzenteile Verwendung. Artemisia absinthium ist vor allem in homöopathischen Komplexmitteln enthalten, die zur Behandlung von Schmerzen, Übelkeit und Entzündungen im Magen-Darm-Bereich dienen.
Migräne und Hausmittel: Was hilft wirklich?
Viele Migräniker suchen nach Hausmitteln und Alternativen zu konventionellen Medikamenten, um ihre Erkrankung zu lindern. Es ist wichtig zu beachten, dass Migräne ein komplexes Krankheitsbild ist, das selten allein mit Hausmitteln gelindert werden kann.
Lesen Sie auch: Präventive Maßnahmen gegen Demenz
Individuelle Auslöser identifizieren
Ein wichtiger Schritt bei der Behandlung von Migräne ist die Identifizierung individueller Auslöser. Stress gilt generell als häufigster Auslöser von Migräneanfällen, aber auch die Entspannungsphase nach stressigen Ereignissen, bestimmte Lebensmittel (mit Zusatz- oder Konservierungsstoffen oder Tyramin) können Migräneattacken provozieren.
Hildegard von Bingen und ihre Rezepte gegen Kopfschmerzen
Hildegard von Bingen, eineUniversalgelehrte des Mittelalters, hinterließ zahlreiche Rezepte und Anwendungen zur Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne. Im Verständnis der Humoralpathologie sah sie die Schwarze Galle als Ursache für Kopfschmerzen und Migräne an. Ihre Heilmittel zielten daher darauf ab, diese auszugleichen.
Einige ihrer Empfehlungen umfassen:
- Gerste: In Wasser gekochte Gerste soll die Schärfe des Kopfschmerzes lindern.
- Erbsen: Zerbissene weiße Erbsen, mit Honig vermischt und auf die Schläfen aufgetragen, sollen Stirnkopfschmerzen lindern.
- Zitwer: Ein Pulver aus Zitwerwurzelstock, in ein Tuch gebunden und in Wasser durchfeuchtet, soll Stirn und Schläfen befeuchten.
- Hirschzungenfarn: Getrocknetes und zerstoßenes Hirschzungenfarn soll nüchtern und nach dem Essen von der Hand geleckt werden.
- Salbei, Dost, Fenchel und Andorn: Eine Salbe aus diesen Kräutern, mit Butter oder Fett vermischt, soll auf das Haupt aufgetragen werden.
- Salbei und Olivenöl: Eine Salbe aus zerstoßener Malve und Salbei, übergossen mit Olivenöl, soll bei Kopfschmerzen durch Schwarzgalle helfen.
- Veilchensaft und Olivenöl: Eine Salbe aus Veilchensaft, Olivenöl und Bockstalg soll die Stirn quereinreiben.
- Wermut: Wermutsaft, in warmen Wein gegossen, soll auf den Kopf aufgetragen und mit einer Wollkappe bedeckt werden.
- Eibisch und Salbei: Eine Salbe aus Eibisch, Salbei und Olivenöl soll auf die Stirn aufgetragen und mit einem Tuch verbunden werden.
- Reiherschnabel: Ein Pulver dieser Pflanze zusammen mit Salz soll auf einem Brot gegessen werden.
- Muskateller-Salbei: In Wasser gekochter Muskateller-Salbei soll heiß auf den Kopf gelegt werden.
- Apfelbaum: In Olivenöl eingelegte Sprossen des Apfelbaumes, in der Sonne erwärmt, sollen auf das Haupt aufgetragen werden.
- Pfirsichbaum: Weizenteig, mit Pfirsichharz übergossen, soll warm auf den Scheitel gelegt werden.
- Mandelbaum: Die inneren Kerne der Mandeln sollen oft gegessen werden.
- Lorbeer: Beeren des Lorbeers sollen in Wein vermischt auf die Schläfen und das Haupt aufgetragen werden.
- Ölbaum: Eine Salbe aus Olivenöl, Rosenwasser, Nachtschattenfrucht und Brennnessel soll auf Scheitel, Stirn und Schläfen aufgetragen werden.
- Weinstock: Saft, der beim Abschneiden der Reben aufgefangen und mit Olivenöl vermischt wird, soll auf das Haupt aufgetragen werden.
- Smaragd: Der Smaragd soll bei leichten Schmerzen bei sich getragen oder bei stärkeren Schmerzen im Mund herumgeführt werden.
- Sarder: Der Sarder kann bei Kopfschmerzen einfach in der Kopfbedeckung getragen werden.
- Karfunkel: Der Karfunkel soll kurz auf den Scheitel gelegt werden.
- Perle: Perlen sollen an der Sonne erwärmt und warm um die Schläfen gelegt werden.
- Käuzchenleber: Ein Pulver aus getrockneter Käuzchenleber mit Fenchelfrüchten und Bockshornkleesamen soll in einem Tuch auf Stirn und Schläfen gebunden werden.
- Elefant: Das Stirnbein des Elefanten soll in der Sonne erhitzt und auf das Haupt gelegt werden.
- Dachs: Eine Salbe aus Dachsleber mit Dachsfett, Gichtbaum und Eberraute soll Nacken, Hals, Schläfen und Stirn einreiben.
- Wiesel: Getrocknetes Wieselherz, dünn mit Wachs umhüllt, soll kurz auf die Ohren gelegt werden.
Wichtiger Hinweis
Es ist wichtig zu beachten, dass die Wirksamkeit dieser Hausmittel wissenschaftlich nicht belegt ist. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden sollte immer ein Arzt konsultiert werden.