Schlaganfall: Jede Minute zählt – Auswirkungen, Erkennung und innovative Therapieansätze

Der Schlaganfall ist eine der häufigsten Ursachen für schwere Behinderungen und Todesfälle. Um die Folgen für die Betroffenen zu minimieren, ist schnelles Handeln entscheidend. Spezialisierte Stroke Units und innovative Therapien haben die Sterblichkeit in den letzten Jahren deutlich gesenkt. Doch auch das richtige Verhalten vor dem Eintreffen im Krankenhaus kann Leben retten.

Schlaganfall: Ein Wettlauf gegen die Zeit

Bei einem Schlaganfall kommt es zu einer plötzlichen Unterbrechung der Blutversorgung im Gehirn. Dies führt zu einem raschen Absterben von Nervenzellen. Pro Minute gehen etwa 1,9 Millionen Gehirnzellen zugrunde. Neurologen betonen daher: "Time is brain" - Zeit ist Hirn. Je schneller die Durchblutung wiederhergestellt wird, desto besser sind die Chancen für eine erfolgreiche Behandlung und Rehabilitation.

Jährlich erleiden in Deutschland rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Davon sind etwa 200.000 erstmalige Ereignisse. Bis zu 70 % der Betroffenen behalten langfristige Behinderungen zurück. Der Schlaganfall ist nach Herzproblemen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland und die häufigste Ursache für bleibende Behinderungen bei Erwachsenen.

Wie erkennt man einen Schlaganfall? Der FAST-Test

Typische Symptome eines Schlaganfalls sind:

  • Lähmungen und Taubheitsgefühle auf einer Körperseite
  • Sprachschwierigkeiten
  • Sehstörungen
  • Schwindel
  • Plötzlich einsetzende, sehr starke Kopfschmerzen

Der FAST-Test hilft, einen Schlaganfall schnell zu erkennen:

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  • Face (Gesicht): Bitten Sie die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab?
  • Arms (Arme): Kann die Person beide Arme mit den Handflächen nach oben nach vorne strecken?
  • Speech (Sprache): Kann die Person einen einfachen Satz nachsprechen? Ist die Sprache undeutlich oder verwaschen?
  • Time (Zeit): Keine Zeit verlieren und sofort den Notruf 112 wählen!

Schlaganfall-Therapie: Spezialisierte Stroke Units und innovative Verfahren

Dank spezialisierter Schlaganfallstationen, den Stroke Units, hat sich die Sterblichkeit in Deutschland in den letzten Jahren halbiert. Auf diesen Stationen stehen modernste Diagnosetechniken und Therapien zur Verfügung. Schlaganfallexperten aus verschiedenen Disziplinen arbeiten von Anfang an eng zusammen.

Thrombolyse und Thrombektomie

Bei einer Durchblutungsstörung kann innerhalb der ersten 4,5 Stunden eine medikamentöse Therapie (Thrombolyse) erfolgen, um das Blutgerinnsel aufzulösen und die Versorgung des Gehirns wiederherzustellen. Vor jeder Thrombolyse muss jedoch eine Blutung im Gehirn mittels CT ausgeschlossen werden.

Bei schweren Durchblutungsstörungen kann eine Thrombektomie durchgeführt werden. Dabei wird ein Katheter bis vor den Thrombus geschoben und das Gerinnsel mit einem Drahtseilgeflecht (Stent) herausgezogen. Dieser Eingriff erfordert hohe medizinische Expertise und muss schnellstmöglich erfolgen.

Frührehabilitation

Um Schlaganfallpatienten möglichst schnell und gut wiederherzustellen, beginnt direkt ab Tag eins auf der Stroke Unit die Frührehabilitation. Ziel ist es, schon im Krankenhaus die Schäden mithilfe von Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie zu minimieren.

Schlaganfallrisiko: Vorbeugung ist möglich

Je mehr Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen, Diabetes oder Herzrhythmusstörungen vorliegen, desto höher ist das Schlaganfallrisiko. 70 Prozent aller Schlaganfälle lassen sich durch Diagnostik, Behandlung und einen gesunden Lebensstil vermeiden.

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Risikofaktoren und Prävention

  • Bluthochdruck: Regelmäßige Kontrolle und medikamentöse Einstellung
  • Rauchen: Verzicht auf Nikotin
  • Diabetes: Gute Blutzuckereinstellung
  • Herzrhythmusstörungen (z.B. Vorhofflimmern): Behandlung zur Vermeidung von Blutgerinnseln
  • Übergewicht: Gewichtsreduktion durch gesunde Ernährung und Bewegung
  • Bewegungsmangel: Regelmäßige körperliche Aktivität
  • Fettstoffwechselstörungen: Behandlung zur Senkung des Cholesterinspiegels
  • Alkoholkonsum: Moderater Konsum oder Verzicht

Warnsignal "Mini-Schlaganfall" (TIA)

Vorübergehende neurologische Ausfallerscheinungen wie Lähmungen sowie Sprach- und Sehstörungen sollten ernst genommen werden. Eine transitorische ischämische Attacke (TIA) ist quasi ein "Mini-Schlaganfall" und eine Vorwarnung. Bis zu 20 % dieser Patienten erleiden innerhalb der nächsten drei Monate einen großen Schlaganfall. Dieser lässt sich durch richtige Diagnostik und Therapie vermeiden.

Neuroplastizität: Die Fähigkeit des Gehirns zur Selbstheilung

Schäden im Gehirn sind fatal, doch das Gehirn besitzt die Fähigkeit, sich selbst zu helfen. Der Prozess der Neuroplastizität ermöglicht es Nervenzellen, sich neu zu organisieren und geschädigte Funktionen zu kompensieren. Nach einem Schlaganfall beginnen die überlebenden Nervenzellen, sich anders zu verknüpfen. Sie bilden Fortsätze (Axone), die aussprießen und sich über Synapsen mit anderen Nervenzellen verbinden. Das Gehirn bildet quasi "Ersatzkabel", um die ausgefallenen Funktionen zu übernehmen.

Faktoren, die die Neuroplastizität beeinflussen

  • Ausmaß der Verletzung: Kleine Schäden können besser kompensiert werden als große
  • Ort des Geschehens: Schäden in bestimmten Hirnarealen lassen sich besser ausgleichen als in anderen
  • Zeitlicher Verlauf von Schädigung und Reha: Eine frühzeitige und intensive Rehabilitation fördert die Neuroplastizität
  • Alter des Patienten: Jüngere Patienten haben oft eine höhere Plastizität als ältere

Unterstützung der Neuroplastizität durch Technologie

Die Stimulation mit Magnetfeldern (Magnetstimulation) kann die Reparatur des Gehirns nach einem Schlaganfall unterstützen. Das magnetische Feld aktiviert oder hemmt ausgewählte Hirnareale, was die Hirnregeneration in die richtigen Bahnen lenkt. Intelligente Orthesen können ebenfalls helfen, die Neuroplastizität zu fördern. Sie übertragen Hirnimpulse an die gelähmten Gliedmaßen und helfen dem Gehirn, die Koordination wieder selbst zu lernen.

Die Rolle der Forschung und personalisierten Medizin

Die Forschung spielt eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung der Schlaganfallbehandlung. Wissenschaftler untersuchen die Mechanismen der Neuroplastizität und entwickeln neue Therapien zur Unterstützung der Hirnregeneration. Die Neurologie bewegt sich zunehmend in Richtung personalisierter Medizin. Ziel ist es, schon vor der Therapie zu wissen, von welchen Maßnahmen ein Betroffener besonders profitieren wird.

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