Taubheitsgefühl nach Zahn-OP: Ursachen und Behandlungen

Ein Taubheitsgefühl nach einer Zahnoperation, insbesondere nach der Entfernung von Weisheitszähnen oder dem Einsetzen von Zahnimplantaten, ist ein bekanntes, wenn auch unerwünschtes Phänomen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen für dieses Taubheitsgefühl und die entsprechenden Behandlungsmöglichkeiten.

Weisheitszähne und Trigeminusnerv

Weisheitszähne, die oft als Relikte aus prähistorischen Zeiten betrachtet werden, können in der modernen Gesellschaft erhebliche Probleme verursachen. Da unsere Ernährung heute weicher ist, haben viele Menschen nicht genügend Platz im Kiefer für diese zusätzlichen Zähne. Dies kann zu Problemen wie Nicht-Durchbruch, horizontalem Wachstum oder Entzündungen führen, was häufig eine Entfernung erforderlich macht.

Allerdings ist die Extraktion von Weisheitszähnen nicht immer unkompliziert. Insbesondere bei schwierigen Extraktionen kann es zu einer Reizung oder Schädigung des Trigeminusnervs kommen. Der Trigeminusnerv ist der größte der peripheren Nerven und hat drei Hauptäste, wobei der zweite Ast den Oberkiefer und der dritte Ast den Unterkiefer versorgt.

Mögliche Komplikationen

Eine Schädigung des Nervus alveolaris inferior, einem Ast des dritten Trigeminusastes, ist eine häufige Komplikation bei der Weisheitszahnentfernung. Die Wurzelspitzen der Weisheitszähne liegen oft in unmittelbarer Nähe zum Unterkieferkanal (Canalis mandibulae) oder sogar darin. Bei der Extraktion kann dieser Nerv verletzt werden, was zu einem vollständigen oder teilweisen Funktionsverlust führt, der als Neuropathie bezeichnet wird.

Eine Neuralgie, ein Schmerzsyndrom, kann als Reaktion auf eine Schädigung des Kanals, Kompression durch eine Schwellung oder Reizung durch die Verletzung auftreten. Plötzliche, blitzartige, stechende Schmerzen können das einzige Symptom sein.

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Es ist wichtig zu beachten, dass Schmerzen auch eine normale Reaktion auf den chirurgischen Eingriff sein können. Dennoch sollte man bei ungewöhnlichen Symptomen einen Arzt aufsuchen.

Vorbeugung und Diagnose

Um Komplikationen zu vermeiden, ist vor einer schwierigen Extraktion eine 3D-Röntgenaufnahme (DVT) unerlässlich. Sie zeigt die genaue Topographie der Wurzeln und ihre Beziehung zum Unterkieferkanal. Moderne Diagnostik, einschließlich 3D-CT (DVT), sollte zur Planung eingesetzt werden, um die Wahl der Klinik sorgfältig zu treffen und Komplikationen zu vermeiden.

Behandlung

Die Behandlung von Nervenschäden nach einer Weisheitszahnextraktion kann langwierig sein. Sie hängt vom Schweregrad der Verletzung ab:

  • Leichter Grad: Abschwellende Medikamente.
  • Mittlerer Grad: Zusätzlich Medikamente, die die Nervenleitung verbessern.
  • Schwerer Grad: Alle oben genannten Maßnahmen, plus evtl. elektrische Nervenstimulation oder Akupunktur.

Eine Mitbehandlung durch einen Neurologen wird empfohlen. Antikonvulsiva können ebenfalls eingesetzt werden. Unterstützende Maßnahmen zu Hause sind nur nach Rücksprache mit dem Arzt sinnvoll. Die Erholung des Nervs kann je nach Schweregrad von wenigen Wochen bis zu einem Jahr oder länger dauern. Abwarten und Hoffen, dass die Neuropathie von alleine verschwindet, verzögert oft nur die Heilung.

Zahnimplantate und Nervschädigung

Auch beim Einsetzen von Zahnimplantaten kann es zu Nervschädigungen kommen, die Taubheitsgefühle verursachen. Nach der Installation von Zahnimplantaten können Patienten in den ersten Tagen schmerzhafte Empfindungen, Zahnfleischbluten und Taubheit (Hypästhesie) im Operationsbereich verspüren. Diese Symptome sind in der Regel harmlos und verschwinden innerhalb von 3-5 Tagen.

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Ursachen für Taubheit nach Zahnimplantation

Es gibt mehrere Gründe, warum Taubheit nach der Implantation von Zahnimplantaten nicht verschwindet:

  1. Minderwertige Schmerzlinderung: Die Ursache kann ein schlechtes Lokalanästhetikum, falsche Dosierung oder Schädigung von Nervengewebe bei der Injektion sein.
  2. Falsch gewählte Länge des Implantats.
  3. Verletzung des Trigeminusnervs: Während des Einsetzens des Zahnimplantats oder beim Bohren des Lochs für den Stift.

Der Trigeminusnerv ist der größte Nerv aller zwölf Schädelnerven. Die Schädigung des Unterkiefernervs und des Oberkiefernervs wird durch Dehnung, Kompression oder teilweise/vollständige Verletzung der Nervenendstrukturen verursacht.

