Einführung
Hirntumoren sind zwar selten, stellen aber im Kindes- und Jugendalter eine bedeutende onkologische Herausforderung dar. Diese Tumoren können verschiedene neurologische und entwicklungsbedingte Auswirkungen haben, einschließlich Sprachstörungen. Dieser Artikel beleuchtet die Häufigkeit von Hirntumoren bei Kindern, Risikofaktoren, Symptome und insbesondere den Zusammenhang mit Sprachstörungen.
Was sind Hirntumoren?
Hirntumoren sind Geschwülste im Gehirn, die durch unkontrollierte Zellvermehrung entstehen. Es gibt primäre Hirntumoren, die direkt im Gehirngewebe entstehen, und sekundäre Hirntumoren (Hirnmetastasen), die sich aus Krebszellen entwickeln, die von anderen Körperstellen ins Gehirn gestreut haben. Die Art und Weise, wie ein Hirntumor behandelt wird, hängt stark von seiner Lage ab. Tumoren, die in leicht zugänglichen Bereichen liegen, können oft operativ entfernt werden, was die besten Heilungschancen bietet. Wenn sich der Tumor jedoch in der Nähe wichtiger Hirnregionen befindet, die für Sprache, Bewegung oder Atmung verantwortlich sind, kann eine vollständige Entfernung zu riskant sein.
Häufige Arten von Hirntumoren
Primäre Hirntumoren entstehen direkt im Gehirn und können sich aus verschiedenen Zelltypen entwickeln, am häufigsten aus den Gliazellen. Diese Tumoren werden als Gliome bezeichnet. Zu den häufigsten Arten gehören:
- Astrozytome: Entwickeln sich aus Astrozyten.
- Oligodendrogliome: Entstehen aus Oligodendrozyten.
- Ependymome: Entwickeln sich aus Ependymzellen.
- Glioblastome: Eine besonders aggressive Form des Astrozytoms.Weitere häufige Hirntumoren sind Meningeome (aus Zellen der Hirnhaut), Neurinome/Schwannome (aus Zellen, die die Hirnnerven umhüllen) und Medulloblastome (aus unreifen Zellen im Kleinhirn).
Häufigkeit von Hirntumoren bei Kindern
Im Kindes- und Jugendalter (<15 Jahre) stehen Tumoren des zentralen Nervensystems (ZNS) mit einem Anteil von etwa 25 % an zweiter Stelle aller onkologischen Erkrankungen. In Deutschland erkranken jährlich etwa 430 Kinder an einem ZNS-Tumor. Die Inzidenz variiert leicht mit dem Alter, wobei jüngere Kinder häufiger betroffen sind. Laut dem Jahresbericht 2016 des Deutschen Kinderkrebsregisters wurde eine Inzidenz von 44,3 pro 1 Million Kinder im Alter unter 1 Jahr und von 34,4 pro 1 Million Kinder im Alter von 10-14 Jahren ermittelt. Die häufigsten ZNS-Tumoren bei Kindern sind Astrozytome (46 %), gefolgt von Medulloblastomen (12 %), Ependymomen (10 %), Kraniopharyngeomen (4 %) und anderen embryonalen Tumoren des ZNS (2 %).
Im Jahr 2020 erhielten in Deutschland etwa 2.250 Kinder unter 18 Jahren die Diagnose Krebs. Etwa jedes vierte Kind mit Krebs hat einen Hirntumor. Astrozytome sind die häufigsten Hirntumoren bei Kindern.
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Risikofaktoren für Hirntumoren
Die Risikofaktoren für Hirntumoren sind bisher wenig bekannt. Einige Faktoren, die in Studien belegt wurden, sind:
- Erbliche Krankheitsbilder: Tumor-Syndrome wie das Lynch- oder Li-Fraumeni-Syndrom, Neurofibromatose oder Tuberöse Sklerose erhöhen das Risiko.
- Strahlentherapie: Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen können Hirntumoren viele Jahre nach einer Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich auftreten.
- Familiäre Vorbelastung: Wenn Patienten jung an einem Hirntumor erkranken, ist das Risiko für Verwandte ersten Grades ebenfalls leicht erhöht.
- Computertomografie (CT) im Kindesalter: Eine CT-Untersuchung der Kopf-Hals-Region kann das Risiko geringfügig erhöhen.Weitere diskutierte Risikofaktoren sind elterliches Rauchen in der Schwangerschaft, niedriges Geburtsgewicht und die Exposition gegenüber kanzerogenen chemischen Stoffen.
Symptome von Hirntumoren bei Kindern
Die Symptome eines Hirntumors können vielfältig sein und hängen von der Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab. Einige häufige Symptome sind:
- Allgemeine Symptome:
- Erhöhter Hirndruck: Kopfschmerzen (besonders morgens oder nachts), Übelkeit, Erbrechen, gespannte Fontanelle bei Säuglingen, Verhaltensänderungen.
- Neurologische Ausfälle: Krampfanfälle, Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühle, Sehstörungen, Sprachstörungen, Koordinationsprobleme, Schluckstörungen, Schwerhörigkeit, Schwindel.
- Hormonelle Störungen: Beeinträchtigung des Schlaf-Wach-Rhythmus, des Körperwachstums oder der Sexualität.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme.
- Psychische Veränderungen: Depression, Apathie, Angst, Persönlichkeitsveränderungen.
- Spezifische Symptome je nach Tumorlage:
- Tumoren im Bereich der Sehbahn: Gesichtsfeldausfälle, Doppelbilder, Blicklähmungen.
- Tumoren im Mittelhirn: Parinaud-Syndrom (Blicklähmung nach oben, Pupillenstörungen).
- Tumoren im Hypothalamus: Dienzephales Syndrom (Gewichtsstillstand, exzessiver Appetit, Hypoglykämien).
