Wie man das Nervensystem schnell beruhigt: Ein umfassender Leitfaden

In unserer schnelllebigen Welt ist es keine Seltenheit, sich gestresst und überfordert zu fühlen. Das Nervensystem, das für die Steuerung vieler Körperfunktionen verantwortlich ist, kann leicht aus dem Gleichgewicht geraten. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick darüber, wie man das Nervensystem schnell beruhigen kann, um innere Ruhe und Gelassenheit zu finden.

Einführung

Das Nervensystem ist ein komplexes Netzwerk, das Informationen im ganzen Körper überträgt. Es besteht aus dem zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) und dem peripheren Nervensystem (Nerven, die sich im ganzen Körper verzweigen). Das Nervensystem steuert willkürliche Funktionen wie Bewegung und Sprache sowie unwillkürliche Funktionen wie Atmung, Herzschlag und Verdauung.

Das vegetative Nervensystem (VNS), auch autonomes Nervensystem (ANS) genannt, ist ein Teil des Nervensystems, der unwillkürliche Körperfunktionen steuert. Es besteht aus zwei Hauptteilen: dem Sympathikus und dem Parasympathikus. Der Sympathikus ist für die Kampf-oder-Flucht-Reaktion verantwortlich, die den Körper auf Stress oder Gefahr vorbereitet. Der Parasympathikus ist für die Ruhe- und Verdauungsreaktion verantwortlich, die den Körper beruhigt und die Verdauung fördert.

Wenn das Nervensystem überreizt ist, kann dies zu einer Vielzahl von Symptomen führen, darunter Herzklopfen, Schlafstörungen, chronische Verspannungen, Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme und Verdauungsstörungen. Es ist wichtig, das Nervensystem zu beruhigen, um diese Symptome zu lindern und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.

Das vegetative Nervensystem verstehen

Das vegetative Nervensystem (VNS) ist der Teil unseres Nervensystems, der alle automatisch ablaufenden Körperfunktionen steuert, wie z. B. Atmung, Herzschlag und Verdauung. Das autonome Nervensystem hat dabei zwei Anteile, die sich gegenseitig ergänzen:

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  • Der Sympathikus: Er sorgt für Leistungsbereitschaft und die schnelle Anpassung der Körperreaktionen in Belastungs- und Bedrohungssituationen. In der Urzeit bereitete er den Menschen darauf vor, zu kämpfen oder zu fliehen (z. B. durch Bereitstellung von Energie, Erhöhung der Muskelspannung). Auch akute Schmerzen lösen im Nervensystem ein Warnsignal aus: „Achtung - Gefahr!“
  • Der Parasympathikus: Er ist als Gegenspieler des Sympathikus für Entspannung, Regenerations- und Heilungsprozesse zuständig. Außerdem unterstützt er Verdauungs- und andere Stoffwechselprozesse des Körpers.

Bei chronischen Schmerzen oder Stress kann der Sympathikus ein Übergewicht zu Lasten des Parasympathikus bekommen. Dies kann zu einer andauernd erhöhten Muskelspannung, Belastung des Herz-Kreislaufsystems, innerer Unruhe, Verdauungsproblemen, Schlafstörungen und Erschöpfung führen.

Sofortige Beruhigungstechniken für akute Stressmomente

In akuten Stressmomenten, wenn das Herz rast und die Panik hochsteigt, gibt es verschiedene Techniken, die schnell helfen können, das Nervensystem zu beruhigen:

  • Konzentriere dich auf eine langsame Ausatmung: Eine lange Ausatmung aktiviert den Parasympathikus und hilft, den Körper zu beruhigen.
  • Die 4-7-8-Atemtechnik: Atme 4 Sekunden lang ein, halte den Atem 7 Sekunden lang an und atme 8 Sekunden lang aus. Diese Technik kann helfen, den Herzschlag zu verlangsamen und die Gedanken zu beruhigen.
  • Die 5-4-3-2-1-Methode: Diese Methode hilft, ins Hier und Jetzt zurückzukehren und Ruhe zu finden. Nenne 5 Dinge, die du sehen kannst, 4 Dinge, die du berühren kannst, 3 Dinge, die du hören kannst, 2 Dinge, die du riechen kannst, und 1 Ding, das du schmecken kannst.

Langfristige Strategien zur Regulierung des Nervensystems

Neben den Sofortmaßnahmen gibt es auch langfristige Strategien, die helfen können, das Nervensystem zu regulieren und die Stressresilienz zu stärken:

1. Aktive Entspannungsverfahren

Besonders wirkungsvoll sind aktive Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelentspannung oder das Autogene Training. Diese wissenschaftlich belegten Techniken lassen sich leicht erlernen und bringen Körper und Geist gezielt in einen entspannten Zustand.

2. Bewegung und Sport

Regelmäßige körperliche Bewegung hilft, das ausgeschüttete Adrenalin und Cortisol abzubauen und signalisiert dem Gehirn, dass die Gefahr vorüber ist. Körperliche Aktivität wird auch als besonders hilfreich erlebt, um den Stressreaktionszyklus zu beenden und so langfristig auch einem Burnout vorzubeugen. Moderate Ausdauersportarten wie Walking, Joggen, Schwimmen oder Radfahren sind besonders geeignet.