Arten von Nervenverletzungen

  • Neuropraxie: Eine leichte Nervenverletzung (Dehnung) ohne Schädigung der Nervenstruktur. Die Empfindlichkeit kehrt normalerweise innerhalb von 4-8 Wochen wieder her.
  • Axonotmesis: Eine mittelschwere Verletzung, Taubheit des Kinns oder des Zahnfleisches nach der Implantation, begleitet von Schmerzen. Die Integrität des Axons (der Nervenzellausläufer) bleibt erhalten. Die Empfindlichkeit kehrt innerhalb von 8-16 Wochen zurück, kann jedoch später etwas geringer sein als vor der Verletzung.
  • Neurotmesis: Eine schwere Verletzung der Nervenfasern mit Schädigung ihrer Integrität (der Nerv und seine Hülle werden beschädigt).

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose umfasst:

  • Untersuchung der Mundhöhle durch den Zahnarzt.
  • Bewertung des neurologischen Status anhand der geschädigten Äste des Trigeminusnervs.
  • Röntgenaufnahmen/Computertomographie.

Die Therapie ist für jeden Patienten individuell. Bei der Konsultation ermittelt der Arzt die Ursache der Taubheit, führt diagnostische Untersuchungen durch, um Art und Ausmaß der Nervenschädigung festzustellen. Bei leichten und mittelschweren Verletzungen entscheidet der Arzt, ob eine Intervention erforderlich ist oder ob dem Körper Zeit zur Selbstheilung gegeben werden soll.

Dem Patienten können therapeutische Verfahren mit medikamentöser Behandlung (Einnahme von Antibiotika, entzündungshemmenden Medikamenten) und physiotherapeutischen Maßnahmen (Akupunktur, gezielte Massage, Elektrophorese und Ultraschalltherapie) verschrieben werden.

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Um die Sicherheit des chirurgischen Eingriffs zu gewährleisten, verwenden Ärzte manchmal kurze Implantate und Stopper, um die Integration des Titanstifts in das Knochengewebe zu kontrollieren.

Wurzelkanalbehandlung und Sensibilitätsstörungen

Auch bei endodontischen Behandlungen von Molaren des Unterkiefers kann es zu einer Verletzung des Nervus alveolaris inferior kommen. Eine Überinstrumentierung hat unter Umständen eine direkte Verletzung des Nervus alveolaris inferior zur Folge, durch Überpressen der Wurzelkanalfüllung entsteht möglicherweise ein Kompressionstrauma, oder es entwickelt sich eventuell ein neurotoxisches Trauma durch Spüllösungen beziehungsweise Sealer. Verletzungen des Nervus alveolaris inferior können zu Sensibilitätsstörungen führen, die sich in Anästhesien, Parästhesien, Hypästhesien und Hyperästhesien unterteilen lassen.

Fallbeispiel

Eine 25-jährige Patientin wurde zur Abklärung und Therapie eines Taubheitsgefühls im Bereich des rechten Kinns überwiesen. Zuvor war der Zahn 47 wurzelkanalbehandelt und mit Guttapercha sowie einer Zinkoxid-Eugenol-Paste definitiv gefüllt worden. Die Patientin meldete sich drei Tage später telefonisch und berichtete über einen zunehmenden Gefühlsverlust im Bereich der rechten Unterlippe, welcher bereits wenige Stunden nach der Wurzelkanalfüllung begonnen hätte.

Bei der klinischen Untersuchung wurde eine komplette Anästhesie im Bereich des Kinns festgestellt. Intraoral zeigte sich der Zahn 47 perkussionsempfindlich. Das mitgelieferte Einzelzahnröntgenbild ließ den Verdacht einer Dislokation von Füllmaterial in den Canalis mandibulae zu. Die zusätzliche radiologische Abklärung erfolgte mittels digitaler Volumentomographie, wobei sich in den Canalis mandibulae überpresstes Wurzelkanalfüllmaterial darstellte.

Im Rahmen des Eingriffs erfolgte in Lokalanästhesie zunächst eine vestibuläre Schnittführung Regio 47 mit einer mesialen Entlastung. Nach Elevation eines Mukoperiostlappens wurden die Wurzelspitzen des Zahns 47 dargestellt. Im Anschluss an die Trennung und Entfernung der Wurzelspitzen konnte das verbliebene Wurzelkanalfüllmaterial unter Zuhilfenahme eines Mikroskops und Schonung des Nervus alveolaris inferior aus dem Canalis mandibulae geborgen werden.

Die Patientin berichtete schon unmittelbar post operationem über eine deutliche Besserung der Symptomatik. Der dumpfe Schmerz hatte nachgelassen, und im zuvor gefühlslosen Areal war bereits eine Hypästhesie zu beschreiben. Im weiteren Verlauf stellte sich nach mehreren Wochen ein kribbelndes Gefühl auf Berührung ein. Nach sechs Monaten konnte radiologisch eine Verdichtung der ossären periapikalen Strukturen festgestellt werden. Die Parästhesie war zu diesem Zeitpunkt noch geringgradig erhalten, jedoch für die Patientin im Alltag nicht mehr von Relevanz.