- Tumoren der Hypophyse: Diabetes insipidus centralis, Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH), Über- oder Unterfunktion der Hypophyse.
- Besonderheiten bei Kindern:
- Vergrößerter Kopf (Hydrozephalus): Durch Flüssigkeitsansammlungen im Gehirn und zwischen den Hirnhäuten.
- Entwicklungsstörungen: Geistige Behinderungen.
Sprachstörungen als Symptom von Hirntumoren
Sprachstörungen können ein wichtiges Symptom bei Hirntumoren sein, insbesondere wenn der Tumor in oder in der Nähe von Sprachzentren im Gehirn liegt. Die Art der Sprachstörung hängt von der genauen Lage und Größe des Tumors ab. Mögliche Sprachstörungen sind:
- Aphasie: Eine erworbene Sprachstörung, die die Fähigkeit zu sprechen, zu verstehen, zu lesen oder zu schreiben beeinträchtigt. Es gibt verschiedene Formen der Aphasie, darunter:
- Broca-Aphasie: Schwierigkeiten beim flüssigen Sprechen, oft mit Anstrengung und reduziert auf einzelne Wörter oder kurze Sätze. Das Sprachverständnis ist in der Regel gut erhalten.
- Wernicke-Aphasie: Flüssiges, aber oft unverständliches Sprechen mit verdrehten Wörtern und Satzstrukturen. Das Sprachverständnis ist beeinträchtigt.
- Amnestische Aphasie: Wortfindungsstörungen, wobei Betroffene Schwierigkeiten haben, die richtigen Wörter zu finden und oft Umschreibungen verwenden.
- Dysarthrie: Sprechstörung, die durch Probleme mit der Artikulation, der Stimme oder dem Sprechrhythmus gekennzeichnet ist.
- Sprachverständnisprobleme: Schwierigkeiten, gesprochene Sprache zu verstehen.
- Lesestörungen (Alexie): Schwierigkeiten beim Lesen.
- Schreibstörungen (Agrafie): Schwierigkeiten beim Schreiben.
Diagnose von Hirntumoren
Die Diagnose von Hirntumoren umfasst in der Regel mehrere Schritte:
- Anamnese und neurologische Untersuchung: Erhebung der Krankengeschichte und Untersuchung der neurologischen Funktionen wie Muskelkraft, Reflexe, Koordination und Sinneswahrnehmung.
- Bildgebende Verfahren:
- Magnetresonanztomographie (MRT): Das wichtigste Verfahren zur Darstellung von Hirntumoren. Es ermöglicht eine genaue Lokalisation und Beurteilung der Tumorausdehnung.
- Computertomographie (CT): Kann zur Beurteilung von verkalkten Tumoranteilen oder in Notfallsituationen eingesetzt werden.
- Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe aus dem Tumor zur feingeweblichen Untersuchung. Dies ist notwendig, um den Tumortyp und den Malignitätsgrad zu bestimmen. Molekularbiologische Tests können ebenfalls durchgeführt werden, um spezifische genetische Veränderungen zu identifizieren.
Behandlung von Hirntumoren
Die Behandlung von Hirntumoren hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter der Tumortyp, die Größe, die Lage, das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten. Die wichtigsten Behandlungsoptionen sind:
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- Operation: Ziel ist es, den Tumor vollständig oder so weit wie möglich zu entfernen. Bei Tumoren in der Nähe wichtiger Hirnregionen kann eine Operation jedoch riskant sein. In einigen Fällen ist nur eine Biopsie möglich.
- Strahlentherapie: Einsatz von hochenergetischer Strahlung, um Tumorzellen abzutöten oder ihr Wachstum zu verlangsamen. Die Strahlentherapie kann nach einer Operation oder als primäre Behandlung eingesetzt werden.
- Chemotherapie: Einsatz von Medikamenten, um Tumorzellen abzutöten. Die Chemotherapie kann in Kombination mit einer Strahlentherapie eingesetzt werden.
- Zielgerichtete Therapie: Einsatz von Medikamenten, die spezifisch auf bestimmte Merkmale der Tumorzellen abzielen.
Behandlung von Sprachstörungen
Die Behandlung von Sprachstörungen, die durch Hirntumoren verursacht werden, erfolgt in der Regel durch Logopädie (Sprachtherapie). Ziel der Logopädie ist es, die sprachlichen Fähigkeiten des Patienten wiederherzustellen, zu verbessern oder zu erhalten. Die Therapie kann Folgendes umfassen:
- Übungen zur Verbesserung der Artikulation, des Sprachverständnisses, des Lesens und Schreibens.
- Entwicklung von Kompensationsstrategien, um die Sprachstörung zu überwinden.
- Einsatz von Kommunikationshilfsmitteln, wie z. B. Tablets oder Apps.
Es ist wichtig, dass die logopädische Therapie so früh wie möglich begonnen wird, idealerweise noch während des Krankenhausaufenthalts. Die genauen Therapieziele werden individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt.
Rehabilitation und Nachsorge
Nach der Behandlung eines Hirntumors ist eine umfassende Rehabilitation wichtig, um die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Die Rehabilitation kann Folgendes umfassen:
- Physiotherapie: Zur Verbesserung der körperlichen Funktionen.
- Ergotherapie: Zur Verbesserung der Alltagsfähigkeiten.
- Logopädie: Zur Behandlung von Sprachstörungen.
- Psychologische Unterstützung: Zur Bewältigung der emotionalen Belastung durch die Erkrankung.
Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen sind wichtig, um ein Wiederauftreten des Tumors frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die Nachsorge umfasst in der Regel regelmäßige MRT-Untersuchungen und neurologische Untersuchungen.
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