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3. Vagusnerv-Stimulation

Der Vagusnerv spielt eine wichtige Rolle bei der Entspannung und lässt sich durch verschiedene Übungen aktivieren:

  • Zwerchfellatmung: Die Zwerchfellatmung (auch Diaphragmatic Breathing genannt) gilt als Goldstandard für Stressreduktion. Studien zeigen, dass Zwerchfellatmung den Cortisol-Spiegel reduzieren kann.
  • Singen, Summen oder Gurgeln: Diese Aktivitäten stimulieren den Vagusnerv und können helfen, den Körper zu beruhigen.
  • Kältereize: Kurze kalte Duschen oder das Eintauchen des Gesichts in kaltes Wasser können den Vagusnerv aktivieren und die Herzfrequenz senken.

4. Achtsamkeit und Meditation

Regelmäßige Meditation und Achtsamkeitsübungen können den Geist und das Nervensystem beruhigen und dir bei regelmäßiger, täglicher Übung helfen, deine Stressresilienz zu stärken. Bereits wenige Minuten am Tag reichen aus.

5. Yoga

Yoga gegen Stress und Yoga gegen Angst verbinden körperorientierte Ansätze mit Atemarbeit und können besonders effektiv sein, um das Nervensystem zu beruhigen.

6. Schlafhygiene

Guter Schlaf ist essenziell, um das Nervensystem beruhigen zu können. Sorge deswegen dafür, dass du genug Ruhezeit in der Nacht hast und nutze die 10 Regeln der Schlafhygiene, um deinen Schlaf zu verbessern.

7. Emotionen zulassen

Manchmal kann es richtig guttun, einfach mal die angestauten Emotionen herauszulassen. Mach dir traurige Musik an, such dir einen Ort, an dem du ungestört bist, und erlaube dir, einfach mal für ein paar Minuten zu weinen.

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8. Soziale Interaktion

Lockere, freundliche und liebevolle soziale Interaktionen sind ein gutes äußeres Zeichen, dass die Welt ein sicherer Ort ist. Mach vielleicht jemandem ein unerwartetes Kompliment. So kannst du deinem Gehirn ganz einfach vermitteln, dass die Welt ein sicherer Ort ist und dass nicht alle Menschen ätzend sind.

9. Erdungstechniken

Zeit in der Natur zu verbringen, ist eine kraftvolle Methode, um Dich zu erden und Dein Nervensystem zu regulieren. Ein Spaziergang im Wald, das Barfußlaufen auf einer Wiese oder einfach nur das Sitzen unter einem Baum können helfen.

10. Körperliches Schütteln

Das Schütteln des Körpers ist eine einfache, aber äußerst wirkungsvolle Technik, um Dein Nervensystem zu regulieren und Deine Resilienz zu stärken. Durch das Schütteln werden Muskeln entspannt und gleichzeitig angestaute Emotionen oder Stress aus dem Körper geschüttelt.

Ernährung für starke Nerven

Lebensmittel sind Nahrung für Körper und Geist. Was Menschen essen, bestimmt, wie sie sich fühlen. Für einen ruhigen Geist sollte die Ernährung also vollwertig und möglichst vielseitig sein. Einige Nahrungsmittel enthalten stimmungsaufhellende Inhaltsstoffe:

  • Bananen: Sie liefern einen hohen Anteil des B-Vitamins Pyridoxin (B6), Kalium und Tryptophan. Aus Tryptophan wird der Botenstoff Serotonin gebildet, der eine Vielzahl emotionaler Prozesse ( z.B. Angst) beeinflusst.
  • Omega3-reiche Lebensmittel: Fisch hat Einfluss auf eine gesunde Nervenfunktion.
  • Nüsse: Sie sind durch ihren hohen Gehalt an B-Vitaminen und Magnesium ein optimaler Snack für Zwischendurch.
  • Paprika: Sie enthält doppelt so viel Vitamin C wie Zitronen und eignet sich daher wunderbar zur Auffüllung des Vitamin-C-Speichers nach einer stressigen Situation.
  • Spinat: Neben einem hohen Magnesiumgehalt weist Spinat außerdem Vitamin B6 und Kalium auf, die alle zu einer normalen Funktion des Nervensystems beitragen.
  • Kakao: Ungesüßtes Kakaopulver beinhaltet die Aminosäure Tryptophan, die unser Körper in das Glückshormon Serotonin umwandelt und so das Stressniveau senkt.
  • Avocados: Sie sind reich an B-Vitaminen, Magnesium und Kalium.
  • Hülsenfrüchte: Sie sind ergiebige Vitamin B1- und Magnesium-Lieferanten.
  • Haferflocken: Auch in Haferflocken ist Vitamin B1 enthalten, welches einen Beitrag zu einer normalen Funktion des Nervensystems leistet.
  • Eier: Das Frühstücksei ist vor allem ein guter Lieferant für Vitamin B12 sowie Vitamin D.
  • Fisch: Fischarten wie Lachs und Thunfisch sind reich an Omega-3-Fettsäuren.

Wann professionelle Hilfe in Anspruch nehmen?

Wenn du dich dauerhaft unruhig und gereizt fühlst, solltest du mit einem Arzt sprechen. Denn hinter diesen Symptomen verbergen sich manchmal auch behandlungsbedürftige, körperliche Ursachen (z.B. Schilddrüsenüberfunktion, starker Bluthochdruck, Unterzuckerung bei Typ-1-Diabetes). Aber auch bestimmte psychische Erkrankungen wie z.B. Angststörungen oder Depressionen gehen mit Nervosität und innerer Unruhe einher. In diesen Fällen sollten psychotherapeutische Maßnahmen - beispielsweise eine Verhaltenstherapie - ergriffen werden.

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