Lungenentzündung bei Alzheimer: Symptome, Risiken und Behandlungsansätze

Eine Lungenentzündung (Pneumonie) stellt besonders für ältere Menschen, insbesondere solche mit Vorerkrankungen wie Alzheimer, ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Die Symptome können atypisch sein, was die Diagnose erschwert, und die Komplikationsrate ist höher. Dieser Artikel beleuchtet die besonderen Aspekte der Lungenentzündung bei Alzheimer-Patienten, von den Symptomen über die Diagnose bis hin zu Behandlungs- und Präventionsstrategien.

Einführung

Nasskaltes Wetter und Erkältungen sind im Herbst weit verbreitet. Ähnliche Symptome können jedoch auch auf eine Lungenentzündung hindeuten, die besonders für ältere Menschen gefährlich werden kann. Jährlich erkranken in Deutschland etwa 800.000 Menschen an einer ambulant erworbenen Lungenentzündung. Die Lungenentzündung gehört zu den Volkskrankheiten und führt zu mehr Krankenhauseinweisungen als Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Symptome der Lungenentzündung bei älteren Menschen und Alzheimer-Patienten

Bei älteren Menschen, insbesondere solchen mit Alzheimer, können die typischen Symptome einer Lungenentzündung wie Fieber, Husten und Auswurf fehlen oder weniger stark ausgeprägt sein. Stattdessen können andere Symptome in den Vordergrund treten, wie zum Beispiel:

  • Verwirrtheit: Zunehmende Verwirrtheit oder ein Dämmerzustand können Anzeichen einer Lungenentzündung sein.
  • Durchfall: Auch unspezifische Symptome wie Durchfall können auf eine Infektion hindeuten.
  • Allgemeines Schwächegefühl: Ein plötzliches Schwächegefühl und Atembeschwerden können ebenfalls Symptome sein.
  • Atypischer Verlauf: Eine Lungenentzündung kann auch komplett atypisch verlaufen, was die Diagnosestellung erschwert.
  • Fieber: Der Anstieg des Fiebers muss nicht immer drastisch sein.

Risikofaktoren für Lungenentzündung im Alter

Chronische Erkrankungen der Lunge oder des Herzens sind im Alter häufiger und erhöhen das Risiko einer Lungenentzündung. Weitere Risikofaktoren sind:

  • Geschwächtes Immunsystem: Betroffen sind vor allem Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, daher oft ältere Personen über 60 Jahren, aber auch Kinder, deren Immunabwehr noch nicht voll ausgebildet ist.
  • Rauchen, Diabetes Mellitus oder neurologische Erkrankungen: Diese Faktoren begünstigen die Entstehung einer Lungenentzündung.
  • Hohes Alter und chronische Erkrankungen: Bei sehr gebrechlichen Menschen mit Herz- oder Nierenschwäche kann eine Lungenentzündung einen schweren Verlauf nehmen.

Lungenentzündung im Zusammenhang mit Alzheimer

Morbus Alzheimer verläuft in mehreren Phasen, die sich durch unterschiedliche Symptome und Beeinträchtigungen auszeichnen. Im Endstadium von Demenzerkrankungen wie Morbus Alzheimer benötigen die Betroffenen eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Erkrankte weisen schwere kognitive Beeinträchtigungen auf, erinnern sich nicht mehr an nächste Angehörige und können keine grundlegende Kommunikation mehr aufrechterhalten. Dazu kommen Bewegungseinschränkungen, also Schwierigkeiten beim Gehen und bei der Koordination. Gelenke und Muskeln können sich versteifen. Bei allen täglichen Aktivitäten, auch beim Essen und bei der Körperpflege, sind die Erkrankten auf Hilfe angewiesen, zumal im Demenz-Endstadium in der Regel auch die Kontrolle über Blase und Darm verloren geht.

