Taubheitsgefühl nach Bauch-OP: Ursachen und Behandlungen

Viele Patient:innen erleben nach einer Operation weiterhin Beschwerden wie Rückenschmerzen, Taubheitsgefühle oder eingeschränkte Beweglichkeit. Dieser Artikel befasst sich mit den Ursachen von Taubheitsgefühlen nach Bauchoperationen und stellt verschiedene Behandlungsansätze vor.

Ursachen von Taubheitsgefühlen nach Bauch-OP

Taubheitsgefühle nach einer Bauchoperation können verschiedene Ursachen haben. In der Medizin werden diese Missempfindungen meist als neuropathisch eingestuft, was bedeutet, dass sie durch eine Störung oder Schädigung eines Nervs verursacht werden.

Mögliche Ursachen:

  • Nervenverletzungen während der OP: Während des Eingriffs können Nerven verletzt, gequetscht, gedehnt oder durchtrennt werden. Nicht jeder Nervenschaden ist auf einen Behandlungsfehler zurückzuführen, sondern kann in manchen Fällen eine unvermeidbare Komplikation darstellen.
  • Narbenbildung und Gewebeverklebungen: Nach Operationen können Narben entstehen, die auf Nerven drücken und so Taubheitsgefühle verursachen. Auch Gewebeverklebungen können Nerven einengen und zu Missempfindungen führen.
  • Entzündungsprozesse: Entzündungsprozesse nach einer Operation können dazu führen, dass die peripheren Nerven erkranken.
  • Schonhaltung: Nach Operationen nehmen Patient:innen oft unbewusst eine Schonhaltung ein, die Muskeln und Wirbelsäule dauerhaft belastet. Diese veränderte Statik kann zu Verspannungen und chronischen Schmerzen führen, die wiederum Taubheitsgefühle auslösen können.
  • Druck auf Nerven: An bestimmten Engstellen des Körpers können auch verspannte Muskeln Nerven quetschen und damit Missempfindungen wie "Einschlafen", Kribbeln und Pelzigkeit hervorrufen.
  • Darmlähmung (Paralytischer Ileus): In seltenen Fällen kann es nach einer Bauchoperation zu einer Darmlähmung kommen. Diese Lähmung der Darmmuskulatur kann zu Bauchschmerzen, einem aufgeblähten Bauch und Übelkeit führen. Auch Taubheitsgefühle im Bauchbereich sind möglich.
  • Vorerkrankungen: Bestimmte Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit postoperativer Neuropathien. Dazu zählen Vorerkrankungen der peripheren Nerven sowie Nervenschäden begünstigende Erkrankungen wie Diabetes, sehr hoher oder sehr niedriger Body-Mass-Index, periphere Gefäßerkrankungen, Alkoholabhängigkeit oder Arthritis.
  • Lagerung während der OP: Traumen, Überdehnungen, Kompressionen oder andere Schäden, die durch die Lagerung des Patienten entstehen, können Ursache für postoperative Komplikationen sein.

Symptome von Taubheitsgefühlen nach Bauch-OP

Typische Anzeichen für Nervenschäden sind Taubheitsgefühle, Kribbeln, Schmerzen oder Lähmungserscheinungen in bestimmten Körperregionen, die vor der OP nicht vorhanden waren. Betroffene berichten oft von einer veränderten Hautsensibilität, wobei sie unter- oder überempfindlich auf Reize wie Kälte, Wärme, Berührung oder Druck reagieren. Die Schmerzattacken können sich kribbelnd, brennend, stechend, einschießend oder elektrisierend äußern.

Diagnose von Taubheitsgefühlen nach Bauch-OP

Um die Ursache von Taubheitsgefühlen nach einer Bauchoperation zu ermitteln, sind verschiedene diagnostische Maßnahmen möglich:

  • Anamnese: Der Arzt wird zunächst ausführlich nach den Beschwerden, der Krankengeschichte und möglichen Risikofaktoren fragen.
  • Körperliche Untersuchung: Eine neurologische Untersuchung kann helfen, die Art und das Ausmaß der Nervenschädigung festzustellen.
  • Bildgebende Verfahren: Um andere Ursachen auszuschließen, können bildgebende Verfahren wie Röntgen, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt werden.
  • Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG): Diese Untersuchung misst die Geschwindigkeit, mit der Nervenimpulse weitergeleitet werden. Sie kann helfen, Nervenschäden zu erkennen und zu lokalisieren.
  • Nervenbiopsie: In unklaren Fällen kann eine Nervenbiopsie helfen, eine entzündliche Ursache zu identifizieren.