Prävention

Vor chirurgischen Eingriffen an den Wurzelspitzen von Zähnen mit einer möglichen Verbindung oder Überlagerung zum Canalis mandibulae sollte eine dreidimensionale Bildgebung zur präzisen Planung erfolgen. Bei Bestätigung einer direkten Kommunikation zwischen Wurzelspitzen und Mandibularkanal sollte die Indikation zur endodontischen Therapie eher eng gestellt und gegebenenfalls auf die Spülung mit Natriumhypochlorit verzichtet werden. Außerdem sollte auf die Wahl des Sealers geachtet werden.

Nasenoperationen und Taubheitsgefühle

Auch Nasenoperationen, auch Rhinoplastik genannt, können manchmal unerwünschte Nebenwirkungen wie Taubheitsgefühle im Oberkiefer und in der Oberlippe sowie Zahnschmerzen verursachen. Diese Symptome sind in der Regel vorübergehend und lassen sich durch den chirurgischen Eingriff und die anatomische Nähe der behandelten Bereiche erklären.

Ein mögliches Symptom nach einer Nasenoperation kann ein Taubheitsgefühl im Oberkiefer sein, das durch eine Beeinträchtigung der Nerven im Operationsbereich hervorgerufen werden kann. Eine andere mögliche Ursache ist eine Schwellung des Gewebes. Nach der Operation kann es zu einer vorübergehenden Schwellung im Bereich der Nase kommen, die auf die umliegenden Nerven drücken und Taubheitsgefühle auslösen kann.

Eine Nasenoperation kann auch das Gefühl in der Oberlippe beeinträchtigen. Dieses Phänomen tritt auf, wenn bei der Nasenoperation Nerven verletzt werden, die für die Sensibilität der Oberlippe verantwortlich sind. Häufig tritt das Taubheitsgefühl in der Oberlippe auch im Zusammenhang mit der Schädigung von Nerven im Oberkiefer auf.

Außerdem können Schwellungen im Nasenbereich Druck auf die umliegenden Nerven ausüben, was ebenfalls Zahnschmerzen auslösen kann.

Behandlung

Zunächst ist es wichtig, regelmäßig kalte Umschläge auf die betroffene Stelle zu legen, um die Schwellung zu reduzieren und das Taubheitsgefühl zu lindern. Zusätzlich können sanfte Massagen der Oberlippe helfen, die Durchblutung zu fördern und das Gewebe zu entspannen. Auch eine ausgewogene Ernährung mit vielen Vitaminen und Nährstoffen ist wichtig, um den Heilungsprozess zu unterstützen und das Taubheitsgefühl zu lindern. Außerdem sollte auf das Rauchen verzichtet werden, da Nikotin die Durchblutung beeinträchtigen und den Heilungsprozess verlangsamen kann.

Eine Möglichkeit, Zahnschmerzen nach einer Nasenoperation zu lindern, ist die Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten wie Ibuprofen oder Paracetamol. Diese können helfen, die Schwellung zu reduzieren und die Schmerzen zu lindern. Zusätzlich kann ein kühlender Umschlag auf die betroffene Stelle gelegt werden, um die Schmerzen zu lindern und die Schwellung zu reduzieren. Auch die Verwendung spezieller Mundspülungen kann hilfreich sein, um die betroffenen Zahnbereiche zu beruhigen und möglichen Entzündungen vorzubeugen.

Allgemeine Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung

Unabhängig von der spezifischen Ursache des Taubheitsgefühls gibt es einige allgemeine Maßnahmen, die zur Vorbeugung und Behandlung beitragen können:

  • Sorgfältige Planung: Eine sorgfältige Planung des Eingriffs, idealerweise mit 3D-Bildgebung (CT, DVT), ist unerlässlich, um die Lage der Nerven zu bestimmen und Verletzungen zu vermeiden.
  • Schonende Operationstechnik: Ein erfahrener Chirurg, der minimalinvasive Techniken anwendet, kann das Risiko von Nervenschäden reduzieren.
  • Medikamentöse Therapie: Entzündungshemmende Medikamente, Schmerzmittel und in einigen Fällen Kortikosteroide können helfen, Schwellungen zu reduzieren und die Nervenfunktion zu verbessern.
  • Physiotherapie: Physiotherapeutische Maßnahmen wie Massage, Akupunktur, Elektrophorese und Ultraschalltherapie können die Heilung unterstützen und die Sensibilität verbessern.
  • Geduld: Die Erholung von Nervenschäden kann Zeit in Anspruch nehmen. Es ist wichtig, geduldig zu sein und die Anweisungen des Arztes genau zu befolgen.
  • Regelmäßige Kontrollen: Regelmäßige Kontrolltermine beim Zahnarzt oder Kieferchirurgen sind wichtig, um den Heilungsprozess zu überwachen und gegebenenfalls weitere Maßnahmen zu ergreifen.
  • Vermeidung von Risikofaktoren: Rauchen und Alkoholkonsum können die Heilung beeinträchtigen. Es ist ratsam, diese Risikofaktoren zu vermeiden.

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