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Zu den weiteren Symptomen im letzten Stadium bei Morbus Alzheimer zählt ein geschwächtes Immunsystem, nicht zuletzt bedingt durch die einsetzende Bettlägerigkeit. Betroffene sind nun besonders anfällig für Infekte aller Art, vor allem für Lungenentzündungen, die bei ihnen häufig zum Tode führen. Das Risiko für eine Lungenentzündung ist auch dadurch erhöht, dass bei Menschen mit Morbus Alzheimer der Schluckreflex gestört ist und sie sich häufig verschlucken. Speichel und Flüssigkeiten gelangen in die Lunge und es entsteht eine sogenannte Aspirationspneumonie.

Aspirationspneumonie

Bei Demenzkranken im fortgeschrittenen Stadium ist oftmals die neurologische Steuerung jener Muskeln einschränkt, die am Schluckvorgang beteiligt sind. Schluckstörungen, sogenannte Dysphagien, treten daher im Zuge einer Demenz sehr oft auf. Die Folge: Betroffene verschlucken sich häufig, was das Risiko für eine Lungenentzündung (Aspirationspneumonie) erhöht. Außerdem kann eine Dysphagie auch zur Nahrungsverweigerung und schlimmstenfalls zu Dehydrierung, Mangelernährung und damit einhergehend zu einer allgemeinen Verschlechterung des Gesundheitszustands führen.

Diagnose der Lungenentzündung

Eine rasche Diagnosestellung ist bei der Lungenentzündung wichtig, um vor allem bei Personen mit einem geschwächten Immunsystem ein Verschleppen zu verhindern. Im Zweifel kann eine Röntgenaufnahme Klarheit bringen.

  • Röntgenbild oder Computertomografie: Bei Verdacht auf eine Lungenentzündung wird in der Regel ein Röntgenbild oder eine Computertomografie des Brustkorbs angefertigt. Hierdurch kann möglicherweise ein Rückschluss auf die Ursachen und die Ausdehnung der Lungenentzündung gemacht werden. Entzündungsherde kann man im Röntgenbild als sogenannte Verschattungen erkennen.
  • Entzündungswerte im Blut: Meist werden auch Entzündungswerte im Blut abgenommen. Hierzu gehört vor allem das Blutbild. Bei der klassischen Lungenentzündung sind die weißen Blutkörperchen erhöht sowie auch das C-reaktive Protein, das einen Entzündungsmarker für akute, meist bakterielle Entzündungen darstellt.

Behandlung der Lungenentzündung

Das Alter spielt bei der Behandlung der Lungenentzündung eine wesentliche Rolle. Wer älter als 65 Jahre ist, eine Grunderkrankung hat oder sich allein zu Hause nicht versorgen kann, wird meist im Krankenhaus behandelt.

  • Antibiotika: Wenn Bakterien die Ursache sind, werden Antibiotika eingesetzt. Dann ist bei der Auswahl des Antibiotikums vor allem wichtig, ob die Lungenentzündung zu Hause, im Senioren- oder Pflegeheim oder im Krankenhaus aufgetreten ist. Da in Heimen und Krankenhäusern Bakterien vorkommen, die gegen viele Wirkstoffe weniger empfindlich sind, erhält man dann Antibiotika, die auch diese Erreger bekämpfen können.
  • Berücksichtigung früherer Antibiotika-Einnahme: Bei der Auswahl der Wirkstoffe wird auch berücksichtigt, ob in den vergangenen drei Monaten bereits Antibiotika eingenommen wurden.
  • Linderung der Beschwerden: Bei sehr gebrechlichen Menschen zielt die Behandlung nicht auf eine Heilung ab, sondern auf eine möglichst wirksame Linderung der Beschwerden. Eine gute Betreuung und Pflege tragen dazu bei, die letzte Phase des Lebens zu erleichtern und persönliche Wünsche so gut es geht zu berücksichtigen.

Prävention der Lungenentzündung

Weil bei Menschen ab 60 Jahren das Risiko für eine Lungenentzündung erhöht ist, werden zwei Impfungen empfohlen: die Grippe- und die Pneumokokken-Schutzimpfung. Die Krankenversicherungen übernehmen die Kosten für beide Impfungen. Die Impfstoffe kann man sich am gleichen Tag spritzen lassen. Die Grippe-Schutzimpfung wird jährlich erneuert, da sich die Grippeviren von Jahr zu Jahr unterscheiden. Die Pneumokokken-Impfung ist mehrere Jahre wirksam, nach sechs Jahren ist eine Auffrischung sinnvoll.