Behandlung von Taubheitsgefühlen nach Bauch-OP

Die Behandlung von Taubheitsgefühlen nach einer Bauchoperation richtet sich nach der Ursache und dem Ausmaß der Beschwerden. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden können:

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  • Konservative Behandlung:
    • Physiotherapie: Durch gezielte Übungen können Muskelverspannungen gelöst, die Beweglichkeit verbessert und die Körperhaltung korrigiert werden.
    • Manuelle Therapie: Diese Behandlungsform kann helfen, Blockaden zu lösen und die Gelenkfunktion zu verbessern.
    • Faszienbehandlung: Die Behandlung des Bindegewebes (Faszien) kann helfen, Verklebungen zu lösen und die Durchblutung zu verbessern.
    • Pohltherapie®: Diese Therapieform zielt darauf ab, Fehlhaltungen und Bewegungsmuster zu korrigieren, die zu Missempfindungen führen können.
    • Medikamente: Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente oder Antidepressiva können zur Linderung der Beschwerden eingesetzt werden. Bei neuropathischen Schmerzen können spezielle Medikamente wie Antikonvulsiva oder Opioide helfen.
    • Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme kann Muskelverspannungen lösen, während Kälte Entzündungen reduzieren kann.
    • Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Diese Methode nutzt elektrische Impulse, um die Nerven zu stimulieren und Schmerzen zu lindern.
    • Akupunktur: Akupunktur kann helfen, Schmerzen zu lindern und die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.
  • Invasive Behandlung:
    • Injektionen: In bestimmten Fällen können Injektionen mit Lokalanästhetika oder Kortikosteroiden in die Nähe der betroffenen Nerven helfen, Schmerzen zu lindern.
    • Nervenblockaden: Bei starken Schmerzen können Nervenblockaden eingesetzt werden, um die Schmerzleitung zu unterbrechen.
    • Neuromodulation: Verfahren wie die Rückenmarkstimulation (Schmerzschrittmacher) können bei chronischen Schmerzen eingesetzt werden, um die Schmerzwahrnehmung zu beeinflussen.
    • Operation: In seltenen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um Nerven zu entlasten oder zu reparieren.
  • Alternative Behandlungsmethoden:
    • Osteopathie: Osteopathie ist eine ganzheitliche Behandlungsmethode, die darauf abzielt, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.
    • Craniosacraltherapie: Diese Therapieform behandelt das craniosacrale System, das Schädel, Wirbelsäule und Kreuzbein umfasst.
  • IDU-Liege: Die IDU-Liege von Vertonex bietet eine innovative Lösung zur Behandlung von wiederkehrenden Beschwerden nach Operationen, insbesondere bei Rückenproblemen. Die IDU Liege nutzt computergesteuerte Technologie, um die Wirbelsäule präzise zu dekomprimieren. Durch die Anwendung von intermittierenden Zugkräften entsteht ein Unterdruck im Bereich der Bandscheiben, der deren Rückzug und die Aufnahme von Nährstoffen fördert. Ein zentrales Element der IDU Liege ist das integrierte Biofeedback-System. Dieses überwacht kontinuierlich die Muskelaktivität und passt die Therapie in Echtzeit an.

Vorbeugung von Taubheitsgefühlen nach Bauch-OP

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die dazu beitragen können, Taubheitsgefühlen nach einer Bauchoperation vorzubeugen:

  • Sorgfältige Operationsplanung: Das Operationsteam sollte sich im Vorfeld über Risiken und Maßnahmen zur Vermeidung von Neuropathien austauschen.
  • Schonende Operationstechnik: EineOperation sollte so schonend wie möglich durchgeführt werden, um Nervenverletzungen zu vermeiden.
  • Optimale Lagerung: Bei der Positionierung des Patienten sind starke Überdehnung oder hohe Druckbelastungen zu vermeiden.
  • Frühzeitige Mobilisierung: Frühzeitige Bewegung und Nahrungsaufnahme nach dem Eingriff regen die Darmtätigkeit an und können helfen, einer Darmlähmung vorzubeugen.
  • Risikofaktoren minimieren: Patient:innen mit Risikofaktoren für postoperative Neuropathien sollten vor der Operation neurologisch untersucht und entsprechend aufgeklärt werden.

Rechtliche Aspekte bei Nervenschäden nach OP

Wenn es nach einer Operation zu einem Nervenschaden kommt, ist es wichtig zu klären, ob ein Behandlungsfehler vorliegt. Die Beweisführung ist oft komplex und erfordert spezielles Fachwissen. Die reguläre Verjährungsfrist beträgt drei Jahre ab Kenntnis des Schadens und der Person des Schädigers. Es ist ratsam, frühzeitig rechtlichen Rat einzuholen, um keine Fristen zu versäumen und wichtige Beweise zu sichern.

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