Krampf lösen Hausmittel: Was wirklich hilft

Nächtliche Wadenkrämpfe können höllische Schmerzen verursachen, wenn sich die Muskulatur plötzlich krampfartig zusammenzieht. Dieser Artikel beleuchtet, welche Hausmittel gegen Wadenkrämpfe helfen und welche Maßnahmen zur Vorbeugung geeignet sind.

Ursachen und Auslöser von Wadenkrämpfen

Wadenkrämpfe sind weit verbreitet und können verschiedene Ursachen haben. Die häufigste Form sind idiopathische Beinkrämpfe, bei denen keine eindeutige Ursache bekannt ist. Mögliche Auslöser sind:

  • Starke oder abnormale Belastung des betroffenen Muskels: Ungewöhnlich viel Bewegung oder eine Steigerung des Trainingspensums können die Muskeln überlasten.

  • Verminderter Blutzufluss: Eine schlechte Durchblutung kann ebenfalls Krämpfe verursachen.

  • Alter: Mit zunehmendem Alter verkürzen sich Sehnen und Muskeln, was Krämpfe begünstigen kann.

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  • Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt: Ein Mangel an Mineralstoffen wie Magnesium, Kalzium oder Natrium kann zu Wadenkrämpfen führen. Dies kann durch Schwitzen beim Sport oder in der Schwangerschaft verstärkt werden.

  • Erkrankungen: Bestimmte Erkrankungen wie periphere arterielle Verschlusskrankheit, Schilddrüsenstörungen, Diabetes mellitus, Parkinson oder das Restless-Legs-Syndrom können wiederholt Wadenkrämpfe auslösen.

  • Medikamente: Einige Medikamente, darunter Cholesterinsenker (Statine), entwässernde Medikamente (Thiazide) und bestimmte Blutdrucksenker (Calciumkanalantagonisten wie Nifedipin), können als Nebenwirkung Wadenkrämpfe verursachen.

  • Alkohol: Wer regelmäßig Alkohol trinkt, hat häufiger unter solchen nächtlichen Wadenkrämpfen zu leiden.

Was hilft akut bei einem Wadenkrampf?

Wenn ein Krampf auftritt, gibt es einige Sofortmaßnahmen, die helfen können, den Schmerz zu lindern und die Muskulatur zu entspannen:

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  • Dehnen: Strecken Sie das betroffene Bein und ziehen Sie die Zehen sanft in Richtung Oberkörper. Dies dehnt die Wadenmuskulatur und kann den Krampf lösen. Im Stehen kann man das betroffene Bein nach hinten strecken und die Ferse fest auf den Boden drücken.
  • Massieren: Massieren Sie die verkrampfte Muskulatur vorsichtig mit den Händen. Eine Wadenmassage kann die Durchblutung fördern und den Krampf lindern.
  • Bewegung: Stehen Sie auf und laufen Sie ein paar Schritte. Dies kann helfen, den Krampf zu lösen und die Muskulatur zu lockern.
  • Wärme: Warme Wickel, eine Wärmflasche oder eine warme Dusche können helfen, den Muskel zu entspannen.
  • Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Wasser oder isotonische Getränke, um den Elektrolythaushalt auszugleichen.

Hausmittel gegen Wadenkrämpfe: Was ist dran?

Es gibt eine Reihe von Hausmitteln, die bei Wadenkrämpfen empfohlen werden. Einige davon sind:

  • Magnesium: Obwohl die wissenschaftliche Evidenz nicht eindeutig ist, hilft die Einnahme von Magnesium vielen Menschen, Krämpfe zu reduzieren. Magnesium sorgt als Gegenspieler von Calcium dafür, dass angespannte Muskeln sich wieder entspannen. Achten Sie beim Kauf eines Magnesiumpräparats auf eine organische Magnesiumverbindung wie Magnesiumorotat. Pro Tag sollten Sie nicht mehr als 250 Milligramm Magnesium über Nahrungsergänzungsmittel aufnehmen.
  • Gurkenwasser: Eine Studie in den USA hat gezeigt, dass Gurkenwasser die Länge der Muskelkrämpfe bei dehydrierten Menschen verkürzen kann. Die essighaltige Flüssigkeit verkürzt die Krampfdauer um fast die Hälfte. Die Versuchspersonen nahmen dabei einen Milliliter Gurkenwasser je Kilogramm Körpergewicht zu sich.
  • Wechselduschen: Wechselduschen können helfen, Muskelkrämpfen vorzubeugen. Der Wechsel von warm und kalt fördert die Durchblutung, entkrampft und trainiert die Venen.
  • Massage mit ätherischen Ölen: Eine Massage vor dem Schlafengehen, am besten mit einem ätherischen Öl wie Lavendelöl, Orangenöl oder Rosmarinöl, kann eine krampflösende Wirkung auf die Muskeln haben.
  • Seife: Es gibt keinen medizinischen Beweis, dass Seife gegen Wadenkrämpfe hilft, obwohl es im Internet als Mittel angepriesen wird.