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  • Impfungen: „80 Prozent der Lungenentzündungen gehen auf Bakterien zurück, gegen die man sich gut schützen kann. Gerade für ältere Menschen ist daher eine Impfung gegen Pneumokokken und zusätzlich gegen Influenza sinnvoll“, rät Marschall. Obwohl durch die Impfung ein Großteil der Lungenentzündungen verhindert werden könnten, lassen sich gerade ältere und damit gefährdete Menschen nur selten impfen: Lediglich etwa 30 Prozent der Senioren zwischen 65 und 79 Jahren sind gegen Pneumokokken geimpft.
  • Gesunder Lebensstil: Zusätzlich hilft auch ein gesunder Lebensstil, einer Lungenentzündung vorzubeugen. Dazu gehören beispielsweise eine vitaminreiche und ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung an der frischen Luft.
  • Atemübungen und Atemgymnastik: Für Patienten, die bettlägerig sind, empfiehlt die Expertin vorbeugende Atemübungen und Atemgymnastik, die Pfleger oder Physiotherapeuten vermitteln können.

Umgang mit Schluckstörungen bei Demenz

Schluckstörungen (Dysphagien) treten im Zuge einer Demenz sehr oft auf und erhöhen das Risiko einer Aspirationspneumonie. Daher ist ein angepasster Umgang mit Schluckstörungen wichtig:

  • Ess-Situation bewusst gestalten: Die Ess-Situation sollte bewusst als solche gestaltet werden, damit sie von der demenzkranken Person richtig eingeordnet werden kann. Es ist hilfreich, wenn Pflegende selbst auch essen.
  • Einbeziehung in die Zubereitung: Wenn möglich, sollten Menschen mit Demenz in die Zubereitung des Essens einbezogen werden.
  • Selbstständigkeit fördern: Es hilft, wenn die betroffene Person selbst den Löffel hält und zum Mund führt. Gegebenenfalls sollte sie dazu angeleitet werden.
  • Appetitliche Darreichung: Das Essen sollte appetitlich angerichtet werden.
  • Aufrechte Körperhaltung: Eine aufrechte Körperhaltung erleichtert das Schlucken.
  • Zeit und Ruhe: Menschen mit Schluckstörungen brauchen Zeit und Ruhe zum Essen.
  • Leicht zu kauende Nahrung: Die Nahrung sollte leicht zu kauen sein, zum Beispiel weiches Gemüse, wenn nötig löffelfeste Breikost. Besonders schwer zu essen sind Mischkonsistenzen, etwa klare Brühe mit Fleischeinlage.
  • Lieblingsspeisen: Lieblingsspeisen und -getränke können den Appetit verbessern.
  • Deutliche Würzung: Speisen können besonders deutlich gewürzt oder gesüßt werden, damit sie im Mund besser wahrgenommen werden. Menschen mit Demenz haben in der Regel eine Vorliebe für Süßes.
  • Erinnerung ans Schlucken: Wenn man bemerkt, dass jemand Nahrung lange im Mund behält, kann man die Person ans Herunterschlucken erinnern.
  • Mundpflege: Nach dem Essen sollte man sicherstellen, dass keine Nahrungsreste im Mund bleiben. Diese könnten eingeatmet und dadurch verschluckt werden. Weil der Mund ein sehr intimer Bereich ist, sollte man bei der Mundpflege behutsam vorgehen. Auch hier kann es hilfreich sein, den Finger oder die Zahnbürste des Betroffenen zu führen.

Die letzte Lebensphase und Sterbebegleitung bei Demenz und Lungenentzündung

Es ist sehr schwer die verbleibende Lebenszeit eines Menschen mit Demenz korrekt einzuschätzen. Häufig wird die verbleibende Zeit stark überschätzt und dadurch eventuell eine Palliativ- und Hospizversorgung erst sehr spät oder gar nicht in Erwägung gezogen. In den letzten Lebensmonaten kommt es bei Menschen mit Demenz meist zu einer starken Verschlechterung des Zustandes und zunehmenden Einschränkungen. Oft haben die Betroffene häufige Infekte, die sie weiter schwächen. Sie sind zunehmend abhängig von der Unterstützung anderer. Die Schwierigkeiten beim Schlucken können zunehmen und die Betroffenen verschlucken sich eventuell häufiger als gewohnt. Das Interesse an Essen und Trinken nimmt häufig ab. Aufgrund der geringeren Nahrungsaufnahme kann es im Verlauf zu einem starken Gewichtsverlust oder einer Mangelernährung kommen. Das erhöht wiederum die Anfälligkeit für Infekte. Die Betroffenen wirken körperlich schwächer und sind weniger mobil. Möglicherweise halten sie sich nur noch kurze Zeit außerhalb des Bettes auf und können nur kurzfristig in einem Stuhl oder Liegestuhl sitzen. Einige Menschen mit fortgeschrittener Demenz reagieren weniger auf ihre Umwelt. Sie treten weniger oder kaum noch mit anderen in Kontakt, was nicht heißt, dass ihre Wahrnehmung erloschen ist. Die Schlafphasen können länger werden und die aktiven Wachphasen abnehmen.

Sterbephase

Steht der Tod unmittelbar in den nächsten Tagen oder Stunden bevor, können die nachfolgend aufgeführten, typischen Anzeichen auftreten:

  • Das Bewusstsein kann sich noch einmal verändern, die Sterbenden sind oft weniger erweckbar oder reagieren weniger auf ihr Umfeld als zuvor.
  • Der Herzschlag kann sich erhöhen und der Blutdruck absinken.
  • Die Betroffenen können eine blasse oder wächserne Hautfarbe entwickeln. Manchmal kann eine Art eingefallenes oder aschfahles Mund-Nase-Dreieck beobachtet werden.
  • Es kann auch eine bläulich gemusterte Haut auftreten, meist an den Armen und Beinen. Oft fühlen sich die Beine und Arme kühl an.
  • Besonders auffällig ist eine veränderte Atmung. Die Betroffenen atmen eventuell langsamer, flacher oder auch unregelmäßiger. Es kann zu einer Rasselatmung kommen. Dieses Atemgeräusch entsteht, wenn sich Speichel und Sekret im Rachen ansammeln. Normalerweise würde das Sekret abgehustet werden. Die Menschen mit Demenz am Lebensende schaffen es jedoch nicht, dieses Sekret abzuhusten oder hinunterzuschlucken. Deshalb schwingt das Sekret beim Atmen hin und her und verursacht dabei die Rasselgeräusche. Für die Umstehenden kann dieses Geräusch sehr beängstigend sein, die Betroffenen selbst haben dabei keine Atemnot und nehmen das Geräusch meist nicht als störend wahr.

Palliative Versorgung

Seit Februar 2025 wird Palliativversorgung in den Leitlinien zur Behandlung von Menschen mit Demenzerkrankungen wie Alzheimer empfohlen. In fortgeschrittenen Phasen können Menschen mit Demenz ihre Beschwerden nur noch schwer mitteilen. Fachkräfte und Angehörige sollten daher besonders aufmerksam sein, um Unruhe oder verändertes Verhalten richtig einzuordnen. So können Schmerzen oder Infektionen frühzeitiger erkannt und entsprechend behandelt werden.

Todesursachen

Überwiegend versterben die Menschen mit fortgeschrittener Demenz jedoch an den Folgen oder Komplikationen der Demenz. Eine der häufigsten Todesursachen ist die Lungenentzündung (Pneumonie). Zum einen sind Menschen mit Demenz allgemein anfälliger für Infektionskrankheiten. Zum andern liegt bei ihnen häufig eine Schluckstörung vor, wodurch sie sich leicht Verschlucken können. Dadurch können Nahrung und Speichel in die Lunge gelangen und dort zu Entzündungen führen. Dies wird auch „Aspirationspneumonie“ genannt.

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