Vorbeugung von Wadenkrämpfen

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die helfen können, Wadenkrämpfen vorzubeugen:

  • Ausreichend Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann die Muskeln kräftigen und muskuläre Ungleichgewichte verhindern.
  • Dehnübungen: Gezielte tägliche Dehnungsübungen können helfen, Muskelkrämpfen vorzubeugen. Zum Beispiel ein Vorbeugen des Körpers im Stand, ohne dass die Fersen abheben.
  • Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Mineralstoffen wie Magnesium und Kalzium. Vollkornprodukte, frisches Obst und Gemüse sowie ungesättigte Fettsäuren sind empfehlenswert.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend, mindestens anderthalb bis zwei Liter pro Tag, um ein Ungleichgewicht der Mineralstoffkonzentrationen im Körper zu vermeiden.
  • Geeignetes Schuhwerk: Tragen Sie bequeme Schuhe mit einem ordentlichen Fußbett, um Fehlstellungen und Krämpfe vorzubeugen.
  • Vermeidung von Risikofaktoren: Meiden Sie Alkohol und Koffein. Reduzieren Sie die Einnahme von Abführ- und Entwässerungsmitteln, falls möglich.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

In den meisten Fällen sind Wadenkrämpfe harmlos und lassen sich mit einfachen Maßnahmen behandeln. Es gibt jedoch Situationen, in denen ein Arztbesuch ratsam ist:

  • Häufige oder hartnäckige Krämpfe: Treten die Krämpfe immer wieder auf oder dauern sie längere Zeit an, sollte die Ursache abgeklärt werden.
  • Beeinträchtigung im Alltag: Wenn die Muskelkrämpfe Sie in Ihrem Alltag beeinträchtigen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.
  • Krämpfe in ungewöhnlichen Körperregionen: Treten die Krämpfe außerhalb von Waden und Füßen auf, kann dies ein Hinweis auf eine andere Erkrankung sein.
  • Begleitsymptome: Geschwollene Beine, Besenreiser oder andere Begleitsymptome können auf eine Venenschwäche hindeuten.

Der Arzt kann eine Blut- oder Urinuntersuchung veranlassen, um mögliche Erkrankungen wie Nieren- oder Leberprobleme aufzudecken. In einigen Fällen kann auch eine Vorstellung bei einem Neurologen sinnvoll sein.

Wadenkrämpfe und Venenschwäche

Nächtliche Wadenkrämpfe können ein frühes Symptom einer beginnenden Venenschwäche sein. Bei einer Venenschwäche werden die Venenwände durch den erhöhten Druck porös und durchlässig. Tagsüber tritt Flüssigkeit ins Gewebe aus und sammelt sich dort an. Nachts, wenn die Beine hochgelagert sind, fließt diese Flüssigkeit mitsamt Elektrolyten und anderen Stoffen plötzlich zurück in die Blutbahn. Diese rasche Verschiebung kann zu Krämpfen führen.

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Bei venös bedingten Wadenkrämpfen können kalte Wadenwickel oder Wechselduschen helfen. Die Kälte bewirkt eine Kontraktion der Venen, wodurch die Venenklappen besser schließen und der Blutrückfluss zum Herzen verbessert wird. Dies reduziert Stauungen und damit auch die nächtlichen Krämpfe. Weitere effektive Maßnahmen sind das Hochlagern der Beine, regelmäßige Venengymnastik und das Tragen von Kompressionsstrümpfen tagsüber.

Medikamentöse Behandlung

Bei starken Beschwerden kann eine medikamentöse Therapie sinnvoll sein. Ein günstiges Nebenwirkungsprofil hat die Gabe von Magnesium. Obwohl die Wirksamkeit nicht ausreichend belegt ist, kann Magnesium deshalb versuchsweise genommen werden. Belegt ist außerdem die Wirksamkeit einer Behandlung mit 200 bis 400 Milligramm Chininsulfat oder Hydrochinin zur Nacht. In seltenen Fällen können jedoch Störungen der Blutgerinnung und andere schwere Nebenwirkungen auftreten. Daher wird Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt Chinin nur bei sehr schweren Krämpfen verschreiben.

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